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Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

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Durch Nacht zum Licht?

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„Leiharbeit heute und Hartz IV. Wer hat’s erfunden? Wir haben es nicht vergessen.“

Transparent der IG Metall VW Braunschweig, 2011

Der hundertundfünfzigste Geburtstag der SPD ist ja nun abgefeiert. Es ist ganz bezeichnend, daß die Partei sich die Gründung des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins (ADAV) am 23. Mai 1863 als ihr Geburtsdatum ausgesucht hat. Das Elend begann damit, als diese weitgehend bedeutungslose Arbeiterorganisation einen großmäuligen Anwalt, Ferdinand Lassalle, „Sohn eines Breslauer Seidenhändlers und Erbe eines beträchtlichen Aktienvermögens“ ([3], S. 77) zu ihrem Präsidenten wählte und ihn mit quasi diktatorischen Vollmachten ausstattete. Dabei hätte niemand die SPD gezwungen, die Konstitution dieser Verlierertruppe als eigenes Gründungsdatum anzunehmen. So wie die Donau durch die Vereinigung von Brigach und Breg zustande kommt, so entstand die SPD 1875, als sich der ADAV in Gotha mit der 1869 von August Bebel und Wilhelm Liebknecht gegründeten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei vereinigte. Doch offensichtlich wollte in der SPD niemand bis zum Jahr 2025 warten (wahrscheinlich befürchtet man, bis dahin zu einer bedeutungslosen Splitterpartei verkommen zu sein).

Dabei stünde doch schon nächstes Jahr ein wunderbares Jubiläum an, das man in der SPD gebührend feiern könnte. Im August 2014 jährt sich zum hundertsten Mal das Ereignis, mit dem die SPD zu Beginn des 1. Weltkriegs dokumentierte, daß sie keineswegs staatsfeindlich gesonnen war, sondern brav Richtung Mitte der Gesellschaft strebte, sozusagen eine Vorwegnahme der Schröderschen Neuen Mitte:

„Während Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und Karl Liebknecht in der »Gruppe Internationale« an die Einheit der internationalen Arbeiterklasse gegen den Krieg appellierten, sorgten die Revisionisten um Eduard David und Ludwig Frank im Reichstag für eine kleine Sensation: Am 4. August stimmte die SPD im Reichstag den Finanzierungsplänen für den Krieg zu und fügte sich somit in die von Kaiser Wilhelm II. und nationalistischen Politikern propagierte »Volksgemeinschaft«, in der es »keine Parteien, nur noch Deutsche« gebe, ein.“ ([1], S 154)

Wenn das nicht etwas zu feiern ist! Viel mehr als die Gründung eines Arbeitervereins, dessen Präsident sich dann im folgenden Jahr bei einem Duell wegen irgendwelcher Frauengeschichten totschießen ließ. Aber die Jubiläumspolitik der Partei entspricht halt auch ihrer Realpolitik.

Doch langer Einleitung kurzer Sinn: Es geht heute um die diesjährige Große Landesausstellung des Landes Baden-Württemberg. Als ich erfuhr, daß diese die Geschichte der Arbeiterbewegung zum Gegenstand hat, war ich doch recht skeptisch. Eine grün-rote Landesregierung finanziert in der SPD-Hochburg Mannheim eine Ausstellung; und das in dem Jahr, in dem sich die SPD für ihre 150-jährige Geschichte feiern läßt, eine Geschichte, zu der mir außer dem Kniefall Willi Brandts in Warschau wenig Positives einfällt. Mit anderen Worten: Ich erwartete eine eher unkritische Jubelveranstaltung. Da ich aber sowieso die parallel in Mannheim stattfindende Medici-Ausstellung sehen wollte, reifte der Entschluß, bei dieser Gelegenheit die Arbeiterbewegungsausstellung noch mitzunehmen.

Und was soll ich sagen: Ich hätte mich nicht mehr täuschen können. Die Medici-Ausstellung war ganz okay, aber nichts, was man gesehen haben muß. Durch Nacht zum Licht?, die Dokumentation zur Geschichte der Arbeiterbewegung, ist hingegen eine Pflichtveranstaltung für alle, die sich für gesellschaftliche Protestbewegungen interessieren. Und das sage ich als Schwabe, denen man ja nachsagt, daß für sie nicht zu Schimpfen schon des Lobes genug sei.

Doch zu den Details: Die Ausstellung findet statt im Technoseum Mannheim und wirkt in dem riesigen Gebäude des Technoseums etwas verloren. Zwischen Lokomotiven und Turbinen ist ein schwarzer Kasten gestellt, den man beinahe geneigt ist zu übersehen. Dieser Kasten soll die Große Landesausstellung beherbergen? In der Tat, das tut er.

Man tritt aus den hellen Räumlichkeiten des Technoseums ein in die dunkle Vergangenheit, in eine Arbeitermaschine, die von der Architektengruppe Hühnlein & Hühnlein entworfen wurde. Und obwohl diese Gruppe den dämlichen Werbespruch „Die Architekten der Marke“ führt, handelt es sich dabei offensichtlich um wirklich hochtalentierte Leute, die nicht einfach 08/15 Ausstellungskonzepte entwerfen. Mit diesem schwarzen Kasten haben sie ein Ausstellungsumfeld hingestellt, das den Ausstellungstitel Durch Nacht zum Licht? nicht einfach nur illustriert, sondern wirklich erfahrbar macht. Und zwar inklusive des Fragezeichens, denn so richtig hell wird es in der Ausstellung nie.

Das Innere des Kastens ist ein u-förmig verlaufender, etwas verwinkelter Parcours, in dem die Geschichte der Arbeiterbewegung vom frühen 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart chronologisch abgehandelt wird. Gestaltungselemente sind vor allem schwarze Zahnräder (die an Chaplins Film Moderne Zeiten erinnern sollen) und Baugerüstträger, die eigentlichen Exponate werden punktgenau durch kleine Strahler erleuchtet, die, zumindest am Beginn der Ausstellung, den Eindruck von allgemeiner Dunkelheit eher erhöhen als mildern.

Die Ausstellung ist in sechs Bereiche gegliedert: Die Zeit vor 1863, also vor der Gründung des ADAV, dann der Aufstieg der Arbeiterbewegung trotz versuchter Illegalisierung bis zum Ende der Sozialistengesetze 1890. Es folgt der Triumph der legalen Arbeiterbewegung bis zum 1. Weltkrieg und die aus letzterem resultierende Spaltung. Der vierte Teil dokumentiert die gespaltene Arbeiterbewegung der Weimarer Republik und ihre Niederlage im Angesicht des Nationalsozialismus. Für den vorletzten Teil teilt sich der Weg durch die Ausstellung auf und man kann entweder den Weg durch die Geschichte der DDR oder die der BRD nehmen. Entgegen der Erwartung setzt der sechste und letzte Teil dann nicht 1989, mit der deutschen Wiedervereinigung ein, sondern 1980 – dem Jahr, in dem die Partei Die GRÜNEN gegründet wurde.

Jede dieser Abteilungen verfügt neben den ausgezeichnet ausgewählten Exponaten über eine „Zeitschleife“, ein relativ langes Informationsband, das sich mit Zahnrändern und einer Kurbel durchnudeln läßt, und das ausführlichere Informationen zur jeweiligen Epoche liefert – ein schönes Beispiel für die gestalterische Phantasie der Ausstellungsmacher, die auch die Lektüre längerer Texte gleichzeitig zu einer physischen Aktivität macht.

Es würde hier viel zu weit führen, im Detail die einzelnen Stationen zu besprechen – schließlich will ich hier nicht schon wieder einen Mehrteiler abliefern. Zwei Schlaglichter sollen deshalb genügen.

Bemerkenswert ist zum einen, daß die Ausstellung entgegen dem Klischee historisch korrekt dokumentiert, daß die Arbeiterbewegung und ihre Vorstellungen von einer besseren, solidarischen Gesellschaft eben nicht einfach aus den Bedürfnissen der Industriearbeiterschaft erwuchsen. Vielmehr sind ihre Anfänge in den demokratischen Bewegungen des frühen 19. Jahrhunderts zu finden, bei denen gerade Handwerker, die von der Industrialisierung bedroht wurden, eine entscheidende Rolle spielten. Die erste Abteilung macht dies sinnlich klar, indem sie eine Handdruckerpresse (die auch vorgeführt wird und deren Druckerzeugnisse man mitnehmen kann) mit einer vollautomatischen, dampfbetriebenen Presse kontrastiert. Erst im Übergang vom zweiten zum dritten Teil der Ausstellung bringt die Ausstellung mit einem stilisierten Bergwerk die Industrialisierung ins Spiel.

Ebenso klischeefrei wird der Niedergang der klassischen Arbeiterbewegung, der Gewerkschaften und der mit ihnen verbundenen Parteien dokumentiert. In der DDR haben wir es mit einer „Verstaatlichung“ der Arbeiterbewegung zu tun, im Westen kastriert sie sich durch Sozialpartnerschaft selbst. Im Westen hat das nach 1968 zur Folge, daß sich eine Opposition entwickelt, die sich von SPD und Gewerkschaften abwendet. Hier ist die Ausstellung erstaunlich genau: Ich hätte nicht erwartet, daß die Plakat-Gruppe bei Daimer dokumentiert wird oder gar der KBW stellvertretend für die maoistischen K-Gruppen erwähnt wird (ein Schelm wer dabei an die KBW-Vergangenheit unseres aktuellen Ministerpräsidenten denkt). In Parallelmontage beschreibt die Ausstellung den Aufbruch der Neuen Sozialen Bewegungen, während sich die Gewerkschaften in Skandale wie den um das gewerkschaftseigene Wohnungsunternehmen Neue Heimat verstricken. Und dieser Niedergang geht – wie die Ausstellung mitleidlos zeigt – durchaus weiter. Für die Agenda-Politik der SPD etwa steht eine Photographie von Schröder und Blair, die gemeinsam ihr infames Papier vorstellen.

Trotz all dieser Kritik an SPD und Gewerkschaften schließt die Ausstellung dennoch keineswegs pessimistisch, sondern dokumentiert in der letzten Abteilung weltweite Arbeitskämpfe, vom Schwarzwälder Boten bis zu Foxconn. Der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und überhaupt eine vernünftigere Ordnung der gesellschaftlichen Arbeit ist keineswegs historisch überholt, sondern heute genau so nötig wie vor hundertfünfzig Jahren. Und diese Ausstellung mit ihrem gleichzeitig solidarischen wie auch kritischen Blick auf zweihundert Jahre Arbeiterbewegung hilft, die Zielvorstellungen zu schärfen.

Dazu trägt auch der unbedingt lesenswerte Katalog bei. Dieser läßt nicht nur die Ausstellung noch einmal Revue passieren; es werden außerdem Themen beleuchtet, die in der Ausstellung selbst nicht zur Sprache kommen, beispielsweise das Thema Arbeiterbewegung und Geschlechterverhältnisse ([2]). Für nur 20€ erhält man hier ein umfassendes Handbuch über die Geschichte der Arbeiterbewegung in Deutschland. Und die Beiträge sind nicht nur gut lesbar geschrieben, sondern auch auf dem neusten Stand der Forschung.

Damit genug des Lobes über eine wirklich außerordentlich sehenswerte Ausstellung. Und statt des üblichen Ausblicks auf nächste Woche gibt es heute ein Lied zum Thema:

Nachweise

[1] Jungbluth, F.: „“Muskelkräftig und wettergehärtet“. Vom Aufschwung bis zur Spaltung der Arbeiterbewegung 1890 – 1919“, in: Technoseum. Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim (Hg.), Durch Nacht zum Licht? Geschichte der Arbeiterbewegung 1863 — 2013, Mannheim 2013, S. 131 – 159.

[2] Schraut, S.: „Arbeiterbewegung und Geschlechterverhältnisse“, in: Technoseum. Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim (Hg.), Durch Nacht zum Licht? Geschichte der Arbeiterbewegung 1863 — 2013, Mannheim 2013, S. 424 – 438.

[3] Weiskopp, T.: „“Die Einigkeit, das ist der Funke, der alles zusammenschmilzt…“. Die deutsche Arbeiterbewegung von 1863 bis 1980“, in: Technoseum. Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim (Hg.), Durch Nacht zum Licht? Geschichte der Arbeiterbewegung 1863 — 2013, Mannheim 2013, S. 77 – 107.

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31. Mai 2013 at 16:24

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Von der Utopie (3)

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„The Guy Fawkes mask has now become a common brand and a convenient placard to use in protest against tyranny“

David Lloyd

Ich weiß nicht, ob Sie es gemerkt habe, liebe Leserin, lieber Leser – aber letzte Woche habe ich ein wenig versucht, Sie auf’s Glatteis zu führen. Denn natürlich war die scheinbar rein formale Bestimmung, wie (echte) Utopien zustande kommen, bereits auch eine inhaltliche Festlegung. Wenn, wie ich letzte Woche behauptet habe, echte Utopien nicht von jemandem ausgedacht werden, sondern in einer gesellschaftlichen Ausnahmesituation als ein kollektives Produkt entspringen, dann ist das nicht einfach eine mehr oder minder gut begründete Feststellung einer Tatsache. Vielmehr steckt hinter dieser rein formalen Bestimmung selbst ein bestimmtes utopisches Wunschbild: Daß die Menschen auch ohne Anleitung von irgendwelchen Führern in der Lage sind, gemeinsam eine vernünftigere gesellschaftliche Ordnung zu entwerfen, daß sie nicht einfach Schafe sind, die blökend hinter ihren Hirten herlaufen, in Formation gehalten von deren Wachhunden.

Dieses Wunschbild entspringt aber nicht einfach einer persönlichen Marotte von mir. Vielleicht von einer Minderheit unverbesserlicher Stalinisten einmal abgesehen, renne ich mit einem derartigen Bild eines kollektiven emanzipatorischen Prozesses auf der Linken offene Türen ein. Und selbst hartgesottene Stalinisten würden eher bedauernd auf die historische Notwendigkeit einer diktatorischen Führung hinweisen statt diese samt des damit einhergehenden Personenkultes zu glorifizieren.

Das war aber nicht immer so, im Gegenteil. Die utopische Hoffnung, daß sich im kollektiven Prozeß mehr und besseres entwickelt als wenn man sich einer angeblich allwissenden Führung unterwirft, ist durchaus jüngeren Datums. In älteren utopischen Projektionen spielt die Figur eines weisen Führers, der die Unterdrückten und Geknechteten in das Gelobte Land führt, eine entscheidende Rolle. Moses ist ein historisches Modell, das sich in das kollektive Gedächtnis eingeprägt hat und in unterschiedlichster Gestalt wieder auftauchte – in Deutschland etwa als der im Kyffhäuser schlafende Kaiser Rotbart, auf dessen Erwachen sich utopische Projektionen richteten.

Große Teile der Arbeiterbewegung waren geprägt von einer solchen Utopie, daß ein Führer auftauchen würde, der den Weg in eine leuchtende Zukunft weisen würde – das beginnt in der deutschen Arbeiterbewegung bereits mit der hymnischen Verehrung Ferdinand Lassalles. Natürlich gab es immer auch eine antiautoritäre Strömung, die mit Blanquis Parole Ni dieu, ni maître auf den Lippen in die Schlacht zog. Doch bis nach dem 2. Weltkrieg blieben diese Strömungen in der Minderheit. Erst mit den antiautoritären Bewegungen, die sich Anfang der 60er Jahre zu entwickeln begannen, wurde der Teil der Linken, die sich auf die Spontaneität und die kollektive Intelligenz der Massen berief, zusehends mehrheitsfähig, während autoritäre neostalinistische Tendenzen mit immer größeren Geländeverlusten zu kämpfen hatten.

Mit dem kulturell tief verwurzelten Bild des weisen Führers, der die Massen ins gelobte Land leitet, verfügte der autoritäre Teil der Linken lange Zeit über ein utopisches Pfund, mit dem sich trefflich wuchern ließ. Hinzu kam ein weiterer, ins kollektive Gedächtnis eingebrannter utopischer Topos, der die Arbeiterbewegung stärkte: Der Glaube an die Segnungen der Produktivkraftentwicklung. Das mag merkwürdig klingen, denn gerade das sollte den Sozialismusvorstellungen der Arbeiterbewegung statt eines utopischen ein wissenschaftliches Fundament verbürgen. Doch dahinter steckten (auch) die uralten Sagen von dienstbaren Geistern, die auf ein Zauberwort hin erscheinen oder das Märchen vom Tischlein-deck-dich. Die Produktivkraftentwicklung war in der Arbeiterbewegung nicht nur ein empirisch beobachtbares und wissenschaftliche belegbares Faktum, sondern immer auch mit einem aus der kulturellen Tradition stammenden utopischen Überschusses versehen.

Diese beiden sehr starken utopischen Traditionen der alten Linken, ihr Glaube an die rettende Kraft des Führers und des technischen Fortschritts, zerbrachen nach dem 2. Weltkrieg. Stalin und die Atombombe diskreditierten für die Nachkriegsgeneration diese in einer langen Tradition stehenden utopischen Topoi. Doch wie damit umgehen?

Das ist die falsche Frage. Es ist ja nicht so, daß die Linke eines Tages aufwachte und erkannte, daß die alten Utopien keine mehr waren. Eine Umorganisierung des utopischen Horizonts ist nicht etwas, was man sich einfach vornehmen kann, sondern es ist ein langwieriger Prozeß, der eben nicht allein, ja noch nicht einmal in erster Linie auf einer politisch-bewußten Ebene abläuft. Kunst und Kultur spielen hierbei eine bedeutend wichtigere Rolle als bewußte Einsichten, zumindest was die notwendige utopische Dimension politischen Handelns betrifft. Und es ist der utopische Horizont, der der politischen Einzelentscheidung überhaupt erst einen Sinn verleiht. (Das ist, nebenbei bemerkt, mit ein Grund, warum die SPD zu ihrem 150. Geburtstag trotz aller Jubelchöre so alt aussieht: Sie hat ihren früheren utopischen Horizont verloren, jedoch nie einen neuen gefunden.)

Damit also die Utopie sich erneuert, müssen Maler, Musiker, Autoren, Zeichner die alten Themen neu bearbeiten, sie hin und her wenden bis sich daraus das Neue ergibt, das einen veränderten utopischen Horizont aufscheinen läßt. Nicht, daß die Künstler es besser wüßten als andere, aber ihr Metier ist es, mit Bildern und Symbolen zu arbeiten, die darin versteckten Informationen und Intentionen zu erforschen und sie mit zusätzlichen Gehalt aufzuladen. Sie nehmen Dinge aus dem kollektiven kulturellen Bestand auf, verarbeiten diese und geben sie dem Kollektiv in veränderter Form zurück. Und vielleicht weiß die Gesellschaft etwas damit anzufangen – vielleicht aber auch nicht.

Ich will diese doch recht abstrakten Überlegungen an einem konkreten Beispiel exemplifizieren, einem Beispiel, das ich schon einmal im Vorbeigehen erwähnt habe: V for Vendetta, der Comic von Alan Moore und David Lloyd (inklusive seiner späteren Verfilmung). Die Details der Geschichte sind dabei gar nicht so sehr von Belang. Es genügt eigentlich zu wissen, daß in V for Vendetta der maskierte Anarchist V gegen ein faschistisches Regime kämpft, um das Volk aus seiner Lethargie aufzurütteln. Soweit, so wenig originell. Maskierte Rächer waren zu Beginn der 80er Jahre wahrlich kein wirklich innovatives (trash-)künstlerisches Konzept. Und wenn so eine Figur dann auch noch politisch agiert, dann ist es nicht weit zur klassischen Führer-Utopie.

Doch Moore/Lloyd bringen an der traditionellen Figur des maskierten Rächers einige überraschende Veränderungen an. Zum einen ist es zentral, daß bei V, im Gegensatz zu anderen Comichelden, die Maske gerade nicht seine Indiviualität betont. Die Maske, die er trägt, repräsentiert Guy Fawkes, den katholischen Verschwörer, der im Jahre 1605 versuchte, das englische Parlament samt König Jakob I. in die Luft zu sprengen. Wir haben es also mit einer Mehrdeutigkeit zu tun, die schlecht aufzulösen ist: Warum verbirgt sich der Anarchist V hinter dem Konterfei eines fanatischen Katholiken, einer eher unsympathischen Gestalt? Weil, ungeachtet des Motivs, Guy Fawkes eine unglaublich mächtige Symbolgestalt ist, die sich zutiefst in des britische kollektive Gedächtnis eingegraben hat. Die Tat ist entscheidend, der Versuch, das Parlament in die Luft zu sprengen, nicht das Motiv. Und jedes Kind in Großbritannien weiß, wer Guy Fawkes ist. Die Maske ist bei V also kein individuelles Markenzeichen, wie bei Superman oder Batman, sondern stellt seinen Träger in eine Tradition. Das ist der erste Dreh, den Alan Moore und sein Zeichner David Lloyd der Figur geben.

Der zweite, noch wichtigere Dreh, beruht auf dem ersten: Im Gegensatz zu den sonstigen maskierten Helden, stirbt V am Ende, ohne daß jemand erführe, wer er wirklich war. Und er gibt die Maske weiter, sie ist nun erst recht nicht mehr sein Zeichen, sondern wird der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt – jeder und jede kann sich im Kampf gegen die herrschenden Mächte die Guy Fawkes Maske aufsetzen. V ist kein Individuum mehr, sondern ein Kollektiv, kein Führer, sondern die Masse selbst.

Was Moore und Lloyd hier gestaltet haben, ist genau dieser kulturelle Übergang von einer Utopie, die auf einen Führer setzt, hin zu einer Utopie, wo der Kampf gegen Unrecht von einem Kollektiv von Individuen geführt wird, das sich aber auf eine gemeinsame Tradition und gemeinsame Werte beruft. Genau das steckt in diesem Symbol der Guy Fawkes Maske, unabhängig davon, ob diejenigen, die diese heute auf Demonstrationen tragen, sich dessen bewußt sind oder nicht. Moore/Lloyd haben das richtige Symbol für einer Verschiebung im utopischen Horizont gefunden, das heute in der politischen Praxis seine Macht entfalten kann.

So etwas läßt sich nicht ausdenken oder planen. Das ist keine Strategie, die eine Werbeagentur entwerfen und dann auf die Menschheit loslassen kann. Nicht das Symbol schafft die Bewegung, sondern die Bewegung sucht sich das Symbol, in dem sie sich repräsentiert sieht. Das Unklare, Offene utopisch-politischen Denkens und Handelns ist darauf angewiesen, sich solche Symbole zu suchen und sich ihrer zu bedienen, um eine Verständigung über Ziele zu erreichen, die als solche noch gar nicht klar gefaßt werden können. Damit eröffnet das Symbol einen neuen Handlungshorizont, dem die Bewegungen entgegengehen können.

Mit diesem leisen Pathos schließe ich für’s erste diese kurze Serie zur Utopie ab. Die Frage selbst wird in diesem Blog wahrscheinlich immer wieder hochkochen, doch nächste Woche schauen wir nicht nach vorne, sondern zurück, auf die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung und die Ausstellung Durch Nacht zum Licht? in Mannheim.

Freuen Sie sich also darauf, daß das Comité der streikenden Berliner Buchdruckergehülfen 1848 schreibt:

„Wir sind Arbeiter, unser ganzer Reichtum ist der Lohn, den wir für unsere Arbeit erhalten; daß es ein genügender, ein unserer Thätigkeit angemessener sei, das ist es, was wir wollen.“ ([1], S. 71)

Nachweise

[1] Technoseum. Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim (Hg.), Durch Nacht zum Licht? Geschichte der Arbeiterbewegung 1863 — 2013, Mannheim 2013.

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24. Mai 2013 at 16:11

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Von der Utopie (2)

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„Unser Wahlspruch muß also sein: Reform des Bewußtseins nicht durch Dogmen, sondern durch Analysierung des mystischen, sich selbst unklaren Bewußtseins, trete es nun religiös oder politisch auf. Es wird sich dann zeigen, daß die Welt längst den Traum von einer Sache besitzt, von der sie nur das Bewußtsein besitzen muß, um sie wirklich zu besitzen.“

Karl Marx an Arnold Ruge, September 1843

Ich hatte bereits letzte Woche auf die komplexe Zeitstruktur der Utopie hingewiesen: Auch wenn sie auf die Zukunft verweist, ist ihr kritischer Kern, so war der Befund, auf die Gegenwart gerichtet. Sie ist nicht einfach Zukunftsentwurf, sondern Gegen-Entwurf und dadurch auf das schlechte Hier und Jetzt bezogen. Doch hatte ich auch darauf hingewiesen, daß man die Utopie nicht einfach nur als Kritik lesen darf, daß ihr Entwurfscharakter, die Projektion in die Zukunft keineswegs vernachlässigbar ist. Mag auch die Kritik der Gegenwart der wesentliche Inhalt der Utopie sein, so ist ihr die in die Zukunft ausgreifende Form mindestens ebenso wesentlich.

Damit ist die Entfaltung der Zeitstruktur, die der Utopie inhärent ist, keineswegs abgeschlossen. Denn eine vollständige Auseinanderlegung ihres Begriffs wird zeigen, daß zu Gegenwart und Zukunft noch eine weitere Dimension hinzukommt: Die der Vergangenheit. Dies allerdings läßt sich nicht unmittelbar begreiflich machen, weshalb wir einen Umweg wählen müssen und die Frage, wie die Vergangenheit in die Utopie mit hineinspielt, zunächst einmal zurückstellen. Denn um dies zu verstehen, müssen wir uns erst einmal ihrer räumlichen Dimension bewußt werden. Die Frage, die wir uns zunächst stellen müssen, lautet: Wo ist eigentlich der Ort, an dem die Utopie überhaupt in die Existenz tritt?

Auch hier ist zunächst die negative Bestimmung ganz hilfreich: Die Utopie entsteht nicht im Alltag, zumindest nicht unmittelbar. Das ganz normale Alltagsleben in seinem regelmäßigen Fluß ist frei von utopischen Anwandlungen, es spielt sich im Bereich eines Handelns ab, das von Wiederholung und Routine geprägt ist. Und innerhalb dieser Alltagsroutine ist kein Ort für Utopie.

Das ist auch die Einsicht, an der sich die Freunde der „konkreten Utopie“ hochhangeln: Damit sich etwas gesellschaftlich verändern kann, müßten die Menschen aus ihrer Alltagslethargie geweckt werden. Und der naive Glaube ist, man müsse dazu eine Utopie auspinseln und sie den Menschen wie eine Karotte vor die Nase halten, um sie aus dem Stumpfsinn des Alltagslebens herauszuführen. Doch genau so funktionieren Utopien nicht, man kann sie sich nicht wie eine Werbeagentur ausdenken und dann ein Utopiemarketing für eine bessere Gesellschaft betreiben.

Tatsächlich ist es umgekehrt. Es ist eben nicht die Utopie, die den Weg aus dem Alltag weist. Sondern ganz im Gegenteil: Dort wo der Alltag aufbricht, Risse bekommt, dort beginnt utopisches Denken sich einzunisten, Wurzeln zu schlagen und vielleicht auch ein kräftiges und gesundes Wachstum zu entwickeln.

Es gibt durchaus eine Reihe von Marxisten, die sich genau dieser Risse im Alltagsleben angenommen haben – gerade weil sie sich über die Zurichtung der Marxschen Theorie zu einem „wissenschaftlichen Sozialismus“ empört haben. Der erste bedeutende marxistische Theoretiker, der in dieser Richtung gearbeitet hat, war aller Wahrscheinlichkeit nach Ernst Bloch. Während der Schlächterei des ersten Weltkriegs, als die vom Glauben an einen „wissenschaftlichen Sozialismus“ beseelte sozialdemokratische Partei jämmerlich versagt hatte, schrieb er die erste Fassung von Geist der Utopie ([1]), worin er bereits einiges von dem vorwegnahm, was er in seinem Hauptwerk Das Prinzip Hoffnung ([2]) dann in drei Bänden ausführen sollte.

Bloch lokalisiert den Entstehungsort der Utopie an den Rändern der Alltagserfahrung, dort, wo sich das Denken eine Pause von den alltäglichen Notwendigkeiten erlaubt. Er geht aus von den Tagträumen, die sich sich immer wieder in den Alltag einschmuggeln:

„Die Menschen träumen nicht nur nachts, durchaus nicht. Auch der Tag hat dämmernde Ränder, auch dort sättigen sich Wünsche. Anders als der nächtliche Traum zeichnet der des Tages frei wählbare und wiederholbare Gestalten in die Luft, er kann schwärmen und faseln, auch sinnen und planen. Er hängt auf müßige Weise […] Gedanken nach, politischen, künstlerischen, wissenschaftlichen.“ ([2], S. 96)

Es sind, nach Bloch, die kleinen und großen Träumereien des Alltags, die das Fundament dessen bilden, was sich dann zur Utopie auswachsen kann. Mit anderen Worten: Dort, wo die graue Decke des Alltags bereits Löcher hat, dort sind die Punkte, an denen utopisches Denken zu keimen beginnen kann.

Eine Variante solchen Denkens habe ich hier im Blog bereits vorgestellt. Vor rund einem Jahr wies ich auf Henri Lefebvres Theorie der Momente hin, die diesen Bruch in der Logik des Alltags präziser entwickelte. Ebenfalls in Abgrenzung zu einem verdinglichten Marxismus entstanden, sucht auch Lefebvres Theorie nach Rissen und Brüchen im Alltagsleben, in denen etwas aufscheint, das über dieses Alltagsleben hinausweist. Dabei konzentriert sich Lefebvre nicht so sehr auf das Träumen, sondern mehr auf das Handeln. In seiner Theorie der Momente gibt es einen äußeren Auslöser – das kann beispielsweise die Begegnung mit einem anderen Menschen sein, von dem eine besondere Faszination ausgeht. Und nun liegt es an uns, den Mut aufzubringen, diesen kurzen Augenblick zu ergreifen und daraus mehr zu machen: Ein Moment. Im Falle der Begegnung eventuell das Moment der Liebe. Ohne bewußte Entscheidung, ohne Willensakt wird aus dem flüchtigen Augenblick kein Moment. Zwar ist das Moment nicht wirklich von Dauer (auch das wurde gezeigt), aber es hat eine eigene, begrenzte Zeitlichkeit, die der linearen Zeitlichkeit des Alltags widerspricht. Und während das Moment andauert, können sich die Menschen selbst tatsächlich als Subjekte ihres eigenen Lebens verstehen. Sie empfinden sich nicht länger als fremdgesteuerte Spielbälle, die den äußeren und inneren Zwängen des kapitalistischen Alltags unterworfen sind.

Blochs und Lefebvres Theorien schließen sich keineswegs aus: Ohne vorhergehende Tagträumerei würden wir wahrscheinlich nie den Mut aufbringen, in der konkreten Situation des zum Moment einladenden Augenblicks die Initiative zu ergreifen, um aus dem Augenblick ein Moment zu machen und die Routine des Alltags zu durchbrechen. Im sehr individuellen Moment der Liebe spielt sich das natürlich nur unter wenigen Menschen ab, aber es gibt eben auch die kollektiven Momente, die Momente der Rebellion und Revolte, in denen eben nicht nur der Alltag einiger weniger Individuen für eine gewisse Zeit durchbrochen wird, sondern in denen für eine ganze Gesellschaft die alltägliche Routine zum Stillstand kommt. Kairo war im Frühjahr 2011 ein solcher Ort.

Und an solchen Orten entstehen die Utopien, die wirklichen Utopien. Nicht die ausgedachten Utopien, die einige wenige Besserwisser den Unerleuchteten glauben als Werbematerial präsentieren zu müssen. Sondern die Utopien, die das Resultat eines kollektiven Prozesses in einer Ausnahmesituation sind, einer Ausnahmesituation, die das Denken der Beteiligen aus der gewohnten Spur wirft und damit ungeahnte kreative Energien freisetzt.

Dabei entstehen diese Utopien, ebenso wie die Tagträume oder die Momente, keineswegs aus dem Nichts. Sie kommen – und damit sind wir bei der dritten zeitlichen Dimension – aus der Vergangenheit. Sie beruhen auf Bruchstücken, Fragmenten älterer Utopien die sich, oft genug versteckt und unkenntlich gemacht, im kulturellen Gedächtnis erhalten haben. Sie stecken in Symbolen und Bildern, die vage Erinnerungen wachrufen, sind kodiert in Mythen oder Liedern, werden öfter von Künstlern tradiert als von Historikern. Wir tragen sie in uns, ohne sie wirklich zu kennen. Doch ohne sie würden wir nie anfangen zu träumen und nie den Mut aufbringen, dann, wenn es darauf ankommt, die Gelegenheit beim Schopf zu packen.

In der Ausnahmesituation werden die Träume von einem besseren Leben ebenso wie die ganze Tradition der vergangenen Revolten als vage Bruchstücke aus dem kollektiven Gedächtnis abgerufen, neu zusammengesetzt, uminterpretiert und in eine neue Form gegossen.

Und erst damit haben wir die Zeitstruktur der Utopie vollständig erfaßt: Sie ist das Bild einer besseren Zukunft als Gegenentwurf zum schlechten Hier und Jetzt, gespeist aus der Tradition der fast vergessenen Revolten der Vergangenheit.

Nächste Woche werde ich diese Form der Utopie, ihre tatsächliche Funktion im Kontext der Revolte gegen das Bestehende näher beleuchten. Und im Kontrast dazu zeigen, daß die „konkrete Utopie“ dagegen utopisches Denken um das Beste betrügt: Nämlich um die Verankerung in der Tradition und die Offenheit gegenüber der Zukunft.

Grübeln Sie so lange darüber nach, was Ernst Bloch wohl damit meinte, als er schrieb:

„Und nun ist dieses gerade für den Marxismus, als den angegebenen Quartiermacher der Zukunft, bezeichnend: er behebt die festgefrorene Antithese: Nüchternheit-Enthusiasmus, indem er beide auf ein Neues bringt und beide darin miteinander arbeiten läßt – für exakte Antizipation, konkrete Utopie.“ ([2], S. 1619)

Nachweise

[1] Bloch, E., Geist der Utopie, Frankfurt a.M. 1980.

[2] Bloch, E., Das Prinzip Hoffnung (3 Bände), Frankfurt a.M. 1977 (4. Aufl.).

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17. Mai 2013 at 16:36

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Von der Utopie (1) – Ein Nachtrag zu „Was tun mit Kommunismus?“

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„Pures wishful thinking diskreditierte seit alters die Utopien, sowohl politisch-praktisch wie in der ganzen übrigen Anmeldung von Wünschbarkeiten.“

Ernst Bloch, Das Prinzip Hoffnung

Noch eine Fahrplanänderung hier im Blog: Statt die Ausstellung Durch Nacht zum Licht? Geschichte der Arbeiterbewegung 1863-2013 in Mannheim zu besprechen, eine erneute Abschweifung. Und zwar dieses mal zur Kategorie der „konkreten Utopie“, deren Verächtlichmachung ich in einigen Kommentaren beschuldigt worden bin. Nun, der Befund ist zweifellos richtig, ich habe für die „konkrete Utopie“ wenig übrig; will das aber nicht in Form bloß konträrer Meinungen stehen lassen. Sondern etwas weiter ausholen, warum ich den Gebrauch dieser Kategorie für politischen Unsinn halte, insbesondere in der Form, wie er etwa in dem Sammelband „Was tun mit Kommunismus?“ verwendet wird. Und, um gleich etwas Spannung aufzubauen: Das wird durchaus auf eine Verteidigung der Utopie, aber eben nicht der „konkreten“ hinauslaufen.

Doch beginnen wir von vorne, mit dem Versuch einer Begriffsbestimmung, und zwar zunächst einmal unter Weglassung des „konkreten“ an der Utopie. Fangen wir also in gut dialektischer Weise damit an, was Utopie nicht ist. Utopie ist nicht einfach etwas, was es nicht gibt und das erst noch hergestellt werden muß. Denn die Fähigkeit, sich etwas vorzustellen, was es noch nicht gibt und es dann zu produzieren, ist eine Eigenschaft, die das Handeln der Gattung Mensch ganz grundsätzlich beschreibt. Der große Antiutopiker Karl Marx hat das durchaus eindrücklich formuliert:

„Eine Spinne verrichtet Operationen, die denen des Webers ähneln, und eine Biene beschämt durch den Bau ihrer Wachszellen manchen menschlichen Baumeister. Was aber von vornherein den schlechtesten Baumeister vor der besten Biene auszeichnet, ist, daß er die Zelle in seinem Kopf gebaut hat, bevor er sie in Wachs baut. Am Ende des Arbeitsprozesses kommt ein Resultat heraus, das beim Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters, also schon ideell vorhanden war.“ ([2], S. 193)

Die Menschheit verfügt über einen reichen Erfahrungsschatz, aufgrund dessen sie in der Lage ist, sich Dinge auszudenken, die es vorher nicht gab und die sie dann, gegen mancherlei Widerstände herstellt. Diese Widerstände können sehr unterschiedlicher Art und Weise sein. Bei Gebrauchsgütern sind das etwa Widerstände des Materials, im politischen Bereich eher die bestimmter Interessen. Trotzdem würde niemand die Konstruktion eines Smartphones oder die Einführung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften als Realisierung einer Utopie bezeichnen. Das Ziel ist klar, dem Ganzen stehen auch keine prinzipiellen Hürden entgegen. Es ist nur eine Frage geduldigen Arbeitens, bis das Ziel, das vorher schon in der Vorstellung ideell vorhanden war, tatsächlich realisiert wird. Es geht allein darum, etwas, das vorher bloß möglich war, jetzt in die Realität zu überführen. Das noch nicht Existierende, aber prinzipiell Machbare, kann schwerlich als Utopie bezeichnet werden.

Damit erweist sich die Kategorie der Utopie als deutlich vertrackter, wie sie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Denn so wenig sie einfach das Mögliche, aber noch nicht Realisierte bezeichnet, so wenig bezeichnet sie das schlechterdings Unmögliche. Ich kann mir noch sehr so vornehmen, 1000 Jahre alt zu werden, dieses Ziel liegt einfach außerhalb des Bereichs des tatsächlich Realisierbaren. Eine solche „Utopie“ wäre bloße Spinnerei (auch wenn Ray Kurzweil dies anders sehen würde).

Mit „Utopie“ wollen wir also etwas bezeichnen, das weder im Bereich des realisierbar Möglichen, noch im Bereich des schlechterdings Unmöglichen angesiedelt ist. Ist die Utopie also einfach etwas, von dem wir nicht wissen, ob es möglich ist oder nicht? Das in einem unsicheren Zwischenbereich zwischen dem zweifellos Möglichen und dem sicher Unmöglichen liegt? Nicht wirklich. Denn zwischen der bloßen Möglichkeit und ihrer Realisierung liegt grundsätzlich das potentielle Scheitern. Auch die besten Pläne können schief gehen. Und andererseits werden von äußerst hartnäckigen Menschen gelegentlich Dinge verwirklicht, die man zuvor für unmöglich gehalten hat. Mit anderen Worten: Der Entwurfscharakter als solcher macht die Utopie nicht aus. Er ist zwar notwendig, denn natürlich ist die Utopie Entwurf, aber damit ist eben nicht gesagt, wie sich ein utopischer Entwurf von einem ganz alltäglichen Entwurf, wie ihn ein normaler Ingenieur oder Politiker entwickelt, unterscheidet. Oder von bloßer Spinnerei.

Was also ist das Spezifikum des utopischen Entwurfs, das ihn sowohl von alltäglicher Planung wie von unrealistischer Spinnerei unterscheidet? Um diese Frage zu beantworten ist es ganz hilfreich, sich dem Werk zuzuwenden, das der Utopie den Namen gegeben hat: Thomas Morus‘ Utopia. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erschienen, beschreibt Morus darin einen perfekt organisierten Staat, in dem das Privateigentum ebenso wie der Geldverkehr abgeschafft ist, eine staatliche Arbeitspflicht für alle existiert, die tägliche Arbeitszeit dafür aber auf zweimal drei Stunden mit einer zweistündigen Siesta dazwischen reduziert ist. Die Beschreibung dieses Gemeinwesens, das auf der fernen Insel Utopia existieren soll, ist aber eingebettet in eine Rahmenhandlung. Morus trifft – so die fiktive Rahmenhandlung – in Antwerpen einen weitgereisten Seemann namens Raphael Hythlodaeus, der eben nicht nur über die Zustände auf der Insel Utopia zu berichten weiß, sondern dem Morus zunächst einmal eine vehemente Kritik der politischen und ökonomischen Zustände Englands in den Mund legt. Und er legt den Finger in die größte Wunde des zeitgenössischen Englands: Die Vertreibung der Bauern von ihrem Land, um daraus Schafweiden für den Wollexport in die aufblühende flandrische Tuchindustrie zu machen.

„Eure Schafe […] pflegten sonst gar sanft zu sein und mit so wenig vorlieb zu nehmen; heutzutage aber sind sie offenbar gefräßig und bösartig geworden, verschlingen die Menschen und verwüsten und entvölkern das Land, die Gehöfte, die Dörfer.“ ([3], S. 30)

Diese grundlegende ökonomische Umwälzung, die erst das Proletariat hervorbrachte, das später dann in die Fabriken gejagt werden konnte, hat Marx dann später im Kapital, unter anderem auch mit Verweisen auf diese Passage in der Utopia, als die sogenannte ursprüngliche Akkumulation, den Sündenfall des Kapitalismus, analysiert ([2], S. 747/764). Morus‘ Utopie steht also nicht im luftleeren Raum, sondern sie hat einen ganz konkreten Bezug auf die politische und ökonomische Situation des Englands unter Heinrich VIII. Sie ist nicht einfach Entwurf einer anderen Ordnung des Gemeinwesens, sondern wesentlich Gegen-Entwurf, Kritik der bestehenden Zustände.

Damit verschiebt sich der Begriffsinhalt der Utopie. In dem Maße, in dem es sich um einen Gegen-Entwurf handelt, um Kritik am Bestehenden, in dem Maße wird der Entwurfscharakter als solcher in den Hintergrund zu treten. Für den normalen, alltäglichen Entwurf ist es von entscheidender Wichtigkeit, ob er realisierbar oder unrealisierbar ist; für den Gegen-Entwurf der Utopie hingegen ist das beinahe nebensächlich. An Morus‘ Utopia kann man das sehr schön sehen. Diverse Beschreibungen der Sitten in Utopia sind offensichtlich rein satirischer Natur, etwa wenn er die Verwendung von Gold und Silber bei den Utopiern beschreibt:

„Denn während ihnen zum Essen und Trinken Geschirr aus Ton und Glas dient – freilich sehr schönes, aber wenig wertvolles –, stellen sie aus Gold und Silber nicht bloß für die gemeinsamen Hallen, sondern auch für die Privathäuser allenthalben Nachttöpfe und zu den geringsten Diensten verwendete Gefäße her, schmieden auch die Ketten und schweren Fesseln, in die sie die Sklaven legen, aus denselben Metallen, und denen, die ein Vergehen ehrlos gemacht hat, hängen von den Ohren goldene Ringe herab, umgibt Gold die Finger, umfaßt eine Goldkette den Hals und umspannt ein Goldstreifen den Kopf. So sorgen sie auf jede Art dafür, daß bei ihnen Gold und Silber im Verruf stehen.“ ([3], S. 102f)

Die Aufgabe der Utopie ist es also in erster Linie, den Blick auf die realen Mißstände der Gegenwart zu richten, fiktiv eine Position einzunehmen, aus der heraus sich die Gegenwart als unzumutbar und absurd erweist. Wesentlich ist der Utopie, daß sie ein kritisch-distanziertes Verhältnis zur Gegenwart hervorbringt, nicht, ob sie wirklich realistisch ist oder nicht. Niemand würde die oben zitierte Passage über die Verwendung von Gold als ernsthafte Handlungsanweisung interpretieren, doch der utopische-kritische Gehalt bleibt davon völlig unberührt.

Das allein reicht allerdings nicht aus, den begrifflichen Gehalt der Utopie hinreichend zu bestimmen. Denn es wäre das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, würde man sie auf ihren kritischen Gehalt reduzieren. Thomas Morus hat eben, anders als Marx, keine wissenschaftliche Abhandlung über die Einhegungen des Gemeindelandes geschrieben, sondern ein literarisches Werk. Auch wenn der Inhalt der Utopie wesentlich Kritik ist, so ist ihre Form eben doch die des Entwurfes, egal wie realistisch oder unrealistisch, ernstgemeint oder satirisch sich dieser darstellt. Und der Dialektiker weiß, daß die Form dem Inhalt keineswegs äußerlich ist.

Freuen Sie sich deshalb auf nächste Woche, wenn es damit weiter geht, daß Ernst Bloch orakelt:

„Leicht ist zu sagen, was man jetzt und nachher will. Aber niemand kann angeben, was er überhaupt will, in diesem doch sehr zweckhaften Dasein.“ ([1], S. 343)

Nachweise

[1] Bloch, E., Geist der Utopie, Frankfurt a.M. 1980.

[2] Marx, K.: „Das Kapital Bd. I“, in: Marx, K. & Engels, F., Werke Bd. 23, Berlin 1956ff.

[3] Morus, T., Utopia, Zürich 1981.

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10. Mai 2013 at 13:35

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Was tun mit Kommunismus? (2)

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„Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.“

Adorno, Minima Moralia

1931 behauptete Bertolt Brecht vom Kommunismus: „Er ist das Einfache / Das schwer zu machen ist.“ ([9], S. 463). Leider war das Ganze offensichtlich doch nicht so einfach, denn im Prinzip hatten die deutschen Kommunisten zumindest im Osten die größte Hürde schon genommen: Unterstützt von ihren Freunden aus Moskau hatten sie nach dem 2. Weltkrieg die Macht des Kapitals zerschlagen und die ihrer eigenen Partei an deren Stelle gesetzt. Jetzt hätte man an die „einfache“ Arbeit gehen können, Stück für Stück den Kommunismus aufzubauen. Doch das Ergebnis ist bekannt: Ein Bankrott auf der ganzen Linie, der Begriff des Kommunismus völlig diskreditiert.

Daß das, was in der DDR und im weiteren Sinne in den von der Sowjetunion abhängigen Staaten herrschte, kein Kommunismus war, darüber braucht nicht diskutiert zu werden. Ähnlich abwegig ist die Vorstellung, daß diese Staaten irgendwie auf dem richtigen Weg zum Kommunismus gewesen und allein durch böse äußere Umstände daran gehindert worden wären, dieses Einfache, das der Kommunismus doch sein sollte, zu verwirklichen. Die Entwicklung ging noch nicht einmal in die richtige Richtung.

Wenn das nicht der Kommunismus war, was ist der Kommunismus dann? Wenn man versucht, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, der die Autorinnen und Autoren des Sammelbandes Was tun mit Kommunismus? ([3]) eint, dann dürfte es wohl dieser sein: Die kapitalistische Form der gesellschaftlichen Produktion hat in den letzten Jahrhunderten unendliches Leid über große Teile der Menschheit gebracht und wird dies weiter tun, wenn es nicht gelingt, die gesellschaftliche Produktion auf eine andere Art und Weise zu organisieren als vermittels der blinden Gewalt der Märkte. Kommunismus wäre dann diese Form, in der die assoziierte Menschheit auf demokratische Art und Weise die Produktion bewußt regelt, statt sich durch die blinden Marktkräfte von einer Krise in die nächste stürzen zu lassen.

Leider ist diese Minimaldefinition nicht besonders ergiebig. Sie reicht gerade einmal aus, sich einerseits von einer reformistischen Linken abzugrenzen, die glaubt, durch die Einführung korrigierender Mechanismen innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise diese irgendwie in weniger destruktive Bahnen lenken zu können. Und sie erlaubt andererseits die Abgrenzung von einer autoritären Linken, die an die Stelle der demokratischen Kontrolle der gesellschaftlichen Produktion die Allmacht der kommunistischen Partei setzten will.

Über diese Grenzziehungen hinaus ist diese Bestimmung des Kommunismus jedoch herzlich unbrauchbar. Sie hat eher Bekenntnischarakter als praktisch-politischen Wert. Sie ist Utopie im wirklich schlimmsten Sinn des Wortes: Ein abstraktes Ideal, das in keinem konkreten Vermittlungszusammenhang zur Gegenwart steht. Auf die berühmt-berüchtigte Frage Was tun? gibt diese Bestimmung des Kommunismus so wenig eine Antwort wie auf die Frage, warum der allergrößte Teil der Menschheit sich nicht die Bohne für eine Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise interessiert.

Eine ganze Reihe von Autorinnen und Autoren des Buches spüren zwar dieses Manko, begreifen es aber nicht wirklich und ziehen deshalb zur Abwehr diese jämmerlichste aller gutmeinenden Floskeln, die „konkrete Utopie“ aus der Tasche. Man müsse den Kommunismus nur in leuchtenden Farben ausmalen oder aktiv vorleben, dann würden die Massen schon auf den Geschmack kommen. Als ob das kommunistische Projekt an unzureichendem Marketing gescheitert sei.

Tatsächlich sollte jeder, der mit der Absicht schwanger geht, den Ausdruck „konkrete Utopie“ in den Mund zu nehmen, sich vorher die Worte des Kommunistischen Manifests ins Gedächtnis rufen:

„Die theoretischen Sätze der Kommunisten beruhen keineswegs auf Ideen, auf Prinzipien, die von diesem oder jenem Weltverbesserer erfunden oder entdeckt sind.
Sie sind nur allgemeine Ausdrücke tatsächlicher Verhältnisse eines existierenden Klassenkampfes, einer unter unseren Augen vor sich gehenden geschichtlichen Bewegung.“ ([1], S. 474f)

Die Aufgabe eines kommunistischen Intellektuellen wäre es dementsprechend, auf die vor sich gehende geschichtliche Bewegung genau hinzuschauen.

Dazu gehört sicherlich der unbestechliche Blick auf den gescheiterten autoritären Staatssozialismus. Im Gegensatz zu den im Band versammelten Westlinken, die fast ausschließlich verstaubte Floskeln vorzubringen haben, schauen die in der DDR aufgewachsenen Thomas Klein ([8]), Renate Hürtgen ([6]) und auch Sebastian Gerhardt ([7]) präzise hin. Klein (Jg. 1948) liefert einen detaillierten Abriß der linken Opposition in der DDR, Hürtgen (Jg. 1947) schonungslose Einsichten in die Produktionsverhältnisse der DDR und Gerhardt (Jg. 1968) eine vehemente Kritik der scheinbar oppositionellen Gruppe der Modernen Sozialisten in der Spätphase der DDR. Das sind drei Aufsätze, die man wirklich mit Gewinn lesen kann.

Weniger gut schaut es schon aus mit der Bestandsaufnahme der „unter unseren Augen vor sich gehenden geschichtlichen Bewegung“. Sicherlich, mehrere der Aufsätze erwähnen die Occupy-Bewegung, den arabischen Frühling oder die Proteste in Südeuropa gegen das Austeritäts-Diktat der Finanzmärkte. Doch eine wirkliche Auseinandersetzung findet nicht statt. Am nächsten kommt dem noch die jüngste Autorin des Buches, Bini Adamczak ([5]), die hier zumindest einen geschichtsphilosophischen Bogen aufspannt. Sie bemerkt wahrscheinlich zurecht, daß die aktuellen, weltweiten Auseinandersetzungen darauf hindeuten, daß die ganzen unverbundenen, aber simultanen Bewegungen auf das Ende einer Epoche hindeuten. Nämlich auf das Ende der 1989 ausgerufenen Epoche des „Endes der Geschichte“. Doch was diese neue Epoche genau kennzeichnen soll, bleibt im Ungefähren.

In die richtige Richtung verweist der meiner Einschätzung nach beste Text des ganzen Buches. Schon der Titel von Christian Frings Aufsatz macht klar, daß er nicht im heimeligen Mief einer sich mit sich selbst beschäftigenden radikalen Linken stecken bleiben will. Er lautet: Das Kapital – die entfremdete Form der Kommune aus sieben Milliarden ([4]).

Die rund zweieinhalb Jahrzehnte seit dem Zusammenbruch des sogenannten real-existierenden Sozialismus haben zu einer Umwälzung der Produktionsverhältnisse innerhalb des Kapitalismus selbst geführt, daß einem schwindlig werden könnte. Allein die Entwicklung des Internets zog und zieht noch derartige Veränderungen des kapitalistischen Produktionsprozesses nach sich, daß die Erfindung der Dampfmaschine dagegen wie eine historische Nebensächlichkeit erscheint. Natürlich hat der Kapitalismus bereits während der letzten 400 Jahre global agiert. Doch nie zuvor hat die weltumspannende Produktion die Menschen so unmittelbar zusammengeschweißt wie jetzt. Wenn heute eine zusammenbrechende Fabrik in Bangladesh vierhundert Frauen unter sich begräbt, dann geht uns das in einer Unmittelbarkeit an wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte. Frings zieht daraus die Konsequenzen und bringt das Geschwätz über Kommunismus als konkrete Utopie sarkastisch auf den Punkt:

„Ich sehe eines der größten Probleme für die Herausbildung eines kollektiven Geists der Weltgeschichte […] darin, daß sich gerade in den Kommunismusvorstellungen der metropolitanen Linken ihr uneingestandener Eurozentrismus niederschlägt. Wer heute Vorschläge für eine andere Welt aus dem Hut zaubert, sollte sich zuallerst fragen, ob sie oder er sie denn auch schon mit den Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika diskutiert hat. […] Wir sollten daher nicht über Kommunismusmodelle diskutieren, sondern über die wirklichen Bewegungen – und inwiefern sich in ihnen eine Negation der kapitalistischen Verkehrung abzeichnet. Und auch diese Diskussion und die dafür notwendigen Untersuchungen müssen wir zunehmend als eine global geführte verstehen und den Stimmen aus anderen Teilen der Welt mehr Aufmerksamkeit schenken – gerade wenn und weil sie für unsere westlich geprägten Denkweisen oft überraschend und ungewohnt klingen.“ ([4], S. 263f)

Dazu aber wird es notwendig sein, die eigene linke filterbubble zu verlassen und Diskussionen zu führen, die tatsächlich relevant sind. Immerhin hätten wir etwas Lehrreiches in diese globale Diskussion mit einzubringen: Die Geschichte unseres Scheiterns.

Mit diesem Scheitern werden wir uns auch nächste Woche beschäftigen, wenn es schon wieder nicht weitergeht mit Marcuse, sondern noch eine Besprechung folgt. Besprochen werden soll die Mannheimer Ausstellung zur Geschichte der Arbeiterbewegung Durch Nacht zum Licht?. Freuen Sie sich also darauf, wenn es heißt:

„Warum sollten die Lohnarbeiterinnen und -arbeiter […] noch der SPD folgen, wenn sie oder zumindest die JUSOS eine kritische Aufarbeitung der Finanzkrise versprechen, aber genau jener ehemalige Finanzminister sich an die Spitze der Aufarbeiter einer Krise setzt, die er selbst mit ermöglicht hat?“ ([2], S. 364)

Nachweise

[1] Marx, K. & Engels, F.: „Manifest der Kommunistischen Partei“, in: Marx, K. & Engels, F., Werke Bd. 4, Berlin 1956ff, S. 459 – 493.

[2] Thien, H.-G.: „Von der Sozialpartnerschaft zu neuen Konflikten?“, in: Technoseum. Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim (Hg.), Durch Nacht zum Licht? Geschichte der Arbeiterbewegung 1863 — 2013, Mannheim 2013, S. 341 – 367.

[3] Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus (SEK) (Hg.), Was tun mit Kommunismus?, Münster 2013.

[4] Frings, C.: „Das Kapital – die entfremdete Form der Kommune aus sieben Milliarden“, in: Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus (SEK) (Hg.), Was tun mit Kommunismus?, Münster 2013, S. 256 – 268.

[5] Adamczak, B.: „Socialism, for real? Träume, Begriffe, Geschichten“, in: Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus (SEK) (Hg.), Was tun mit Kommunismus?, Münster 2013, S. 24 – 36.

[6] Hürtgen, R.: „Wie sozialistisch war der »real-existierende Sozialismus«? oder: Es ist nicht immer drin, was draufsteht“, in: Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus (SEK) (Hg.), Was tun mit Kommunismus?, Münster 2013, S. 170 – 187.

[7] Gerhardt, S.: „Schwierigkeiten mit dem Kommunismus“, in: Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus (SEK) (Hg.), Was tun mit Kommunismus?, Münster 2013, S. 306 – 339.

[8] Klein, T.: „Linke in Deutschland und der »real existierende« Sozialismus in der DDR“, in: Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus (SEK) (Hg.), Was tun mit Kommunismus?, Münster 2013, S. 84 – 10.

[9] Brecht, B.: „Lob des Kommunismus“, in: Brecht, B., Die Gedichte, Frankfurt a.M. 1981, S. 463.

Written by alterbolschewik

3. Mai 2013 at 16:35