shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Zur kulturellen Verortung oder was man so liest und schaut

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Wenn ich in anderen Blogs so lese, was dort wiederum gelesen wird und welche Fernsehprogramme für relevant erachtet werden fallen mir mitunter gewaltige Diskrepanzen ein. Momorulez zum Beispiel hat ein ganz anderes Verhältnis zu Sendungen, zu denen ich teilweise gar nichts sagen kann, wo ich aber auch nicht auf die Idee kommen würde einzuschalten (Deutschland sucht den Superstar etwa). Zum Anderen hat er scheinbar keinerlei Bezug zum größten Teil der Romanliteratur, die ich so lese. Don besitzt erst gar keinen Fernseher und bewegt sich hinsichtlich der Literaturrezeption zwischen dem Barock und Tucholsky, Frau Modeste findet die deutsche Nachkriegsliteratur vor den 90ern, also Böll, Bamm, Bachmann, Johnson, Grass und so weiter fast durch die Bank schlecht, kann aber mit Christian Kracht wieder etwas anfangen, den ich ja eher unter Irrungen/Wirrungen verbuchen würde – nein, nicht mit Fontane vergleichen, sondern voll daneben finden. Mein weiteres Lebensumfeld bzw. alt angestammter Freundeskreis hat so einen gewissen gemeinsamen Fundus, der in meiner Lebenswelt fast als Standard gilt. Da lesen die meisten Leute moderne historische Romane wie „Die Säulen der Erde“, „Die Varus-Legende“, „Das Blut der Könige“ oder „Der 77. Grad“. Science fiction und Fantasy, vor allem in ihren satirischen Varianten sind viel frequentiert, und Douglas Adams, Terry Pratchett und Walter Moers gehören ebenso zur Allgemeinbildung wie Asterix, Donald, japanische Mangas oder französische, spanische und italienische Erwachsenencomics. Cineastisch teilt sich mein Umfeld in eine Fraktion, die praktisch nur Autorenfilme sieht und Hollywood boykottiert (Ich habe tatsächlich Freunde, die mit den Namen Bruce Willis und Denzel Washington nichts anfangen können) und eine Gruppe, die auf harte Actionfilme abfährt und Arnie ebenso kultet wie Alien, Matrix, Star Trek und James Bond. Na ja, und ich bin mitten dazwischen, habe mir auch Titanic angetan, liebe andererseits Godard, Bunuel, Yilmaz Günay, solch gänzlich unbekannte Filme wie das kurdische Guerrilla-Drama „Ein Lied für Beko“ oder „Eine Saison in Hakkari“ und habe gerade mit Begeisterung „Buddenbrooks“ und „Effi Briest“ gesehen. Und natürlich sind auch der „Herr der Ringe“ und der „Goldene Kompass“ Kult. Eine besondereSchwäche habe ich für opulente Naturfilme wie Attenborough oder Fothergill sie machen (Top Act: „Blauer Planet“), während ich mit der deutsche Fernsehunterhaltung auf privaten Kanäle so wenig anfangen kann, dass mir die Sätze „Ich bin ein Star! Holt mich hier raus!“ auf einem Blog nicht mehr sagten, als es jetzt vielleicht eine Sentenz auf Tagalok oder Kiowa getan hätte – buchstäblich überhaupt nichts. Es sollte jedoch niemand auf die Idee kommen, mich anzurufen, wenn „Tatort“ läuft. Und nun frage ich mal einfach in die Runde: Wie schaut das bei Euch so aus?

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Written by chezweitausendeins

17. Februar 2009 um 13:57

5 Antworten

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  1. Im Großen und Ganzen ähnelt meine „kulturelle Verortung“ Deiner – womit ich wohl zum Standard Deiner Lebenswelt gehöre. Beim Lesestoff Science Fiction und Fantasy, daneben historische Romane, und, leicht abweichend von Deinem „Kanon“, Kriminalromane. Douglas Adams, Terry Pratchett und Walter Moers gehören auch in meinem Umfeld zur „Allgemeinbildung“, Asterix, Donald Duck auch, japanische Mangas oder französische, spanische und italienische Erwachsenencomics bei viele Freunden ebenfalls. Hinzu kommen anglo-amerikanische Erwachsenencomics, z. B. Vertigo. Auffällig viele Menschen meines Bekanntenkreises schätzen Superheldencomics, noch mehr Rollenspiele. (Ich muss z. B. bei Mangas passen und meine Kenntnisse moderner Erwachsenencomics sind ebenfalls rudimentär – abgesehen von einigen francobelgischen SF-Comics. Mit den Comics aus dem „Vertigo“-Spektrum bin ich da schon besser vertraut. Von den Superhelden fand ich immer nur Batman und Spiderman „cool“. Rollenspieler bin ich seit einigen Jahren nicht mehr.)
    Cineastisch fehlt in meinen Umfeld die Autorenfilm-Fraktion fast völlig. Und auch bin, obwohl kein Verächter des Autorenfilms, eher am Unterhaltungskino orientiert – Alien, Matrix, Star Trek und James Bond gehören auch für mich zum „Grundkanon“. “Buddenbrooks” ist Muss (schon weil mein Bruder da als Kleindarsteller mitgewirkt hat 😉 – nein, er ist gut gemacht, unterhaltsam und tut dem Original zumindest keine Gewalt an, was bei Literaturverfilmungen keine Selbstverständlichkeit ist). „Herr der Ringe“ und der „Goldene Kompass“ sind auch für mich Kult, wobei ich allerdings nach wie vor der Ansicht bin, dass Tolkien im Grunde unverfilmbar ist, und der „Goldene Kompass“ eher eine Karikatur der Romanvorlage darstellt. Ja, ich gehöre zu den Typen, die bei einer Verfilmung stets das verfilmte Buch im Hinterkopf haben.
    Deine Schwäche habe ich für opulente Naturfilme teile ich, wie ich überhaupt gut gemachte Dokumentarfilme und Dokumentationen schätze, während ich auch mit der deutschen Fernsehunterhaltung – einschließlich der meisten Serien – herzlich wenig anfangen kann.

    MartinM

    17. Februar 2009 at 19:40

  2. Che, kannst Du bitte Hinweise auf Tätigkeiten meinerseits im wahren Leben da rauslöschen? Oder willste noch Namen und Adresse hinterherposten? Selbst wenn sich regelmäßige Mitleser das denken können – ich verweise ja auch nicht auf Deine letzten Beschäftigungen. Kann ja sonst auch mal Hypothesen über Dein „unverkrampftes Verhältnis“ zu irgendwas aus Deinem Job herleiten.

    momorulez

    17. Februar 2009 at 19:47

  3. Oh, entschuldige bitte. Ich habe es oben umeditiert, ich hoffe, es ist für Dich so okay. Nichts für ungut!

    chezweitausendeins

    17. Februar 2009 at 23:24

  4. Wenn nicht, sag bitte Bescheid!

    chezweitausendeins

    17. Februar 2009 at 23:38

  5. Ja, so in Ordnung.

    momorulez

    18. Februar 2009 at 0:05


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