shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Archive for September 2009

Cordula Meyer sagt, wie es nicht ist

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Was diese Frau uns so bietet im SPIEGEL ist schon ein sehr starkes Stück.Muss man eigentlich, um heute beim SPIEGEL erfolgreich schreiben zu können (ich schrieb da auch mal, aber das ist echt lange her und war auch nur kurz) dieses neoliberal/neocon-Neusprech draufhaben?

„Er eignet sich als Galionsfigur für Protestbewegungen gegen die Todesstrafe, gegen Rassismus, gegen Unrecht im US-Justizsystem, gegen Globalisierung, gegen alles, was Linke weltweit an Amerika hassen.“

Wenn ich jetzt mal im Netbitch-Style eine logische Umkehrung anwende, bedeutet das also links=antiamerikanisch, und proamerikanisch sei es, für Todesstrafe, für die US-amerikanische Vergeltungsjustiz, für Globalisierung und Rassist zu sein. Für solches Phrasendenken dürfte in seriösen Medien eigentlich kein Platz sein, das ist Bild-Niveau. Vielleicht sollte sich der SPIEGEl hinsichtlich Journalistendeutsch mal an Dotcomtod orientieren, wo auf Phrasendenken noch regelmäßig die Drohung des Nörglers folgte, eigenhändig in den Häcksler gesteckt zu werden.

Weiter im Text: „Er gehörte zum Umfeld der Kultbewegung Move. Die Mitglieder dieser Schwarzenkommune propagierten die Revolution und das unbedingte Lebensrecht von Kakerlaken. Zum Schluss trugen die Sektierer dann Waffen.“ — Aus der Tatsache, das MOVE zeitweise mit den Positionen radikaler Tierrechtler liebäugelte, wird ein Satz konstruiert, der rein semantisch radikale Schwarze mit langen Rasta-Locken in die Nähe von Ungeziefer rückt. Na ja, und für Ungeziefer gab es ja schon immer die Gaskammer, nicht wahr?

Nicht auf der reinen Faktenebene, sondern in gewissen sprachlichen „Besonderheiten“ liegt das Üble dieses Artikels, dessen Tendenz dann eben auf eine Befürwortung der Todesstrafe für Mumia hinausläuft, aber so geschickt formuliert, dass die Autorin direkt niemand festnageln kann. Und die eigentlichen Hammer-Aussagen kommen dann eben auf Metaebenen, da mit Assoziationen und nicht mit klaren Bekenntnissen zu dem Ungeheuerlichen gearbeitet wird, das da latent mitschwingt. Man kann diesem Kommentar nur zustimmen:

„Was also will nun die Dame Cordula Meyer mit ihrem Geschreibsel? Will sie uns damit vermitteln, daß man den einen Schwarzen ruhig noch vergasen/totspritzen/verbrennen kann, bevor man endlich mal wieder eine ernsthafte Diskussion über „Sinn und Nutzen“ der Todesstrafe in einem „G8-Staat“ anregen kann? Oder wie? Warum kein empörter Artikel über dieses Thema Todesstrafe insgesamt?
So kommt es für mich leider so rüber, wie oben schon erwähnt: Die Frau hat Recht auf ihre Rache, der Schwarze ist schuldig, bringt ihn um!“

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,645083,00.html

Wie die Pfalz wirklich ist

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[Diesen Text schrieb ich am 1.10.2003 auf DotComTod. Die Jahreszeit paßt. Die Links, zB den zur Insolvenzwebsite, habe ich herausgenommen, da sie nicht mehr funktionieren.]

 

Tod im Weinberg

Die Haardt leuchtet. In einem schon kälteren Blau über den Bergen bäumt der Sommer sich auf in einer Erinnerung an ihn selbst. Was aus den Weinpressen schäumt, ist sein Vermächtnis an die Nachwelt, der unverdient die Natur sich schenkt, wenn Hefebakterien die Fructose aufspalten in Kohlensäure und Alkohol.

Jenes höchste Wesen, das wir verehren, hat den Herbst für die Haardt erfunden. Der Duft der gepressten Trauben hängt schwer und betörend in den Gassen. Wir treten hinaus aus dem Ort in die Weinberge, wo jetzt der späte Riesling noch hängt, und wer je sein Gesicht in die noch am Rebstock hangenden Tauben vergrubt, um einzutauchen in die Wollust eines unendlichen Saftes, hierbei der völligen Versauung seiner Kleidung nicht achtend, versteht, warum sie in der Bibel stehen: die Weingleichnisse, -bilder und -metaphern.

Solcher Wanderungen bedarf es zweimal im Jahr: zum zweiten Mal jetzt, und zum ersten Mal Anfang September, vor aller Ernte. Während die Mädels, wofür wir sie doch schätzen, kreatürlich-erdverhaftet genießen, glänzen die Weinfachhengste mit professioneller Traubendiagnostik inmitten der Rebzeilen:

„Hm, mampf, Müller-Thurgau, schmeckt hier schon wie Flachscheiße, kein Wunder daß das in der Flasche erst recht nix wird.“ – „Echt das Letzte!“ – „Den Winzer sollte man an den Haaren durch den Wingert schleifen.“ – „Die Plörre intravenös, bis er blau anläuft!“ – „Ich sag nur: Müll-Thurgau!“ (allgemeine Heiterkeit) Denn alle wissen: Wer bei den verbalen Verachtungsorgien des Müller-Thurgau nicht mitwütet, geht besser nachhause und bleibt auch dort.
30 Meter weiter der Ruf:

„Ey, Leute, Silvaner!“ Hinterher! Kennerische Verkostung.

„Silvaner? Scheint mir doch eher Weißburgunder zu sein, schon vom Geschmack. Und guck auf die Blätter: Gewebestruktur in der Stilbucht. Klar Weißburgunder! Außerdem sehen die Trauben völlig anders aus, na ja, hehe, irgendwie weiß sind sie natürlich alle, huhuu.“

Wir trotten weiter, schlabbern am Proviant, während die Mädels weiter hinten gnickern und gackern. Da! Ein Schrei von vorne:

„Rot! Rot!“

„Waas? Ich werd nicht mehr. Ich dachte, die bauen den Dornfelder nur noch in Banktresoren an.“ *Hechelkeuch*, da es bergauf geht.

„Jaaa! Jetzt fressen wir ihnen den teueren Dornfelder weg!“

„Bin mir nicht so sicher. Von den Trauben her könnte es auch Portugieser oder Spätburgunder sein. Kennt jemand die Blätter?“

„Dornfelderblätter sind dunkelgrün.“

„Äh?“

„Ja, dunkelgrün mit 5 Ecken.“

„Shit! Dann ist es kein Dornfelder. Egal.“

„Es wird ein Wein sein, und wir wern nimmer sein“

So singt der Österreicher, der damit die vom Demiurgen nach dem Gesetz der Selbstähnlichkeit geschaffene Welt beschreibt. Der zyklischen Erneuerung der Natur scheint die ebenso zyklische „Depreziation des Kapitals“ (Marx) zu entsprechen: Zuerst schäumt es gewaltig auf und landet dann im Ausguß wie nur ein Müller-Thurgau oder Huxl, den durch Gier blind gewordene Winzer in der früher nur den Kartoffeln und Runkelrüben vorbehaltenen Ebene anbauen. Der Riesling verweigert sich derlei anti-önologischen Locations, daher ja die Neuzüchtungen, die selbst noch den polaren Nanuk zum Winzer mutieren lassen möchten. Das Gejammer „Es gibt zuviel Wein in der Pfalz“ verkennt, daß es lediglich zu viel schlechten Wein in der Pfalz gibt, da es, seit die Menschheit Wein herstellt, zuviel guten Wein noch nie gegeben hat. Irgendwann, nämlich vor 80 Jahren, haben die Pfälzer Winzer die Richtung nicht mehr gesehen und die Orientierung und den bis dahin von ihnen qua Riesling beherrschten Weisswein-Weltmarkt verloren.

Äch bänn ein Pfälzer

Was da vom globalen Markenbild „Pfalz/Riesling/trocken/Mittelhaardt“ noch übrig blieb, haben sie dann durch die gasgestützte Entfernung der jüdischen Weinhändler endgültig eliminiert, was der Gauleiter Westmark und Hitler-Intimus Joseph Bürckel eigeninitiativ ausführte. Die bis heute bestehende „Deutsche Weinstraße“ entstand durch Bürckels Intervention bei Hitler, weil Büggi sah, wie die von ihm persönlich verauschwitzten Juden (die man aus den Häusern und Villen herausgeprügelt hat, um sich die Häuser und Villen und Unternehmen anzueignen) im Vino-Bizz fehlten. Es fehlten plötzlich die Vollgas-Juden. Während der pfälzische Ex-Weinhändler in Auschwitz einmal tief durchatmen durfte, waren vor Ort die Handelsketten zerbrochen. Ab 1940 war der Weinhandel in der Pfalz zum Erliegen gekommen. Die Winzer rauften sich die Haare, und sie erinnerten sich der Nachtszene, in welcher der Nachbar und seine um Hilfe schreiende Frau verschwanden, ohne daß jemand „Was tun Sie hier?! Halt!“ gerufen hätte. Eine leidenschaftlich glühende Daisy Cutter sollte man denen noch nachträglich in die Weinberge und auf ihre Häuser schmeißen, damit sie die Erfahrung machen dürfen, wie Scheiße es ist, wenn man verreckt.

Denn die Sache ist nicht ausgestanden. Schülerprojektgruppen sind der Vergangenheit nachgegangen. Sie haben sich regional und lokal nicht beliebt gemacht. Doch es geht auch anders:

Komkom, Bübo – Koma

Die Stadt Bad Dürkheim und die GKD Medien präsentierten in den vergangenen Tagen [Tage, die längst vergangen sind; Nörgler] gemeinsam auf der in Mannheim stattfindenden KOMCOM, der bundesweit größten IT-Fachmesse für Kommunen und Stadtwerke, die speziell für Bürgerbüros entwickelte Software „Bübo für Kommunen“.

„Komkom“ und „Bübo“ indizierten bereits sprachlich die infantilitätsbasierte Verwesung, wenngleich man das damals nicht so sah. Damals: Das war der Elevator Pitch in der NTV-Unternehmershow und der „Wirtschaftswoche“-Krakeel von der anderen Ökonomie. Auf den Deutschen, diesen Vorhermitmacherundesnachhernichtgewesenseinwoller, war wie immer Verlaß. Alle waren dabei, auch die Schulen, deren Pflicht der Wahrung von Distanz ihnen als uncool galt.

Tour d’Innovation 2000/2001 – Schülerinnen und Schüler entdecken erfolgreiche Innovationen in ihrer Umgebung
Berufsbildende Schule Bad Dürkheim
StR’in A. Föhner
StR D. Wehrmaker
Im Salzbrunnen 7
67098 Bad Dürkheim
13. Oktober 2001

In der Zeit spielt Dons Roman „Liquide“.

Tour d’Insolvensation

Die „Tour d’Innovation“ ist Teil des Verbundprojektes „Innovationsstimulierung der deutschen Wirtschaft“ (INSTI), das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiiert wurde. Ziel des INSTI-Programmes ist es, das Innovationsklima in Deutschland zu verbessern, wobei den Schulen eine wichtige Aufgabe zukommt. Die Berufsbildende Schule Bad Dürkheim wurde zusammen mit 47 anderen Schulteams für die Tour d’Innovation in einer bundesweiten Ausschreibung ausgewählt. Im Verlauf der rund achtmonatigen Tour sehen sich die Schülerinnen und Schüler in ihrem regionalen Umfeld gezielt nach Innovationen und deren Umsetzung um, erkunden und dokumentieren diese. Im direkten Gespräch mit Erfindern, Unternehmensvertretern und anderen am Innovationsprozess Beteiligten sollen die Schülerinnen und Schüler lernen, wie wichtig Innovationen für die Wirtschaft und Gesellschaft sind.

Nicht erkundet wird derzeit die Wichtigkeit der Insolvensationen, auf deren Bedeutung für das wirtschaftliche Gesamtgeschehen die alte Kommunistensau – „Depreziation des Kapitals“ – doch hingewiesen hatte. Da ist er sich mit Milton Friedman einig: „Lasst diese Airlines doch ruhig Bankrott gehen. (…) Das Verlieren ist fast wichtiger als das Gewinnen.“
Ha! Milti und Charlie Hand in Hand!

Es begab sich zu der Zeit, welche die gülden umglänzte war, obzwar sie da schon fäkales Odeur angenommen hatte, daß Studienrätin Föhner und Studienrat Wehrmaker ihre Schüler in die prospektive Morgue führten, anstatt, wie es ihrem Kultur- und Bildungsauftrag entsprochen hätte, sie Gedichte von Gottfried Benn auswendig lernen zu lassen. Die ihnen hilflos Ausgelieferten werden quer durch die Landschaft der pfälzischen Unternehmerdarsteller geschleift, weil Föhner und Wehrmaker, für deren Namen der Nörgler jede Verantwortung ablehnt, die Zurichtung der Subjekte – deren bildungs- und individuationsferne Reduktion auf Funktionselemente der von gefährlichen Lachnummern wie Rogowski, Keese und Baron vertretenen Partikularinteressen – ins schulische Allgemeininteresse erhoben haben.

Als jenes höchste Wesen, das wir verehren – dessen Entscheidung jedoch, den Höllenplaneten fortexistieren zu lassen, ich zunehmend weniger verstehe -, es dem 27. April 2001 gestattete, an den Himmel zu kommen, nutzte objektive Trolltücke das hierzu:

9. Besuch der Via.net GKD multimedia GmbH am 27. April 2001
Am 27. April 2001 besuchte das Projektteam die Via.net GKD multimedia GmbH, eine Multimedia-Agentur in Bad Dürkheim. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von Internet-Anwendungen spezialisiert. Das Leistungsangebot reicht von der ersten Beratung über die individuelle Konzeption, die kreative Gestaltung und die mit aktuellstem Know-how durchgeführte Produktion bis hin zum fertigen Werbeauftritt. Auch die Entwicklung und Umsetzung von CI-Konzepten, elektronischen Produktkatalogen und Messe-Videos wird realisiert.
Für den Geschäftsführer der Vian.net GKD multimedia GmbH gehört die Online-Präsenz in unserem multimedialen Zeitalter für jedes erfolgreiche Unternehmen einfach dazu. Herr Schellenberg: „Mit der Präsentation im Web lassen sich innovative Marketing- und PR-Strategien umsetzen.“

GKD vor drei Tagen abgesetzt vom Insolvenzgericht Neustadt/Weinstraße

Und was nun, Föhner, Wehrmaker? Kann es sein, daß Sie so weitermachen? Haben Sie Ihre Schüler aufgeklärt und upgedatet? Haben Sie sich bei Ihren Schülern für Ihr Irrläufertum entschuldigt? Glauben Sie im Ernst, wenn’s die Dienstaufsicht nicht sieht, sieht es auch Dotcomtod nicht?

Besinnlicher Ausklang

Im Herbst ist die Pfalz am schönsten. Wer, und sei’s als Einheimischer, anderes behauptet, gar, wie Frauen dies oft tun, den Frühling favorisiert, ist kein Pfälzer, nicht wirklich, nicht mit dem – na ja, mit dem Herzen auch nicht.

Written by Noergler

21. September 2009 at 9:24

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Anmerkungen zum Principium Identitatis

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Der Satz der Identität ist Totalität, weil er formal die Totalität aller wahren und unwahren Sätze ist.

Durch den Satz der Identität allein lassen sich, wie Aristoteles sah, wahre und falsche Sätze nicht unterscheiden. Es lassen sich durch den Satz der Identität jedoch Sätze von Nichtsätzen unterscheiden: Wo keine Prädikation zu einem Subjekt, dort Nichtsatz, und dann eben weder eine wahre noch eine unwahre Aussage. So erweist sich der Satz der Identität als notwendige Bedingung (nicht als hinreichender Grund) der Wahrheit.

Es ist unschwer zu erkennen, dass „A=A“ weniger identitär ist, als es auf den ersten Blick scheint. Denn das A rechts vom Gleichzeichen ist nur das gleiche, nicht dasselbe, identische A, wie das, welches links steht. Sonst würde es auch nicht Gleichzeichen, sondern Selb- oder Ident-Zeichen heißen. (Die Zusammenhänge zwischen Bezeichnetem und Bezeichnendem scheinen so zufällig denn doch nicht zu sein, wie neuerdings bisweilen angenommen.)

Die beiden A sind nicht identisch, sondern unterschieden. Unterscheiden heißt im Griechischen „krinein“. Der Geist ist an sich selbst Kritik, nämlich als Erkenntnis des Unterschiedenen, weil er als naturbeherrschender, als die Differenz zur Natur setzender Geist entstand. Naturbeherrschung ist Identifizierung und Unterscheidung ineins: keine Unterscheidung von der Natur ohne deren Identifizierung.
Wenn ich eine Speerspitze aus hartem Material machen will, empfiehlt sich die Unterscheidung, ob ich dies mit bloßen Händen oder einem Stein mache. Wenn ich mit dem Speer einen Fisch erlegen will, muß ich dahinterkommen, also denken, wieso ich immer vorbeisteche, wenn ich meinen Augen vertraue. (Schon früh haben die Menschen erkannt, dass mit „Empirie“ und „sinnlicher Erfahrung“ nicht viel zu holen ist.) Wenn ich viel mehr Fische fangen will, muß ich das Gehirn einschalten, um auf die Idee mit den Netzen zu kommen. Und wenn mir dann nicht mehr einfällt, als die Konstruktion der Wirklichkeit im Diskurs, werde ich weiterhin die Früchte von den Bäumen lutschen.

Zweck der Naturbeherrschung ist die über die unmittelbare Reproduktion hinausgehende Produktion von Mehrprodukt. Die Produktion des Mehrprodukts setzt den Unterschied zur Barbarei des unmittelbaren Naturzusammenhangs. Darum ist das Mehrprodukt objektivierte Freiheit, und darum führt der Geist, ohne den es die Produktion von Mehrprodukt nicht gäbe, die Bestimmung der Freiheit mit sich – nicht als ausgedachte Philosophenidee, sondern materiell, hemdsärmelig und verschwitzt. (Das ist wohl der Grund, warum idealistische produktionsferne Intellektuelle immer wieder auf komische Ideen kommen.)

Der Satz der Identität ist dem naturbeherrschenden Geist konstitutiv; der Satz und der Geist sind ohne einander nicht zu haben. Er, der Geist wie der Satz, der selber Geist ist – der an sich seiende Geist erhält sich als an sich seiender nur im Bezug auf das, was nicht selbst Geist ist –, ist darum als in sich Unterschiedenes konstituiert. Anders wäre der Satz der Identität leere Identität, Identität von nichts. Identität von nichts ist keine Identität. Die reine Identität – Identität ohne weitere Bestimmung – wäre das Umgeschlagensein von Identität in Nichts. „A=A“ ist nicht reine Identität, sondern die Prädikation (rechtes A) zu einem Subjekt (linkes A).

Freiheit, Geist und Mehrprodukt sind Momente eines Einen, da sie ohne einander nicht wären. Das tertium comparationis, richtiger: quartum comparationis, ist die Differenz zur Natur. Die Differenz zur Natur kann sich aber als Differenz nicht aus sich selbst heraus erzeugen. Das differenzerzeugende Eine, welches bestimmt ist durch die Bestimmungen des Mehrprodukts, des Geistes und der Freiheit, ist Subjekt.
Einen anderen Begriff gibt es dafür nicht, und die Existenz des Subjekts müssen gerade diejenigen anerkennen, die es „dezentrieren“ möchten, denn die Dezentrierung des Subjekts setzt dessen Existenz immerhin voraus.

Ohne den Satz der Identität gibt es keine wahren Sätze, weil es keine Begriffe und keine konsistenten Bezeichnungen gibt. Wenn „Adorno“ auch die Bezeichnung für ein Stück Butter sein könnte, wäre die aktuelle Diskussion gar nicht möglich. (Dass auch ein Damenbindenhersteller „Adorno“ heißen könnte, wäre keine Widerlegung, da wir uns dank des Satzes der Identität darauf verständigen würden, über welchen Adorno wir sprechen.)
Zudem bräche die materielle Produktion augenblicklich zusammen. Wenn der „10er Schlüssel“ nicht identitär ist, kann ich nichtmal ein Rad wechseln.
Insofern ist die Forderung nach „Dezentrierung“ problematisch. Dezentrierung konsequent durchgeführt, und wir würden alle verhungern. Dass anderswo gehungert wird, wäre seinerseits ohne den Satz der Identität nicht aussagbar.
Man sieht hier auch, wie unsinnig das Gerede vom „Eurozentrismus“ ist. Die objektive Geltung des Satzes der Identität ist kulturübergreifend. Denn auch der Buddhist kann seine Denkweise ohne den Satz der Identität gar nicht formulieren.
Das ist ja der Witz an dem Satz: Er gilt auch dann, wenn ich nicht kenne oder ihn bestreite. Das ist Totalität.

„20 Ellen Leinwand = 1 Rock wert“ lautet Marx‘ Modell der einfachen Wertform. Die Ausdrücke rechts und links sind quantitativ und qualitativ unterschieden. Nach Identität sieht das nicht aus, und dennoch muß es etwas geben, das beiden als Gemeinsames zukommt, denn im Tausch findet die Gleichsetzung faktisch statt. Dieses Gemeinsame nennt Marx „Wert“, aus der Analyse dessen Formen schließlich der Begriff des Kapitals entwickelt wird.

„20 Ellen Leinwand = 1 Rock wert“ ist der Satz der Identität buchstäblich, und er ist es mit böser Konsequenz: Während in „A=A“ das grammatisch prädizierende Subjekt das der emanzipierenden Naturbeherrschung ist, verdampft es in der Warenform zu subjektloser Beliebigkeit, denn daß von den 20 Ellen ausgesagt wird, sie sind 1 Rock wert, gilt nur vom Standpunkt des Leinwandverkäufers. Für den Rockverkäufer gilt: „1 Rock = 20 Ellen Leinwand wert“. Wenn aber das Subjekt die Stelle so beliebig wechselt wie die Waren im Tausch, ist Identität des Subjekts nach allem begrifflichen Sinn nicht länger existent: Wenn das Subjekt alles ist, ist es nichts Bestimmtes mehr; es ist Subjekt ohne weitere Bestimmung, und damit nichts.

Subjekt der Warenform ist der im Tausch gesetzte und zugleich ihm zugrunde liegende Wert, dessen quantitative Größe den Austausch regelt, da nur gleiche Wertgrößen getauscht werden. Aus dem Äquivalententausch grinst „A=A“ so höhnisch hervor, wie aus dem automatischen Subjekt das menschliche, dessen Bestimmungen Freiheit, Geist und Mehrprodukt verwirklicht wurden als Bestimmungen seines Gegenteils.

Written by Noergler

17. September 2009 at 15:46

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert

Das Volksentscheid wirds schon richten

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Manchmal hat man den Eindruck, dass die Politik, beispielsweise die in Hamburg-Altona, ganz froh ist, wenn ihnen die differenzierte Auseinandersetzung mit einem Thema von einer, idealerweise zwei sich widerstreitenden Volksbegehren abgenommen wird.

So wie im Fall IKEA Altona.

Written by ring2

17. September 2009 at 11:48

Veröffentlicht in Staat=Markt?

Das Internet-Manifest und seine Gegner

with 12 comments

Es ist lustig,
da machen sich gestandene Blogger und Journalisten ernsthaft nette Gedanken, entwerfen in Asta-esker Gemeinschaft ein Internet-Manifest – und dann werden sie als Berliner Clique beschimpft.
Wie kann das passieren?

Weil die deutsche Bloggerlandschaft eine kleine inzestiöse Mischpoke ist, die Seilschaften und eitlen Feindschaften in Journalisten-Kreisen der 90er Jahre d.l.J. zur Ehre gereicht?

Zuwenig Humor für meinen Geschmack. Zeit für eine Alternative?

Written by ring2

7. September 2009 at 22:25

Veröffentlicht in Das Netz