shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Archive for the ‘Ordnungsrufe’ Category

STERNSTUNDE

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Eine absolute Sternstunde hatten wir 1992 im Seminar für Politikwissenschaft, als über die bevorstehende Asylrechtsabschaffung diskutiert wurde und ein RCDSler meinte, die vielen Asylbewerber wären für den steuerzahler einfach eine finanzielle belastung, die nicht zu verkraften sei. Ein Freund und Genosse von mir erwiderte darauf, verglichen mit den 17 Millionen Wirtschaftsasylanten, die die BRD 1990 aufgenommen hätte wären die doch ein Klacks. Unser Gegenüber war sprachlos und doch nahe an der Raserei.

Nachtrag zu einer alten Debatte

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Zu den Mucken und Tücken eines Ansatzes, um dessen Richtigkeit, Plausibilität und Reichweite Momorulez, Nörgler, T.Albert und ich uns heftigst gefetzt hatten kommt hier nochmal eine Perspektive, die das Ganze in eine neue Richtung aufspannt; ist allerdings reichlich sperriger Stoff.

http://www.wildcat-www.de/wildcat/66/w66hartm.htm

Unterwegs im Zug

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Da saß ich im Großraumwagen und hörte, wie sich zwei Studenten unterhielten. „Die Polizei holt inzwischen die übermäßig betrunkenen Fußballfans aus den Zügen, die kommen nicht nur nicht zum Spiel, sondern erst gar nicht in den Zielbahnhof, zumindest ist das der Plan. Auch noch nach dem Spiel werden die aufgegriffen und fahren erstmal ne Nacht ein.“ „Sehr schön, es wird die Zeit kommen, da macht man das mit allen ernsthaft Betrunkenen, wenn die sich in der Öffentlichkeit zeigen.“ „Übertriebener Alkoholkonsum sollte generell verboten werden.“

Na toll, jetzt sagen so etwas schon STUDENTEN. Das kann ja in Zukunft heiter werden mit solchen Mutanten in den Bildungsschichten.

Die Schrecken der Moderne(n)

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Gestern habe ich mir die – ich sag mal: mittelprächtige – Ausstellung „ENSOR – schrecken ohne ende“ im hier beheimateten nicht ganz unproblematischen Von-der-Heydt-Museum gesehen. Zu Ensor ließe sich ja auch viel sagen. Bekannt sind ja seine karnevalistischen BIlder mit Masken und Skeletten. (das wären ja zwei klassische topoi des Schreckens: die leere Maske und der Knochenschädel). Richtig gut fand ich aber seine Radierungen, die zumeist Massenszenen auf freiem Felde oder in Straßenschluchten zeigten. Die sind großartig. Wie auch seine Rochenbilder. Da sind die Formen von Hieronymus, aber auch eine Haltung, wie man sie bei Italo Calvino oder den Wimmelbildern der Kinderbücher finden kann. Die Ausstellung aber versucht das u.a. mit Gusatve Le Bon und seiner Massenpsychologie als Schrecken der Masse
zu kontextualisieren. Zitiert Cobra und die Gruppe „Les XX“, deren Mitglied Ensor war. Stellt ihn Dix, Scholz, Munch, Kollwitz, Ernst, Beckmann, Dali, Baselitz, Polke gegenüber, als bilde Ensor den Schnittpunkt aller Fluchtlinien der Moderne. Aber was sagt man denn, wenn man alle Kunst durch die Linse „Die Moderne produziere Schrecken ohne Ende“ zu lesen hat? Dass schließlich die Kontextualisierung beliebig sei, sofern es Moderne sei? Schlimmer noch: dass es dem Museum darum gehe, eigentlich nicht die Arbeit Ensors, sondern ihre eigenen Lagerbestände zu präsentieren? Mich lässt etrwas ratlos, dass ich selten so viel geschmunzelt und gelacht habe ob der ausgestellten Werke, was jedoch so gar nicht zum Ausstellungstitel zu passen scheint. Man kann ja mit gutem Grund Karneval unerträglich finden, wer ihn jedoch als Schrecken bezeichnet, nimmt die Perspektive des Souveräns ein, dem es um die eigene Ordnung bange geworden ist.

Written by lars

1. Dezember 2008 at 13:42

Ein rationalisierter Hassausbruch gegen die Unterschichten

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Ich hatte an anderer Stelle gesagt, dass ich es für leichtfertig und unsinnig halte, wenn, wie im Zusammenhang mit der Immobilienkrise in den USA, die der Weltfinanzkrise vorausging und sie in Gang brachte geschehen, Baudarlehen an Leute ohne Sicherheiten vergeben wurden. Mit Momorulez hatte ich ja eine leichte Rangelei, weil er meine Äußerungen, die etwas mit Finanzierungsrisiken zu tun hatten und der Frage, welche Art von Baufinanzierung realistisch ist, als sozialplanerisches Machtdenken mißverstand, das Unterschichtsangehörige auf den gesellschaftlichen Platz verweisen will, der ihnen von Oben zugedacht ist.

Das allerdings findet sich hier in Reinkultur, und es ist ekelhaft, wie hier genau damit, mit dem Erzeugen von Ekel auf die sozial Schwachen gearbeitet wird:

„Under constant political pressure, which went almost unresisted by conservatives, a lot of lousy mortgages that would never be repaid were handed out to Jim Jerk and his drinking buddies and all the ex-wives and single mothers with whom Jim and his pals have littered the nation.“
Es untermenschelt fühlbar.

http://www.weeklystandard.com/Utilities/printer_preview.asp?idArticle=15791&R=13CD714ED6

Written by chezweitausendeins

12. November 2008 at 14:25

Ihr Typen sagt immer, das wäre nicht passiert!

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In den achtziger Jahren waren Sie im Pop-Geschäft eine Vorkämpferin des Feminismus…

Finden Sie? Nun, ich verbrannte schon als jugendliche auf meiner allerersten Demonstration meinen Stütz-BH und alles, was ich finden konnte, das pink war.

Wurde die Verbrennung von BHs auf Demonstrationen nicht als Mythos entlarvt?

Ihr Typen sagt immer, das wäre nicht passiert. Das ist genau das, was sie in meinem Land machen. Sie versuchen uns unsere Geschichte zu nehmen, damit sie uns anschwindeln können. Inzwischen haben die Menschen schon vergessen, dass sie das Recht auf freie Meinungsäußerung haben. All diesen armen religiösen Menschen wurden die Gehirne gewaschen. Man hat ihnen erfolgreich eingeredet, dass es in Wahlen um Religion ginge. Dabei könnten diese Figuren, die sie gewählt haben, auf keine Weise so handeln, wenn sie auch nur irgendeine Verbindung zu irgendeiner Art von Gott haben. Sie haben sich von ihren eigenen Herzen losgelöst, und das ist ein entscheidender Schritt: denn sie begannen, große Fehler zu machen und nicht mehr auf ihre innere Stimme zu hören, die einem sagt, was Recht und Unrecht ist. Sie haben katastrophale Entscheidungen getroffen, aufgrund derer andere draufgingen. Diejenigen, denen man verklickerte, dass man ihren Gott verteidigen würde, wurden allesamt betrogen. Denn ihr Dollar ist jetzt nichts mehr wert….Was über Clinton verbreitet wurde war sexistisch, und ich finde es zum Kotzen, solchen Dreck mit anzuhören…Heute sieht man keine Girl Power mehr. Man sieht frauenfeindlichen Scheiß und Mädchen, die sich verhalten, als wären sie lobotomiert, abgestumpft, interesselos, wie betäubt. Babes, ihr habt keine Power! Ihr könntet genauso gut Halsband und Leine tragen….Ich will, dass die Leute sich gut fühlen…Und dass man immer wieder aufstehen kann, wenn man am Boden ist. Jeder hat es in sich.

Cyndi Lauper im Interview mit dem österreichischen Nachrichtenmagazin Profil.

Strategien der Neuen Rechten

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„Es gibt bei sich liberal tarnenden Konservativen eine lange Tradition, ihre Gegner als die monolithischen Mächte des Hasses und des Vorurteils anzuschwärzen, während sie sich selbst in der Rolle der aufgeklärten Vertreter von Freiheit, Anstand und Vernunft gefallen.“

Und zentrales Element der Strategie der Neuen Rechten ist es, den Kampf gegen Rassismus als Herrschaftsrhetorik der Linken darzustellen und ansonsten süffisant zu suggerieren, es gäbe ihn ja gar nicht. Für sowas Primitives sind Weiße ja auch viel zu aufgeklärt. Viel mehr haben doch allesamt diesen Schwarzen gegenüber eine Beißhemmung aufgrund des Meinungsterrors der Linken und den gleichgeschalteten Mainstream-Medien. Vor allem in den USA bekanntlich Bastionen der Demokraten. Ja, ja, wenn Du zum Neger gehst, vergiß die Peitsche nicht. Assymetrien der Lebenschancen und Klischees wie die historische Wirkung von Sklaverei und Rassentrennung gibt es nämlich gar nicht, die hat die Linke immer schon erfunden, insbesondere im US-Wahlkampf 1964, als laut Milton Friedman Rassismus ja nur eine Geschmacksfrage (von mir aus auch eine der Präferenzen, halte das immer noch für unglücklich übersetzt) war.

Na, aber nur und ausschließlich aufgrund der staatlichen Freddy Mae und Freddy Mac oder wie die heißen gibt’s ja bald auch weiße Slums in den USA. Ja, ja, so sieht Verstaatlichung aus: Weiße müssen auf einmal leben wie die Nigger. Der Kapitalismus hätte wenigstens die Weißen davor bewahrt, denn er kann eine Brücke sein.

Weiteres Element der Strategie der Neuen Rechten ist, alle Nicht-Arier vorsichtshalber erstmal unter Antisemitismus-Verdacht zu stellen, wahlweise auch der Homophobie zu bezichtigen,  je nachdem, ob man gerade auf dem Feld USA oder Europa argumentiert, und dem Antisemtismus dann im nächsten Zug als immer schon linkes Phänomen zu behaupten, ganz, wie kommunistische Kampftruppen wie der Alldeutsche Verband und der Deutsche Flottenverband oder auch diese Ostmarkentruppe damals unter Wilhelm Zwo es ja belegen. NATO-Interventionen in Georgien hätten die übrigens super gefunden, die ostelbischen Junker.

Der Deutsch-Völkische Schutz- und Trutzbund: Eine strikt sozialdemokratische Kaderorganisation, Gobineau und Lamarque und Wagners Schwiegersohn, hieß  der Chamberlain?: Vorkämpfer für’s Klassenbewußtsein; Adolf Stoeckers Christlich-Soziale Union, pardon, Partei verortete sich ebenfalls in der Tradition des christlich-jüdischen Abendlandes. Steckt ja auch „sozial“ mit drin. Also: Sozialdemokraten!

Ach, googlet doch selbst …. kann irgendjemand vielleicht mal darüber aufklären, daß es sich beim Antisemitismus der Nazis um eine Form des Rassismus handelte? Und wie viele Leute 1931 Sätze mit „Ich bin ja kein Antisemit, aber …“ begonnen haben, das kann man sich ja vorstellen. Implizite Einstellungen gab’s aber damals schon nicht. Weil die Sozialpsychologie diese noch nicht erfunden hatte.

Wieso das wichtig ist? Weil ich mich weigere, diese ganzen Staats-Interventionen in der Finanzmarktskrise als „Linksruck“ wahrzunehmen …

Written by momorulez

15. Oktober 2008 at 9:42