shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Archive for Juni 2009

Hans heißt die Kanaille!

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Bei Che http://che2001.blogger.de/stories/1424929/#comments meint Saltoftheearth, Professor Sinn habe schon immer mit dem Herzen reguliert. Dazu das Folgende.

Neben interessanten Juden-Vergleichen, die aufhorchen ließen, verdient Prof. Sinn auch Beachtung als Vertreter jener Mentalität eines Schmierenopportunismus, der auch nach der „Wende“ schon immer SED-kritisch, und nach ’45 schon immer im Widerstand war. Dafür ist sein jüngstes Buch der Beleg, für nichts anderes. Und was den „Laschheitswettbewerb“ der Regulierung betrifft, den Sinn konstatiert, hätte man das bereits seit Jahren bei Albrecht Müller und auf seiner Website nachlesen können. Dass Sinn auch am Kieler Institut die dort herrschende Lehre nachgebetet hat, verwundert nicht. Wenn morgen um 14 Uhr am Standort D der Realsozialismus eingeführt wird, erklärt Professor Sinn um 15 Uhr, dass er schon immer für die Planwirtschaft war.

Seit Sinn das bis dahin strikt sachliche Ifo-Institut durch, ähm, aktive Personalpolitik auf stramm neoliberal getrimmt hatte, kenne ich die Folgen dieser Sorte Wissenschaft. Bis dahin nämlich waren die Zahlen und Analysen des Instituts eine meiner unverzichtbaren Arbeitsgrundlagen für Situationsanalyse und Prognostik sowie für Strategieempfehlungen hinsichtlich Produktentwicklung, Marketing und Personalentwicklung; dies alles hauptsächlich für Klienten der Branchen Finanzdienstleistungen, Energie, Touristik. Ab Sinn war das nur noch bedingt brauchbar.

Seit 10 Jahren jodelt diese INSM-Tröte uns einen vor mit Deregulieren, Flexibilisieren, Privatisieren. In zahllosen TV-Auftritten und Interviews hat er stets und ausnahmslos genau das vertreten, und jeden, der auch nur die Worte „… und Verluste werden sozialisiert“ gebrauchte, als Linksdeppen hingestellt, der nichts von Wirtschaft versteht. Genauso wurde abgebügelt, wer vor den Gefahren der Finanzmärkte warnte. Als ausgewiesener Apologet des Gleichgewichtskäses durfte er die Warnungen gar nicht ernst nehmen.

Wo war denn der knallharte Durchregulierer Sinn, als Steinbrück und Asmussen die Finanzmarktliberalisierungsgesetze machten? Ein Pieps von ihm in Richtung Bankenregulierung, und es hätte in jeder Zeitung gestanden.
Hab ich aber nix gelesen von.

Wieso sagte er nicht, wenn er es doch meinte: ‚Lafontaine und Attac gehen mir in den Handlungsempfehlungen zwar zu weit, aber in der Warnung von den Finanzmarktgefahren haben sie nicht ganz Unrecht.‘ Die Medien hätten sich überschlagen.
Hab ich aber nix gelesen von.

Wie durch einen masochistischen Magnetismus gesteuert habe ich kaum eine Sendung mit ihm versäumt, und wenngleich allein schon der Schlichtheit seiner Denkungsart ausgesetzt zu sein ein starkes Motiv für Alkoholmißbrauch ist, saß ich doch nie so besoffen vor der Glotze, um nicht zu merken, dass er seinen Ruf als führender Freimarktskrakeeler zurecht besitzt.

Dass er, wie unserem Salt träumte, „für einen starken staatlichen Ordnungsrahmen plädiert“ hat, habe ich kein einziges mal von ihm gehört.

Wohl aber hörte ich Jahr um Jahr seine Drehleier
– vom standortschädlichen Kündigungsschutz,
– vom standortschädlichen Sozialstaat,
– vom standortschädlichen Arbeitsrecht,
– vom standortschädlichen Tarifrecht,
– von den standortschädlichen „hohen Gewerkschaftslöhnen, an denen der Arbeitsmarkt krankt“,
– von der Stärkung des Standorts durch Hartz 4,
– von der Stärkung des Standorts durch „Öffnungsklauseln“,
– von der Stärkung des Standorts durch Arbeitszeit rauf und Löhne runter,
– von der Stärkung des Standorts durch konsequente „Angebotsorientierung“.

Er war der Paladin der Standorthetze. Der Standort mußte schlecht geredet werden, um den abhängig Beschäftigten mit noch größerem Anlauf in den Arsch treten und immer neue Zumutungen aufbürden zu können. Zu diesem Zweck erfand das professorale Mietmaul die „Basarökonomie“: Die Erfolge der Exportwirtschaft seien kein Zeichen der Stärke des Standorts D, weil deren Produktion sowieso bloß auf im Ausland zusammengekauften Vorprodukten bestehe. Hätte er das einem südwestdeutschen oder ostwestfälischen Maschinenbauer ins Gesicht gesagt, hätte der nicht mehr nur verbal reagiert.

Aber dieses Sprüchelchen hält der Professor seit Krisenausbruch fein zurück, weil der Einbruch der Exporte nun auch Menschen mit begrenztem Einblick in die Wirtschaft die Substanz der sog. „Basarökonomie“ vor Augen führt.

Dieser inkompetente Hampelsack, der die Ursache der Krise in einem – Oh Jahrhundert, oh Wissenschaft! – „anonymen Systemfehler“ (!) sieht, und damit zeigt, wie man schöner eine wissenschaftliche Insolvenzerklärung nicht mehr abgeben kann, hätte in Sack und Asche zu gehen und mit hochrotem Kopf die nächste Ecke aufzusuchen.

Ich habe mich geirrt. Wofür ich eingetreten bin, war falsch. Ich überdenke meine widerlegte Wirtschaftstheorie. Ich empfinde Mitverantwortung für die gegenwärtige Situation. Ich habe gefehlt. Ich entschuldige mich beim deutschen Volk.

Hätte er Eier in der Hose, hätte er das gesagt. Aber er hat ja keine.

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Written by Noergler

29. Juni 2009 at 16:08

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Einkommensteuer: regelmäßige Enteignung?

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Zusammen mit einer bunten Liste an Schöpfungen und Schröpfungen, die überwiegend den Konsum betreffen, ergibt das einen phänomenalen Befund: Voll ausgebaute Steuerstaaten reklamieren jedes Jahr die Hälfte aller Wirtschaftserfolge ihrer produktiven Schichten für den Fiskus, ohne dass die Betroffenen zu der plausibelsten Reaktion darauf, dem antifiskalischen Bürgerkrieg, ihre Zuflucht nehmen. Dies ist ein politisches Dressurergebnis, das jeden Finanzminister des Absolutismus vor Neid hätte erblassen lassen.

Peter Sloterdijk, FAZnet

Written by ring2

26. Juni 2009 at 11:32

Steht der Iran vor einer neuen Revolution?

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Bezeichnend, dass sich in der Blogwelt bislang eher wenige Leute dazu Gedanken zu machen scheinen, außer halt IranerInnen.

Zur historischen Schwäche der Linken

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Niemals war, zumindest hierzulande, die Linke als historische Kraft so schwach wie in den letzten Jahren, in der Defensive aber ist sie seit knapp zwei Jahrzehnten. Die Bonner Wende 1982 leitete eine Entwicklung ein, welche die Erfolge und Modernsierungseffekte, die 67er und Brandt´sche Reformpolitik erreicht hatten, kanalisieren und eindämmen, langfristig auch da, wo sie nicht zu einer Effektivierung des Kapitalismus führten, sondern soziale Forderungen über das Bestehende hinaus hervorbrachten rückgängig machen sollte. Der Rollback wäre auch ohne Kohl gekommen, denn schon Schmidt hatte mit NATO-Doppelbeschluss und Rotstiftpolitik die Grundlagen geschaffen. wahrscheinlich war es funktionaler für das System, wenn die FDP putschte und eine schwarzgelbe Regierung die Drecksarbeit erledigte, verhindete dies doch einen Linksruck innerhalb der SPD, deren Basis schon damals gegen Schmidt rebellierte. Eine SPD in der Opposition wirkte auch stabilisierend hinsichtlich der damals ja als Massenbewegung auftretenden Neuen sozialen Bewegungen, die sich mit einer SPD an der Regierung nicht für sozialdemokratische Politik vereinnahmen hätten lassen und möglicherweise sich radikalisiert hätten. Wi9e auch immer, den eigentlichen neoliberalen Durchmarsch nahm dann erst ausgerechnet Gerhard Schröder vor und brachte mit HartzIV und Dauerauslandseinsätze der Bundeswehr seine Partei politisch und moralisch auf den Tiefpunkt. Ich bin ja durchaus der Auffassung, dass sich trotz „geistig-moralischer Wende“ die westdeutsche Gesellschaft während der Achtziger durchaus noch nach links entwickelte, aber diese Entwicklung ist mit fortschreitender Tendenzen zur Entmündigung ganzer Bevölkerungsteile und einer repräsentativen Kulturpolitik für die Eliten einerseits und dem tittytainment des Unterschichtenfernsehens andererseits nachhaltig umgedreht.

Wenn ich da ein paar Blogs weiter immer noch etwas darüber lese, dass diese Gesellschaft von der Linken dominiert sei, es einen linken Mainstream in den Medien gäbe usw. frage ich mich, ob gewisse Autoren noch bei Verstand sind.

Written by chezweitausendeins

13. Juni 2009 at 17:07

Wie durch das deutsche Volk der Kapitalismus einmal in die Klemme geriet, und die Studenten ihm herausgeholfen haben

with 15 comments

In seinem Eröffnungseintrag – http://che2001.blogger.de/stories/1415364/#comments – bezieht Che sich auf einen Artikel von Götz Aly in der „Zeit“, der, wie Dean zeigt, auch Richtiges enthält. Jedoch finden wir auch schräge Gedanken, die Aly erst seit einiger Zeit hegt:

1. Seine Darlegungen entbehren der Trennschärfe zwischen APO und den Verfallsformen, zu denen auch der maoistische Aly gehörte. Die knackhart autoritären K-Gruppen, der MSB Spartakus (dem Aly eine „massenhafte Hinwendung westdeutscher Studenten“ andichtet, vermutlich, weil die Mitgliederzahlen seiner „Roten Hilfe“ noch kümmerlicher waren als die des MSB) mitsamt RAF gehen für ihn einigermaßen harmonisch aus der gerade andersherum gestrickten APO hervor. Eben darum gingen dann Streit und Zerfall. Aly wird von seinen autoritären Dämonen eingeholt, und bekämpft sie, indem er deren Gegenteil für sie haftbar machen will.

2. Aly und Eva Herman machen den gleichen Fehler: Statt bei gesellschaftlichen Entwicklungen hinzugucken, ob deren Ursache nicht in zeitlicher Nähe zur Wirkung liegt, um erst dann, wenn man nicht fündig wird, weiter in der Geschichte zurückzugehen, sucht Herman die Gründe für das von ihr Beklagte nicht in gesellschaftlichen Prozessen der letzten 20 Jahre, sondern sie muß ein halbes Jahrhundert zurückgreifen, um „die 68er“ anzupissen, die angesichts der gigantischen Wirkung und Fernwirkung, die Herman ihnen zuschreibt, alle Gründe hätten, um noch nachträglich größenwahnsinnig zu werden.

Ebenso braucht Aly ein halbes Zurück-Jahrhundert, um mit faustisch-deutschem Tiefsinn Verbindungen zwischen NSDAP und APO zu knüpfen. Dabei liegt die Erklärung in der damaligen Gegenwart der 60er Jahre. Auch bei Aly ist zu sehen, wie jegliche „68er“-Interpretation in die Wüste läuft, wenn die Erklärung nicht aus den Zeitumständen selbst erfolgt:

Die APO bewirkte viel – nur nicht das, was sie wollte

Die altbacken gewordenen Ergebnisse der Adenauerschen Betonzeit waren für den Wirtschaftsstandort D nicht mehr funktional. Die Zeiten waren vorbei, indem man anstelle des VW-VV Nordhoff auch einen Schimpansen hätte nehmen können, bei unverändertem Unternehmenserfolg. Von ’66 auf ’67 hatte sich die Arbeitslosenquote verdreifacht, Indiz für die Verwertungsprobleme des Fordismus, der bis dahin durch die für ihn typische Masseneinsaugung von Arbeitskraft per Kfz- und Haushaltsgeräteproduktion die Mehrwertrate hochhielt bei gleichzeitiger die Mehrwertmasse steigernder quantitativer Ausdehnung der Produktion.

Während die Verwertungserfordernisse des Kapitals sich geändert hatten, steckte das kollektive Selbstbewußtsein der Deutschen in der Wirtschaftswunder-Vergangenheit fest. Wie so oft waren es gerade die Freunde der Marktwirtschaft, welche die Dynamik des Marktes unterschätzt und übersehen hatten. Während das Volk wie vom Bolzenschußgerät konsumistisch betäubt die samstäglich von Hand durchgeführte Wagenwäsche für den Endzweck der menschlichen Seinsform hielt, und eine jede lebensähnliche Regung von einer Horde Tabus umzingelt war, stank einem Teil der Studenten – zunehmend ab der erst recht betonmäßigen großen Koalition ab ’66 – eine Situation, in der die Feudalherrschaft der Ordinarien Studium, Forschung und Lehre abwürgte, und überdies eine akademische Karriere nur über die Charaktermutation des maximal Hündischen noch ermöglichte.

Wenn das antistudentische Ressentiment tobte, es könne nicht sein, dass ‚die mal unsere Führungselite sind‘, war das insoweit ein Volltreffer, als die Studenten keinen Bock hatten, in den ihnen bevorstehenden Jobs nur die alte dysfunktional gewordene Scheiße zu perpetuieren. Außerdem mußten die alten Säcke in Wirtschaft, Staat und Uni weg, um die lukrativen Jobs erstmal freizuschaufeln.

Die Ursache der APO war ein objektiver gesellschaftlicher Reformbedarf, für den es in Parlament und Bevölkerung jedoch keine Mehrheit gab. Die APO war – entgegen ihren Intentionen – ein innerkapitalistisches Optimierungsprogramm.  Das haben diejenigen bis heute nicht kapiert, die das für die „68er“ selber seit Jahrzehnten erledigte Thema „68“ zyklisch immer wieder aufwärmen, um jedesmal „die 68er“ nun aber und jetzt aber endgültig zu erledigen.

 Die APO wurde so zum meisterledigten Geschichtsphänomen. Auch „Kurras“, da darf man sicher sein, ist noch lange nicht die letzte endgültige Erledigung. Denn das 68er-Erledigen ist augenscheinlich eine Erbkrankheit, da der perennierende Erledigungszwang unmöglich auf einer höheren Gehirnfunktion beruht.

Die wutschnaubenden Erledigungshysteriker merken nicht einmal, dass allein sie es sind, die die Erledigung verhindern. Nur sie, die oberpeinlichen Nachkarter, die stets erneut Schlachten schlagen, die man ohne sie längst vergessen hätte (wie Rambo, der den Vietnamkrieg doch noch gewinnt; auch die „Landser“-Hefte des Bastei-Verlages wären hier zu nennen), gewährleisten die anhaltende Rückgängigmachung des Erledigtseins des längst Erledigten.

Mission accomplished

Denn der Anstoß, den die Gesellschaft brauchte, war 1969 erfolgreich ausgeführt, der Job getan. Die APO endete unweigerlich mit der Erfüllung ihrer historische Aufgabe.

Götz Aly wehklagt zurecht über das K-Gruppen-Sektierertum, das sein eigenes war, aber er kann es nicht erklären, weil er die APO falsch erklärt. Immer wenn er nicht mehr weiterweis, greift er reflexhaft zu den Nazis als einer Wunderwaffe der historischen Interpretation, so, wie Herman zu den 68ern greift. Ohne Nazis und 68er kämen Götz & Eva, verschroben wie sie sind, überhaupt nicht mehr zurecht.

Die K-Gruppe als gelebter Irrealis

 Wenn eine Aufgabe über den Zeitpunkt ihrer Erledigung hinaus betrieben wird, gewinnt der unlösbare Widerspruch von Vorbei und trotzdem Weitermachen notwendig die Verlaufsform der Gewaltförmigkeit. Gewaltförmig ist zuallererst der Umgang mit der eigenen Intellektualität: Je simpler die Erklärungsmuster, um so besser ihre Eignung als zwanghafte Identitätsstifter im kognitiv dissonanten unlösbaren Widerspruch. Je schärfer der Widerspruch, um so härter die Doktrin, die ihn ausblendet, und um so sektiererischer die Gruppe, die das vertritt.

Etwas zu tun, das schon getan ist, bedeutet eine Existenz außerhalb der Wirklichkeit. Da die immense Verdrängungsleistung nie ganz gelingt, bedarf es einer Rückversicherung in der Realität. Das war die Ursache der Identifikation mit Realentitäten in Gestalt existierender Nationalstaaten, China, UdSSR, und es ist heute die Ursache der Anlehnung der Anlehnungsbedürftigen an USA und Israel.

Es ist keine Dankbarkeit unter den Menschen

Den Muff unter den Talaren hatte die APO erfolgreich ausgelüftet. Die Ordinarienuniversität war sturmreif geschossen und wurde ersetzt durch das, was Anfang der 70er die APO-Altkämpfer mit Zorn die „technokratische Hochschulreform“ nannten, sofern sie nicht akademische Karriere machten, da nun neue Dozenten in Armeestärke einrücken durften. Diese Hochschulreform war ihrerseits der frühe Vorbereitungsschritt für die aktuelle Drittmittelvernuttung der deutschen Universität.

Deshalb eine Ermahnung an alle reaktionären Scheißer, Freunde des Terrors der Ökonomie und sonstige 68-Hysteriker: Statt immer nur Schelte wäre ein wenig Dankbarkeit durchaus angebracht.

Written by Noergler

1. Juni 2009 at 18:10

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