shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Wrestling Bash Praxis vs. DiaMat

with 29 comments

„Damals [1960, während der Diskussion in Bled] waren die Politiker
nicht in der Lage zu sehen, wie verhältnismäßig harmlos
der
abstrakte Humanismus war, und wie viel
mehr Ärger ihnen der Humanismus bescheren
würde, als er
konkret wurde.“

Mihailo Markovic, The Rise and Fall of Socialist Humanism, 1975

Die sogenannte jugoslawische „Praxis“-Gruppe war genauso wenig eine geschlossene Gruppe mit einheitlichen Ansichten wie die Frankfurter Schule eine einheitliche Lehrmeinung vertrat. Der Name rührt von der philosophischen Zeitschrift her, die von Mitte der 60er Jahre bis Mitte der 70er Jahre in Zagreb veröffentlicht wurde, und zwar in einer jugoslawischen und in einer internationalen Ausgabe. Natürlich gab es – wie bei der Frankfurter Schule – eine gewisse grundlegende Übereinstimmung im Denken der Gruppenmitglieder – weiter unten wird darauf noch einzugehen sein. Aber es gab kein einheitliches „Programm“, auf das sich die Praxis-Herausgeber festgelegt hätten.

Parallel zur Herausgabe der Praxis organisierte die Gruppe jedes Jahr auf der Adriainsel Korčula die sogenannte „Sommerschule“, eine Art großes Symposion, an dem nicht nur akademische Lehrer, sondern auch eine große Zahl von Studenten teilnahmen.

Weder die Zeitschrift noch die Sommerschule waren auf jugoslawische Teilnehmer beschränkt. Auf Korčula trafen sich international renommierte Philosophen, Soziologen, Historiker und andere Gesellschaftswissenschaftler, und zwar beileibe nicht nur marxistischer Provenienz. So beteiligt sich etwas – an diesem Beispiel kommt jetzt der Lokalpatriotismus des Alten Bolschewiken zum Vorschein – der Freiburger Phänomenologe Eugen Fink mehrfach an der Sommerschule mit Vorträgen, die dann auch in der Praxis veröffentlicht wurden.

Der selbe Internationalismus wurde auch in der Zeitschrift gepflegt. Im Beirat der Zeitschrift finden sich illustre Namen aus Ost und West, unter anderem neben dem bereits erwähnten Eugen Fink auch Ernst Bloch, Erich Fromm, Lezek Kolakowski, Georg Lukács, Herbert Marcuse und viele andere.

Doch 1974 war Schluß mit der Praxis und der Sommerschule auf Korčula. Die Stalinisten im Apparat hatten endgültig die Nase voll von einer Gruppe von Professoren, die eine pluralistische marxistische Diskussion nicht nur propagierten, sondern seit einem Jahrzehnt auch konsequent in die Praxis umsetzten. Das internationale Renommee, das Sommerschule und Praxis brachten, wog in den Augen des Apparats nicht mehr den echten oder vermeintlichen Ärger auf, den diese Leute verursachten. Die Praxis und die Sommerschule wurden auf die übliche jugoslawische Art verboten: Es wurden ihnen einfach der Geldhahn zugedreht. Außerdem sollten die Professoren aus den Universitäten ausgeschlossen werden. Den Anfang machte die serbische Gruppe: Acht Professorinnen und Professoren aus Belgrad wurden ihres Universitätspostens enthoben; und es waren wahrscheinlich nur die vehementen internationalen Proteste, die verhinderten, daß in Zagreb, Ljubljana oder Sarajevo ähnliches geschah.

Doch dies alles war nur der Endpunkt eines langen Kampfes, der bis in die 50er Jahre zurückverfolgt werden kann.

Anfang der fünfziger Jahre wurden in den verschiedenen jugoslawischen Teilrepubliken philosophische Gesellschaften gegründet, die sich 1958 zu einem Dachverband zusammenschlossen, der Jugoslawischen Philosophischen Gesellschaft. Offizielle philosophische Doktrin des kommunistischen Jugoslawiens war der historische und dialektische Materialismus, wie er im berüchtigten „Kurzen Lehrgang“, der Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) von Stalin kanonisiert worden war.

Philosophisch war dieser „historische und dialektische Materialismus“ auf dem Stand der Materialisten des 18. Jahrhunderts zurückgefallen:

„Der marxistische philosophische Materialismus [geht] davon aus, daß die Materie, die Natur, das Sein die objektive Realität darstellen, die außerhalb des Bewußtseins und unabhängig von ihm existiert, daß die Materie das Primäre, das Ursprüngliche ist, das Bewußtsein aber das Sekundäre, das Abgeleitete ist, weil es ein Abbild der Materie, ein Abbild des Seins ist.“ (Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki), Stuttgart 1974, S.134f)

Als die Philosophische Gesellschaft im August 1960 eine Tagung zum Thema Probleme zwischen Objekt und Subjekt, Praxis und die Abbildtheorie, abhielt, kam es zum Eklat. Eine Gruppe junger Philosophen – die zumeist selbst in Titos Partisanenarmee gekämpft hatten – bewiesen gegenüber der stalinistischen Philosophie das selbe Selbstbewußtsein, wie es die Kommunistische Partei Jugoslawiens gegenüber der Kominform gezeigt hatte. Die Abbildtheorie wurde in Grund und Boden kritisiert. Drei Argumente gegen die Abbildtheorie wurden während der Diskussion in Bled der marxistischen Orthodoxie um die Ohren gehauen:

„Erstens, sie ignoriert die gesamte Erfahrung der klassischen deutschen Philosophie und fällt auf den Dualismus des 18. Jahrhunderts eines materiellen Objektes an sich und eines geistigen Subjekts zurück; zweitens ist die Ansicht, daß die entscheidende Eigenschaft des Bewußtseins die Widerspiegelung ist, implizit dogmatisch – wie soll man geistige Produkte kritisieren, wenn sie per definitionem Widerspiegelungen der Realität, d.h., wahr sind? Und drittens ist diese Theorie falsch, weil es faktisch so ist, daß das Bewußtsein, weit davon entfernt, passive materielle Prozesse zu begleiten und zu kopieren, sehr oft noch nicht existierende materielle Objekte antizipiert und entwirft.“ (Mihailo Marković, Yugoslavia. The Rise and Fall of Socialist Humanism, Nottingham  1975, S.22)

Die Vertreter des stalinistischen Diamat mußten eine vernichtende Niederlage einstecken und spielten in der philosophischen jugoslawischen Diskussion zukünftig keine Rolle mehr. Den gemeinsame Bezugspunkt der siegreichen Fraktion, die keineswegs homogen war, stellte die Ontologie des jungen Marx dar, wie sie in den Pariser Manuskripten von 1844 entworfen worden war:

„Während dieser Debatte setzte sich die Ansicht durch, daß die zentrale Kategorie der Marxschen Philosophie die freie, menschliche, schöpferische Aktivität sei – Praxis. Der Dualismus von Materie und Geist, von Objekt und Subjekt wurde überwunden, in dem man zeigte, wie diese Kategorien aus dem Begriff der Praxis abgeleitet werden können. Objekte, von denen wir sinnvoll reden können, sind nicht an sich gegeben, sondern sie sind Objekte einer historischen menschlichen Welt, durch unsere praktische Aktivität geformt, vermittelt durch unser früheres Wissen, Sprache, Bedürfnisse und in der Tat die gesamte menschliche Kultur zu einem gegebenen historischen Moment.“ (Ebd., S.22f)

Diese erste siegreiche Schlacht gegen den stalinistischen Dogmatismus führte zu einer immer engeren Zusammenarbeit zwischen den marxistischen Humanisten. Aus dem jährliche Treffen der Jugoslawischen Philosophischen Assoziation 1962 in Skopje ging dann der Sammelband  Humanismus und Sozialismus hervor, zu dem ein großer Teil der späteren Herausgebergruppe der Praxis beitrug.

1963 wurde die Sommerschule auf Korčula gegründet, Thema des ersten Treffens lautete Fortschritt und Kultur. 1964 erschien schließlich die erste Nummer der Praxis, auf die dann 1965 die internationale Ausgabe der Zeitschrift folgte. Den historische Höhepunkt ihrer Bedeutung erreichte die Philosophie der Praxis-Gruppe in der anti-autoritären Bewegung 1968 – sowohl in Jugoslawien selbst wie auch international. In den folgenden Beiträgen wird es jedoch erst einmal um einzelne Aspekte dieser Philosophie gehen, bevor wir uns wieder den historischen Entwicklungen zuwenden.

Lesen Sie deshalb auch nächste Woche wieder weiter, wenn Danko Grlić meint:

„Unsere Welt [braucht] die Individualität, das Unkonventionelle, den außergewöhnlichen Enthusiasmus, die Spontaneität, die aufrichtige eruptive Kraft und die humane Revolte der Kunst.“ (Danko Grlić, „Wozu Kunst?“, in: Praxis 3/1966, S.269)

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Written by alterbolschewik

20. Mai 2011 um 13:09

Veröffentlicht in Jugoslawien, Marx, Philosophie

29 Antworten

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  1. Sehr anregend, mehr davon!

    Leser

    27. Mai 2011 at 7:57

  2. Ich denke der Artikel enthält einige Missverständnisse.

    „Der marxistische philosophische Materialismus [geht] davon aus, daß die Materie, die Natur, das Sein die objektive Realität darstellen, die außerhalb des Bewußtseins und unabhängig von ihm existiert, daß die Materie das Primäre, das Ursprüngliche ist, das Bewußtsein aber das Sekundäre, das Abgeleitete ist, weil es ein Abbild der Materie, ein Abbild des Seins ist.“

    Das gilt natürlich nicht nur für den marxistischen Materialismus, sondern für jeden anderen auch. Kennzeichen des Dialektischen Materialismus sind weiterhin folgende: 1) „Das Universum muss als Ganzes angesehen werden., 2. Dieses Ganze besteht aus untereinander in Beziehung stehenden, voneinander abhängigen und sich in ständiger Bewegung befindenden Materien (objektiver Zusammenhang)., 3. Diese Bewegung ist aufsteigend, vom Einfachen zum Komplexen fortschreitend und durchläuft dabei bestimmte Ebenen; jeder Ebene entsprechen bestimmte qualitative Veränderungen, und 4. Die jeweilige Entwicklung einer bestimmten Ebene resultiert nicht aus einem harmonischen Fortschreiten, sondern entsteht durch den Konflikt und die Aktualisierung der jeweiligen, den entsprechenden Phänomenen innewohnenden Gegensätzlichkeiten („Grundwidersprüche“).“ So laut Wikipedia. Also im wesentlichen das, was man als Dialektik bezeichnet, und das findet sich bei den Materialisten des 18. Jahrhunderts nicht, sondern erst bei Hegel (in der „klassischen deutschen Philosophie“).

    „Erstens, sie ignoriert die gesamte Erfahrung der klassischen deutschen Philosophie und fällt auf den Dualismus des 18. Jahrhunderts eines materiellen Objektes an sich und eines geistigen Subjekts zurück;“

    Die „klassische deutsche Philosophie“ hält an genau diesem Dualismus fest, sie geht nur vom Primat des (absoluten) Subjektes (vor der materiellen Welt) aus.

    „zweitens ist die Ansicht, daß die entscheidende Eigenschaft des Bewußtseins die Widerspiegelung ist, implizit dogmatisch – wie soll man geistige Produkte kritisieren, wenn sie per definitionem Widerspiegelungen der Realität, d.h., wahr sind?“

    Ich wüsste nicht, wer so was behauptet hätte, Marx sicher nicht. Irgendwie kommen die Denker dieser Praxis-Gruppe nicht vom deutschen Idealismus des 19. Jahrhunderts los, der Subjekt-Objekt-Dualismus ist inzwischen obsolet. Moderne Erkenntnistheorien (etwa von Quine) gehen überhaupt nicht von der Subjekt-Objekt-Spaltung der idealistischen Philosophie aus, sondern setzen eine einheitliche Wirklichkeit voraus, und vermeiden damit die angesprochenen Widersprüche.

    „Objekte, von denen wir sinnvoll reden können, sind nicht an sich gegeben, sondern sie sind Objekte einer historischen menschlichen Welt, durch unsere praktische Aktivität geformt, vermittelt durch unser früheres Wissen, Sprache, Bedürfnisse und in der Tat die gesamte menschliche Kultur zu einem gegebenen historischen Moment.“

    Wobei sich natürlich die Frage nach dem ontologischen Status dieser „historischen menschlichen Welt“ ergibt. „unser früheres Wissen, Sprache, Bedürfnisse und in der Tat die gesamte menschliche Kultur“ haben sich ja nicht selber hervorgebracht

    Pyrrhon

    27. Mai 2011 at 11:10

    • Pyrrhon, daß der DiaMat glaubte, über den „mechanischen“ Materialismus hinaus zu sein, und zwar Dank seiner „materialistischen“ Dialektik, würde ich nicht bestreiten. Nur ist eine „materialistische“ Dialektik metaphysischer Bullshit. Die Welt als ontologisch-dialektiktische Totalität ist entweder idealistisch oder unsinnig. Die Marxsche Dialektik ist, im Gegensatz zur Ontologie des Diamat, eine Darstellungsmethode, keine ontologische Aussage über die Natur des Universums. Man kann darüber streiten, ob Marx Gesellschaft als dialektische Totalität ansieht (ich würde eher verneinen), aber es völlig unstrittig, daß eine Natur-Dialektik nichts ist als Humbug. In der Natur walten keine dialektischen Gesetze, sondern nur Naturgesetze.
      Das mit dem Dualismus in der klassischen deutschen Philosophie würde ich dezidiert anders sehen, das ist nicht einfach eine Frage des Primats. Schon bei Kant ist es der Geist, der der materiellen Welt, so wie sie für uns ist, die Gesetze vorschreibt. Das darin nicht aufgehende Ding an sich ist alles mögliche, aber sicher nicht „Materie“. Und Hegel versucht, auch noch diesen letzten Rest in die Bewegung des Geistes aufzulösen. Ob das jetzt wirklich gelungen ist, ist eine andere Frage, aber der Anspruch ist jedenfalls da.
      Was die Widerspiegelungstheorie betrifft, kann ich Dir genau sagen, wer das behauptet hat: Stalin himself. Allerdings erst ab der, glaube ich, vierten Auflage des „Kurzen Lehrgangs“. Ursprünglich war’s ein Autorenkollektiv, später dann eine Autorenkollektiv unter Führung des Genossen Stalin und am Schluß dann der Meister selbst. Mit Marx, da hast Du natürlich völlig recht, hat das überhaupt nichts zu tun (mit Engels ein bißchen).
      Daß die Ontologie der Praxis-Gruppe höchst problematisch ist, ist mir schon klar (in Die zwei Revolutionstheorien des Karl M. habe ich da schon mal ein bißchen vorgearbeitet), aber die Auseinandersetzung mit der Ontologie der Praxis-Gruppe wird erst in ein paar Wochen erfolgen. So lange fröhliches Weiterlesen.

      alterbolschewik

      27. Mai 2011 at 16:13

  3. […] Wie im Westen … Hinterlasse einen Kommentar Geschrieben von momorulez am Mai 27, 2011 „Doch 1974 war Schluß mit der Praxis und der Sommerschule auf Korčula. Die Stalinisten im Ap… […]

  4. Mit dem Begriff des Geistes bei Kant und Hegel hat es seine eigenen Mucken, weil dieser anders gebraucht wurde als heute. Geist meint nicht etwa Intellekt oder Verstand, sondern steht in einer theologischen, teils mystisch-gnostischen Tradition. Am ehesten kommt man dem nah, wenn man darunter ein körperloses und nicht sterbliches Wesen versteht. Hegels Weltgeist ist letztlich eine abstrakte, unpersönliche und nicht an eine konkrete Religion gebundene, im Prinzip pantheistische Reflektion des Gottesbegriffs, sein zu sich selbst kommender Weltgeist principium movens der Weltgeschichte. Marx hat diesen dann auf materialistische Füße gestellt.

    che2001

    27. Mai 2011 at 21:11

  5. Ich selber komme, wenn man es quantifizieren möchte, zu etwa einem Achtel von Derrida her, und in dieser Philosophie tut sich bekanntermaßen nicht viel mit Subjekt-Objekt. Aber wenn ich diese beständige Litanei lese, daß die Subjekt-Objekt-Dialektik obsolet sei und wenn der Widerspruch, der darin steckt, nicht aufgehoben, sondern bloß umgangen und faul weggezaubert wird hin zu fadenscheinigen Konstrukten wie Weltverhältnis, Intersubjektivität, einheitliche Wirklichkeit (oder irgendwelche andere Formen von ontologischem Monismus) oder hin zu Sprache, dann denke ich, daß es gute Gründe gibt, an genau diesem Subjekt-Objekt-Verhältnis und damit am Widerspruch festzuhalten. Und insbesondere die Transformationen, die Habermas bei Adorno vornimmt zugunsten einer Intersubjektivität, um da eine – wenngleich nichtinstrumentell konzipierte – Funktionalität hineinzubringen, sind dann der Todesstoß für die Kritische Theorie. [Mein Gott, hoffentlich liest Momorulez das nicht , sondern tummelt sich zwei Tage lang auf dem St. Pauli-Sommerfest 🙂 Aber wie ich gerade drüben gesehen habe, ist er wieder da. Na ja, krieg ich halt Haue.]

    Quine ist da ein ganz anderes Feld und hat mit Kritischer Theorie der Gesellschaft etwa so viel zu schaffen wie die Grünen. Allenfalls läßt sich (sprach-)analytische Philosophie im Rahmen einer kritischen Theorie als heuristisches Mittel einsetzen, dies würde ich aus Höflichkeit konzedieren. Wirklich beweisen kann ich es nicht.

    bersarin

    28. Mai 2011 at 19:26

  6. @che Da hast Du natürlich recht; nur würde ich behaupten, daß Dein letzter Satz eines der kompliziertesten Probleme der Marxinterpretation überhaupt aufreißt. Was heißt, die Hegelsche Dialektik vom Kopf auf die Füße stellen? Es ist sicherlich nicht damit getan, das „Primat“ des Geistes durch das „Primat“ der Materie zu ersetzen.

    @bersarin Als Gastgeber hier kann ich das natürlich nicht so schroff formulieren, aber meine stillschweigende Zustimmung hast Du.

    alterbolschewik

    29. Mai 2011 at 11:29

  7. Ich wollte da gar nicht schroff oder unhöflich sein und entschuldige mich sowohl bei Pyrrhon als auch beim Gastgeber, wenn das etwas zu böse herüberkam. Aber es ärgert mich eben doch, wenn eine Tradition der Philosophie mal eben in einem Nebensatz und dies auch noch ohne zureichende Begründung, abgewatscht wird. Denn anderseits komme ich eben nicht nur von Derrida, sondern zur Hälfte von Adorno und zu einem Gutteil von Hegel her.

    Nur weil es einen Linguistic turn gibt, sind damit sowohl Subjekt als auch Objekt nicht aus der Philosophie gekommen.

    bersarin

    29. Mai 2011 at 21:39

  8. „daß es gute Gründe gibt, an genau diesem Subjekt-Objekt-Verhältnis und damit am Widerspruch festzuhalten.“

    Darüber würde man denn doch gern etwas mehr hören. In jedem fall gibt es gute Gründe, sie aufzugeben, bzw. gab es gute Gründe, sie gar nicht erst einzuführen.

    Wenn es kein Objekt ohne Subjekt gibt, dann heißt das soviel wie: Wenn im Wald ein Baum umfällt, und es ist niemand da, der es hört, macht es kein Geräusch. Was natürlich Unsinn ist.

    Alle idealistischen Theorien, von Descartes über Kant bis zu den modernen Diskurstheoretikern, setzen das Subjekt (oder „Ich“ oder was sonst) einfach als gegeben voraus, sind somit verbrämte religiöse Schöpfungstheorien. Wenn das Subjekt (oder die Sprache, was aufs gleiche herauskommt) die Wirklichkeit konstituiert, ist die Existenz des Subjektes selber unerklärbar, es sei denn, man geht davon aus, dass es sich selbst erschaffen hat, oder „gesetzt“ wie Fichte, der einzig wirklich konsequente idealistische Philosoph, sagt.
    Die Annahme, dass Subjekt und Objekt Teile einer übergreifenden Realität sind, wirft solche Widersprüche hingegen nicht auf (Das wusste David Hume auch schon, der konsequenterweise feststellte, dass das sog. Selbst eben nur ein Bündel von Wahrnehmungen ist).

    „der Todesstoß für die Kritische Theorie“

    Das ist dann eben schade für die „Kritische Theorie“, aber als solches kein Argument.

    „Quine ist da ein ganz anderes Feld und hat mit Kritischer Theorie der Gesellschaft etwa so viel zu schaffen wie die Grünen.“

    Wenn irgendjemand die „Kritische Theorie der Gesellschaft“ ernst nehmen soll, muss sie wohl bestimmten Standards von Rationalität einhalten, und was das Verhältnis von Erkenntnis und Realität betrifft, setzt Quine schon Standards. Ich empfehle sehr die Lektüre seines Essays „The Nature of Natural Knowledge. in Mind and Language: Wolfson College Lectures, Samuel Guttenplan (editor), Oxford: Clarendon Press, pp. 67 – 81”, auch in diversen seiner Essaysammlungen enthalten.

    Pyrrhon

    31. Mai 2011 at 14:13

  9. „‚daß es gute Gründe gibt, an genau diesem Subjekt-Objekt-Verhältnis und damit am Widerspruch festzuhalten.‘
    Darüber würde man denn doch gern etwas mehr hören.“

    Einfach mal die einschlägigen Blogs lesen. Ansonsten hilft es, sich mit den Augen in der Welt umzutun. Mal hierhin gucken und mal dahin schauen.

    Die einfachste Prädikation ist ohne Subjekt kaum vorstellbar. Und wie hieß diese Regel aus der guten alten Frankfurter Grundschulzeit noch gleich? Ach ja: Subjekt, Prädikat, Objekt. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig die Präponderanz des Subjekts. Adornos „Negative Dialektik“ führt dies in extenso vor. Und niemand hier im Kommentarteil hat davon gesprochen, daß es kein Objekt ohne Subjekt gibt. Woher also dieser voreilige Schluß?Dein Fehler, pyrrhon, besteht darin, das Verhältnis von Subjekt und Objekt als statisches zu denken. Dies muß aber gar nicht sein, wie Du beim Einblick in die Philosophie bemerken wirst. Ich verweise hier der Ordnung halber auf Hegel, insbesondere auf seine „Wissenschaft der Logik“, dort läßt es sich ganz gut nachlesen, weshalb der Dualismus grober Unfug ist. Und wenn man es kürzer mag, so gibt die Vorrede zur „Phänomenologie des Geistes“ eine gute Propädeutik dazu ab, wie Subjekt und Objekt in einem anderen Rahmen konzipiert sein können. Auch der sich vollbringende Skeptizismus sowie das unglückliche Bewußtsein finden in der „Phänomenologie“ ihren Ort. Ich denke also, pyrrhon, daß da genug Lektüre auf Dich wartet.

    Was das Verhältnis von Erkenntnis und Realität betrifft, so gibt es keine Standards, sondern Texte der Philosophie, die sich damit beschäftigen: von Aristoteles‘ „Metaphysik“ angefangen über den Heiligen Thomas, Descartes und Spinoza, Kant sowie hin etwa zu der Einleitung von Hegels „Phänomenologie“, wo die Dialektik von Wahrheit und Wissen dargestellt wird.

    „Standard für Rationalität“ ist ein Faselbegriff. Und Quine als Maßstab für Rationalität auszugeben, ist in etwas so, als wenn Du die BRD als Richtwert für Demokratie anführst. Viel Spaß dabei, vor allem, wenn Du einmal in eine Situation kommen solltest, wo Du aus dem guten alten Demokratieraster herausfällst. Quine ist Philosophie aus dem Geiste des Positivismus, und seine Texte sind der Komplizenschaft mit schlechter Metaphysik geschuldet. Wenn Fragen nach Gavagai und der sich daran anschließende Kram das Kriterium für Rationalität abgeben sollen, so will mit dies eher dürftig dünken. Hier trifft der Ausdruck abstraktes Denken im etymologischen Sinne zu.

    Die Rahmen und Konstellationen, die Räume für Rationalität kann die Kritische Theorie selber angeben, und zwar aus ihren eigenen Texten heraus. Diese muß man dann allerdings zuvörderst lesen.

    bersarin

    31. Mai 2011 at 23:18

  10. „Die einfachste Prädikation ist ohne Subjekt kaum vorstellbar.“

    Ja zweifellos, Sätze bestehen aus Subjekt, Prädikat und Objekt. Aber ich sprach nicht von Sätzen, sondern von nichtsprachlicher Realität, genau wie die angeführten jugoslawischen Denker („Objekte, von denen wir sinnvoll reden können, sind nicht an sich gegeben, sondern sie sind Objekte einer historischen menschlichen Welt“), und in der Realität kommen keine Subjekte vor, sondern nur Menschen. In sofern ist dieser Einwand unsinnig.

    „Adornos „Negative Dialektik“ führt dies in extenso vor.“… „Ich verweise hier der Ordnung halber auf Hegel, insbesondere auf seine „Wissenschaft der Logik“ …“ Ich denke also, pyrrhon, daß da genug Lektüre auf Dich wartet.“

    Dass das irgendwo so geschrieben steht, ist kein Argument. Bist du nicht in der Lage, selber zu denken und Argumente auszuformulieren? Offenbar nicht.

    „Was das Verhältnis von Erkenntnis und Realität betrifft, so gibt es keine Standards, sondern Texte der Philosophie, die sich damit beschäftigen:“

    Das mag man so formulieren, ich könnte da auch meine persönliche Auswahl präsentieren. Aber zu diesen Texten gehört Quine mit Sicherheit hinzu, vielleicht solltest du den mal lesen.

    Erscheint mir ziemlich willkürlich, eine Auswahl von Autoren zu treffen und diese als „die“ Philosophie zu präsentieren. Gehören Hume und Fichte z.B. nicht dazu? Warum?

    „Standard für Rationalität“ ist ein Faselbegriff.“

    Und „Kritische Theorie der Gesellschaft“ ist keiner? Was soll der Quatsch?

    „ Und Quine als Maßstab für Rationalität auszugeben, ist in etwas so, als wenn Du die BRD als Richtwert für Demokratie anführst.“

    Und die von Quine repräsentierte Richtung wissenschaftsorientierter Philosophie (für die ich ihn nur als Beispiel genannt habe) als irrelevant auszugeben ist in etwa so, wie Gesundbeterei als Richtwert für Medizin auszugeben.

    „Quine ist Philosophie aus dem Geiste des Positivismus, und seine Texte sind der Komplizenschaft mit schlechter Metaphysik geschuldet.“

    Und Adornos Texte sind guter Metaphysik geschuldet? Das ich nicht lache! Quine ist ein radikal antimetaphysischer Denker.

    „ Wenn Fragen nach Gavagai und der sich daran anschließende Kram das Kriterium für Rationalität abgeben sollen, so will mit dies eher dürftig dünken.“

    Ah ja, du hast von Quine offenbar noch weniger Ahnung, als ich von Adorno.

    „Die Rahmen und Konstellationen, die Räume für Rationalität kann die Kritische Theorie selber angeben, und zwar aus ihren eigenen Texten heraus. Diese muß man dann allerdings zuvörderst lesen.“

    Du musst nicht immer von dir auf andere schließen. Das du von Quine und moderner naturalistischer Philosophie keine Ahnung hast, aber sie trotzdem in Bausch und Bogen abqualifizierst, bedeutet ja nicht, dass ich Adorno oder Hegel nicht gelesen hätte. Ich habe ja oben meine Gründe dargelegt, warum ich idealistische Philosophie ablehne.

    Ich meine, es geht in diesem Blog doch um „die Entstehung und die Dynamik der antiautoritären Bewegungen“, also um politische Praxis und deren Grundlagen. Willst du ernsthaft behaupten, man müsse Descartes oder Adorno gelesen haben, um darüber mitzureden? Ich denke, mit einer derart autoritären und arroganten Geste, wie du sie hier vorführst (ist offenbar typisch für die Anhänger dieses Adorno), kann man in Bezug auf politische Praxis gar nichts bewegen, und auch keine Erkenntnisse gewinnen.
    Aber wozu auch Erkenntnis gewinnen, wenn man im Besitz der Wahrheit ist, weil man die richtigen Bücher gelesen hat.

    Pyrrhon

    1. Juni 2011 at 15:29

  11. Zum Herrentag sind die Anhänger dieses Adornos heute im Namen des Herren unterwegs und teilen Theorie aus, rufen gar: tuet Buße, kehret um von blinder Praxis, Weltverhältnis und Natur, lasset ab von dem Übel!

    Nun aber vom Ernst zurück zum Spaß: Was Du, Pyrrhon lieferst, sind standardisierte Sätze und so wirst Du – man glaubt es kaum, doch es ist so – genau damit abgespeist: Wie heißt es im Volksmund treffend: Sowas kommt von sowas.

    Die Lektüre dieser von mir genannten Werke können wir gerne gemeinsam durchführen. Es wäre dann aber gut, wenn Du eine Frau bist, so zwischen 25 und 42 Jahren.

    „… und in der Realität kommen keine Subjekte vor, sondern nur Menschen.“ Sieh mal einer an: Und wenn diese Menschen Theorie, freie Liebe oder einen Kuchen machen, dann sind es Subjekte und wenn diese Menschen in der Theorie, in der Liebe als Passion oder im Kuchen vorkommen, dann sind es Objekte. Das Einziehen von solchen Differenzen zugunsten irgendwelcher holperigen Weltverhältnisse, das macht nicht einmal Heidegger, die postanalytische Philosophie oder die Hermeneutik so dürftig. Und zum Glück menschelt es bei den Freunden des Subjekt/Objekt-Verhältnisses nicht derart schief.

    Bezüglich des antimetaphysischen Quine hast Du den dekonstruktiven Dreh nicht mitbekommen.

    „Ich meine, es geht in diesem Blog doch um ‚die Entstehung und die Dynamik der antiautoritären Bewegungen‘, also um politische Praxis und deren Grundlagen. Willst du ernsthaft behaupten, man müsse Descartes oder Adorno gelesen haben, um darüber mitzureden? Ich denke, mit einer derart autoritären und arroganten Geste, wie du sie hier vorführst (ist offenbar typisch für die Anhänger dieses Adorno), kann man in Bezug auf politische Praxis gar nichts bewegen, und auch keine Erkenntnisse gewinnen.“

    Typisch für die Anhänger dieses Adornos ist es, daß sie jeden Sonntag nach Frankfurt fahren, um sich gegen 12 Uhr mittags im Kettenhofweg 123 einzufinden. Alsdann tafeln sie dort üppig und ausgiebig, im Winter gibt es Rehrücken Baden-Baden, wie vom Freischütz erlegt, sowie einen lange gelagerten Spätburgunder oder einen Bordeaux. Hernach setzt ein dialektisches Betrinknis ein, jeder hat die besten Flaschen aus seinem Keller mitgebracht, und wir versichern uns gegenseitig unsere unverbrüchlichen Wahrheiten. Sollte uns zum Abend hin noch etwas Zeit bleiben, so rufen wir: „Auf die schnelle noch in die Bordelle!“ Hernach geht es wieder heim. So sind sie – die Anhänger dieses Adorno. Und wenn das keine Praxis ist, was bitteschön dann?

    Nein, die Theorie braucht es für die Praxis nicht; wozu auch? Das wußte bereits Marx: einfach nur machen, das geht schon. Aber nun ohne Jokus: Pyrrhon, was Du da schreibst, das mag für den Sex gelten. Für alles andere ist das, mit dem ansonsten eher fragwürdigen Harry G. Frankfurt gesprochen, Bullshit.

    Descartes oder Adorno: Was für eine Wahl in der üppig ausgestatteten Bibliothek des Praktikers Pyrrhon. In Berlin ist Praktiker übrigens ein Baumarkt. Bei Dir zu Hause auch?

    bersarin

    2. Juni 2011 at 9:41

  12. Ich würde mich gerne in die Debatte einklinken, bin aber gerade verhindert; werde hoffentlich am Wochenende Gelegenheit haben, meinen Senf dazu zu geben.

    alterbolschewik

    2. Juni 2011 at 9:46

  13. „Und wenn diese Menschen Theorie, freie Liebe oder einen Kuchen machen, dann sind es Subjekte und wenn diese Menschen in der Theorie, in der Liebe als Passion oder im Kuchen vorkommen, dann sind es Objekte.“

    Falsch, sie sind immer noch Menschen aus Fleisch und Blut, und wenn sie sich Theorien ausdenken, dann geht das nur, wenn ihr Gehirn ausreichend durchblutet wird und wenn sie vorher genug gegessen haben. Auch wenn manche Theorien meinen, davon absehen zu können.

    „ Bezüglich des antimetaphysischen Quine hast Du den dekonstruktiven Dreh nicht mitbekommen.“

    Ok. Ich bin lernwillig, erklär ihn mir. Oder noch besser, erklär mir, wo das die Realität konstituierende Subjekt herkommt, wenn nicht aus der Welt außerhalb seiner selbst.

    „Nein, die Theorie braucht es für die Praxis nicht; wozu auch? Das wußte bereits Marx: einfach nur machen, das geht schon. Aber nun ohne Jokus: Pyrrhon, was Du da schreibst, das mag für den Sex gelten. Für alles andere ist das, mit dem ansonsten eher fragwürdigen Harry G. Frankfurt gesprochen, Bullshit.“

    Siehst du, das ist wieder ganz typisch, jede Menge wortreiche Polemik ohne ein einziges Argument. Ich glaub dir ja, dass du mehr gelesen hast als ich, aber deswegen könnte man doch sachlich weiterdiskutieren, oder?

    Ich mache mal einen Vorschlag. Ich präsentiere eine Theorie des Verhältnisses von Subjekt und Objekt, und du kritisierst sie. Und bitte nicht nur durch Verweise darauf, was ich alles noch lesen müsste.

    Ein bisschen Geduld, ich lasse von mir hören

    Pyrrhon

    3. Juni 2011 at 13:39

  14. Einmal davon abgesehen, daß es der Theorie ganz egal ist, von wem sie aufgestellt wurde und wie das Gehirn dabei durchblutet war oder nicht – denn dies alles sind sehr spezielle Merkmale, die für die Konzeption und das Verständnis der Theorie marginal interessieren –, bleibt es das Subjekt, und zwar auch im etymologischen Sinne als hypokeimenon oder subiectum, welches da wirkt. Es handelt sich dabei – welch Allgemeinplatz – um Begriffe, die von der Antike über das Mittelalter bis hin in die Neuzeit reichen und theoretisch doch relativ aufgeladen sind. Zudem: Subjekt ist nicht nur mit Individualität gleichzusetzen und daß das Subjekt nicht das Letzte oder Erste, sondern womöglich auch ein Effekt sein kann, gibt keine neue Erkenntnis ab. Dies schließt auch Weltverhältnisse mit ein oder mit Heidegger im Jargon gesprochen: das In-der-Welt-Sein.

    Diese Dinge sind doch etwas komplexer, um sie zwischen Essen, Verdauen und Durchblutung anzusiedeln. Daß freilich auch solche kleinen Dinge wie das Essen die Praktiken formen und Diskurse konstituieren und umgekehrt wiederum diese Diskurse auf die Praktiken wirken, dies kann man dann bei Foucault sehr schön sehen. (Und ich verweise hier so häufig auf Autoren, weil ich als anmaßend empfinde, Dinge für die meinen auszugeben, die in Wahrheit nicht von mir sind. Ich heiße ja nicht Guttenberg. Der Verweis auf Hegel war genau so als Verweis gemeint: wie nämlich ein nicht-statisches, mithin dynamisches resp. dialektisches Verhältnis – etwas klischeehaft gesprochen – aussehen kann. Dazu sind die Einleitung zur Phänomenologie und auch die Vorrede – sozusagen für den Anfang – bestens geeignet.)

    Ob Kant gut oder schlecht gegessen hatte, als er an seiner „Kritik der reinen Vernunft“ schrieb, ist für die Theorie ohne jede Bedeutung. Das sind diese unsinnigen Naturalisierungen. In anderem Rahmen mag es interessant sein, etwa für den Biographen, für Kant selbst oder für seine Köchin. Für den Philosophen, der die KdrV liest ist das völlig gleichgültig. Wäre „Das Kapital“ von Marx falsch, weil er keine Kiwis gegessen hat oder weil er gerade Bauchweh hatte? Wohl kaum. Daß wir Durchblutung und Nahrung brauchen, daß wir ein Teil der Natur sind, daß wir in die Welt hineingeboren werden und sie eines Tages auch wieder verlassen, dies will mir als Erkenntnis doch ein wenig banal erscheinen. (Was nicht heißt, das Geburt, Tod, Essen, Sexualität unwichtig sind.)

    Praxis ohne Theorie gibt es nicht. Das wäre dann bloßes Machen. Wo es jedoch um gesellschaftlich relevante Praxis geht, dort steckt auch Theorie dahinter, was eben bedeutet, sich mit dieser, und dies heißt dann auch: mit der Tradition, auseinanderzusetzen. Denn schließlich ist es ein wenig unangenehm, wenn man den Nordpol zum zweiten Mal entdeckt und dies auch noch als die eigenen Entdeckung ausgibt.

    Und Rosa Luxemburg hat die Russische Revolution nicht aus rein theoretischem Interesse kritisiert, sondern um der Praxis willen.

    Ja, dann präsentiere mal eine Theorie von Subjekt und Objekt; und dann schauen wir, wie es weitergeht.

    bersarin

    3. Juni 2011 at 15:44

  15. Pyrrhon, einerseits verstehe ich Deinen Unmut: Statt einer argumentativen Antwort bekommust Du von Bersarin autoritativ vor allem Lektüreaufgaben um die Ohren gehauen. Andererseits kann ich auch Bersarins Erbitterung gut nachvollziehen: Was Du über die Subjekt-Objekt-Problematik im klassischen deutschen Idealismus schreibst, zeigt leider allzu deutlich, daß Du nicht einmal eine Ahnung davon hast, was das eigentliche philosophische Problem ist, von dem Du glaubst, mit Quine eine Antwort darauf zu haben.

    Ich habe – das sei von vornherein zugestanden – keine Ahnung von Quine und er interessiert mich, wie die meisten angelsächsischen Philosophen, auch nicht sonderlich. Als Bolschewik bin ich selbst radikaler Anti-Metaphysiker und Materialist, da brauche ich keine Nachhilfe; allerdings sollte man über Lenins „Materialismus und Empiriokritizismus“ hinaus sein und nicht irgendwelche Popanze aufbauen („Wenn im Wald ein Baum umfällt, und es ist niemand da, der es hört, macht es kein Geräusch.“), sondern halbwegs verstanden haben, was überhaupt die Problemstellung des Kantschen oder Hegelschen Idealismus oder überhaupt der neuzeitlichen Philosophie bis Marx war.

    Es ist nun gerade nicht das Problem der neuzeitlichen Philosophie ab Descartes, daß sie sich mutwillig und im Unverstand einen Dualismus von Subjekt und Objekt, von Geist und Materie ausgedacht haben. Ihr Problem war vielmehr, daß sie vor einer Einheit standen. Das mittelalterliche Denken (um jetzt mal so einen grob vereinfachenden Sammelbegriff in die Runde zu werfen) hatte die Welt radikal in zwei Teile geteilt: Die materielle Welt, die chaotisch, regellos, ja sündig war, und die geistige Welt, in der eine göttliche Ordnung herrschte. Wahre Erkenntnis war nur mit Hilfe Gottes möglich und bezog sich letztlich auf diese geistige Welt; auf die materielle Welt konnte sie sich nicht beziehen, weil in sich dieser jederzeit der göttliche Wille in Form von Wundern manifestieren konnte, oder aber das Wirken von Satan oder seinen Jüngern alle Regeln über den Haufen warf.

    Mit Aufkommen der neuzeitlichen Rationalität und einer systematischen Naturforschung wurde mehr und mehr klar, daß diese scheinbar chaotische und regellose materielle Welt Regeln gehorchte, absoluten Regeln, deren Gültigkeit einfach feststand. Die Gesetze etwa der Gravitation gelten absolut, wir können vor jeder realen Erfahrung wissen, daß ein Apfel, der sich vom Ast löst, auf den Boden fallen wird und nicht in die Erdumlaufbahn entschweben wird. Und wenn wir die Höhe des Astes über dem Boden kennen, werden wir exakt voraussagen können, mit welcher Geschwindigkeit der Apfel auf den Boden prallen wird.

    Warum können wir so etwas wissen? Was ist die Bedingung der Möglichkeit derartiger Erkenntis? Warum funktioniert Naturwissenschaft? Oder anders gefragt: Wie sind synthetische Urteile a priori möglich? Genau dies ist die Fragestellung von Kant. Oder in Deinem Beispiel: Warum wissen wir, daß der Baum, der im Wald umfällt, ein Geräusch machen wird, auch wenn niemand da ist, der es hört? Warum kann das menschliche Denken die in der materiellen Welt herrschenden Strukturen erkennen, so daß es absolut gültige Aussagen über die Welt machen kann, die der konkreten Erfahrung vorhergehen? Descartes verzweifelt noch an dieser Frage und muß wieder einen gütigen Gott einführen, der uns nicht täuschen will. Spinoza operierte monistisch mit der einen Substanz, von der Denken und Materie nur zwei verschiedene Modi sind und die deshalb immer synchron sind. Leibniz hat mit seiner Monadenlehre einen völlig abgespaceten, psychedelischen Vorschlag skizziert, der viel zu wenig beachtet wurde.

    Erst Kant wartete mit einer überzeugenden Lösung auf: Wir erkennen die Welt nicht so, wie sie an sich ist, sondern nur so, wie sie für uns ist. Unsere Erkenntnis legt die Struktur der Welt fest, wir erkennen sie immer nur so, wie sie für uns ist, wir haben keinerlei Chance, sie mit anderen Augen zu sehen, sondern wir werden nur das an ihr erkennen, was den grundlegenden Erkenntnisstrukturen unseres Geistes entspricht. Diese grundlegenden Erkenntnisstrukturen sind aber nicht individuell, sondern allgemein. Das Subjekt, das die Welt strukturiert, sind nicht die individuellen Menschen, sondern es ist transzendental. So wie die Summe der Winkel im Dreieck immer 180° ergibt, egal welches empirische Individuum die Winkelsumme ermittelt, so sind Raum und Zeit überindividuelle Kategorien, die für jedes empirische Individuum Gültigkeit haben. Es wäre aber ein Fehler, diese Gültigkeit, nur weil sie für jedes Denken gilt, auch der Welt an sich zuzuschreiben. Nur für uns organisiert sich die empirische Welt in Raum und Zeit, wie sie an sich ist, wissen wir nicht. Da uns die Welt aber immer nur in der Form begegnet, wie sie für uns ist, nicht wie sie an sich ist, spielt dies auch keine Rolle.

    Damit hat Kant die Bedingung der Möglichkeit von Naturwissenschaft begründet. Die immanenten Strukturen des Denkens sind auch die Struktur der Welt, weil wir die Welt immer nur innerhalb dieser Strukturen erfahren. Weit entfernt also davon, sinnloserweise einen Dualismus von Subjekt und Objekt einzuführen zielt Kants kritischer Rationalismus darauf ab, die Einheit von Welt und Denken rational zu begründen, indem er erkennt, daß Erkennntnis die Welt nur dann lückenlos ergründen kann, wenn sie die Welt selbst so strukturiert, daß Erkenntnis und Welt nicht auseinanderklaffen, das heißt, das (Transzendental-)Subjekt konstituiert die Strukturen der Objektwelt.

    Hegels absoluter Idealismus akzeptiert dann die Trennung zwischen der Welt wie sie an sich ist und der Welt, wie sie für uns ist, nicht. Es wäre ein Fehler zu glauben, daß es sich dabei einfach um eine Fortentwicklung der selben Problemstellung handelt. Die Bedingung der Möglichkeit von Naturwissenschaft interessiert Hegel nicht die Bohne. Ging es Kant um die Möglichkeit von Naturwissenschaft, geht es Hegel letztlich um die Möglichkeit, die Ordnung der Gesellschaft aus Vernunft zu begründen. Im Staat manifestiert sich das allgemeine Subjekt, das zugleich Substanz ist. Der absolute Idealismus Hegels beruht darauf, daß der Geist, die reine Logik, sich in die materielle Welt entläßt, die zunächst nur Materie, reines Chaos, bloße Kontingenz ist, diese materielle Welt sich an sich selbst als wohlstrukturiert erweist, dabei immer höhere geistige Strukturen entwickelt und mit der Realisierung der sittlichen Idee, dem Staat, zu überindividueller Vernunft kommt.

    Auch bei Hegel haben wir keinen Dualismus. Das Hegelsche Subjekt, das zugleich Substanz ist, entzweit sich selbst in Subjekt und Objekt, nur um diesen Schein der Trennung auf immer neuen Stufen wieder aufzuheben, sich erneut zu verlieren und schließlich als unendlich differenziert doch wieder zu sich selbst zu kommen. Auch hier ist nicht das Problem, daß die Welt nicht als Einheit betrachtet wird, mühsam Subjekt und Objekt zusammengebracht werden müssen, sondern daß die Einheit sich differenziert, in Subjekt und Objekt auseinandertritt, nun um die vorgängige Einheit auf höherer Stufenleiter wieder herzustellen.

    Wenn man so will, handelt es sich sowohl bei Kant wie auch bei Hegel darum, gegen den Schein von Subjekt und Objekt zu begründen, warum man von einer Einheit ausgehen kann, die Trennung aber bloßer Schein ist.

    Meine Weinflasche neigt sich dem Ende zu (für bersarin: Gewürztraminer von Alphonse Meyer et Fils), der Geist des Weines wird stärker als der Geist der Philosophie und ich schließe diesen schon überlangen Kommentar.

    alterbolschewik

    4. Juni 2011 at 22:09

  16. Na da habt ihr ja eine Menge geschrieben, ich kann natürlich nicht auf alles eingehen und führe eine mir wichtig erscheinende Punkte an.

    Die Spaltung der Welt in Subjekt und Objekt ist willkürlich, beide gehören der gleichen Welt an (es gibt nur eine). Alle möglichen Objekte sind Teil der Welt und alle Subjekte auch. Der Begriff des Subjekts ist eine Abstraktion die letztlich nur das denkende, menschliche Bewusstsein meint, man kann das sehr schön an Descartes sehen, wie er aus der Möglichkeit der Sinnestäuschung schließt, dass alles Wissen unsicher ist. Dabei ist doch klar, dass man Sinnestäuschung nur erkennen kann, weil es auch die Möglichkeit gibt, sich nicht zu täuschen, sprich korrekte Wahrnehmungen zu haben. Quine schreibt dazu:

    „Täuschungen sind Täuschungen nur relativ zu vorhergehender Akzeptanz der Existenz wirklicher Körper, zu denen man sie kontrastieren kann. In einer Welt reiner Sinnesdaten ohne die Annahme von Körpern hätte die Unterscheidung von Wirklichkeit und Täuschung keinen Platz. Die Annahme von Körpern ist bereits rudimentäre Physik, und nur auf dieser Basis machen skeptische Zweifel überhaupt Sinn. … Skeptische Zweifel sind wissenschaftliche Zweifel.

    Die Möglichkeit, erkenntnistheoretische Probleme überhaupt zu behandeln, hängt in deutlicher Weise von der Akzeptanz der Physik ab. … Dementsprechend sollte Erkenntnistheorie als ein Unternehmen im Rahmen der Naturwissenschaft betrachtet werden.
    Cartesianischer Zweifel ist nicht der richtige Ausgangspunkt. Wir können durchaus unser Bild von der Natur beibehalten und gleichzeitig fragen, wir wie zu ihm gekommen sind.“
    Quine, Quintessence, S. 287ff. Meine Übersetzung

    Der Begriff des Subjektes im Sinne der neuzeitlichen Philosophie ist also eine Erfindung von Descartes, es gab ihn vorher nicht. Und er findet sich auch nicht bei Aristoteles. „Hypokeimenon“ bedeutet nämlich nicht Subjekt im ontologisch/metaphysischen Sinne, sondern nur das Subjekt des Satzes (wird ja auch eingeführt in der Schrift „Über den Satz“) oder auch Substanz (im Gegensatz zur Form) im physikalischen Sinne.

    Der Widerspruch, der schon in der Annahme eines transzendentalen, die Welt konstituierenden (oder zumindest mitkonstituierenden) Subjekts liegt, ist meines Erachtens Evident. Ich sehe nicht, wie man die Existenz eines Subjektes behaupten kann, ohne anzugeben, wie dieses innerhalb der (unabhängig von ihm existierenden) Welt zu verorten ist, und dann wird man notwendigerweise auf naturwissenschaftliche Erklärungen (im wesentlichen aus der Biologie) verwiesen, oder auf ein absolutes (gewissermaßen göttliches) Subjekt, wie es Fichte postuliert hat (den ich für einen wesentlich tieferen und konsequenteren Denker halte, als Hegel). Und da sind wir auf der einen Seite bei Darwin (der eigenartiger Weise in eurem Weltbild nicht vorkommt) und auf der anderen bei Kant.

    „Warum kann das menschliche Denken die in der materiellen Welt herrschenden Strukturen erkennen, so daß es absolut gültige Aussagen über die Welt machen kann, die der konkreten Erfahrung vorhergehen?“

    Durch Induktion, wodurch sonst? Die Erwartung, dass sich die Welt auch weiter so verhalten wird, wie bisher, hat sich eben bewährt. Quine sagt: „People are prone to this (i.e. induction), and so are other animals” (a.a.O.) Weiter:

    „Wir erkennen die Welt nicht so, wie sie an sich ist, sondern nur so, wie sie für uns ist.“

    Wen wir sie nicht so erkennen würden, wie sie wirklich (oder „an sich“) ist, wären wir bald tot. Es gibt nicht den geringsten Grund, anzunehmen, dass die Welt anders wäre, als wir sie erkennen.

    „Unsere Erkenntnis legt die Struktur der Welt fest, wir erkennen sie immer nur so, wie sie für uns ist, wir haben keinerlei Chance, sie mit anderen Augen zu sehen, sondern wir werden nur das an ihr erkennen, was den grundlegenden Erkenntnisstrukturen unseres Geistes entspricht.“

    Ich würde das andersrum formulieren: „Die Welt legt die Struktur unserer Erkenntnis fest, wir erkennen nur das an ihr, was wir für unser Überleben wirklich brauchen. Die „grundlegenden Erkenntnisstrukturen unseres Geistes“ entsprechen eben den grundlegenden Strukturen der Welt, deshalb können wir sie erkennen.

    „Diese grundlegenden Erkenntnisstrukturen sind aber nicht individuell, sondern allgemein. Das Subjekt, das die Welt strukturiert, sind nicht die individuellen Menschen, sondern es ist transzendental.“

    Ah ja, und wo befindet sich dieses transzendentale Subjekt, wenn nicht in den individuellen Menschen? Im Ideenhimmel? Man könnte es natürlich als die in der Evolution entstandenen Strukturen des menschlichen Erkenntnisvermögens ansehen, aber dann wäre es natürlich nicht mehr transzendental sondern empirisch.

    „Weit entfernt also davon, sinnloserweise einen Dualismus von Subjekt und Objekt einzuführen zielt Kants kritischer Rationalismus darauf ab, die Einheit von Welt und Denken rational zu begründen.“

    Nachdem man sie zunächst mal willkürlich auseinander gerissen hatte, s.o.

    Im übrigen ist Kants Theorie in sich selbst nicht konsistent, denn er widerspricht sich selber, wenn er das Verhältnis von Ding an sich und menschlichem Bewusstsein als kausal hinstellt. Kausalität kann nicht gleichzeitig Kategorie des erkennenden Verstandes sein und objektiv in der Welt gelten. Wenn die Dinge in der Welt unsere Vorstellungen hervorrufen, existiert die Kausalität offenbar wirklich in der Welt, oder? Das ist natürlich schon früher aufgefallen, Gottlob Ernst Schulze schrieb 1792 in ein Buch mit dem Titel „Aenesidemus oder über die Fundamente der von dem Herrn Professor Reinhold in Jena gelieferten Elementar-Philosophie. Nebst einer Vertheidigung des Skepticismus gegen die Anmassungen der Vernunftkritik“

    Dieses Buch ist längst aus den Buchläden und Bibliotheken verschwunden, ich konnte es mit Glück bei ebay in einer Ausgabe von 1911 ersteigern. Da hat sich die Ehrfurcht vor dem Geistesriesen Kant offenbar voll durchgesetzt. Und auch Friedrich Heinrich Jacobi ist ziemlich vergessen, dessen Kant-Kritik hier ganz gut zusammengefasst ist: „Da Kant durch seinen Begriff der Sinnlichkeit voraussetzte, daß es einen Eindruck des Außenwelt auf das Subjekt gebe, muß er zur Annahme eines Ding an sich gelangen, d.h. ohne den Begriff des Ding an sich kommt man nicht in das Kantsche System hinein. Mit ihm aber kann man nicht darinnen [p74] bleiben: wenn Kant wirklich konsequent ist, muß er ernst damit machen, daß das transzendentale Objekt nur ein durch das Bewußtsein gesetztes x ist. Kant muß auf die Affektion des Bewußtseins verzichten und ganz Idealist werden. Jacobi kommt so zu dem Schluß: Wenn der Kritizismus nicht dem Nihilismus oder dem absoluten Skeptizismus verfallen will „muß [er -AH] den Mut haben, den kräftigsten Idealismus, der je gelehrt worden ist, zu behaupten, und selbst vor dem Vorwurfe des spekulativen Egoismus sich nicht fürchten“ (Werke II, 310; zit. nach Lehmann 1931, 56). Zudem ist nach Kant auch die Kausalität eine subjektive Kategorie, darf also nicht benutzt werden, um die Beziehung zwischen den Dingen an sich und Erscheinungen zu erklären. Daß Kant dennoch dies an vielen Stellen macht, belegt Jacobi an hand vieler Zitate.“ (http://www.stork-herbst.de/s_aufs/auf002.html)

    Man sollte also bei allem Respekt vor Kants zweifelos großer Leistung doch auch nicht die Fehler und Schwächen seines Denkens übersehen. Respekt vor Autoritäten ist auch kene sonderlich philosophische Haltung.

    Pyrrhon

    9. Juni 2011 at 16:11

  17. Sehr kurz nur, da ich momentan wenig Zeit habe: Vollkommen richtig ist es, daß der Subjektbegriff, der an Individualität oder an mentale Zustände gekoppelt ist, ein neuzeitlicher ist. Allerdings kann man sich auch bei Descartes streiten, ob es sich bei ihm bereits um einen neuzeitlichen Subjektbegriff handelt, ob die res cogitans bereits darunter fällt. In jedem Falle läßt sich bei Descartes aber ein Wandel innerhalb dieses Begriffes festmachen.

    Natürlich findet sich der Begriff des Subjekts im neuzeitlichen Sinne nicht bei dem antiken Philosophen Aristoteles. Hypokeimenon bei Aristoteles bzw. (in der Transformation zum Lateinischen) subiectum, das ist richtig, ist gebunden an die Begriffe Substanz und Wesen, und sie stehen über die Kategorienlehre in einem logisch-ontologischen , nicht in einem individualitätstheoretischen oder im mentalistischen Kontext. Es herrschen hier andere Bedeutungen vor, bzw. es ist dieser Begriff anders konnotiert als in einer klassischen Subjekt/Objekt-Gegenüberstellung (deren Starrheit zudem niemand hier verteidigen würde). Wie sich ein solcher Begriff von Substanz und von Subjekt verwandelt bzw. transformiert, ist ein Projekt der Philosophiegeschichte. Daß die Koppelung des Subjekts in diesem klassischen Sinne, innerhalb der Logik der Repräsentation gedacht, einer Epoche angehört, zeigte Foucault. Und dies ist, neben dem Denken Derridas, durchaus ein Weg, der teils weiterzudenken ist. Der Mensch als Gesicht im Sand, jenes bekannte Bild am Ende von „Die Ordnung der Dinge“. (Aber womöglich habe ich es auch hier mit einem unausgewiesenen Foucault-Verächter zu tun, wie schon in anderen Blogs.)

    Zum Begriff des Subjekts und zu Kant – vielleicht – demnächst mehr. Soviel nur kurz: Daß das transzendentale Subjet die Welt konstituiert, ist allerdings sehr aus der Position des radikalen Konstruktivismus heraus gedacht. Hier ist zu widersprechen. Und das Problem des Ding an sich ist nun gerade das Einfallstor, durch das hindurch die Kritik des Deutschen Idealismus einsetzte, wesentlich eben bei Hegel in seiner „Wissenschaft der Logik“: Eine Grenze zu setzten, heißt bereits, diese zu überschreiten. Bei Hegel gibt es dann natürlich auch eine umfassende Kritik an Jacobi in „Glaube und Wissen“. Das müßte ich aber nachlesen und vermag es nicht aus dem Kopfe heraus referieren.

    Aber ich kann mich in Deinen Text jetzt nicht weiter hineinlesen, sondern ich muß enden, da ich sonst nicht mehr zu anderen Dingen komme. Vielleicht aber in einigen Tagen mehr, falls nicht andere mir zuvorkommen, denn Pfingsten steht vor der Tür.

    Nachsatz: es geht beim Umgang mit der Tradition natürlich nicht um einen Respekt, der autoritär bzw. dogmatisch auftritt, sondern um die immanente Kritik: gleichsam den Autor resp. seinen Text mit seinen eigenen Mitteln über ihn selber hinauszutreiben oder dort einzusetzten, wo er sich in (teils notwendige) Widersprüche verwickelt. Von der Dekonstruktion (im Sinne Derridas) gedacht: den blinden Fleck des Textes finden.

    Die Trennung von Subjekt und Objekt ist Schein und real zugleich, schreibt Adorno an einer Stellen.

    Bersarin

    9. Juni 2011 at 21:13

  18. „Daß das transzendentale Subjet die Welt konstituiert, ist allerdings sehr aus der Position des radikalen Konstruktivismus heraus gedacht. Hier ist zu widersprechen.“

    So haben Kant zumindest seine frühen Kritiker verstanden, und ich finde ihre Argumentation recht überzeugend. Wenn Kant von einer ‚Wirkung [des Dings an sich] auf die Vorstellungsfähigkeit‘ (KrV A19 = B34), von ‚Vorstellungen, dadurch sie [sc.: die Dinge an sich selbst] uns affizieren‘ (A190 = B235), von der ‚Realität als Ursache […] der Empfindungen‘ (A168 = B210), von einer ’nichtsinnliche[n] Ursache dieser Vorstellungen‘ (A494 = B522) oder von ‚Vorstellungen, die sie [sc.: Die Dinge an sich] in uns wirken, indem sie unsere Sinne affizieren‘ (Prolegomena, 13, Anm. II [AA IV, 289; vgl. KrV A19 = B33 und A358), dann redet er ganz eindeutig von einem kausalen Verhältnis zwischen Ding an Sich und Vorstellung, die es nach seiner eigenen Theorie eigentlich nicht geben dürfte (da Kausalität nur Kategorie des Verstandes und damit nichts objektiv in den Dingen liegendes sein soll). Damit ist Kants Theorie für mich hinfällig (und ein Rückschritt hinter die realistischere Position von Hume).

    „Die Trennung von Subjekt und Objekt ist Schein und real zugleich, schreibt Adorno an einer Stelle.“

    Ja das mag man so sehen, sie ist psychologisch real und wissenschaftlich gesehen falsch. Die Welt ist einem ja selber immer nur gemeinsam mit dem eigenen Subjekt präsent, was allerdings ein rein empirisch/psychologisches Faktum ist, denn was vor unserer Geburt geschah, ist für uns eben kein direkter Bewusstseinsinhalt, in sofern fängt die Welt für mich mit meiner eigenen Existenz an. Objektiv gesehen geht natürlich die Welt meiner Existenz voraus. Sonst müsste ich ja das Absolute Ich sein.

    Pyrrhon

    22. Juni 2011 at 13:21

    • Oh heilige Einfalt! Nur weil Du glaubst, bei Kant (bzw. in der Sekundärliteratur über Kant) einen Widerspruch gefunden zu haben, ist Kants Theorie für Dich hinfällig. Doch dieser Widerspruch ist keiner, da nützen auch alle aus der Sekundärliteratur hergezerrten Zitate nichts: Eine „Kausalität“, bei der explizit konstatiert wird, daß wir über ihren Grund nichts aussagen können, ist keine „Kausalität“. Kant spricht davon, daß wir affiziert werden, wie diese Affektion aber zustande kommt, liegt jenseits dessen, was reine Vernunft ergründen kann. Doch selbst wenn hier wirklich ein Widerspruch vorliegen würde: Hegel hat ein paar mehr Widersprüche als Du bei Kant gefunden, was ihn trotzdem nicht dazu bewogen hat, Kants Theorie für hinfällig zu erklären. Und Adorno lobte dann Kants Theorie ausdrücklich deswegen, weil bei ihm die Widersprüche klarer als bei Hegel zu Tage treten.

      Dennoch finde ich Deine Hartnäckigkeit irgendwie rührend. Diese Mischung aus Arroganz und Ignoranz erinnert mich schwer an mich selbst, wie ich so mit Anfang Zwanzig meine Professoren in den Wahnsinn getrieben haben muß.

      In der Philosophie geht es nicht darum, widerspruchsfreie Systeme aufzustellen, die einem dann die ganze Welt erklären – mal davon abgesehen, daß Dein darwinistischer Vulgärmaterialismus auch nicht ansatzweise dazu taugt. „Widerspiegelungstheorie“ nannte man eine Position wie die Deine früher einmal, und das Grundlagenwerk dazu ist Lenins Materialismus und Empiriokritizismus. Vielleicht als Lektüretip, da Du gerne antiquarisch obskure Autoren erwirbst: George Thomson, Die ersten Philosophen, dürfte Dir recht gut gefallen, denn Thomson versucht (leider mit mäßigem Erfolg) genau das, was Du postulierst, nämlich Denkformen evolutionsbiologisch abzuleiten.

      Ich weiß, daß das jetzt verlorene Liebesmüh‘ ist, aber trotzdem noch einmal: Daß die Winkelsumme im Dreieck 180° beträgt, wissen wir nicht deshalb, weil Generationen von Menschen alle möglichen Dreiecke ausgemessen haben. Dieser Satz kommt nicht durch Induktion zustande, er ist absolut, vor jeder Empirie gültig. Auch Raum und Zeit werden nicht empirisch erfahren, sondern sie sind Bedingungen jeder empirischen Erfahrung – das macht sie transzendental (nicht transzendent; wenn Du auch nur ein bißchen Kant gelesen hättest, statt ihn großspurig zu verwerfen, wäre Dir immerhin die Differenz zwischen transzendental und transzendent geläufig).

      Aber wie gesagt, ich kenne diese jugendliche Arroganz von mir selbst ganz gut, weshalb ich nicht glaube, daß eine weitere Diskussion irgendwie fruchtbar wäre. Ich werde Dich nicht überzeugen, und Du schon gar nicht mich, weshalb ich diese Diskussion zumindest von meiner Seite aus hiermit als für beendigt erkläre.

      alterbolschewik

      23. Juni 2011 at 11:50

  19. Aber großer Wurf, die ganze Diskussion! Ich bin da selbstverständlich ganz auf der Seite des Alten Bolschewiken, wobei ich mich hinsichtlich Erkenntnistheorie gerade im Umfeld der Relativistischen Quantentheorie und ihrer Auswirkungen auf den Realitätsbegriff bewege und mal wieder etwas ratlos „Welche Realität, bitteschön?“ frage. Dazu, wenn ich es begriffen habe, demnächst mehr.

    che2001

    23. Juni 2011 at 22:23

  20. Nun ja, das ist halt die übliche Arroganz der Idealisten, alle, die ihre Ideen nicht teilen sind Idioten oder halbgebildete. Ich sag dazu nichts weiter.

    Ich stelle nur mal fest:

    1) Du behauptest die Existenz eines „Transzendentalen Subjekts“, das angeblich nicht empirisch ist aber trotzdem die Erkenntnis jedes individuellen Menschen bestimmt, aber du bist nicht in der Lage, etwas über den ontologischen Status desselben auszusagen (außer dass es „absolut“ ist).

    2) Auf meinen Versuch, die entsprechenden Phänomene der menschlichen Erkenntnis (Mathematik usw.) als Anpassung im Rahmen der (biologischen) Evolution zu erklären, bist du nicht eingegangen. Es gilt natürlich auch hier das Prinzip von Ockhams Rasiermesser, nach dem einfache Erklärungen vorzuziehen sind. Davon Konnte Kant natürlich noch nichts wissen, aber du kannst es. Wenn man aber ganz bewusst weder Evolutionstheorie noch angelsächsische (=wissenschaftsorientierte) Philosophie zu Kenntnis nimmt, zeigt man natürlich schon ein gewisses Maß an Borniertheit.

    3) Du hast nichts gesagt zum Verhältnis von Welt und erkennendem Subjekt, was nicht verwundert, denn es ist auf idealistischer Basis nicht zu erklären. Ich wiederhole mich: wenn das Subjekt die Welt hervorbringt und nicht umgekehrt, ist das Subjekt Gott (Verweis auf Fichte). Schopenhauer hat versucht, dieses Verhältnis idealistisch zu erklären indem er behauptete, die Welt sei ein „Gehirnphänomen“. Hier stellt sich mir die Frage, ob damit das Gehirn selber ein Gehirnphänomen ist? Ist es denn kein teil der Welt?

    Heilige Einfalt, diese Fragen nicht zu stellen.

    Pyrrhon

    28. Juni 2011 at 11:47

  21. Also doch noch eine (allerletzte) Antwort:

    ad 1) Nicht ich behaupte das, sondern Kant. Und im Gegensatz zu Dir verstehe ich, was Kants Problem war und weshalb er auf diese Lösung gekommen ist. Ich halte diese Lösung nicht für richtig, aber es läßt sich schwer mit jemandem diskutieren, der behauptet, das Problem gäbe es überhaupt nicht.

    ad 2) Du hast keinerlei Versuch unternommen, Erkenntnis evolutionstheoretisch zu begründen, sondern Du hast das einfach behauptet. Auf meine Frage, wie Du dann die absolute Geltung mathematischer Sätze begründen willst, bist Du jede Antwort schuldig geblieben. Ich habe Dir sogar einen (durchaus ernstgemeinten) Literaturhinweis zu einer evolutionsbiologischen Begründung der Erkenntnistheorie gegeben, denn im Gegensatz zu Dir kenne ich das, worüber ich den Stab breche (weshalb ich auch gleich zugegeben habe, daß ich Quine nicht gelesen habe, daß mich aber auch nichts reizt, das zu tun). Und Ockham war ein paar Jahrhunderte vor Kant, dessen Rasiermesser kannte er recht gut.

    ad 3) Ich habe nirgendwo behauptet, daß das Subjekt und schon gar nicht menschliche Individuen die Welt hervorbringen; ich habe nur Kants durchaus elegante Lösung referiert, daß die Formen, innerhalb derer wir die Welt wahrnehmen, subjektive Formen sind, die der Erkenntnis notwendig vorhergehen. Und noch einmal: Bevor Du die Frage stellst, wo denn das Transzendentalsubjekt stecke, solltest Du Dich mit dem Unterschied von transzendental und transzendent beschäftigen.

    Und zum letzten: Natürlich sind unsere Hirne das Resultat der Evolution. Und es gibt keinen Gott oder sonst ein absolutes Subjekt außerhalb der empirischen Welt. Damit habe ich überhaupt kein Problem. Aber das alles sind keine Antworten auf erkenntnistheoretische Fragen, sondern hier fangen sie überhaupt erst an (der Idealismus hat es da in der Tat sehr viel leichter). Philosophieren heißt aber zuallererst einmal, die Fragen zu verstehen, nicht einfach mit (scheinbar) gesundem Menschenverstand ein paar tausend Jahre Philosophiegeschichte als komplett irrelevant abtun.

    alterbolschewik

    28. Juni 2011 at 13:41

  22. Ja wenn unsere Hirne das Resultat der Evolution sind frage ich mich schon, wozu du das transzendentale Subjekt benötigst? Und wenn es „keinen Gott oder sonst ein absolutes Subjekt außerhalb der empirischen Welt“ gibt, wie willst du dann die entsprechenden Phänomene anders als ich es angedeutet habe („als die in der Evolution entstandenen Strukturen des menschlichen Erkenntnisvermögens“ ) verstehen?

    Der ganze idealistische Quatsch ist (nach dem Prinzip von Ockhams Rasiermesser) schlicht und einfach überflüssig, da sich die Welt ohne ihn sehr viel einfacher erklären lässt. Vielleicht sollte man mal die ganze Verliebtheit in die schönen, hochkomplexen Theorien fahren lassen und ihren Autoren glauben schenken, wenn sie sagen, dass es ihnen darum geht, den Glauben an Gott und die Unsterblichkeit der Seele gegen den Atheismus zu verteidigen (Descartes), oder das Wissen zu begrenzen, um dem Glauben Platz zu schaffen (Kant).

    Bei Leuten, die sich als Revoluzzer verstehen und anderen die Lektüre Lenins empfehlen wirkt soviel Respekt vor großen Namen jedenfalls eher lächerlich.

    Pyrrhon

    13. Juli 2011 at 13:40

  23. O sancta simplicitas!

    Es gibt Menschen, die bringen sich sich um den Verstand, indem sie den lieben langen Tag lang Fernsehen; bei anderen besorgt das Ockhams Rasiermesser, weil sie sich den Verstand und schlimmer noch: die Vernunft amputierten, und zwar durch unsachgemäßes Fuchteln mit jenem Messer, von dem sie im Grunde nichts verstehen. Wobei ich kein böses Wort gegen Ockham geschrieben haben will, obwohl auch hier schon, gleichsam an sich, das Prinzip des gesunden Menschenverstandes waltet, das mit Philosophie selten kompatibel ist. Freilich gehört Ockham in die Riege der Aufklärer, und ihn auf den puren Empirismus zu reduzieren, wird ihm nicht im mindesten gerecht. Ockham ging es darum, die Gesetze der kirchlichen Obrigkeit infrage zu stellen, gar zu brechen, die Philosophie des Aristoteles, die Differenz von Glauben und Wissen im Diskurs des Mittelalters fruchtbar zu machen. „Ockhams Rasiermesser“ ist dann auch nur ein Slogan, um dünne Bretter zu bohren und sich über Namen vom Denken und von der Kritik freizukaufen. In der Wissenschaftstheorie oder der Analytischen „Philosophie“ hat der Name Ockham nichts verloren. Und es ist eine Unverschämtheit und leider die schädliche Nebenwirkung des Internet, daß jeder Spacken sich zu Wilhelm von Ockham und anderen Dingen der Philosophie öffentlich äußern kann, frei von Wissen und Kenntnis.

    Empirie und Transzendentales: Das Denken des Denkens ist nun einmal nicht Bestandteil der Empirie und damit auch nicht der Physik oder der Biologie. Es wäre schön und der Sache angemessen, hier einfach mal die Ebenen auseinanderzuhalten, Pyrrhon. Dir, der Du auf die Wissenschaft so sehr pochst, sollte diese Differenzierung – auch durch die Lektüre von Quine – präsent sein. Wenn ich einen Wein trinke und mein Gehirn den Weingeschmack wahrnimmt, so nützt es nichts, das Gehirn zu untersuchen, es aufzuschneiden, daran zu lecken: den Weingeschmack und seinen Ausprägungen oder gar seinen kulturellen Codierungen wird niemand mit solchen Praktiken näherkommen.

    Nein: das Denken des Denkens und das transzendentale Subjekt kommen nicht in der Natur vor, das transzendentale Subjekt sitzt nicht zusammen mit Hen, Kay und Pan auf einer Parkbank, rockert herum, quatscht Mädchen und Jungs an und macht ihnen Angst. Das Denken des Denkens oder das transzendentale Subjekt lassen sich nicht reifizieren, da dies ihrem „ontologischer Status“ widerspricht: es sind nämlich strukturierende Prinzipien. Das Denken des Denkens mit Spießen und Stangen einzufangen, ist eines der absurden Unterfangen, über das Hegel nicht müde wurde zu spotten. „Ja, wo laufen sie denn?“

    „Ah ja, und wo befindet sich dieses transzendentale Subjekt, wenn nicht in den individuellen Menschen?“ Nicht einmal die Naturgesetze, auf die Du so brav pochst, und schon gar nicht die Axiome der Mathematik befinden sich dort. Sie sind vollkommen unabhängig vom „individuellen Menschen“ und kommen ganz gut ohne ihn aus. Nicht anders als das Kapital übrigens.

    „Damit ist Kants Theorie für mich hinfällig …“ Was für eine Begründung! Es ist immer dieser alte Hut, und zudem ein Beharren auf hybrider Subjektivität („für mich hinfällig“): da, wo es um die Sache, also um den objektiven Gehalt von Kants Philosophie geht, hat das Meinen nichts verloren. Wie oft muß ich es eigentlich noch erklären? In der Philosophie läuft es nicht so ab, daß eine Theorie hinfällig ist, weil einzelne Aspekte derselben in die Kritik geraten. Kant ist durch Hegel oder Quine eben nicht hinfällig, sondern sein Text gerät in eine andere Konstellation. Auf meinem Blog wollte ein Kommentator Foucault damit widerlegen, daß das Bentham-Prinzip zur Gefangenenüberwachung gar nicht das die Gefängnisse strukturierende Prinzip sei. Es gibt nichts, was es nicht gibt, Pyrrhon. Sogar Dummköpfe. Das Benthamsche Panoptikum ist strukturierendes Prinzip der Überwachung, auch in Gefängnissen, die jenem Prinzip von der Architektur her nicht entsprechen. Und wenn ich es etwas vulgär machen wollte, schriebe ich, daß wir bei Benthams Panoptikum das Transzendentale im Sinne eines Ordnungsprinzips in die Empirie gewendet vorliegen haben.

    „Die Erwartung, dass sich die Welt auch weiter so verhalten wird, wie bisher, hat sich eben bewährt.“ Ja, in der Tat, deswegen haben wir auch heute noch das ptolemäische Weltbild. Und von dieser Logik zehrt auf der Ebene des Gesellschaftlichen genauso der Kapitalismus samt seinem Kumpel dem ach so gesunden Menschenverstand. Wenn dieser gesunde Menschenverstand sagt, daß wir heute mal Migranten jagen müssen, weil die uns die liebe, gute, alte Arbeit wegnehmen, dann hat dieser gesunde Menschenverstand natürlich recht und hat sich bewährt, denn er geht ja von natürlichen Annahmen aus, wenn ich auf der unmittelbaren Ebene sehe, daß ein Migrant hochwürdige Arbeit wie Putzen, Spargelstechen und Hamburgerausgabe hat, ich aber nicht. Aber so will es hinterher dann wieder keiner gemeint und verstanden haben.

    Aus Deinen Äußerungen, Pyrrhon, geht allerdings hervor, daß Du Dich mit Kant wenig bis gar nicht beschäftigt hast (dies ist die höfliche Lesart) und auch Dein Verständnis von Quine hinkt arg. Und so war die Intuition meines ersten Postings also durchaus die richtige.

    Dein Abwehrreflex im Hinblick auf die Komplexität von Philosophie erscheint zwar einerseits rührend, aber er nervt mittlerweile und führt nicht weiter. Niemand hier spricht gegen die Naturwissenschaften, aber es erschöpfen sich die Subjekte, die Dinge nicht und schon gar nicht die Welt im Naturalismus. Jeder ernsthafte Physiker würde sich über die Äußerung zu Tode lachen, daß die Erkenntnistheorie in die Physik gehört. In die Physik gehört die Physik und nichts sonst.

    Sei übrigens froh, Pyrrhon, daß ich heute einen schreibfaulen Tag habe und nicht das Karl-Kraussche Füllhorn des gesammelten Spottes über Dich ausgieße, das Deiner angemessen ist.

    Bersarin

    14. Juli 2011 at 18:45

  24. Blahblahblah….Festzuhalten bleibt, dass ein naturalistisches, auf Evolution aufbauendes Denken die menschliche Erkenntnis (einschließlich Mathematik) sehr gut und wiederspruchsfrei erklären kann, während du das Subjekt (egal ob empirisch oder transzendental) nicht zu erklären vermagst sondern es einfach voraussetzt und die Welt aus ihm (irgendwie) ableitest. Und natürlich jede Menge sprachliche Redundanz produzierst, was dir offenbar großen Spaß macht.

    Während der alte bolschewik zumindest zu der Erkenntnis geklangt ist, dass „unsere Hirne das Resultat der Evolution sind, und es keinen Gott oder sonst ein absolutes Subjekt außerhalb der empirischen Welt gibt“ was ein großer Fortschritt ist.

    Aber so weit bist du noch nicht, und wirst wohl auch nicht dahin gelangen.

    pyrrhon

    21. Juli 2011 at 12:07

  25. Um’s mal ganz unverblümt auf den Punkt zu bringen: Pyrrhon, Du bist ein absoluter Vollidiot, der nicht die geringste Ahnung von dem hat, wovon Du schwafelst. Jede Auseinandersetzung mit Dir ist komplett fruchtlos, weil Du auch nicht den geringsten Schimmer davon hast, worum es philosophischem Denken geht. Meine Position und die von Bersarin unterscheidet sich, zumindest in dem, worum es Dir geht, nicht um ein Jota. Aber um das zu begreifen, fehlen Dir die allerprimitivsten Voraussetzung. Ich empfehle Dir wirklich, erst einmal Kant zu lesen, und so lange einfach mal das Maul zu halten. Punkt. Und so sehr ich engagierte Kommentatoren schätze: Das ist wirklich das letzte Mal, daß ich auf einen Deiner unqualifizierten Beiträge, die bar jeder argumentativen Substanz sind, antworte.

    alterbolschewik

    22. Juli 2011 at 0:32

  26. Wer meint, über Philosophie diskutieren zu können und dabei zu dumm ist, um aus dem Bus zu gucklen hat sich hier gerade die ganz falschen Gegner ausgesucht;-)

    che2001

    23. Juli 2011 at 14:37


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