shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

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„We are all prostitutes“ – The Pop Group

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„Everyone has their price
And you too will learn to live the lie
Aggression
Competition
Ambition
Consumer fascism

Capitalism is the most barbaric of all religions

Department stores are our new cathedrals
Our cars are martyrs to the cause

We are all prostitutes“

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Written by momorulez

8. November 2008 at 23:35

Eine narzisstische Kränkung?

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„Ich frage lediglich, warum so unzählige Krtiker, Schriftsteller, Philosophen, derart bereitwillig verkünden, die Erfahrung des Kunstwerks sei unsagbar, sie entziehe sich der Definition rationaler Erkenntnis; warum so widerstandslos die Niederlage des Wissens anerkennen; woher bei ihnen dieses so mächtige Bedürfnis kommt, die rationale Erkenntnis niederzumachen, dieser Furor, die Unreduzierbarkeit des Kunstwerks oder, mit einem passenderen Wort, seine Transzendez geltend zu machen?“
Pierre Bourdieu (2001): Die Regeln der Kunst. Genese und Struktur des literarischen Feldes, Frankfurt/Main: Suhrkamp, S. 11.

Ja, ich weiß, damit mache ich mir die Diskussion mit MomoRulez nicht einfach, und der T.Albert wird bestimmt auch gleich sagen: „Aber Lars, das ist doch alles Quatsch.“

Ich kann Kunst nicht im Namen ihrer Autonomität verteidigen. Sie ist es nicht. Fraglich, ob sie es jemals war. Kunst kann nicht auf Transzendenz zielen, sondern auf eine andere Form der Erfahrung von Welt, die sich zuallererst als Sinnlichkeit präsentiert. Es geht weder darum, über das Subjekt hinauszugelangen, noch es zu sich selbst kommen zu lassen, sondern es geht um seine Präsenz im Hier und Jetzt; darum, die ganz realen Beziehungen zu sich und zu den anderen deutlich werden zu lassen; sich zugleich als Subjekt der Erfahrung und als Objekt des Arrangements, welches die Erfahrung ermöglichte, erfahrbar zu machen. Bourdieu nannte das eine narzisstische Kränkung, die einem widerfährt, wenn man erkennt, dass man gleichzeitig der handelnde Agent, und das zum Handeln gezwungene Agens ist. Und Benjamin entwirft das Bild eines Torso aus Stein, aus dem es nun gelte, das eigene Bild der Zukunft zu hauen. Und er meinte damit kein Ideal, sondern lieferte eine nüchterne Beschreibung des von der Notwendigkeit geprägten Gegenwart.

Und dann lese ich den von MomoRulez empfohlenen Tschechow und finde diese doppelte Objektivierung ganz deutlich wieder. Der Versuch, zugleich das Beziehungsnetz der Akteure zu zeigen, aber auch die einzelnen Perspektiven zu verstehen, woher sie kamen, warum sie zum handeln gezwungen sind, welche Handlungsmöglichkeiten offen wären, wie sie dann schließlich handeln und wie sich dann das Feld neu strukturiert.

Written by lars

17. Mai 2008 at 20:21