shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Archive for Juni 2014

Nochmalige Bitte um Entschuldigung

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Leider bin ich diese Woche noch einmal anderweitig beschäftigt – heute wird kein Text erscheinen. Ab nächsten Freitag geht es dann hoffentlich wieder in gewohnter Regelmäßigkeit weiter.

Written by alterbolschewik

27. Juni 2014 at 11:57

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert

Frauenbefreiungsfront (2)

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Die Frauenbewegung in der BRD (34)

„Auf dem Mann liegt ein umgekehrter Midas-Fluch – alles was er berührt, wird zu Scheißdreck.“

Valerie Solanas, S.C.U.M.

Was bisher geschah: Aus den Trümmern des Aktionsrates zur Befreiung der Frauen fand sich auch eine Frauengruppe zusammen, die sich Frauenbefreiungsfront nannte. Diese war Teil des militanten politischen Untergrundes in Berlin, aus dem sich dann später die Bewegung 2. Juni und Teile der RAF rekrutieren sollten.

Bevor ich genauer auf die ideologischen Hintergründe der Frauenbefreiungsfront eingehe, will ich die Bedeutung von Frauen für die Entstehung des Links-Terrorismus der frühen 70er Jahre an einem herausragenden Beispiel ins Gedächtnis rufen. Als Geburtsstunde der Roten Armee Fraktion gilt gemeinhin die Befreiung Andreas Baaders im Jahr 1970. Baader war wegen Brandstiftung inhaftiert und einige Frauen planten seine gewaltsame Befreiung, darunter Gudrun Ensslin, Baaders Komplizin bei der Brandstiftung, und Ulrike Meinhof, eine angesehene Journalistin. Meinhofs Prestige sollte dazu genutzt werden, um Baader aus der Haftanstalt zu holen. Unter dem Vorwand, zusammen mit Baader ein Buch schreiben zu wollen, wurde ein Treffen der beiden „Autoren“ in einer Bibliothek beantragt und auch genehmigt.

Neben Ensslin und Meinhof waren Irene Goergens, Ingrid Schubert und Astrid Proll in die Vorbereitungen involviert. Die eigentliche Befreiungsaktion wurde dann von Meinhof, Ensslin, Goergens und Schubert durchgeführt; außerdem war ein namentlich nicht bekannter Mann beteiligt. Letzterer stammte angeblich aus dem kriminellen Milieu, hatte mit den politischen Zielen der Befreierinnen nichts am Hut und war als externer „Experte“ angeheuert worden. Ausgerechnet dieser „Profi“ verlor bei der Aktion die Nerven und schoß den Bibliotheksangestellten Georg Linke nieder.

„Sollte es so gewesen sein, und – wie gesagt – alles spricht heute dafür, hieße dies: Andreas Baader wurde von einer Frauen-Gang befreit – abgesehen von einem Berufskriminellen, der ohne Grund losschoss und deshalb seinen Job schlecht machte.“ ([3], S. 184)

Die Proto-RAF, die die Initiative ergriff und die Befreiung Baaders organisierte, bestand also in der Mehrzahl aus Frauen. Ulrike Edschmid faßte in ihrem Buch Frau mit Waffe die Einschätzung Astrid Prolls so zusammen:

„Die Gruppe wurde von Frauen beherrscht. Die Frauen waren stärker, weil sie besser miteinander umgehen konnten. Sie waren auf vielfältige Weise aneinander gebunden, was ihnen eine größere Kraft gab als den Männern. […] Die Männer […] hatten das Bedürfnis nach Bekenntnis. Sie erlagen der Faszination der Waffe, die sie als Feind des Staates auswies und mit einem Schlag auf die andere Seite warf.“ ([1], S. 112f)

Ich will mich hier gar nicht weiter in psychologischen Erörterungen verlieren, warum das so war. Sicherlich gab es geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Prägungen und Erfahrungen, die Menschen in den 70er Jahren in den Terrorismus trieben. Aber auch innerhalb der Gruppe der Frauen bzw. der Männer waren die Motivlagen und auch die gezogenen Konsequenzen so unterschiedlich, daß Verallgemeinerungen nicht mehr als Kaffeesatzleserei wären.

Dennoch läßt sich anhand der Vorbilder und Motive, die die Frauenbefreiungsfront prägten, ein gewisses Bild der Stimmungslage einer bestimmten militanten Frauen-Szene zu Beginn der 70er Jahre zeichnen. Zwischen den Baader-Befreierinnen und der Frauenbefreiungsfront läßt sich zwar kein direkter Bezug belegen. Ich habe keine Informationen darüber finden können, ob eine der an der Befreiungsaktion beteiligten Frauen Mitglied im Aktionsrat oder der Frauenbefreiungsfront war. Helke Sander erwähnt zwar einmal, daß Meinhof und Ensslin gelegentlich bei den Plena des Aktionsrates aufgetaucht seien ([4]), aber eine engere Verbindung bestand offensichtlich nicht. Das eigentliche Bindeglied zwischen Bewegung 2. Juni, RAF und Aktionsrat/Frauenbefreiungsfront war eine Frauenkommune am Cosimaplatz ([2], S. 103), die wohl so etwas wie den harten Kern der Frauenbefreiungsfront darstellte. Teil dieser Kommune waren auch Verena Becker und Angela Luther – die beide später zunächst bei der Bewegung 2. Juni und dann bei der RAF landen sollten.

Außer den beiden programmatischen Texten in der Agit 883 und den Erinnerungen Christina Perinciolis liegen keine großen Informationen über das Selbstverständnis der Frauenbefreiungsfront vor. Doch diese genügen, um ein grobes Bild zu skizzieren. Beginnen wir mit den Vorbildern. Diese erschließen sich, wenn man sich die Artikel der Frauenbefreiungsfront in der Agit 883 genauer ansieht. Die Bezugspersonen finden sich nicht im Text selbst, sondern sind in das von den Frauen selbst gestaltete Layout eingewoben: Genannt oder abgebildet werden die Dollen Minas in Holland und als Einzelpersonen Connie Matthews, Leila Chaled und Valerie Solanas.

Diese Auswahl ist durchaus bezeichnend. Die Dollen Minas waren eine niederländische Frauengruppe, die vor allem durch spektakuläre öffentliche Aktionen auf sich aufmerksam machte. Dazu gehörte auch, den Spieß in der Öffentlichkeit umzudrehen und Männern hinterherzupfeifen oder in den Hintern zu kneifen. Das praktizierte die Frauenkommune auch. Verena Becker erinnerte sich:

„Wir haben auch so nette Sachen gemacht, wie hinter Typen herfahren und pfeifen – Fenster auf, und offen angemacht, bis die Angst bekamen und wir immer hinterher. »Ach Kleener, brauchst doch keine Angst haben!« Ich hatte ooch so einen Django-Huf uff, hat einfach Spaß gemacht.“ (zit. nach [2], S. 104)

Die drei anderen genannten Vorbilder sind von einem deutlich anderen Kaliber; bei ihnen ist definitiv Schluß mit Lustig. Valerie Solanas genoß in gewissen radikal-feministischen Kreisen einen zweifelhaften Ruhm als Verfasserin des S.C.U.M.-Manifestes. Das Manifest begann mit den Worten:

„Das Leben in dieser Gesellschaft ist ein einziger Stumpfsinn, kein Aspekt der Gesellschaft vermag die Frau zu interessieren, daher bleibt den aufgeklärten, verantwortungsbewußten und sensationsgierigen Frauen nichts anderes übrig, als die Regierung zu stürzen, das Geldsystem abzuschaffen, die umfassende Automation einzuführen und das männliche Geschlecht zu vernichten.“ ([6], S. 25)

Die Vernichtung des männlichen Geschlechts startete Solanas dann damit, daß sie versuchte, Andy Warhol zu erschießen.

Leila Chaled war nicht so durchgedreht wie Solanas, die nach dem Attentat auf Warhol in der Psychiatrie landete. Das machte sie umso gefährlicher. Chaled war eine Ikone des palästinensischen Terrorismus und an den ersten Flugzeugentführungen beteiligt. Legendär ist das Bild, das sie glutäugig mit Palästinensertuch und AK47 bewaffnet zeigte, ein feuchter Traum derer, die in den kapitalistischen Zentren vom bewaffneten Aufstand träumten.

Die am wenigsten bekannte unter diesen drei Identifikationsfiguren war wohl Connie Matthews. Matthews war die internationale Koordinatorin der Black Panther Party. Und der Widerstand der Black Panther in den USA war das große Vorbild der militanten Gruppen im Berlin der frühen 70er Jahre. Christina Perincioli, die damals Teil dieser Szene war, schrieb:

„Unsere theoretischen Vorbilder waren nicht Bakunin, Marx, Bebel, Engels, Lenin, Mao, Simone de Beauvoir oder Betty Friedan, sondern die Black Panther.
Ihr Programm: Aufhören mit Jammern und Erdulden. Statt dessen Stolz und Würde wiedergewinnen. Die Entschlossenheit, sich nicht mehr erniedrigen zu lassen, öffentlich zeigen. Ihre Mitglieder patrouillierten im Ghetto bewaffnet und uniformiert zum Schutz gegen die Übergriffe der weißen Polizei.“ ([2], S. 105f)

Auch wenn es heute schwer nachzuvollziehen ist: Das war damals wirklich die Phantasie, an der sich die militanten Zirkel der Haschrebellen berauschten: Bewaffneter Selbstschutz gegen die Übergriffe der Polizei. Und diese wenig realitätstüchtige Vorstellung, im Herzen der imperialistischen Bestie eine bewaffnete Gegenmacht aufzubauen, inspirierte keineswegs nur männliche Machos, sondern eben auch Frauen. Frauen, die nicht nur von den Übergriffen der Polizei, sondern auch von der tagtäglichen sexistischen Übergriffigkeit in den 60er Jahren die Schnauze gestrichen voll hatten. Sie wollten sich handgreiflich zur Wehr setzen, die Öffentlichkeit als Territorium besetzen, so wie die Black Panther das in den US-amerikanischen Schwarzenvierteln versuchten – und so wurde mit Connie Matthews eine der wenigen Frauen im Führungszirkel der Black Panther Party zur Identifikationsfigur.

Das Organisationsniveau der Black Panther erreichten die Panthertanten, wie sie sich dann nannten, natürlich nie. Perincioli schreibt, daß sie nur ein „loser Haufen“ gewesen seien ([2], S. 106). Dementsprechend sah die Realität ihres Aktionismus aus:

„Täglich übten wir auf Klautouren kriminelle Fertigkeiten, Umsicht und Kaltblütigkeit, die wir für militante Aktionen brauchten. Dann hielten wir Ausschau nach Zielen, an denen mittels direkter Aktion Mißstände verdeutlicht und Widerstandswille demonstriert werden könnten. […] Denn Militanz erfüllte für uns Frauen noch einen anderen Zweck: wir probten ein neues Rollenverständnis. Wir zeigten: Frauen hören auf zu lächeln, zu bitten und Verständnis zu üben – sie zeigen Zähne.
Wir lernten Karate und sahen uns schon nach der ersten Lektion in eine Kneipenschlägerei verwickelt.“ ([2], S. 104f)

Dieser militante Alltag zwischen Kleinkriminalität und Kneipenschlägereien war jedoch nicht von langer Dauer. Schnell trennten sich die Wege. Während die einen mit dem Zurückschlagen blutigen Ernst machten und sich wirklich bewaffneten, widmeten sich andere realistischeren Projekten mit mehr gesellschaftlicher Bodenhaftung (Perincioli etwa engagierte sich im Mieterrat des Märkischen Viertels ([2], S. 107)).

Und damit schließt nun endlich diese ausufernde Darstellung der Geschichte des Aktionsrates zur Befreiung der Frauen und der sehr unterschiedlichen Richtungen, die von dieser historischen Wegmarke aus eingeschlagen wurden.

Ab der nächsten Folge dieses Blogs beginnt ein neues Thema, das in den letzten Wochen schon immer mal wieder anklang. Es geht um die Bewegung gegen den § 218. Freuen Sie sich also auf nächste Woche, wenn ein Aufruf der Frauenaktion 70 einen völlig anderen Ton anschlägt als die Frauenbefreiungsfront:

„Die Demonstration gegen den §218 findet am Donnerstag, den 9. Juli um 16 Uhr auf dem Steinweg an der Hauptwache statt (Teach-In). Als erste wird Dr. Helga Einsele, Leiterin der Frauenstrafanstalt in Frankfurt-Preungesheim, sprechen. Bringt Männer, Freunde, Kinder und Transparente mit!“ (zit. nach [5], S. 75)

Nachweise

[1] Edschmid, U., Frau mit Waffe, Berlin 1996.

[2] Perincioli, C.: „Anarchismus, Lesbianismus, Frauenzentrum. Warum mußte die Tomate so weit fliegen?“, in: Heinrich-Böll-Stiftung und Feministisches Institut (Hg.), Wie weit flog die Tomate?, Berlin 1999, S. 98 – 117.

[3] Peters, B., Tödlicher Irrtum. Die Geschichte der RAF, Frankfurt am Main 2007.

[4] Sander, H.: „»Nicht Opfer sein, sondern Macht haben«“, in: Kätzel, U. (Hg.), Die 68erinnen – Porträt einer rebellischen Frauengeneration, Berlin 2002, S. 161 – 179.

[5] Scheunemann, R. & Scheunemann, K.: „Die Kampagne der ‚Frauenaktion 70‘ gegen den § 218“, in: Grossmann, H. (Hg.), Bürgerinitiativen. Schritte zur Veränderung?, Frankfurt a.M. 1973 (3. Aufl.), S. 68 – 84.

[6] Solanas, V., Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer, Darmstadt 1969.

Hinweis

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Der Che hat mich gebeten, auf einen Artikel von ihm hinzuweisen, der vielleicht auch für die Leserinnen dieses Blogs von Interesse ist. Das tue ich hiermit.

Written by alterbolschewik

13. Juni 2014 at 15:30

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Frauenbefreiungsfront (1)

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Die Frauenbewegung in der BRD (33)

„Die militanten Panthertanten Terror schon vor Rauschgift kannten.“

Panthertanten

Was bisher geschah: Der Aktionsrat zur Befreiung der Frauen spaltete sich in die Mehrheitsfraktion des Sozialistischen Frauenbundes und die kleine Gruppe Brot und Rosen – wobei die politische Wirkungsmächtigkeit im umgekehrten Verhältnis zur Größe der Fraktionen stand. (Falls sich jemand für den Stand meiner Küchenrenovierungsarbeiten interessiert: Nein, die Küche ist immer noch nicht fertig…)

Es wird meine verbliebenen treuen Leserinnen und Leser erleichtern, daß die Erlösung von diesem Endlosthema Aktionsrat unmittelbar bevorsteht: Die Geschichte des Aktionsrates und seiner Ausläufer neigt sich dem Ende zu. Es bleibt nur noch eine Fraktion zu skizzieren, die ebenfalls aus dem Aktionsrat heraus entstanden ist. Allerdings sind deren Spuren schwer zu finden und noch schwerer zu deuten. Denn es führt, was selten erwähnt wird, auch eine Linie vom Aktionsrat zum linken Terrorismus der 70er Jahre, zur RAF und zur Bewegung 2. Juni.

Allerdings, es fällt verhältnismäßig schwer, diese Linie anhand von existierenden Dokumenten und veröffentlichten Erinnerungen nachzuziehen. Quellen, die einen Zusammenhang herstellen, sind Mangelware und mir ist nur ein Erinnerungstext bekannt ([6]), der diese Verbindung explizit ausspricht.

Äußerst verrätselt finden sich Spuren davon in Helke Sanders Film Der Subjektive Faktor. Heute würde man den Film als eine Art „Doku-Fiction“ bezeichnen, weil er als Spielfilm versucht, die Geschichte des Aktionsrates zu erzählen. Dort gibt es am Ende eine kryptische Szene. Man sieht die Hände „Annis“, dem alter ego von Helke Sander, die an einem Schreibtisch sitzt und nervös die Finger ineinanderknetet. Aus dem off ertönt eine Männerstimme, die „Anni“ in herrischem Ton dazu auffordert, in die Küche zu gehen, wenn es klingelt. Als wir die ganze Szene sehen, wird klar, daß die Stimme dem Freund von „Annemarie“ gehört, mit der zusammen „Anni“ den Aktionsrat gegründet hatte. Das Paar sitzt „Anni“ gegenüber, der Mann hält eine Pistole in der Hand. Dann folgt ein harter Schnitt, „Anni“ ist deutlich älter und versucht, eine Narbe zu überschminken. Als sie den Schminkspiegel weglegt, reflektiert dieser ein Buch mit dem Titel Der Fall Stammheim.

Ich glaube nicht, daß damals, 1981, als der Film herauskam, das Publikum die Zusammenhänge verstand. Das Vorbild für diesen Freund mit der Pistole war Jan-Carl Raspe. 1969 war Raspe einer der Mitbegründer der Kommune II gewesen, die einen wichtigen Einfluß auf die Kinderladenbewegung hatte. Anfang der 70er Jahre zog er mit Marianne Herzog zusammen, einer der zentralen Gründungsfiguren des Aktionsrates. Diese wiederum war mit Ulrike Meinhof befreundet, und so kamen beide, nach der Befreiung Baaders, ins Umfeld der sich formierenden Roten Armee Fraktion. Raspes Schicksal ist bekannt: 1972 wurde er zusammen mit Andreas Baader verhaftet und nahm sich 1977 in Stammheim das Leben. Im Gegensatz zu Raspe trennte sich Herzog recht schnell von der RAF, und zwar schon zu Beginn des Jahres 1971, als die RAF noch niemanden umgebracht hatte und nur einige Banküberfälle auf ihr Konto gingen ([7], S. 79). Anfang 1972 wurde Marianne Herzog in Köln erkannt und ließ sich widerstandslos festnehmen. Sie wurde des Banküberfalls und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung angeklagt und Ende 1973 zu 27 Monaten Gefängnis verurteilt – ob sie tatsächlich je an einem Banküberfall beteiligt war, ist mehr als zweifelhaft ([1], S. 21). Die Erfahrungen im Gefängnis dokumentierte sie in dem Buch Nicht den Hunger verlieren ([5]).

Nun ließe sich diese Verbindung zwischen dem Aktionsrat und dem sogenannten „bewaffneten Kampf“ einfach als individueller biographischer Zufall abtun, als etwas, das in keinem inneren Zusammenhang steht. Und wenn dies die einzige Verbindung zwischen dem Aktionsrat und militanten Gruppen gewesen wäre, würde das hier auch nicht weiter thematisiert werden. Doch dies ist eben nicht die einzige existierende Verbindung. Von durchaus einigem Gewicht ist die Frauenbefreiungsfront, die in der (Vor-)Geschichte des „bewaffneten Kampfes“ so gut wie nicht erwähnt wird, die dort aber eine nicht zu unterschätzende Rolle spielte.

Die Frauenbefreiungsfront war keine strikt organisierte Gruppe wie die RAF, sondern gehörte zum Dunstkreis dessen, was in West-Berlin „Der Blues“ genannt wurde – dieser Zirkel der Umherschweifenden Haschrebellen, aus dem sich später die Bewegung 2. Juni herauskristallisieren sollte. Zum ersten Mal namentlich in Erscheinung trat die Frauenbefreiungsfront im Dezember 1969, als ein offener Brief an den ehemaligen Justizminister und aktuellen Bundespräsidenten Gustav Heinemann von folgenden Gruppen unterzeichnet wurde: „Zentralkomitee der Palästinafront, Zentralkomitee der Tupamaros Westeuropa, Zentralkomitee der Frauenbefreiungfront. Die Kommandos: Schwarze Ratten, Schwarze Front, die Panthertanten, Che, Brian Jones, Amnestie International, Viva Maria“. Dieses Gerede von „Zentralkomitees“ war natürlich ironisch gemeint und machte sich über die ganzen K-Gruppen und ihren Organisationsfimmel lustig. De facto handelte es sich um einen ziemlich chaotischen, weitgehend unorganisierten Haufen, der seine Stützpunkte in verschiedenen Berliner Kommunen hatte. In diesem Dunstkreis bewegte sich auch eine Gruppe von Frauen, die vorher im Aktionsrat gewesen war und sich nun Frauenbefreiungsfront oder Panthertanten nannte.

In diesem offenen Brief, der den erneuten Prozeß gegen den Kommunarden Karl Pawla zum Anlaß hatte, äußerten sich die Autoren und Autorinnen folgendermaßen:

„Fest steht: wir haben aufgegeben zu jammern. Anfangs sind wir noch massenhaft friedlich vor die Justizpaläste marschiert – die Prozesse fingen gerade an. Dann haben wir alle Verhandlungen auf den Kopf gestellt – es prasselte Ordnungsstrafen. Am Schluß begannen wir, Fensterscheiben einzuschmeißen – die Urteile der letzten Instanz wurden verkündet. […] Wir spielen nicht die Juden. Wir marschieren nicht freiwillig in den Knast. Wir wehren uns, wir kämpfen, wir schlagen zu. Die Mittel dieses Kampfes bestimmen wir. […] Fassen wir zusammen: von der Uni-Revolte zum Kampf gegen die Justiz, vom Knastologen zum Guerillakämpfer, von der radikaldemokratischen Massenbewegung zur Stadtguerilla.“ ([8], S. 4)

Was hatte das nun alles mit dem Aktionsrat zu tun? In einem Grundsatzartikel, der im April 1970 in der Berliner Zeitschrift Agit 883 erschien, wies die Frauenbefreiungsfront auf genau diese ihre Ursprünge hin:

„Wir haben schon lange erkannt, daß wir alleine nichts tun können. Deshalb haben wir damals den Aktionsrat gegründet, und unsere erste Parole hieß: FRAUEN GEMEINSAM SIND STARK. Der Aktionsrat als bürgerlicher Frauenverein mußte scheitern, deshalb machen wir die Frauenbefreiungsfront.“ ([3], S. 6)

In einem späteren Text von Anfang Mai wurde die Kritik am Aktionsrat präzisiert und seine Wendung hin zum Schulungsprogramm des Sozialistischen Frauenbundes verdammt:

„Nichts von dem, was wir im Aktionsrat erreichen wollten, ist in Verhalten und Praxis der einzelnen eingegangen. Die Frauen stehen nach wie vor im Konkurrenzkampf untereinander. Früher haben wir uns mit Kleidern geschmückt, um den Männern zu gefallen, heute schmücken wir uns mit Theorien.“ ([4])

Das sollte grundsätzlich anders werden. Dazu wurde ein Konzept vertreten, das sich von dem des Aktionsrates und auch der späteren autonomen Frauenbewegung unterschied:

„Die Frauenbefreiungsfront will nicht die Frauen, die politisch kämpfen aus den Gruppen ziehen, um sie wie im Aktionsrat in einer reinen Frauengruppe zu sammeln, sondern daß gerade die Frauen in den politischen Gruppen bleiben und dort ihre Vorstellungen durchsetzen. Wir dürfen uns nicht wieder in die traditionellen Frauen- und Fürsorgetätigkeiten abdrängen lassen, sondern wir schalten uns massiv in den Kampf aller politischen Gruppen ein; wir bilden keine neue in-group, sondern wir kämpfen und dabei überwinden wir das Sektierertum.“ ([4])

Das war natürlich eine viel zu abstrakte und unverbindliche Perspektive, als daß sie in einen wirklichen Organisierungsprozeß hätte münden können. Dennoch: Dieses Konzept, daß Frauen wirklich gleichberechtigt in politischen Organisationen agieren sollen, setzte sich dann in überraschendem Maße in den bewaffnet agierenden Gruppen durch.

Als die Rote Armee Fraktion mit ihren Aktionen die Bundesrepublik erschütterte, fiel das auch dem politischen Gegner auf:

„Günter Nollau, damals im Bundesinnenministerium und später Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, sah »etwas Irrationales an der ganzen Sache«. Ihm fiel auf, »daß viele Mädchen dabei sind«, und er hatte auch gleich eine Erklärung parat: »Vielleicht ist das ein Exzeß der Befreiung der Frau.«“ ([2], S. 176)

Natürlich ist diese Rede mehr als schief und frauenfeindlich. Schon die Begriffe „Mädchen“, „Irrationalität“ und „Exzeß“ verbannen die terroristischen Aktionen aus dem Bereich männlich konnotierter Rationalität. Doch diese Beobachtung hatte, wenn man von der Form, in der sie geäußert wurde, absieht, durchaus einen nicht wegdiskutierbaren richtigen Kern.

Seien sie deshalb gespannt auf nächste Woche, wenn die Frauenbefreiungsfront folgende Losungen ausgibt:

„Die revolutionäre Situation durch erfolgreiche Aktionen vorantreiben
Die Sicherheitsbedingungen diszipliniert beachten
Verräter liquidieren“ ([3], S. 7)

Nachweise

[1] Anonym, „Weg mit dem Schandurteil gegen Marianne Herzog!“, in: Rote Hilfe, Jg.2 (1974), Nr.1 (Januar 1974), S.21 – 22.

[2] Aust, S., Der Baader Meinhof Komplex, München 2008 (8. Auflage).

[3] Frauenbefreiungsfront, „Der Kampf der Frauenbefreiungsfront in den Metropolen“, in: agit883, Jg.2 (1970), Nr.56 (16. April 1970), S.6-7.

[4] Frauenbefreiungsfront, „Frauen erhebt euch und die Welt erlebt euch“, in: agit883, Jg.2 (1970), Nr.58 (1. Mai 1970), S.8.

[5] Herzog, M., Nicht den Hunger verlieren, Berlin 1980.

[6] Perincioli, C.: „Anarchismus, Lesbianismus, Frauenzentrum. Warum mußte die Tomate so weit fliegen?“, in: Heinrich-Böll-Stiftung und Feministisches Institut (Hg.), Wie weit flog die Tomate?, Berlin 1999, S. 98 – 117.

[7] Redaktioneller Beitrag, „Verräter und Verschwundene“, in: Der Spiegel, Jg.61 (2007), Nr.40 (1. Oktober 2007), S.78 – 79 (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-53135553.html).

[8] Zentralkomitee der Tupamaros Westeuropa, Zentralkomitee der Frauenbefreiungsfront u.a., „Offener Brief an Gustav Heinemann und andere“, in: agit883, Jg.1 (1969), Nr.44 (11. Dezember 1969), S.4.

Written by alterbolschewik

13. Juni 2014 at 15:27

Brot und Rosen (3)

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Die Frauenbewegung in der BRD (32)

„Im Kampf um die Abschaffung des Abtreibungsparagraphen entwickelt die Frauenbewegung die Theorie zur Befreiung der Frauen aus der Geschlechtsunterdrückung unter den spezifischen Bedingungen des Kapitalismus.“

Brot und Rosen, 1974

Was bisher geschah: Der Autor dieses Blogs ist dabei, seine Küche zu renovieren und muß gestehen, damit immer noch nicht fertig zu sein. Doch für die Leserinnen interessanter ist wohl die Erkenntnis aus dem letzten Blogbeitrag, daß die Gruppe Brot und Rosen 1972 ein sogenanntes „Frauenhandbuch“ verfaßte. Dieses Frauenhandbuch klärte einerseits über Verhütung und Abtreibung auf, machte aber andererseits auch die politische Dimension dieses vermeintlich privaten Themenkomplexes sichtbar.

Wenn man so will, kann man die Erstellung des Frauenhandbuches und in der Folge dann dessen Überarbeitung für die zweite Auflage als die theoretische Seite von Brot und Rosen ansehen. Gleichzeitig war die Gruppe aber auch praktisch tätig. Mit ihrer praktischen Tätigkeit wurde sowohl in der privaten, individuelle Sphäre interveniert wie auch in der politischen Öffentlichkeit. Und auch wenn ich das hier schon mehrfach geschrieben habe: Gerade dieser Versuch, Individuelles mit Kollektivem, Privates mit Öffentlichem zu verknüpfen, macht meines Erachtens den Kern der antiautoritären Revolte aus. Brot und Rosen blieben diesem antiautoritären Konzept treu – im Gegensatz zu denen, die in irgendwelchen marxistisch-leninistischen Gruppen diese Spaltung von Privatleben und Politik, gegen die sich die antiautoritäre Revolte einmal richtete, wieder herstellten.

Was hieß das nun für Brot und Rosen konkret? Beginnen wir mit der öffentlichen, politischen Seite. Natürlich war das Frauenhandbuch selbst bereits praktisch und ein Politikum. Und so wurde es auch aufgefaßt. Schnell waren Brot und Rosen wegen ihres „Expertinnenwissens“ auch überregional gefragt und eine der tonangebenden Gruppen in der Aktion 218, dem bundesweiten Bündnis von Frauengruppen im Kampf gegen den § 218. Deutlich wird dies beim Tribunal gegen den § 218, das im Mai 1972 in Köln stattfand. Das originelle an diesem Tribunal war, daß nicht einfach trocken Zahlen, Fakten, Argumente heruntergebetet wurden, sondern die unterschiedlichen Themenkomplexe in kleinen Theaterstücken dargestellt werden sollten. Brot und Rosen fiel die Aufgabe zu, die Rolle der pharmazeutischen Industrie offenzulegen – und das, obwohl die Gruppe gerade einmal ein halbes Jahr existierte.

Das Tribunal selbst geriet zu einem Fiasko – zu unterschiedlich war das Publikum, zu unterschiedlich die Erwartungen. Doch darauf will ich an dieser Stelle noch nicht eingehen, denn das gehört in die Geschichte des Kampfes gegen den § 218. Für den aktuellen Zusammenhang interessant ist die Kritik, die Brot und Rosen danach formulierten. Denn diese zeigt, daß die Gruppe recht klare politische Vorstellungen hatte und diese auch zu artikulieren verstand:

„Ziel des Tribunals war es, die Öffentlichkeit über die Forderungen der Aktion 218 zu informieren und den Weg zu zeigen, wie wir sie durchsetzen wollen. Dazu wäre folgendes notwendig gewesen:
1. Das Entstehen der Aktion zu erklären
2. Die Forderungen ausführlich zu nennen und zu begründen
3. Die katastrophalen Zustände im medizinischen, pharmazeutischen, kirchlichen, politischen, juristischen und journalistischen Bereich anzuklagen
4. Weitere Schritte zur Abschaffung des § 218 zu erarbeiten.
Bei dem Tribunal lag die Betonung nahezu ausschließlich auf Demonstration und Anklage, also Punkt 3. Für uninformierte Frauen fehlte 1.) und 2.). Für bereits organisierte der letzte Punkt.“ ([3], S. 69)

Diese Fehler wurden nicht wiederholt, als Brot und Rosen kurz vor der Dritten Lesung des „reformierten“ § 218 selbst eine Großveranstaltung auf die Beine stellten. Am 6. Februar 1974 organisierten sie an der TU Berlin ein Teach-In, das es dann auch in die überregionalen Medien schaffte. Zu diesem Zweck hatten sich die Brot und Rosen-Frauen eine besondere Aktion überlegt, auf die weiter unten noch einzugehen sein wird.

Doch wenden wir uns zunächst einmal dem anderen Teil der Praxis von Brot und Rosen zu, dem Teil, der scheinbar nur auf das Private, Individuelle zielte. Denn die Gruppe agitierte nicht nur öffentlichkeitswirksam auf großen Veranstaltungen, sondern richtete im Kleinen auch eine regelmäßige Sprechstunde ein. In diese Sprechstunde konnten Frauen kommen, die Fragen zur Verhütung hatten oder die Beratung wegen einer Abtreibung brauchten. Das war zunächst einmal ganz konkrete Hilfe im Einzelfall, der aber scheinbar die politische Dimension fehlte:

„Am Anfang machten wir die Sprechstunde nicht gerne. Wir fanden sie auch unpolitisch. Wir machten sie hauptsächlich deswegen, weil wir nicht dauernd zu Hause angerufen werden wollten. Wir wollten die Frauen nicht in der Sprechstunde agitieren. Wir wußten, daß sie von uns einen Rat haben wollten und sich sonst für nichts interessierten. Für manche Leute wurden wir eine Art barmherziger roter Schwestern, die man gern in Anspruch nahm, wenn Hilfe nötig war, deren Tätigkeit man aber für belanglos und unpolitisch hielt.“ ([2], S. 10)

Doch die Sprechstunde erwies sich als interessanter, als das zunächst den Anschein hatte. Denn zusehends mauserte sich diese zu einer Quelle von Informationen. Sie war eben nicht nur eine Beratung durch Expertinnen, die anderweitig angesammeltes Wissen weitergaben. Sondern die „Expertinnen“ verlangten – und bekamen auch – Rückmeldungen von den Hilfesuchenden. Schon bald wurde ein detaillierter Fragebogen ([2], S. 170-173) entwickelt, um systematisch Informationen zu sammeln:

„In der Sprechstunde versuchten wir den Frauen klarzumachen, warum wir von ihnen eine Rückantwort, d.h. Erfahrungsberichte über Verhütung und ihre Abtreibungen erwarteten (bei wem, mit welcher Methode, unter welchen Bedingungen, in welcher Woche, zu welchem Preis usw.) und wieso das ihr Beitrag sein muß zum Gelingen der 218-Kampagne. Durch diese Erfahrungen veränderte sich allmählich unser Verhältnis zu Sprechstunde: sie war nicht mehr nur eine lästige Pflichtübung, sondern wir lernten darin die sexuelle Misere der Frauen und die Bedingungen unseres Gesundheitswesens kennen.“ ([2], S. 11)

Und das führte dann zur wohl spektakulärsten Aktion, die die Gruppe Brot und Rosen durchführte. Der Spiegel berichtete:

„Sechs Wochen vor der dritten Lesung der Bonner Abtreibungsreform haben in West-Berlin 13 Mitglieder der Frauengruppe »Brot und Rosen« fünf Ärzte angezeigt. Die Vorwürfe der Feministinnen gegen die Mediziner reichen von »Unzucht mit Abhängigen« (Paragraph 174 im Strafgesetzbuch) bis zur »Steuerhinterziehung« (Paragraph 392 der Reichsabgabenordnung) – Paragraph 218 des Strafgesetzbuches aber, nach dem die Abtötung einer »Leibesfrucht« noch immer mit maximal zehn Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden kann, ist nicht dabei.“ ([5])

Diese Strafanzeigen, die auf dem Teach-In in der TU-Berlin öffentlich gemacht wurden, waren unmittelbares das Resultat der Sprechstundenpraxis:

„In der Sprechstunde haben wir erfahren, daß jede Frau, die abtreiben will, die notwendigen Schritte dazu privat und isoliert auf sich nehmen muß. Am Ende ist sie mürbe, dankbar und zu allem bereit: sich demütigen, vergewaltigen, medizinisch unzureichend versorgen zu lassen, sich von Ärzten behandeln zu lassen, die ihrer Sinne nicht mehr ganz mächtig sind, die kaum mehr sehen können oder ein zittrige Hand haben.“ ([2], S. 12)

Es ist wichtig zu betonen, daß Brot und Rosen diese fünf Ärzte nicht wegen Abtreibung angezeigt hatte, sondern wegen anderer Vergehen und Verbrechen, die sie im Umfeld ihrer Praxis als Abtreibungsärzte begingen. Diese Anzeigen sollten nur der Beginn einer größeren Kampagne sein, doch das beruhte, wie damals Frauen aus dem Frankfurter Frauenhaus schrieben, auf einer Überschätzung der realen Möglichkeiten:

„Die Brot und Rosen-Frauen hatten gehofft, daß diese ersten Anzeigen eine ganze Anzeigenkampagne in der BRD und in Westberlin folgen würde. Hierbei hatten sie jedoch nicht überlegt, daß die Abtreibungslage in Berlin sich wesentlich unterscheidet von anderen Städten in der BRD, in denen es zum Teil nur sehr wenige Abtreiber gibt. […] Anzeigen sind jedoch nur möglich, wenn wir von den Ärzten, die abtreiben, unabhängig sind. Das sind wir leider nicht.“ ([1], S. 5)

So blieb es bei den öffentlichkeitswirksamen Anklagen von Brot und Rosen. Was aus diesen Anklagen wurde, ob irgend einer der Ärzte verurteilt wurde, konnte ich nicht herausfinden. Auch Brot und Rosen zogen sich im Laufe des Jahres 1974 zurück. Nach dem Teach-In im Februar brachten sie noch die zweite Auflage ihres Frauenhandbuches heraus. Darin kündigen sie bereits an, daß sie „bis Ende des Jahres 1974 nicht mehr öffentlich auftreten werden“ ([2], S. 8) – und auch danach hörte man nichts mehr von der Gruppe.

Damit hätten wir auch die zweite Linie, die aus dem Aktionsrat zur Befreiung der Frauen hervorgegangen war, zu ihrem historischen Recht verholfen. Und wenn wir der (rudimentären) offiziellen Geschichtsschreibung der Frauenbewegung folgen, dann sind mit dem Sozialistischen Frauenbund einerseits und Brot und Rosen andererseits alle Spaltprodukte des Aktionsrates abgehandelt. Doch es gibt noch eine inoffizielle, selten bis gar nicht thematisierte Linie, die auch vom Aktionsrat ausging.

Freuen Sie sich deshalb ganz besonders auf nächste Woche, wenn die Frauenbefreiungsfront 1970 meint:

„Der Aktionsrat ist eingegangen, nur noch vereinzelte Frauengrüppchen murkeln vor sich hin, überlegen sich dauernd, wie sie sich organisieren sollen, und machen nichts. Nichts von dem, was wir im Aktionsrat erreichen wollten, ist in Verhalten und Praxis der einzelnen eingegangen.“ ([4])

Nachweise

[1] 218-Gruppe Frauenzentrum Frankfurt, § 218. Dokumentation einer Aktionswoche, Frankfurt a.M. o.J. [1974].

[2] Brot und Rosen, Frauenhandbuch Nr. 1. Abtreibung und Verhütungsmittel (2. Auflage), Berlin 1974.

[3] Brot und Rosen: „Kritik am Tribunal zum § 218“, in: Linnhoff, U., Die neue Frauenbewegung. USA – Europa seit 1968, Köln 1974, S. 68 – 70.

[4] Frauenbefreiungsfront, „Frauen erhebt euch und die Welt erlebt euch“, in: agit883, Jg.2 (1970), Nr.58 (1. Mai 1970), S.8.

[5] Redaktioneller Beitrag, „Sehkraft geschwächt“, in: Der Spiegel, Jg.28 (1974), Nr.7 (11. Februar 1974), S.122 (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41784145.html).

Written by alterbolschewik

7. Juni 2014 at 14:26

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