shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Wie die Pfalz wirklich ist

with one comment

[Diesen Text schrieb ich am 1.10.2003 auf DotComTod. Die Jahreszeit paßt. Die Links, zB den zur Insolvenzwebsite, habe ich herausgenommen, da sie nicht mehr funktionieren.]

 

Tod im Weinberg

Die Haardt leuchtet. In einem schon kälteren Blau über den Bergen bäumt der Sommer sich auf in einer Erinnerung an ihn selbst. Was aus den Weinpressen schäumt, ist sein Vermächtnis an die Nachwelt, der unverdient die Natur sich schenkt, wenn Hefebakterien die Fructose aufspalten in Kohlensäure und Alkohol.

Jenes höchste Wesen, das wir verehren, hat den Herbst für die Haardt erfunden. Der Duft der gepressten Trauben hängt schwer und betörend in den Gassen. Wir treten hinaus aus dem Ort in die Weinberge, wo jetzt der späte Riesling noch hängt, und wer je sein Gesicht in die noch am Rebstock hangenden Tauben vergrubt, um einzutauchen in die Wollust eines unendlichen Saftes, hierbei der völligen Versauung seiner Kleidung nicht achtend, versteht, warum sie in der Bibel stehen: die Weingleichnisse, -bilder und -metaphern.

Solcher Wanderungen bedarf es zweimal im Jahr: zum zweiten Mal jetzt, und zum ersten Mal Anfang September, vor aller Ernte. Während die Mädels, wofür wir sie doch schätzen, kreatürlich-erdverhaftet genießen, glänzen die Weinfachhengste mit professioneller Traubendiagnostik inmitten der Rebzeilen:

„Hm, mampf, Müller-Thurgau, schmeckt hier schon wie Flachscheiße, kein Wunder daß das in der Flasche erst recht nix wird.“ – „Echt das Letzte!“ – „Den Winzer sollte man an den Haaren durch den Wingert schleifen.“ – „Die Plörre intravenös, bis er blau anläuft!“ – „Ich sag nur: Müll-Thurgau!“ (allgemeine Heiterkeit) Denn alle wissen: Wer bei den verbalen Verachtungsorgien des Müller-Thurgau nicht mitwütet, geht besser nachhause und bleibt auch dort.
30 Meter weiter der Ruf:

„Ey, Leute, Silvaner!“ Hinterher! Kennerische Verkostung.

„Silvaner? Scheint mir doch eher Weißburgunder zu sein, schon vom Geschmack. Und guck auf die Blätter: Gewebestruktur in der Stilbucht. Klar Weißburgunder! Außerdem sehen die Trauben völlig anders aus, na ja, hehe, irgendwie weiß sind sie natürlich alle, huhuu.“

Wir trotten weiter, schlabbern am Proviant, während die Mädels weiter hinten gnickern und gackern. Da! Ein Schrei von vorne:

„Rot! Rot!“

„Waas? Ich werd nicht mehr. Ich dachte, die bauen den Dornfelder nur noch in Banktresoren an.“ *Hechelkeuch*, da es bergauf geht.

„Jaaa! Jetzt fressen wir ihnen den teueren Dornfelder weg!“

„Bin mir nicht so sicher. Von den Trauben her könnte es auch Portugieser oder Spätburgunder sein. Kennt jemand die Blätter?“

„Dornfelderblätter sind dunkelgrün.“

„Äh?“

„Ja, dunkelgrün mit 5 Ecken.“

„Shit! Dann ist es kein Dornfelder. Egal.“

„Es wird ein Wein sein, und wir wern nimmer sein“

So singt der Österreicher, der damit die vom Demiurgen nach dem Gesetz der Selbstähnlichkeit geschaffene Welt beschreibt. Der zyklischen Erneuerung der Natur scheint die ebenso zyklische „Depreziation des Kapitals“ (Marx) zu entsprechen: Zuerst schäumt es gewaltig auf und landet dann im Ausguß wie nur ein Müller-Thurgau oder Huxl, den durch Gier blind gewordene Winzer in der früher nur den Kartoffeln und Runkelrüben vorbehaltenen Ebene anbauen. Der Riesling verweigert sich derlei anti-önologischen Locations, daher ja die Neuzüchtungen, die selbst noch den polaren Nanuk zum Winzer mutieren lassen möchten. Das Gejammer „Es gibt zuviel Wein in der Pfalz“ verkennt, daß es lediglich zu viel schlechten Wein in der Pfalz gibt, da es, seit die Menschheit Wein herstellt, zuviel guten Wein noch nie gegeben hat. Irgendwann, nämlich vor 80 Jahren, haben die Pfälzer Winzer die Richtung nicht mehr gesehen und die Orientierung und den bis dahin von ihnen qua Riesling beherrschten Weisswein-Weltmarkt verloren.

Äch bänn ein Pfälzer

Was da vom globalen Markenbild „Pfalz/Riesling/trocken/Mittelhaardt“ noch übrig blieb, haben sie dann durch die gasgestützte Entfernung der jüdischen Weinhändler endgültig eliminiert, was der Gauleiter Westmark und Hitler-Intimus Joseph Bürckel eigeninitiativ ausführte. Die bis heute bestehende „Deutsche Weinstraße“ entstand durch Bürckels Intervention bei Hitler, weil Büggi sah, wie die von ihm persönlich verauschwitzten Juden (die man aus den Häusern und Villen herausgeprügelt hat, um sich die Häuser und Villen und Unternehmen anzueignen) im Vino-Bizz fehlten. Es fehlten plötzlich die Vollgas-Juden. Während der pfälzische Ex-Weinhändler in Auschwitz einmal tief durchatmen durfte, waren vor Ort die Handelsketten zerbrochen. Ab 1940 war der Weinhandel in der Pfalz zum Erliegen gekommen. Die Winzer rauften sich die Haare, und sie erinnerten sich der Nachtszene, in welcher der Nachbar und seine um Hilfe schreiende Frau verschwanden, ohne daß jemand „Was tun Sie hier?! Halt!“ gerufen hätte. Eine leidenschaftlich glühende Daisy Cutter sollte man denen noch nachträglich in die Weinberge und auf ihre Häuser schmeißen, damit sie die Erfahrung machen dürfen, wie Scheiße es ist, wenn man verreckt.

Denn die Sache ist nicht ausgestanden. Schülerprojektgruppen sind der Vergangenheit nachgegangen. Sie haben sich regional und lokal nicht beliebt gemacht. Doch es geht auch anders:

Komkom, Bübo – Koma

Die Stadt Bad Dürkheim und die GKD Medien präsentierten in den vergangenen Tagen [Tage, die längst vergangen sind; Nörgler] gemeinsam auf der in Mannheim stattfindenden KOMCOM, der bundesweit größten IT-Fachmesse für Kommunen und Stadtwerke, die speziell für Bürgerbüros entwickelte Software „Bübo für Kommunen“.

„Komkom“ und „Bübo“ indizierten bereits sprachlich die infantilitätsbasierte Verwesung, wenngleich man das damals nicht so sah. Damals: Das war der Elevator Pitch in der NTV-Unternehmershow und der „Wirtschaftswoche“-Krakeel von der anderen Ökonomie. Auf den Deutschen, diesen Vorhermitmacherundesnachhernichtgewesenseinwoller, war wie immer Verlaß. Alle waren dabei, auch die Schulen, deren Pflicht der Wahrung von Distanz ihnen als uncool galt.

Tour d’Innovation 2000/2001 – Schülerinnen und Schüler entdecken erfolgreiche Innovationen in ihrer Umgebung
Berufsbildende Schule Bad Dürkheim
StR’in A. Föhner
StR D. Wehrmaker
Im Salzbrunnen 7
67098 Bad Dürkheim
13. Oktober 2001

In der Zeit spielt Dons Roman „Liquide“.

Tour d’Insolvensation

Die „Tour d’Innovation“ ist Teil des Verbundprojektes „Innovationsstimulierung der deutschen Wirtschaft“ (INSTI), das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiiert wurde. Ziel des INSTI-Programmes ist es, das Innovationsklima in Deutschland zu verbessern, wobei den Schulen eine wichtige Aufgabe zukommt. Die Berufsbildende Schule Bad Dürkheim wurde zusammen mit 47 anderen Schulteams für die Tour d’Innovation in einer bundesweiten Ausschreibung ausgewählt. Im Verlauf der rund achtmonatigen Tour sehen sich die Schülerinnen und Schüler in ihrem regionalen Umfeld gezielt nach Innovationen und deren Umsetzung um, erkunden und dokumentieren diese. Im direkten Gespräch mit Erfindern, Unternehmensvertretern und anderen am Innovationsprozess Beteiligten sollen die Schülerinnen und Schüler lernen, wie wichtig Innovationen für die Wirtschaft und Gesellschaft sind.

Nicht erkundet wird derzeit die Wichtigkeit der Insolvensationen, auf deren Bedeutung für das wirtschaftliche Gesamtgeschehen die alte Kommunistensau – „Depreziation des Kapitals“ – doch hingewiesen hatte. Da ist er sich mit Milton Friedman einig: „Lasst diese Airlines doch ruhig Bankrott gehen. (…) Das Verlieren ist fast wichtiger als das Gewinnen.“
Ha! Milti und Charlie Hand in Hand!

Es begab sich zu der Zeit, welche die gülden umglänzte war, obzwar sie da schon fäkales Odeur angenommen hatte, daß Studienrätin Föhner und Studienrat Wehrmaker ihre Schüler in die prospektive Morgue führten, anstatt, wie es ihrem Kultur- und Bildungsauftrag entsprochen hätte, sie Gedichte von Gottfried Benn auswendig lernen zu lassen. Die ihnen hilflos Ausgelieferten werden quer durch die Landschaft der pfälzischen Unternehmerdarsteller geschleift, weil Föhner und Wehrmaker, für deren Namen der Nörgler jede Verantwortung ablehnt, die Zurichtung der Subjekte – deren bildungs- und individuationsferne Reduktion auf Funktionselemente der von gefährlichen Lachnummern wie Rogowski, Keese und Baron vertretenen Partikularinteressen – ins schulische Allgemeininteresse erhoben haben.

Als jenes höchste Wesen, das wir verehren – dessen Entscheidung jedoch, den Höllenplaneten fortexistieren zu lassen, ich zunehmend weniger verstehe -, es dem 27. April 2001 gestattete, an den Himmel zu kommen, nutzte objektive Trolltücke das hierzu:

9. Besuch der Via.net GKD multimedia GmbH am 27. April 2001
Am 27. April 2001 besuchte das Projektteam die Via.net GKD multimedia GmbH, eine Multimedia-Agentur in Bad Dürkheim. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von Internet-Anwendungen spezialisiert. Das Leistungsangebot reicht von der ersten Beratung über die individuelle Konzeption, die kreative Gestaltung und die mit aktuellstem Know-how durchgeführte Produktion bis hin zum fertigen Werbeauftritt. Auch die Entwicklung und Umsetzung von CI-Konzepten, elektronischen Produktkatalogen und Messe-Videos wird realisiert.
Für den Geschäftsführer der Vian.net GKD multimedia GmbH gehört die Online-Präsenz in unserem multimedialen Zeitalter für jedes erfolgreiche Unternehmen einfach dazu. Herr Schellenberg: „Mit der Präsentation im Web lassen sich innovative Marketing- und PR-Strategien umsetzen.“

GKD vor drei Tagen abgesetzt vom Insolvenzgericht Neustadt/Weinstraße

Und was nun, Föhner, Wehrmaker? Kann es sein, daß Sie so weitermachen? Haben Sie Ihre Schüler aufgeklärt und upgedatet? Haben Sie sich bei Ihren Schülern für Ihr Irrläufertum entschuldigt? Glauben Sie im Ernst, wenn’s die Dienstaufsicht nicht sieht, sieht es auch Dotcomtod nicht?

Besinnlicher Ausklang

Im Herbst ist die Pfalz am schönsten. Wer, und sei’s als Einheimischer, anderes behauptet, gar, wie Frauen dies oft tun, den Frühling favorisiert, ist kein Pfälzer, nicht wirklich, nicht mit dem – na ja, mit dem Herzen auch nicht.

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Written by Noergler

21. September 2009 um 9:24

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert

Eine Antwort

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  1. Oh Grundgütiger, die KOMCOM. Naht Ihr Euch wieder, schwankende Gestalten, warum muss ich in diesem Zusammenhang am MAnet denken, und damit meine ich nicht den Impressionisten, sondern Netzstrom aus dem Internet – oder wars Internet aus der Steckdose? Tja, war mal wieder nix mit „Mannem vorne“.

    Aber was war jetzt genau der Skandal? Dass ein paar Schüler aus der Vorderpfalz von ihren Lehrkräften genötigt wurden, eine Internetklitsche zu besichtigen, die später die Grätsche machte? Ich weiß ja nicht. Hätten wir als Schüler irgendwas cool oder erstrebenswert gefunden, das uns unsere Pauker dergestalt präsentiert hätten? Ich glaube nein, insofern haben die engagierten Lehrer vielleicht unwissentlich einen Beitrag geleistet, dass ihre Schutzbefohlenen später dann doch was anderes (lies: ordentlicheres) machen wollten als auch bei so einer Internetklitsche rumzukrautern.

    (Hach ja, just in diesen milden Septembertagen vermisse ich die Pfalz mal wieder geradezu körperlich).

    mark793

    22. September 2009 at 16:08


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