shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Archive for the ‘Disco’ Category

Mal ’ne Lebensbeichte: Gibt ja so Sätze …

with 19 comments

… die so wichtig für mich sind, daß sie mein ganzes Leben prägen. Und paradoxerweise dann in der Kritik von Identitäts-Modellen sowas wie eine Identität generieren. Das ist hier sind solche für mich:

„Zur Zeit braucht die Schwulenbewegung eine Kunst des Lebens viel dringender als eine Wissenschaft oder ein wissenschaftliches Wissen (oder pseudo-wissenschaftliches Wissen) von Sexualität. Sexualität ist Teil unseres Verhaltens. Sie ist Teil unserer Freiheit. Sexualität ist etwas, was wir selbst schaffen – sie ist unsere eigene Kreation und viel mehr als das Aufdecken einer geheimen Seite unseres Begehrens. Wir müssen verstehen, daß in und durch unsere Begehren hindurch neue Formen von Beziehungen verlaufen, neue Formen der Gestaltung. Sex ist kein Schicksal; es ist eine Möglichkeit das Leben zu gestalten.

Darauf läuft es hinaus, wenn Du davon sprichst, daß wir versuchen sollten, schwul zu werden – und uns nicht nur als schwul zu bestätigen.

Ja, genau. Wir müssen nicht entdecken, daß wir Homosexuelle sind.

Oder was die Bedeutung davon ist?

Genau. Eher müssen wir ein schwules Leben entwerfen. Werden. […]

Wenn man sich anschaut, wie verschiedene Leute ihre sexuellen Freiheiten gelebt haben – wie sie ihre Kunstwerke geschaffen haben – müsste man sagen, daß Sexualität, so wie wir sie kennen, zu einer der kreativsten Quellen unserer Gesellschaft und unseres Seins geworden ist. Meiner Meinung nach sollte man es umgekehrt sehen: Im allgemeinen wird Sexualität als das Geheimnis des schöpferischen kulturellen Lebens angesehen; sie ist aber viel eher ein Prozeß, in dem wir ein neues kulturelles Leben entwerfen, das tiefer geht als sexuelle Wahlmöglichkeiten zu haben.

(…) wenn Identität zur Frage sexueller Existenz wird, und wenn Leute glauben, daß sie ihre „eigene Identität aufdecken“ müssen und daß diese zum Gesetz werden muß, zum Prinzip, zum Code ihrer Existenz; wenn sie beständig die Frage stellen „Entspricht das meiner Identität?“, dann kehren sie zurück zu einer Ethik, die der der alten heterosexuellen Männlichkeit sehr nahe ist. Wenn wir zur Frage der Identität Stellung nehmen müssen, dann sollte es um eine Identität zu unserem eigenen Selbst gehen. Aber die Beziehungen zu uns selbst, sind keine identitären; viel eher sind sie Beziehungen von Differenzierung, Kreierung und Erfindung. Stets dasselbe zu sein ist wirklich langweilig.“

Michel Foucault

Diese späten Interviews mit Foucault haben einst tatsächlich mein Leben verändert, meine Haltung, meine Praxis, mein Denken. Sehr weit über das Thema „Sexualität“ bzw. „schwul“ hinaus: Das betrifft auch den Umgang mit allen „Wurzeln“, seien es „kulturelle“ oder „familiäre“, seien es Szene- und Schicht-Zugehörigkeiten oder Berufs-„Identitäten“. Für mich war das der Abschied, ja, die Befreiung vom Freudomarxismus, von der vulgärpsychoanalytischen Hermeneutik des vorgängigen Selbst, von allen Entfremdungsmodellen, die Formen der „Eigentlichkeit“ (Heidegger) in sich selbst aufspüren wollen, um handeln und sein zu können.

„Ästhetik der Existenz“ wurde dann ja Schlagwort mit fataler Wirkungsgeschichte, nichtsdestotrotz: Meiner Ansicht nach kann man Foucaults Kritik der Macht nicht lesen, ohne sich zu fragen, was ihn zu diesem dubiosen, aber großartigen Spätwerk trieb.

Wer diesen und ähnlichen in den späten Interviews geäußerten Gedanken Foucaults nicht folgen will, kann ja gerne „authentisch“ bleiben … klar ist: Eine Kritik der politischen Ökonomie konnten sie nie ersetzen, und auch nicht eine Kritik der „entfremdeten Arbeit“. Aber wollten sie auch nie. Auch wenn Herr Welsch das gerne so gehabt hätte …


Werbeanzeigen

Written by momorulez

22. November 2008 at 11:05

Sperma ist ekelhaft!

with 7 comments

Na, da kann man ja mal wieder verfolgen, wie heutzutage Bevölkerungsbestandteile sortiert werden: Plötzlich ist die Konfession wieder Trumpf.  Keine Angabe dazu, um was für Schulformen es sich handelt, oder zur Schichtzugehörigkeit, zu politischen Präferenzen, Lieblingspopstar, Berufsgruppen der Eltern oder sonst irgendeinem relevanten Merkmal – nö, die Welt besteht jetzt aus der Kreuztabelle: Mann/Frau und evangelisch/katholisch/muslimisch/atheistisch.

„Mittel zum Erkenntnisgewinn war eine Meinungsumfrage unter 968 Schülern des Schulzentrums und der benachbarten Gesamtschule Ost. Dabei zeigte sich, dass 40 Prozent der muslimischen, 23 Prozent der katholischen und zwölf Prozent der evangelischen Jugendlichen Homosexualität immer noch für eine Krankheit halten. Bei den Nichtgläubigen waren es knapp elf Prozent.

Zumindest unmoralisch ist Homosexualität für 62 Prozent der befragten Muslime, 39 Prozent der Katholiken, 26 Prozent der Protestanten und immerhin 20 Prozent der Nichtgläubigen.

Noch höher stieg der Wert bei der Frage, ob Homo-Küsse in der Öffentlichkeit „ekelhaft“ seien. „Ja“, fanden 85 Prozent der Muslime und immer noch 46 Prozent der Nichtgläubigen. (…) Auffällig ist, dass Jungen und Migranten etwa doppelt so homofeindlich sind wie Mädchen beziehungsweise „Ur-Deutsche“.

Was sich dann aus dem „Migrationshintergrund“ offenkundig kausal ergibt, und wieso der bei Mädchen nicht die gleiche Rolle spielt wie bei Jungs, das erfährt keine weitere Kommentierung – dafür werden zum Schluß wieder die „schwulen Pinguine“ gezückt.

Dabei gibt’s bestimmt auch schwule Vogelspinnen. Und sich achtbeinig umarmen, wie sich das wohl anfühlt? Na, auf jeden Fall pelzig.  Und intensiv. Aber die könnte man ja eklig finden. Pinguine kommen da irgendwie „schwuler“ rüber … schon wie die trippeln, hähähä. Ach, Damon, rette mich!

Written by momorulez

20. November 2008 at 20:46

Veröffentlicht in Disco

Tagged with

Für das sich episodisch neu erfinden!

with 61 comments

Wo ich mit schon andernorts mit Mitbloggern heftig über das unten stehende Zitat streite, sei es doch noch mal hoch geholt, vielleicht steckt da ja mehr drin, als es mir auffällt:

“Erfolgte die Stabilisierung des Selbst im sozialdemokratischen Zeitalter vielfach durch konsumtive Attribute, die aufgrund der Ausbeutung einer zerstreuten Millionenzahl von Weltmarktarbeiterinnen erschwinglich war, so mindern nun andere, noch billigere Räusche die Scham des Herabgesetztseins und das Gefühl der Entwertung. Unterhaltung, Konsum, Porno und Halbwissen werden zu einem Elixier vermengt, wie es uns täglich aus dem Fernsehen und aus den Portalen entgegenschwallt. Kommunikation erfolgt im Takt der Billigtarife, nach bestimmten, vonNetz und Telefonie gepräögten Abläufen. Der Einzelne erfindet sich episodisch neu, sehr wohl in der Ahnung, dass die Bausteine seines Selbst außerhalb vorfabriziert werden. Eine Welt genormter Individualisten und medial geformter Lebensstile ersetzt die postnazistische Forderung nach Konformität. Heute weicht jeder genüsslich von der Norm ab. Das Biedere, Langweilige, Komplizierte wird argwöhnisch beäöugt. Gleichwohl sind dem spaßigen treiben staatlich enge Grenzen gesetzt, wie jüngst die Rostock-people knüppeldich zu spüren bekamen. Bei ernsthaft renitenter Individualität besteht Terrorismusgefahr! Aus all diesen Facetten wird ein unternehmerisches Selbst formiert, mit allen individuellen Freiheiten ausgestattet, und nur der einzigen Drohung ausgesetzt, im kreativen Rattenrennen nicht schlapp machen zu dürfen. That´s the mystery!”

Ich frage mich ja bei solchen Expertisen über das post-post-moderne Leben immer, aus welcher Perspektive sie formuliert sind.

Woher wissen die das? Wieso können sie dem totalen Verblendungszusammenhang entrinnen – oder ist der Text selbst Ausdruck von „Unterhaltung, Konsum, Porno und Halbwissen“ ? Worin unterscheidet sich denn diese „“noch billigere“ Form von der davor? Daß es früher ein schärferes Pornographiegesetz gab? Und man sich beim Amusement so schön schämte?

Wie kommt es denn, daß in den 80ern allerlei Leute, z.B. Lydia Lunch und der Herr Thirwell, in der Pornographie progressives Potenzial witterten, und wann haben Alice Schwarzer und Andrea Dworkin trotzdem recht? Wäre ja interessant, darüber was zu erfahren, aber ganz wie Evangikale in den USA stellen sie dann „Porno“ in’s Zimmer und gucken’s böse an. In New York führte solche Denke dazu, daß es sehr schwierig ist, eine Lizenz für’s Tanzlokal zu erhalten, weil schon Arschwackeln irgendwie anrüchig sein könnte und vielleicht sogar Spaß macht … na ja, Grönemeyer kann ja auch nicht tanzen. Und die Autoren haben dem Rest der Menscheit Ganz-Wissen voraus, offenkundig, und flüchten vor jeder Unterhaltung. So kommt dann ein Monolog bei raus.

Gegen so eine latent debile Reihung von Assoziationen –  „Kommunikation erfolgt im Takt der Billigtarife, nach bestimmten, vonNetz und Telefonie geprägten Abläufen“, das ist doch selbst nur „Ich gucke Werbung und halte das dann für die Welt“ – verfügt selbst „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ über mehr Potenzial zur Diagnostik, weil man da wirklich sehen kann, wie man Kids in einem annähernd surrealen Raum zu trimmen versucht, nur zu was ganz anderem, als hier suggeriert wird: Das ist die ganz klassische Konformität ohne alle dialektischen Schlenker. Natürlich gibt es nur Wahl zwischen Coca und Pepsi Cola, aber das ist ja das Schlimmste an diesen Versatzstücken: Das haben Horkheimer, Adorno und Marcuse alles schon und alles schon besser formuliert.

Wo nimmt denn der Großteil der Bevölkerung an einem „kreativen Rattenrennen“ teil? Lange nicht mehr auf’m Dorf, auf’m Flughafen, auf’m Bahnhof gewesen …. und selbst beim DSDS-Casting auf Malloca stehen ja keine 80 Millionen Schlange.

Wieso sind die „Rostock-People“ wahrhaft individuell – was haben die Fragen nach legitimer, politischer Aktion mit jenen der „Individualität“ zu tun?

Das würde man ja gerne erfahren, das sind wichtige, brandaktuelle Fragen, aber: Sie sagen’s nicht und klagen an wie die Haßpriester auf Trinidad, die „Homosexualität“ niederpredigen wollen – und sich wahrscheinlich kurz danach mal wieder ordentlich durchficken lassen. Wurde mir zumindest bereichtet, daß das da gelegentlich so läuft.

„Der Einzelne erfindet sich episodisch neu“ – ja, zum Glück, schön wär’s, wenn’s denn so wäre … die Möglichkeit dazu nennt man Freiheit. Und genau die ist’s doch, die aktuell fehlt.

Gewesene Linke: Die Autonome Antifa (M) 2.Teil

with 18 comments

Theoretisch orientierte die M sich wiederholt und schnell um. Vom nur kurze Zeit vertretenen Neuen Antiimperialismus schwenkte man um auf Antiimp-Linie, die wurde dann zu einem klassischen Marxismus-Leninismus eingedampft, der sich anfühlte wie bei der KPD der 20er Jahre. Später wurde jäh und unvermittelt zur Wertkritik von Robert Kurz und Krisis umgeschwenkt. Begründet wurden diese inhaltlichen Umorientierungen nie, die M nahm auch nicht an den gruppenübergreifenden Theoriediskussionen der übrigen Göttinger autonomen Szene teil. So blieb sie bei den für Teile des Spektrums außerordentlich wichtigen Sexismus- Rassismus- Eurozentrismus- und Selbstverständnisdiskussionen völlig außen vor. Während nach Hoyerswerda, Rostock und Mölln andere autonome Gruppen die Tatsache kritisierten, dass der Rassismus-Begriff der bisherigen Antifaarbeit in den Flüchtlingen zu beschützende Objekte sah, ebenso wie Kirchens und Wohlfahrts Flüchtlings wohlwollend bevormundeten und daraus die Konsequenz zogen, die Nähe der Flüchtlinge zu suchen und mit ihnen gemeinsam politische Praxis zu entwickeln ließ die M sich auf solche Niederungen des Alltags nie herab. So diskutierte sie eigentlich nie mit anderen Gruppen, sie verlautbarte. Da sie ja ohnehin sehr techno-discolike auftrat und ihre Ideologieschwenks von außen nicht nachvollziehbar waren, sprach unsereins von Theorieresampling.

Dabei muss allerdings gesagt werden, dass sie in den 1990ern die zahlenmäßig stärkste linke Gruppe in Göttingen war und ihr Konzept der bundesweiten Organisation (Antifa BO, von uns Antifa B0 genannt) anfangs auch funktionierte. Brachte es die durchschnittliche autonome Gruppe in Göttingen auf 10 oder 15 Mit- und ohne Glieder, so waren das bei der M in den besten Zeiten um die 50, das mobilisierbare Umfeld hingegen ging in die Tausende. Das dogmatische Auftreten und die Diskussionsverweigerung der M, aber auch persönliche Animositäten und schließlich unterschiedliche Verständnisweisen von Antifa-Arbeit führten zu einer Spaltung der autonomen Szene in Göttingen, und über Jahre fanden zu allen wichtigen Themen, die Leute auf die Straße bringen oftmals zwei getrennte Demos statt: Einmal die M und Umfeld, einmal die übrige autonome Szene, Bündnispartner wie DGB, Uniszene, Göttinger BürgerInnen gegen Rechts, VVN usw. hielten es mal mit den Einen und mal mit den Anderen, bis dann die M mehr und mehr in die Isolation hineingeriet. Der Tonfall, in dem da miteinander umgegangen wurde war nicht gerade freundlich. Eine Nordirland-Soligruppe aus dem Antiimp-Spektrum schrieb über Kritiker der M:“Selig sind die Bekloppten, denn sie brauchen keinen Hammer.“, und in Bremen wurde die neugegründete Ortsgruppe der AABO im Sielwallhaus als „der letzte Kegelverein“ und „Schießbudenfiguren, über die wir lachen können“ bezeichnet. Ob Pro Antifa-Bundesorganisation oder dagegen, man schenkte sich nichts. Stark ausgeprägt war in der linken Szene die Mythenbildung um die M, wie es auch generell einen Göttingen-Mythos gab. Ich kann mich erinnern, wie ich beim Vorbereitungstreff zu einer bundesweiten Demo durchs Megafon ansagte, wo sich der Göttinger Block versammelt, und aus der Menge dann respektvolles Geraune hörte und so Sprüche wie: „Die Göttinger sind da. Dann wird´s wohl hart abgehen!“, und es ist uns echt passiert, dass uns Autonome aus einer hessischen Kleinstadt fragten „wie schätzen denn die großen Meister die Lage ein?“. Zum Mythos gehörten auch interessante Gerüchteküchen (Anekdote: Genossin D. erzählt „wir saßen in gemütlicher Runde zusammen, und Che war gerade ein Gerücht kochen“ – aber nein, über die M kochte ich keine, das schafften die schon selber). Da gab es zum Bleistift die Geschichte mit den „Orden“. Schon etwas länger als die M existierte die Initiative K & K, was nicht Kaiser und König, sondern Kunst und Kampf hieß. Diese Gruppe, deren Mitglieder auch fast alle in der M waren, entwarf das Layout der M-Publikationen, machte eine Ausstellung über militaristische Heraldik mit Orden und Ehrenzeichen, denen sie sehr wenig überzeugend rote Sterne und linke Parteiabzeichen als angebliche Gegenkultur gegenüberstellte, veranstaltete Besuche in KZ-Gedenkstätten, einer ihrer Vertreter malte Bilder, die irgendwo zwischen Sozialistischem Realismus und naiver Malerei angesiedelt waren. Die Mitglieder der K & K trugen das Logo ihrer Initiative, ein affenähnliches Männlein, das in einer Hand eine Comedia-dell-Arte-Maske und in der anderen eine 9mm Mauser hielt als Anstecknadel. Diese Nadeln gab es in Gold, Silber und Bronze, und sehr schnell verbreitete sich das Gerücht, dies seien drei Klassen von Orden, an denen die M ihre Mitgliederhierarchie festmache.

Alle diese Konflikte wurden für die M bedeutungslos, als Razzien in Göttingen zutage förderten, dass gegen die Gruppe ein 129a)-Verfahren lief.

http://www.sooderso.net/subdomains/keinfriede/flugi94antifam01.shtml

http://www.antifakomitee.de/website/soli/rechtshilfe/129.htm

http://www.rote-hilfe.de/publikationen/die_rote_hilfe_zeitung/1996/2/wer_ist_die_autonome_antifa_m

Das Bekanntwerden der Ermittlungen führte sehr schnell zu einer allgemeinen Solidarisierungswelle. Hierbei fragten sich Viele in der Szene allerdings, wieso es gerade die M traf. Sonderlich militant war die Gruppe, trotz zur Schau getragenem Schwarzen Block nicht. In dem szeneöffentlichen Sich-Wundern schwang bei militanten Gruppen daher auch so eine Art uneingestandene Eitelkeit nach dem Motto „was haben die, was sie für den Staatsschutz interessant macht?“ mit. Tatsache ist allerdings, dass Gruppierungen wie das „Kommando Otto und Lotte Rotholz“, das versucht hatte, Karl Polaceks Haus niederzubrennen so anonym waren, dass Staatsschutzschnüffler schlechterdings außerstande waren, diese in den Szenezusammenhängen aufzuspüren, und wer sich hinter den zig autonomen Kleingruppen verbarg wussten auch nur die, die es ruhig wissen durften 😉

Die M war offiziell, die M war extrem in den Medien präsent, die M hatte es bis ins Fernsehen geschafft. Die M war auf dem Präsentierteller.

Wir hatten damals lebhafte Diskusionen, warum die Generalstaatsanwaltschaft gerade gegen die M ermittelte, un erwogen verschiedene szenarien, bei denen u.a. das Potenzial der Bundesweiten Organisation eine Rolle spielte. Ketzerich frage ich mich heute, ob seitens des Staatsschutzes da nicht einfach eine extrem staatsautoritäre Rechtsauffassung ausreichte, kombiniert mit ziemlich viel Blindfischigkeit. Möglicherweise reichte der Anblick von uniform vermummten und behelmten Schwarzen Blöcken über Jahre hinweg ja schon aus, immerhin wurde auch gegen die Göttinger Polizei ermittelt. Für die DiD-Hypothese (Deppen im Dienst) spricht das Vorgehen einige Jahre später, als nach einem Überfall auf Polaceks Haus Beamte des Niedersächsischen Landeskriminalamts offensichtlich Neonazis um Torsten Heise herum Fotos von „Göttinger Antifas“ zeigten, die von diesen als „TäterInnen“ identifiziert wurden. In einem Mammutprozess wegen versuchten Totschlags und Schweren Landfriedensbruchs wurde die Unschuld der Angeklagten erwiesen, aber auch die Kriterien, nach denen das LKA (mit einem der damals ermittelnden Beamten hatte ich meine eigenen einschlägigen Erfahrungen gemacht) so vorging: Die „Fahndungsliste “ mit „Göttinger Antifas“ war die KandidatInnenliste der GAL zum Studierendenparlament. Die Leute, die beim Staatsschutz als „Top-Autonome“ galten, waren die auf den vorderen Listenplätzen. Die Liste war nach alphabetischer Reihenfolge zusammengestellt ;-

Wie sich denken lässt, führten die Ermittlungen zu keiner Verurteilung und wurden schließlich eingestellt, aber sie schwächten die M entscheidend. Man war nun weniger mit der konkreten Antifa-Arbeit oder dem Aufbau der Bundesweiten Organisation beschäftigt als vielmehr mit Prozessarbeit und Solidarität mit sich selbst. Hinzu kam, dass die BO allmählich bröckelte. Eine der wichtigsten Bündnisparterinnen, die Gruppe fels (Für eine linke Strömung) Herausgeberin der lesenswerten Theoriezeitschrift Arranca! brach mit der BO und kritisierte die M öffentlich wegen ihres „sinnentleerten Militanzfetisches“. Der Zerfall der Antifa BO fiel mit einer persönlichen Erschöpfung der M-AktivistInnen zusammen, gegen die sich das Ermittlungsverfahren gerichtet hatte. Ende der 190er existierte die M zwar noch, aber sie war nun nur noch eine Antifa-Gruppe unter vielen. Der 11. September 2001 brachte für die Autonome Antifa (M) den Spaltpilz: Die nun einsetzenden Diskussionen über die Unterstützung der Antideutschen für die Bush-Kriege führten zu einer Fraktionierung innerhalb der Gruppe, die schließlich in drei Einzelgrüppchen auseinanderfiel, die sich nichts mehr zu sagen hatten. Am ehesten in der Tradition der alten Autonomen Antifa (M) steht hierbei die bis heute aktive redical M.

Gewesene Linke, heute: Die Autonome Antifa (M)

leave a comment »

Mit der M hat es eine ganz eigene Bewandtnis. Entstanden war sie als eine Gruppe, die mit der autonomen Politik, wie sie bis dahin betrieben worden war gebrochen hatte. Witzigerweise wird selbst ihre Nachfolgerorganisation redical M von heute aktiven Autonomen, die altersmäßig die Kinder der Mler sein könnten, für eine „klassisch autonome Antifagruppe“ gehalten. Aber der Reihe nach.

Alles begann im Herbst 1987 in Göttingen. Zu dieser Zeit häuften sich in der Göttinger Innenstadt die Übergriffe von Neonazis. Zwar hatte es auch vorher schon Auseinandersetzungen mit Rechtsradikalen gegeben, und es gab in Göttingen eine sehr aktive Antifa-Gruppe. Aber bisher waren die Gegner Leute wie der NPD-Multifunktionär Hans Michael Fiedler, angebräunelte Burschenschaften oder Lyndon LaRouches EAP/Patrioten für Deutschland gewesen, keine gewalttätigen Neonazis. Das änderte sich, als der Österreicher Karl Polacek, Funktionär der weit rechts von der NPD stehenden FAP in das Haus seiner getrennt von ihm lebenden Frau in dem kleinen Dorf Mackenrode im Göttinger Wald zog. Polacek nutzte das Haus als Schulungszentrum und zog sich Nazi-Skins als persönliche Gefolgschaft heran. Von nun an trafen sich Glatzen abends bei Polacek und zogen von seinem Haus aus in die Göttinger Innenstadt, wo sie Leute zusammenschlugen, die ihnen nicht passten: Ausländisch Aussehende, vor allem Schwarze, Punks, Skateboardfahrer, auch Behinderte im Rollstuhl, die aus ihrer Sicht „Lebensunwertes Leben“ waren. Zunächst war die Reaktionsweise der linken Szene schnell, einfach und wirkungsvoll: Bei jedem rechtsradikalen Vorkommnis mobilisierte eineTelefonkette möglichst viele Leute zum Ort des Geschehens, wobei wir damals zumeist schöne Zahlenverhältnisse hatten: Auf 5 oder 10 Naziglatzen kamen zumeist 400 Linke, die zu jeder Tages- und Nachtzeit binnen einer halben Stunde zur Stelle waren. Einmal haben wir eine Kleingruppe von Glatzen quer durch die Stadt gejagt, und am nächsten Tag berichtete das Göttinger Tageblatt in großer Aufmachung darüber. Dann aber passierte es, dass eines Nachts Nazis randalierten und keine Telefonkette ausgelöst wurde, Leute zusammengeschlagen wurden, ohne dass jemand eingriff. Kurz darauf trafen sich ein DGBler und ein Antifa zufällig in einer Kneipe, sprachen über den Vorfall, und es wurde die Idee geboren, ein breites Antifa-Bündnis, organisiert und finanziert vom DGB auf die Beine zu stellen. Dieses Bündnis stand sehr schnell und reichte vom DGB über den Stadt- und KreisschülerInnenrat, die Jusos, die sich allerdings, wie für sie üblich, nach kurzer Zeit aus dem Bündnis verabschiedeten, den Pfarrer von Mackenrode, die Falken, den ASTA der Uni, die Fachschaftsräteversammlung und die linksradikalen Hochschulgruppen GAL und Linkes Bündnis bis zur Autonomen Antifa. Eine der ersten und bemerkenswertesten Aktionen des Bündnisses war eine landesweite Großdemo gegen Polacek in Mackenrode mit Tausenden von Teinehmenden, die direkt an Polaceks verbarrikadiertem und mit Drahtnetzen wie eine militärische Stellung gesichertem Haus vorbeiführte. Zu dieser Demo hatte der DGB 15 Omnibusse der Göttinger Verkehrsbetriebe angemietet (die lange Sorte, 18m-Zieharmonika-Busse), die Stoßstange an Stoßstange in einer beeindruckenden Kavalkade nach Mackenrode gebraust kamen. Nach diesem Topact blieben die Nazis erst einmal still. Indes krachte die Sollbruchstelle des fragilen Bündnisses in Gestalt eines Granitsoldaten. Dieser hatte bis dato im Göttinger Rosengarten gestanden, ein altes Kriegerdenkmal in militaristischer Tradition, vor dem alljährlich Vertriebenenverbände ihre revanchistischen Feiern abhielten. Nun begab es sich aber zu der Zeit kurz nach der Mackenrode-Demo, dass Unbekannte die Statue umkippten und den Kopf abhauten, der viele Jahre später von einem Taucher in einem See gefunden wurde. Schnell wurde die Autonome Antifa un das Antifa-Bündnis insgesamt beschuldigt, diese Aktion durchgeführt zu haben, und die Gewerkschaft der Polizei forderte die Aufkündigung des Bündnisses durch den DGB und den Sturz des damaligen DGB-Vorsitzenden, der bald darauf ins hinterste Emsland versetzt wurde. Wir feierten für ihn und den DGB-Jugendsekretär noch eine Solifete, auf der T-Shirts verkauft wurden, die Schwarzvermummte zeigten, die ein Heldendenkmal umwarfen und darunter den Text „Alle werden fallen!“. Dieses Shirt habe ich dann getragen, bis es in den späten 90ern nicht mehr lesbar war.

Nach der Auflösung des Bündnisses konnte in der Autonomen Antifa keine Einigung über eine gemeinsame Praxis mehr erzielt werden. Die Einen diskutierten über eine Rückkehr zu genuin autonomen Positionen und einer Besinnung auf die Möglichkeiten der linksradikalen Szene ohne bürgerliche bzw. klassisch-arbeiterbewegungsmäßige Bündnispartner, die Anderen wollten das Bündnis ohne den DGB fortsetzen. Parallel dazu nutzten die Neonazis die momentane Schwäche des antifaschistischen Spektrums zu forcierten Angriffen, und es kam zu einer Eskalation der Gewalt, die ihren Höhepunkt mit dem Tod von Conny fand.

http://che2001.blogger.de/stories/970268/

Anfang der 90er konsolidierten sich aus den Zerfalls- und Umordnungsprozessen in der Antifaszene neue Gruppen. Aus dem Umfeld des Stadt- und KreisschülerInnenrats ging die Antifa-Jugendfront (AJF) hervor, aus der ursprünglichen Autonomen Antifa zwei Gruppen, von denen sich eine Mittwochs traf. Diese Mittwochsantifa nannte sich seit Anfang 1991, das Mittwochsdatum zur Symbolik machend, Autonome Antifa (M). Der kryptische Klang dieses Begriffs passte zu dem, was die M auch sonst intensiv betrieb: Selbstinszenierung.

Die Autonome Antifa (M) nahm für sich in Anspruch, ihre Lehren aus dem Scheitern des Antifa-Bündnisses gezogen zu haben, als da waren

1) Breite ambivalente Bündnisse bieten keine Sicherheit, Autonome müssen auf ihre eigene Stärke vertrauen.
2) Klassisch autonome Politik ist ebenfalls gescheitert. Agieren in Kleingruppen und militantes Vorgehen bedeuten ein hohes Kriminalisierungsrisiko, große persönliche Gefahr für Leib und Leben und läuft oft auf eine Auseinandersetzung hinaus, die primär mit der Polizei geführt wird, weniger mit den Neonazis und erst recht nicht mit den gesellschaftlichen Machtverhältnissen.
3) Daher muss die Autonome Antifa sich zahlenmäßig vergrößern und eine bundesweite Antifa-Organisation geschaffen werden.

Dieses Konzept wurde von der M Anfang 1992, ein Jahr seit ihrem Bestehen und nach einer uniform vermummten und behelmten Neujahrsdemo verkündet. die M sprach zwar selbst davon, eine „Organisierungsdebatte“ zu führen, aber die führte sie allenfalls intern. Gegenüber anderen Gruppen wurde das Modell der bundesweiten Organisation offensiv vertreten, aber nicht als hinterfragbar angesehen. Ansonsten frappierte und brüskierte die M: Ihre Demos erschienen als ultramilitant wirkende Schwarze Blöcke mit schwarzen Helmen, sie agierten aber nicht militant. Die klassischen Schwarzen Blöcke waren in Auseinandersetzungen entstanden, in denen die Polizei selber mit brutaler Gewalt vorging, sie waren eine Mobilisationsform für den Straßenkampf.

Die Schwarzen Blöcke der M marschierten vermummt und behelmt auf, wo dafür beim besten Willen keine notwendigkeit zu sehen war, und die Polizei ging nicht gegen sie vor. Man erklärte, dass man stolz darauf sei, eine vermummte und behelmte Demo durchgesetzt zu haben, und das war es dann schon. Man meldete Demos nicht an, warf aber einen Routenplan mit minutiöser Angabe der Quadratmetergröße der mitgeführten Transparente in den Briefkasten des Ordnungsamts. Ein spöttelnder Text bezeichnete eine typische M-Demo als „Ritterspiele im Dorf“.

Spielerisch war überhaupt vieles, was die M machte. Straßentheater und Happenings in der Göttinger Fußgängerzone gehörten zum Standardprogramm, und mitunter erinnerten die Aktionen an das Ziehen von Motivwagen beim Karneval. Mit ihrem plakativen Auftreten und dem aufwändigen, mit dem linksradikalen Schmuddeldruck radikal brechendem Layout ihrer Flyer und Publikationen (einige Mitglieder waren Drucker, Setzer oder Werbeleute) sprach die auch Leute an, die für die klassischen Autonomen nicht erreichbar gewesen wären. Das zog sich durch wie eine schwarzrote Linie:Überwog bei den klassischen Autonomen das Streetfighter-Outfit mit schwarzen Lederjacken, Dr.Martens und Springerstiefeln, zogen sich sehr vieler Mer immer genau das Outfit an, das in der Dancefloor- und Techno-Szene gerade angesagt war. Mit Adidas-Hosen, Carharrt-Kapuzis, Nike- und Reebok-Pump-it-up-Schuhen war die M schon Anfang der 90er unterwegs. Eine Theatertruppe verglich das M-Outfit mit dem von Star-Trek und machte dazu das Stück „Raumschiff Cloppenburg“.

Inhaltlich gesehen war es schwer, mit der M zusammenzuarbeiten. Bei Bündnisdemos hielt die Gruppe sich regelmäßig nicht an Absprachen, Theoriediskussionen fanden mit ihnen praktisch nicht statt.

Ihre eigenen theoretischen Positionen unterschieden sich ziemlich von dem, was sonst in der Szene diskutiert wurde. In der Anfangszeit vertraten sie zunächst noch den Neuen Antiimperialismus, ich glaube allerdings nicht, dass sie ihn auch verstanden. Jedenfalls erinnere ich mich an eine Diskussion, bei der es um die finanzielle Lage des Jugendzentrums Innenstadt (JUZI) ging, und ein Redner der M schaffte es, einen Rundumschlag von Industrialisietungsprojekten in Schwellenländern und Begehrlichkeiten der EU-Wirtschaft nach Osteuropa mit der messerscharfen Folgerung zu verbinden, dass in einer solchen Situation keine kommunalen Mittel für das JUZI übrig seien 😉

Wird fortgesetzt

Gegen den Cock-Rock! Auch heute noch!

with 10 comments

„Gegen die rockistisch wertkonservative Auffassung von Kontinuität betont Reynolds den Bruch, den Neuanfang, den Remix als ästhetische Matrix im Augenblick seiner technischen Machbarkeit. Folglich sind eben nicht „White Riot“ und „God Save the Queen“ die wichtigsten Singles des Punkjahrs 1977, sondern „Trans Europe Express“ und „I Feel Love“. Der Electro-Pop von Kraftwerk und der für die Afroamerikanerin Donna Summer produzierte Synthesizer-Disco-Track des weißen Südtirolers (und Neffen von Luis Trenker) Giorgio Moroder öffnen Fenster – nach Europa und in die Zukunft, auch die amerikanische. „Trans Europe Express“ sollte Africa Bambaataa als Steinbruch für die Zukunft von Hip Hop und Elektro dienen. Postpunk erbringt den nachträglichen Beweis, daß Punk und Disco keine antagonistischen Strömungen waren, sondern – im Idealfall – Verbündete gegen die heteronormative Rockorthodoxie mit ihren Authentizitätsmythen.“

Klaus Walter, Delirum und Klarsicht, Vorwort zu: Simon reynolds, Rip it up an start again, Höfen 2007, S. 13

„Der Bass gab seine bislang unauffällige Unterstützerrolle auf und trat als führendes Instrument in den Vordergrund und erfüllte auch dann Melodiefunktionen, wenn er gleichzeitig den Groove vorantrieb. In dieser Hinsicht blieben die Basssisten des Postpunk den Innovationen von Sly Stone und James Brown dicht auf den Fersen und lernten vom damals aktuellen Roots Reggae und Dub. Punk, der es auf einem miltanten und aggressiv monolithischen Sound anlegte, hatte dem Rock das „Schwarze“ fast vollständig ausgetrieben, die Verbindung zum R & B gekappt und Disco gleichzeitig als realitätsfremd und banal zurückgewiesen. Ab 1978 machte in Postpunkkreisen jedoch das Konzept der gefährlichen Tanzmusik die Runde, was sich in Genrebezeichnungen wie „Perverted Disco“ und „Avant Funk“ niederschlug.“

Simon Reynolds, ebd. S. 25

Habe ich schon mal von meiner linken Buchhandlung auf dem Schulterblatt geschwärmt? Ist immer ein wenig, als spaziere man direkt zurück in der Zeit mitten in die dollsten Zeiten der Alternativszene 1981. Großartig in Look & Feel & Sortiment. Und dann steht da heute dieses Buch, das zitierte, das berühmte „Never mind the bollocks“-Cover visuell kopierend – und schon das Vorwort zur deutschen wie auch zur englischen Ausgabe: Eine Offenbarung in Zeiten, wo schwarz gegen schwul und jüdisch ausgespielt wird, zum Kotzen, und das Dylan-Paradigma des „Musikhörens als würde man Gedichte lesen“ als Ersatz für das bildungsbürgerliche Distinktionsgehabe von einst herhalten muß.

Was nur man immer noch spürte und ahnte, aber ja wußte, weil man da her kommt, wenn auch leider nicht aus England, sondern aus Niedersachsen, dieses Buch rekonstruiert es systematisch, denn: Es gibt gute Gründe, sich auch diesem Kampf in der Geschichtsschreibung immer wieder neu zu stellen. Weil die Musik von The Clash für mich doch wichtiger war als jedes Gedicht von Goethe … und weil Gang of Four echte Marxisten waren, worauf Ted Gaier in einem dem Vorwort vorangestellten Zitat deutlichst verweist.

Written by momorulez

4. November 2008 at 17:05

Veröffentlicht in Disco, Pop

Tagged with , , ,

Ihr Typen sagt immer, das wäre nicht passiert!

leave a comment »

In den achtziger Jahren waren Sie im Pop-Geschäft eine Vorkämpferin des Feminismus…

Finden Sie? Nun, ich verbrannte schon als jugendliche auf meiner allerersten Demonstration meinen Stütz-BH und alles, was ich finden konnte, das pink war.

Wurde die Verbrennung von BHs auf Demonstrationen nicht als Mythos entlarvt?

Ihr Typen sagt immer, das wäre nicht passiert. Das ist genau das, was sie in meinem Land machen. Sie versuchen uns unsere Geschichte zu nehmen, damit sie uns anschwindeln können. Inzwischen haben die Menschen schon vergessen, dass sie das Recht auf freie Meinungsäußerung haben. All diesen armen religiösen Menschen wurden die Gehirne gewaschen. Man hat ihnen erfolgreich eingeredet, dass es in Wahlen um Religion ginge. Dabei könnten diese Figuren, die sie gewählt haben, auf keine Weise so handeln, wenn sie auch nur irgendeine Verbindung zu irgendeiner Art von Gott haben. Sie haben sich von ihren eigenen Herzen losgelöst, und das ist ein entscheidender Schritt: denn sie begannen, große Fehler zu machen und nicht mehr auf ihre innere Stimme zu hören, die einem sagt, was Recht und Unrecht ist. Sie haben katastrophale Entscheidungen getroffen, aufgrund derer andere draufgingen. Diejenigen, denen man verklickerte, dass man ihren Gott verteidigen würde, wurden allesamt betrogen. Denn ihr Dollar ist jetzt nichts mehr wert….Was über Clinton verbreitet wurde war sexistisch, und ich finde es zum Kotzen, solchen Dreck mit anzuhören…Heute sieht man keine Girl Power mehr. Man sieht frauenfeindlichen Scheiß und Mädchen, die sich verhalten, als wären sie lobotomiert, abgestumpft, interesselos, wie betäubt. Babes, ihr habt keine Power! Ihr könntet genauso gut Halsband und Leine tragen….Ich will, dass die Leute sich gut fühlen…Und dass man immer wieder aufstehen kann, wenn man am Boden ist. Jeder hat es in sich.

Cyndi Lauper im Interview mit dem österreichischen Nachrichtenmagazin Profil.