shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Feste feiern

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In dem Unternehmen, für das ich bis kürzlich tätig war gehörte die Teilnahme an bestimmten Festlichkeiten zu den unausgesprochenen Pflichten der Mitarbeitenden. Wer auf der Weihnachtsfeier oder der Geburtstagsparty des obersten Chefs ohne eine Entschuldigung wie Krankheit oder Urlaub fehlte, konnte sich auf die Kündigung vorbereiten. Dazu zählten auch Ereignisse wie die Hochzeit der Tochter des Chefs o.ä.. Grundsätzlich war es erwünscht, den Partner oder die Partnerin zu solchen Ereignissen mitzunehmen, wobei ganz klar hierarchisiert war, was welche Art von Partnerschaft zählte: An erster Stelle kamen die verheirateten Leute, möglichst mit Kind. An zweiter Stelle in der Hierarchie der sozialen Wertschätzung, die nichts mit der realen Dienststellung im Unternehmen zu tun hatte, kamen die Leute, die in fester Dauerbeziehung ohne Trauschein lebten. Schwule mit Partner rangierten noch einmal etwas darunter, man schaute sie komisch an, akzeptierte sie aber; man könnte auch sagen: Akzeptanz mit Vorbehalt. Leute wie ich, die komplett solo waren, waren irgendwie peinlich, das konnte man nicht verstehen. Schlusslicht.

Für mich, der ich aus einer Welt in das Unternehmen kam, in der WGs mit Gemeinschaftskasse und offene Zweierbeziehungen mit erlaubten Seitensprüngen das role model waren, für sich selbst und nicht auch für die Wohngenossen einkaufen schon als übler faux pas und als eigentlich eine soziale Verhaltensstörung galten und passagere lesbische Phasen bei heterosexuellen Frauen als chic und PC galten waren diese Unternehmensfeiern mit ihrem hartkonservativen Hintergrund, obwohl ich sie selber teilweise ausrichtete, immer so etwas wie ethnologische Feldforschung in der Fremde. Bin gespannt, wie es beim nächsten Arbeitgeber wird. Hoffentlich lockerer…

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4 Antworten

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  1. Ich hatte in meinem Berufsleben nicht allzu viele Stellen. So etwas ist mir erspart geblieben. Früher – in kleineren Firmen – habe ich immer sehr gerne an den paar Festen teilgenommen. Eigentlich war es ein Fest, nämlich die Weihnachtsfeier. Es ging oft bis in den frühen morgen. Daran habe ich nur positive Erinnerungen. In meiner jetzigen Firma gibt es auch eine Weihnachtsfeier. Das sind mir aber zu viele Leute. Also gehe ich nicht hin.

    Horst

    6. Februar 2009 at 17:27

  2. Es kommt halt darauf an, wie ritualisiert das Ganze ist. Die Faustregel je kleiner, desto netter mag schon hinkommen, aber es ist immer auch eine Frage der Unternehmenskultur. Und die Firma, die ich da im Auge habe ist ein patriarchal geführtes Großunternehmen mit stockkonservativen Chefs.

    chezweitausendeins

    7. Februar 2009 at 16:45

  3. Sind schon gräßlich, diese Zwangsfeiern.
    Aber ich sehe, selbst in stockkonservativen Kreisen ist man schon modern geworden: feste Dauerbeziehung ohne Trauschein, und schon gar schwule Partnerschaften, das war noch in meiner letzten Arbeitsstelle (allerdings 13 Jahre her) bei solchen Veranstaltungen nicht drin. Allerdings war man da dafür als Single nicht so diskriminiert – weil vorausgesetzt wurde, dass natürlich zu Hause ein/e Partner/in saß, und wenn nicht, ging das auch niemand an…
    Ich wünsche Dir eine nettere Atmosphäre auf Deiner neuen Stelle.

    eule70

    11. Februar 2009 at 1:25

  4. Danke sehr, wird sich wohl bald entscheiden, was daraus wird.

    chezweitausendeins

    11. Februar 2009 at 15:42


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