shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Hans heißt die Kanaille!

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Bei Che http://che2001.blogger.de/stories/1424929/#comments meint Saltoftheearth, Professor Sinn habe schon immer mit dem Herzen reguliert. Dazu das Folgende.

Neben interessanten Juden-Vergleichen, die aufhorchen ließen, verdient Prof. Sinn auch Beachtung als Vertreter jener Mentalität eines Schmierenopportunismus, der auch nach der „Wende“ schon immer SED-kritisch, und nach ’45 schon immer im Widerstand war. Dafür ist sein jüngstes Buch der Beleg, für nichts anderes. Und was den „Laschheitswettbewerb“ der Regulierung betrifft, den Sinn konstatiert, hätte man das bereits seit Jahren bei Albrecht Müller und auf seiner Website nachlesen können. Dass Sinn auch am Kieler Institut die dort herrschende Lehre nachgebetet hat, verwundert nicht. Wenn morgen um 14 Uhr am Standort D der Realsozialismus eingeführt wird, erklärt Professor Sinn um 15 Uhr, dass er schon immer für die Planwirtschaft war.

Seit Sinn das bis dahin strikt sachliche Ifo-Institut durch, ähm, aktive Personalpolitik auf stramm neoliberal getrimmt hatte, kenne ich die Folgen dieser Sorte Wissenschaft. Bis dahin nämlich waren die Zahlen und Analysen des Instituts eine meiner unverzichtbaren Arbeitsgrundlagen für Situationsanalyse und Prognostik sowie für Strategieempfehlungen hinsichtlich Produktentwicklung, Marketing und Personalentwicklung; dies alles hauptsächlich für Klienten der Branchen Finanzdienstleistungen, Energie, Touristik. Ab Sinn war das nur noch bedingt brauchbar.

Seit 10 Jahren jodelt diese INSM-Tröte uns einen vor mit Deregulieren, Flexibilisieren, Privatisieren. In zahllosen TV-Auftritten und Interviews hat er stets und ausnahmslos genau das vertreten, und jeden, der auch nur die Worte „… und Verluste werden sozialisiert“ gebrauchte, als Linksdeppen hingestellt, der nichts von Wirtschaft versteht. Genauso wurde abgebügelt, wer vor den Gefahren der Finanzmärkte warnte. Als ausgewiesener Apologet des Gleichgewichtskäses durfte er die Warnungen gar nicht ernst nehmen.

Wo war denn der knallharte Durchregulierer Sinn, als Steinbrück und Asmussen die Finanzmarktliberalisierungsgesetze machten? Ein Pieps von ihm in Richtung Bankenregulierung, und es hätte in jeder Zeitung gestanden.
Hab ich aber nix gelesen von.

Wieso sagte er nicht, wenn er es doch meinte: ‚Lafontaine und Attac gehen mir in den Handlungsempfehlungen zwar zu weit, aber in der Warnung von den Finanzmarktgefahren haben sie nicht ganz Unrecht.‘ Die Medien hätten sich überschlagen.
Hab ich aber nix gelesen von.

Wie durch einen masochistischen Magnetismus gesteuert habe ich kaum eine Sendung mit ihm versäumt, und wenngleich allein schon der Schlichtheit seiner Denkungsart ausgesetzt zu sein ein starkes Motiv für Alkoholmißbrauch ist, saß ich doch nie so besoffen vor der Glotze, um nicht zu merken, dass er seinen Ruf als führender Freimarktskrakeeler zurecht besitzt.

Dass er, wie unserem Salt träumte, „für einen starken staatlichen Ordnungsrahmen plädiert“ hat, habe ich kein einziges mal von ihm gehört.

Wohl aber hörte ich Jahr um Jahr seine Drehleier
– vom standortschädlichen Kündigungsschutz,
– vom standortschädlichen Sozialstaat,
– vom standortschädlichen Arbeitsrecht,
– vom standortschädlichen Tarifrecht,
– von den standortschädlichen „hohen Gewerkschaftslöhnen, an denen der Arbeitsmarkt krankt“,
– von der Stärkung des Standorts durch Hartz 4,
– von der Stärkung des Standorts durch „Öffnungsklauseln“,
– von der Stärkung des Standorts durch Arbeitszeit rauf und Löhne runter,
– von der Stärkung des Standorts durch konsequente „Angebotsorientierung“.

Er war der Paladin der Standorthetze. Der Standort mußte schlecht geredet werden, um den abhängig Beschäftigten mit noch größerem Anlauf in den Arsch treten und immer neue Zumutungen aufbürden zu können. Zu diesem Zweck erfand das professorale Mietmaul die „Basarökonomie“: Die Erfolge der Exportwirtschaft seien kein Zeichen der Stärke des Standorts D, weil deren Produktion sowieso bloß auf im Ausland zusammengekauften Vorprodukten bestehe. Hätte er das einem südwestdeutschen oder ostwestfälischen Maschinenbauer ins Gesicht gesagt, hätte der nicht mehr nur verbal reagiert.

Aber dieses Sprüchelchen hält der Professor seit Krisenausbruch fein zurück, weil der Einbruch der Exporte nun auch Menschen mit begrenztem Einblick in die Wirtschaft die Substanz der sog. „Basarökonomie“ vor Augen führt.

Dieser inkompetente Hampelsack, der die Ursache der Krise in einem – Oh Jahrhundert, oh Wissenschaft! – „anonymen Systemfehler“ (!) sieht, und damit zeigt, wie man schöner eine wissenschaftliche Insolvenzerklärung nicht mehr abgeben kann, hätte in Sack und Asche zu gehen und mit hochrotem Kopf die nächste Ecke aufzusuchen.

Ich habe mich geirrt. Wofür ich eingetreten bin, war falsch. Ich überdenke meine widerlegte Wirtschaftstheorie. Ich empfinde Mitverantwortung für die gegenwärtige Situation. Ich habe gefehlt. Ich entschuldige mich beim deutschen Volk.

Hätte er Eier in der Hose, hätte er das gesagt. Aber er hat ja keine.

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Written by Noergler

29. Juni 2009 um 16:08

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert

9 Antworten

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  1. Der hier ist besser.

    Linksklave

    29. Juni 2009 at 17:09

  2. Schwer zu beurteilen, da ich das von Saltoftheearth verlinkte buch nicht gelesen habe. Aber all die IFO-Mitteilungen, die ich als Marketingberater lesen MUSSTE, unterstützen eher des Noerglers Version.

    che2001

    29. Juni 2009 at 17:33

  3. Der Link von Linkssklave springt direkt zu dem Kommentar von Salt, auf den ich mich beziehe.
    Danke!

    noergler

    29. Juni 2009 at 17:46

  4. Wenn alle ihre Pflicht so gut erfüllen wie unser Linksklave hätte es eine Wirtschaftskrise nie gegeben und wenn doch, warum nicht?

    che2001

    29. Juni 2009 at 18:06

  5. Erstmal vorweg bin ich sicher kein Fan von Hans Werner Sinn.

    Auch bezüglich des anonymen Systemfehlers geb ich dir Recht. Personen, die für diese irrwitzige Liberalisierung der Finanzmärkte jahrelang als ganz dolle Sache vercheckt haben, sollten ihre Fehler zumindest zugeben und sich nicht hinter einem „fingerpointing bringt nix“ verstecken. Sinn argumentiert auch, dass persönliche Schuldzuweisung nix bringt. Dabei gehöhrt er aber offenbar nicht wirklich zu diesen Leuten.
    So hat er bereits 2003 öffentlich vor den Gefahren der Deregulierungen im Bankensektor gewarnt:

    In The New Systems Competition (2003) formulierte Sinn das „Selektionsprinzip“, nach dem der Wettbewerb der Staaten grundsätzlich nicht funktionieren kann, weil die Staaten die Ausnahmen des Wettbewerbsprozesses verwalten. Ein Kapitel des Buches enthält ein Modell der Bankenkrise, in dem gezeigt wird, warum sich die Staaten bei der Regulierung in einen Laschheitswettbewerb begeben und zu geringe Eigenkapitalanforderungen für ihre Banken setzen, was diese zum Glücksspiel anregt. Zu diesem Kapitel hat Sinn in der Zeitschrift „Finanzarchiv“ eine Kontroverse mit liberalen Ökonomen entfacht, in der er seine Forderung nach einer internationalen Harmonisierung und Verschärfung der Bankenregulierung bekräftigte.

    Quelle: Wikipedia

    Sicher hätte er sich lauter äußern können. Krugman hat es getan. Genug – wie wir heute wissen – Vorbeben in Ostasien (inklusive Japan) und Lateinamerika hats seit den 80ern auch gegeben. Da sollte die Volkswirtschaftslehre wirklich mal über der ihre eigenen „Systemfehler“ nachdenken.

    Deinen jakobinistischen Stil mit zahlreichen adHominem Attacken versteh ich kommödiantisch.
    Es bringt aber einfach nix, sich gegenseitig als naives Träumerle zu bezeichnen. Ich mach das jedenfalls nicht.

    Lemmy Caution

    29. Juni 2009 at 18:27

  6. Linkssklave

    Et tu, Noergler?

    Linksklave

    29. Juni 2009 at 20:59

  7. Sorry für das „s“ zuviel! Ein Vertipperle, keine Absicht.

    noergler

    29. Juni 2009 at 21:41

  8. Im Jahr 2001 äußert sich HW Sinn wie folgt (Quelle):

    Natürlich hat der Staat eine wichtige Rolle in der Wirtschaft. Er muss helfen, die Einkommensverteilung weniger ungleich zu machen. Er muss öffentliche Güter anbieten, die die Privaten nicht anbieten können. Er muss auch die Wirtschaft regulieren, um negative Auswirkungen auf Dritte zu verhindern. Aber er muss das alles in Maßen tun, und das richtige Maß hat der Staat weit überschritten.

    HW Sinn sagt also glasklar:

    1. Der Staat soll weniger regulieren
    2. Der Staat soll weniger öffentiche Güter anbieten
    3. Der Staat soll weniger in die Einkommensverteilung eingreifen

    Im Übrigen verlangt Sinn duchgängig:
    4. Die Steuern für Leistungsträger/Unternehmen müssen sinken
    5. Finanziert soll dies werden durch Senkung von Staatsausgaben und Sozialstaat
    6. Niedrigere Sätze für Hartz IV sowie eine ergänzende Arbeitspflicht sind arbeitsmarktpolitisch notwendig
    7. Die Gewerkschaften sind zu mächtig und stören nur
    8. Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen: Löhne runter!
    9. Arbeitnehmerschutzrechte sind ausnahmslos des Teufels
    10. Der Staat darf auch mal keynesianisch zu den Unternehmen sein

    Heute sagt er, dass er sich immer schon für eine stärkere Regulierung ausgesprochen habe. Sorry, mir fehlt der Glaube. Es mag sein, dass er sich in seinen Büchern und Artikeln zurückhaltender und differenzierter äußert, also anders als in Interviews und Talkshows, wo er seine neo“liberale“ Meinungsmache platziert. Mir wurde von MdBs gesagt, dass er sich gegenüber Ansprechpartnern in der Politik deutlich differenzierter äußert.

    Vielleicht haben wir es ja mit verschiedenen HW Sinns zu tun. Da war zum Beispiel auch der HW Sinn, der im Januar 2000 in den Aufsichtsrat der Hypovereinsbank einzog. Ich kann mir kaum denken, dass sich Sinn (sagen wir mal: vor 2007) für eine deutlich schärfere Bankenregulaton eingesetzt hat.

    Salt kennt ihn besser. Und ich irre mich gern. Insofern freue ich mich auf gegenteilige Belege.

    John Dean

    29. Juni 2009 at 22:59

  9. Hier spricht erneut der große Deregulierer (2005):

    Man muss das internationale mobile Kapital hätscheln, wenn man Arbeitsplätze schaffen will“, sagte Sinn. Dazu sei erforderlich, sich als attraktiver Investitionsstandort zu präsentieren und Stärken herauszustellen. Wirtschaft sei keine ethische Veranstaltung. „Wer sich ihr mit moralischen Ansprüchen nähert, hat die Funktionsweise der Marktwirtschaft nicht verstanden.“

    Ein HW Sinn, der sich für den große Begreifer aller wirtschaftlichen Fragen hält, befürwortet hier ganz allgemein Deregulierungen, weil damit Arbeitsplätze geschaffen würden – und nur über Deregulierungen sei der globale Wettbewerb zu bestehen.

    So verstehe ich ihn.

    John Dean

    29. Juni 2009 at 23:16


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