shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Cordula Meyer sagt, wie es nicht ist

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Was diese Frau uns so bietet im SPIEGEL ist schon ein sehr starkes Stück.Muss man eigentlich, um heute beim SPIEGEL erfolgreich schreiben zu können (ich schrieb da auch mal, aber das ist echt lange her und war auch nur kurz) dieses neoliberal/neocon-Neusprech draufhaben?

„Er eignet sich als Galionsfigur für Protestbewegungen gegen die Todesstrafe, gegen Rassismus, gegen Unrecht im US-Justizsystem, gegen Globalisierung, gegen alles, was Linke weltweit an Amerika hassen.“

Wenn ich jetzt mal im Netbitch-Style eine logische Umkehrung anwende, bedeutet das also links=antiamerikanisch, und proamerikanisch sei es, für Todesstrafe, für die US-amerikanische Vergeltungsjustiz, für Globalisierung und Rassist zu sein. Für solches Phrasendenken dürfte in seriösen Medien eigentlich kein Platz sein, das ist Bild-Niveau. Vielleicht sollte sich der SPIEGEl hinsichtlich Journalistendeutsch mal an Dotcomtod orientieren, wo auf Phrasendenken noch regelmäßig die Drohung des Nörglers folgte, eigenhändig in den Häcksler gesteckt zu werden.

Weiter im Text: „Er gehörte zum Umfeld der Kultbewegung Move. Die Mitglieder dieser Schwarzenkommune propagierten die Revolution und das unbedingte Lebensrecht von Kakerlaken. Zum Schluss trugen die Sektierer dann Waffen.“ — Aus der Tatsache, das MOVE zeitweise mit den Positionen radikaler Tierrechtler liebäugelte, wird ein Satz konstruiert, der rein semantisch radikale Schwarze mit langen Rasta-Locken in die Nähe von Ungeziefer rückt. Na ja, und für Ungeziefer gab es ja schon immer die Gaskammer, nicht wahr?

Nicht auf der reinen Faktenebene, sondern in gewissen sprachlichen „Besonderheiten“ liegt das Üble dieses Artikels, dessen Tendenz dann eben auf eine Befürwortung der Todesstrafe für Mumia hinausläuft, aber so geschickt formuliert, dass die Autorin direkt niemand festnageln kann. Und die eigentlichen Hammer-Aussagen kommen dann eben auf Metaebenen, da mit Assoziationen und nicht mit klaren Bekenntnissen zu dem Ungeheuerlichen gearbeitet wird, das da latent mitschwingt. Man kann diesem Kommentar nur zustimmen:

„Was also will nun die Dame Cordula Meyer mit ihrem Geschreibsel? Will sie uns damit vermitteln, daß man den einen Schwarzen ruhig noch vergasen/totspritzen/verbrennen kann, bevor man endlich mal wieder eine ernsthafte Diskussion über „Sinn und Nutzen“ der Todesstrafe in einem „G8-Staat“ anregen kann? Oder wie? Warum kein empörter Artikel über dieses Thema Todesstrafe insgesamt?
So kommt es für mich leider so rüber, wie oben schon erwähnt: Die Frau hat Recht auf ihre Rache, der Schwarze ist schuldig, bringt ihn um!“

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,645083,00.html

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3 Antworten

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  1. Cordula Meyer fällt mir regelmäßig unangenehm auf.

    Im aktuellen SPIEGEL 50/2010 berichtet sie über Jimmy Carters Kampf gegen den Guineawurm. Ihre Schreibe ist eine einzige Beweihräucherung für den weißen Mann. Afrikaner wertet sie konsequent ab und stellt sie negativ dar. Eindeutig rassistisch, die Dame.

    Gast

    13. Dezember 2010 at 12:18

    • Wieso schreiben Sie …die Dame? Ich würde sie als Hexe bezeichnen und auch so behandeln.
      Sie scheint offfensichtlich den guten alten Zeiten nachzutrauern. Also, gebt ihr etwas aus der
      guten alten Zeit – dem Mittelater: offene Flamme, glühendes Eisen und dann ab ins Feuer.
      So hat das Mutter Kirche früher gemacht, und bislang hat niemand gesagt, dass die Methode
      unwirksam war.

      guteronkel

      13. Januar 2012 at 0:53

  2. Mit dem Begriff „Hexe“ wäre ich vorsichtig – wurde der doch gerade von der Kirche verwendet, um die brutale Diskriminierung von Frauen zu legitimieren. Zudem sind Hexenverbrennungen eben kein originäres Phänomen des Mittelalters (inwieweit dieser Epochenbegriff überhaupt taugt, ist sowieso fraglich), sondern eben ein Phänomen der frühen Neuzeit. In der Inquisition ist ein moderner „Wille zum Wissen“ am Werk, der mehr mit neuzeitlicher Naturwissenschaft zu tun hat als mit Scholastik.
    Das nur nebenbei in meiner Rolle als Freischalter und unabhängig von Cordula Meyer, die ich nicht kenne, da ich ein Blatt wie den Spiegel meide.

    alterbolschewik

    13. Januar 2012 at 8:20


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