shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Pleased to meet you

with 5 comments

Pleased to meet you
Hope you guess my name
But what’s puzzling you
Is the nature of my game
The Rolling Stones: Sympathy For The Devil

Dank der freundlichen Erlaubnis von che und momorulez habe ich die Möglichkeit erhalten, künftig einige meiner mehr oder weniger relevanten Betrachtungen in diesem Blog zu veröffentlichen. Und da gebietet es zunächst einmal die Höflichkeit, mich vorzustellen und zu erklären, was zum Teufel ich hier eigentlich vorhabe.

Im analogen Leben macht der Alte Bolschewik seinem Namen alle Ehre: Tatsächlich ist er nicht mehr der Allerjüngste und seine Herkunft ist korrekt proletarisch. Konkret heißt das, der vierzigste Geburtstag ist schon länger her als es noch bis zum fünfzigsten dauert. Und das erste Jahrzehnt seines Lebens wuchs er in der Werkssiedlung der Landmaschinenfabrik auf, in der beide Elternteile arbeiteten.

Mit zehn Jahren allerdings wurde die Erfahrung des Arbeiterdaseins durch die intime Kenntnis des bäuerlichen Lebens ergänzt: Die Eltern zogen auf’s Dorf; das war ein katholischer Wallfahrtsort, der in dem einzigen Landkreis liegt, in dem die CDU bei den jüngsten Landtagswahlen in Baden-Württemberg statt zu verlieren Stimmen hinzugewonnen hat.

Für meine politische Sozialisation ausschlaggebend waren die einzigen zwei linken Publikationen, die mir in dieser Gegend zur Verfügung standen: Die damals von dem Trotzkisten Jakob Moneta herausgegebene IG-Metall-Zeitung, die mein Vater als überzeugtes Gewerkschaftsmitglied immer nach Hause mitbrachte; und der „Motzer“ – eine dieser Alternativzeitungen, wie sie in den 70er und frühen 80er Jahren als „Gegenöffentlichkeit“ überall, selbst in Oberschwaben, existierten (herausgegeben wurde der „Motzer“ übrigens von Oswald Metzger, der damals in der SPD war, dann als „Finanzexperte“ für die Grünen im Bundestag saß und jetzt Mitglied der CDU und der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist; auch eine oberschwäbische Karriere).

Die durch das Elternhaus vorgegebene grundsätzlich linke Ausrichtung führte dann während des Studiums ins linksradikale Lager, konkreter: In das der Autonomen. Jesses, war ich vielleicht stolz, als ein von mir verfaßtes Flugblatt explizit im Verfassungsschutzbericht zitiert wurde. Allerdings machte ich in der Folge die von che und netbitch in diesem Blog schon öfter thematisierte Erfahrung, daß die ursprünglich sehr vergnügliche Lebensweise eines autonomen Staatsfeindes gegen Ende der 80er Jahre durch einen protestantisch-lustfeindlichen moralischen Rigorismus verdrängt wurde, der meinem katholisch-barocken Naturell wenig entgegenkam. Die Polit-Szene wurde für mich immer nebensächlicher, während ich mich zunehmend (theoretisch und praktisch) der Musik widmete. Die verfassungsfeindlichen Aktivitäten ließen nach und irgendwann schloß ich dann mein Philosophiestudium mit einer Arbeit über den frühen Marx ab. Seither verkaufe ich einen (möglichst geringen) Teil meiner Arbeitskraft, um die Sachen zu finanzieren, die mir wirklich Spaß machen.

Und eine der Sachen, die mir wirklich Spaß machen, will ich in diesem Blog nachgehen: Nämlich über den Zusammenhang von politischen Bewegungen und Philosophie nachzudenken. Konkret heißt das für die nächste Zeit, daß ich mir so einige Gedanken darüber machen will, was die anti-autoritären Bewegungen der 60er und 70er Jahre ausmachte und welche Zusammenhänge zwischen politischer Bewegung und Philosophie existieren. Mein Augenmerk richtet sich dabei im Kern auf die Marxrezeption dieser Jahre; aber ich bin sicher, daß dabei auch die sogenannten „Postmodernen“ mehr als nur gestreift werden – und daß sich da erstaunliche Parallelen auftun.

Ich habe che und momorulez gebeten, das auf shiftingreality tun zu dürfen, weil ich zum einen glaube, daß hier das richtige Forum dafür ist und zum anderen, weil dieses Blog in letzter Zeit nicht gerade durch Aktivität aufgefallen ist – was ich schade finde. Mir jedenfalls liegt sehr viel an einer solchen Debatte; und wenn der eine oder die andere Zeit findet, gegen meine manchmal vielleicht allzu steilen Thesen Einspruch zu erheben, würde mich das sehr freuen. Ebenso, wenn die anderen Mitglieder dieses Blogs dadurch ermuntert würden, selbst wieder in die Tasten zu greifen…

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Written by alterbolschewik

1. April 2011 um 11:22

5 Antworten

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  1. Willkommen! Freue mich auf das, was da kommen wird!!!

    momorulez

    1. April 2011 at 17:57

  2. Danke für die Ermutigung – ich werde mein versuchen, mein Bestes zu geben.

    alterbolschewik

    2. April 2011 at 12:16

  3. […] Gaaaaaanz schwierig wird exakt diese Struktur bei den Fragen der „Political Correctness“, wenn diese also im Sinne des „Autoritären Charakters“ rezipiert wird als Quasi-Autorität. Aber das ist ein Thema für Folgebeiträge … vielleicht übernimmt der Alte Bolschewik da ja einen Teil der Aufklärungsarbeit. Schon deshalb: „Allerdings machte ich in der Folge die von che und netbitch in diesem Blog schon öfter thema… […]

  4. Prima. Schön, dass es auf diese Art hier nun weitergeht!

    cut

    3. April 2011 at 13:37

    • Danke für das Interesse. Ziel ist, im Schnitt so einmal die Woche einen Beitrag zu veröffentlichen. Für mich ist das Ganze ein Experiment, denn einerseits will ich einen fortlaufenden Argumentationsstrang entwickeln, andererseits in sich geschlossene Texte schreiben, die für sich stehen und unabhängig vom Rest diskutiert werden können. Mal schau’n, ob mir das gelingt.

      alterbolschewik

      3. April 2011 at 15:06


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