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Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

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Die Kritik der Kritik und ihre Anwendung auf’s Fußballspiel

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„Oder ihr Essay „Against Interpretation“. Darin beschwört sie das Eigenleben der Kunst und verdammt die intellektuelle Suche nach „Bedeutungen“. Die Interpretation sei die „Rache des Intellekts an der Kunst“, denn wer das Kunstwerk auf seinen „Inhalt“ reduziert, der zähmt es. Es ist ein Hohelied auf die „sinnliche Erfahrung“. Es war, in gewissem Sinn, ein Angriff der Kritikerin auf ihr ureigenes Geschäft, der antiintellektuelle Wutausbruch einer Intellektuellen.

Es ist ein alteingesessenes intellektuellenfeindliches Vorurteil, dass das Denken lustfeindlich wäre. Wie falsch das ist, zeigen viele Intellektuellenleben. „Sinnliche Erfahrung“, „sensorische Fähigkeiten“, „Abstumpfung“, „Erotik der Kunst“ – es sind solche Formulierungen des reichen Erlebens, die Sontags „Interpretations“-Essay durchziehen.

Antagonistisch zum kritischen Räsonieren muss eine solche Sensitivität nicht sein. „Intellektuelles ,Begehren‘ wie sexuelles Begehren“, notierte sie in ihr Tagebuch.

Na gut. Als Kunstwerk war das Spiel gestern dezidiert anti-intensiv, aber auch fernab jeglicher Ironie.

Nur ist, was der Fan nach dem Spiel zum Spiel schreibt, für das Spiel eigentlich das, was die Ornithologie für Vögel ist? Ist es falsch, das Spiel auf seinen Inhalt zu reduzieren – okay, gewonnen, 3 Punkte, super, man muß ja nicht immer brillieren – oder gar Bedeutungen in ihm zu suchen? Vor allem, welche fände man dann eigentlich, wenn man sie suchte? Ist „Ich will ein Kind von Dir, Brunne“, dieser wohlverständliche Sehnsuchtsschrei, heute im St. Pauli-Forum niedergeschrieben, ach, könnte ich, würde ich auch wollen, all dieses pseudointellektuelle Rumschwadronieren hier ist ja der pure Gebärneid, Teil der Bedeutung des Spiels?

Na, immerhin ist Fußball ja ein relevantes Thema. Schon wegen dieser Aufrufe gegen Rassismus und Homophobie vor dem Spiel, um das Lieschen Müller aus dem Politbüro unter den Lesern zu befriedigen. Und ich fand die auch richtig gut.

Und die Kategorie der Abstumpfung paßt ebenso auf den Stil des Fußballerns der Wehen-Wiesbandener, also, sowas leidenschaftsloses habe ich ja selten gesehen. Schön war’s trotzdem, als die beiden Wehen-Wiesbadener Mannen nach Matchende sich zu dem kleinen Rolli-Fahrer am Fuße unsers Blogs gesellten, der so vehement 120 Minuten lang die Wehen-Wiesbadener Fan-Flagge inmitten von lauter St. Paulianern geschwenkt hatte, und ihn feierten. Und klar, der eine der beiden hatte sich natürlich ein St. Pauli-Trikot geschnorrt, weil das ja auch viel cooler ist als seines.

Aber das ist ja wahrscheinlich auch schon wieder die Rache des Intellekts an der Fußballkunst, jetzt wie doof im Gedächtnis nach Randanekdötchen zu suchen, weil das Spiel so seltsam langweilig war. Bis zu diesem Doppelschlag von Brunnemann und Boll hatten sich alle wenigstens noch damit unterhalten können, gramvoll sicher zu sein, daß wir uns sowieso in der siebzigsten Minute nach einem Dutzend vergébener Chance das 0:1 vom Tabellenletzten fangen würde. Damit war man als St. Paulianer ja schon die ganze Woche beschäftigt, sich in lustvollem Fatalismus von Smalltalk zu Smalltalk zu begeben und die so anvertraute Leidensmine zu tragen, weil ja die Grundbefindlichkeit des Fanseins abgrundtiefe Enttäuschung ist, hat Hornby das nicht geschrieben?

Und dann wurde man das gar nicht, konnte trotz dieses einen, einzigen Pfostentreffers der Wehen-Wiesbadener sein intellektuelles Begehren ganz auf Björn Brunnemann richten, weil der Rest der Spieler es ja nicht wirklich brachte gestern – okay, Ebbers hat schon super gespielt, hätten die anderen Spieler das zwischendurch mal bemerkt, wie und was der eigentlich gespielt hat, hätten wir 7:0 gewonnen, aber die wollten ja durch plötzliche Vorstöße allesamt selbst brillieren. Na, und Hoilett ist natürlich ein Kleinod ohnegleichen. Was jetzt aber wohl wieder ein komplettes Verkennen des Eigenlebens der Fußballkunst meinerseits ist, hier rumzuinterpretieren. Dabei würde ich doch die Jungs nie zähmen wollen …

Würde ich mich künstlerisch dem Spiel annähern, dann müßte ich jetzt ganz ganz viel schreiben ohne jegliche Pointe, aber mit vielen Anläufen zu solchen, das kann ich gut, um dannn nach zwei Dritteln zwei Hammersätze rauszuhauen, solche, über die man noch in 2 Jahren in der Blogosphäre schreibt, um dann weiter zu labern, bis sich alle wundern, daß der Text plötzlich aufhört.

Aber das so zu sehen, das liegt wieder daran, daß ich die sinnliche Erfahrung der Spieler einfach nicht teile, so als Zuschauer, der überdacht sitzt –  die ganzen blauen Flecken, die man sich abholt, die müder werdenden Beine, dieses Gefühl der von Nieselregen und Schweiß getränkten Trikots auf dem durchtrainierten Körper (alleine schon die sinnliche Erfahrung durchtrainierter Körper ist mir etwas abhanden gekommen), das Horchen auf die gemeinen Sprüche der gegenerischen Spieler… obwohl, mal abgesehen von der 18, wenn die Wehen-Wiesbadener Sprüche so waren, wie die Fußball gespielt haben, dann war das bestimmt in der Hinsicht auch ein ödes Spiel – und ein Kritiker ist ja auch nur gut, wenn der Künstler und sein Werk als Antagonisten ihm wirklich was bieten, nicht wahr?

Ein wenig war das Wehen-Wiesbadener Spiel sogar der antifußballerische Ausbruch von Fußballern, und immerhin habe ich jetzt eine echte Trend-Frisur, hat mein Friseur mir gestern gesagt. Der kam nämlich gerade aus London zurück, und jeder, der da was auf sich hält, hat so eine Frisur wie ich jetzt, was aber nix gegen die von Björn Brunnemann ist, in so einem blondierten Wuschel wühlt man ja eigentlich gerne mal rum, wenn man denn dazu käme. Und auch mein Friseur fragte als nun bestimmt Zehnter in den letzten Wochen, ob ich denn im Paul Weller-Konzert gewesen wäre, und auch ihm habe ich gesagt „Nee, ich war bei Joan Baez, war am gleichen Tag“, und auch der gackerte da überheblich vor lauter Eighties-Distinktionswille, weil er der sinnlichen Erfahrung beim Joan Baez-Konzert nämlich gar nicht gewachsen wäre, jawohl – ja liebe Leser, ist so: Mehr fällt mir zum Spiel gestern tatsächlich nicht mehr ein.

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Die van Goghs der Arena!

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„Top-Investmentbanker sind im Grunde Künstler. Sie haben ihren Preis. Wenn Sie einen Ronaldo nicht gut bezahlen, spielt er eben nicht im Ihrem Team.“

Hilmar Kopper, der ehemalige Chef der Deutschen Bank, in der aktuellen DIE ZEIT

Written by momorulez

9. Oktober 2008 at 21:10

Veröffentlicht in Ökonomie, [kleine Form]

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Awoopbabaloobap …

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„Nach aktueller Darstellung der BVB-Freunde („Diese Information kommt von höchster Stelle in Hoffenheim“) sei Dietmar Hopp mittlerweile „auf Fan-Jagd, anders kann man es nicht sagen“. So würden „seine Anwälte das Internet nach möglichen Beleidigungen und herablassenden Äußerungen gegen seine Person … durchforsten“. Daher sollten in besagtem Forum „sofort alle Avatare, Signaturen und eigene Beiträge löschen, die beleidigend gegen Hopp sind“ – zudem „bereits Anwälte … im Forum“ diesbezüglich aktiv gewesen wären.“ (via savlog)

Ich finde zwar auch, daß unsere Mannschaft in der letzten Saison dem Herrn Hopp die deutlich bessere Antwort gegeben hat (was ein Spiel! Ach, das Leben kann sich so dermaßen lohnen ….) als die der Dortmunder Mannen an diesem Wochenende, dieses Plakat mit der Zielscheibe auf’s Konterfei projiziert fand ich unter aller Sau und menschenverachtend – dennoch: Mit was würden unsere tapferen Kämpfer für die Meinungsfreiheit den Herrn Hopp denn wohl vergleichen, wo sie doch sonst um keinen Vergleich verlegen sind?

Written by momorulez

25. September 2008 at 20:13

Veröffentlicht in Fussball

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Urteil und Erfahrung

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„Unsere Erfahrungen verwandeln sich meist rasch in Urteile. Diese Urteile merken wir uns, aber wir meinen, es seien die Erfahrungen. Natürlich sind Urteile nicht so zuverlässig wie Erfahrungen. Es ist eine bestimmte Technik nötig, die Erfahrungen frisch zu erhalten, so daß man immerzu aus ihnen Urteile schöpfen kann.“

Bertolt Brecht

Beim gestrigen Spiel ist die Sache klar: Da sind Erfahrung und Urteil deckungsgleich – und, um beides wieder loszuwerden, wird es Zeit, daß schleunigst die nächste Saison anfängt. So bleibt doch ein sehr fader Nachgeschmack einer ansonsten mordsmäßig spannenden Saison – und alleine für die 4 Spiele gegen Hoffenheim, Freiburg, Mainz und Aue (nur wegen des Klassenerhaltes, den ich Aue ja auch von ganzem Herzen gegönnt hätte!) lohnt es sich, gelebt zu haben!

Gestern jedoch waren sie aber sowas von leer gelaufen, unsere Jungs, leidenschaftslos, emotionslos, torlos, das war schon eine Unverschämtheit. Die Aachener haben aus reiner Rücksicht auf uns da auf den Rängen nicht 8:0 oder so gewonnen, das war ja überdeutlich, wie sie gegen Ende extra keine Tore mehr schossen. Immerhin kommt ihr Ebbers jetzt auch zu uns, alter Punkrocker, wenn ich mich recht entsinne! Und die Aachener Fans hatten mit ihrer Gedenk-Choreographie die mit Abstand beste, die ich von Gästefans am Millerntor bisher gesehen habe, und allen Vorurteilen zum Trotze waren alle Allemania-Fans, die einem nach dem Spiel über den Weg liefen, auch wirklich nett! „Guck mal, ach nee, sieh mal da, Mann von der Allemannia“ wollte aber doch keiner mit mir anstimmen. Trotzdem: Selbst Bier holen und pinkeln gehen brachte gestern nix außer einem „Flitzer“, den ich so nicht sah.

Die Erfahrung vor Anpfiff jedoch erlaubt trotz alledem nur ein Urteil: Ach, schön isses bei uns. Ich habe ja nie mich einfach so über die Erfahrung, die jen bei den Fischer-Chören machten, mich lustig machend hinwegsetzen können, auch wenn das Geschmacksurteil diesbezüglich ziemlich eindeutig ausfiel. So dachte ich: Mönsch, geht ja um nix mehr, also ein lustiges Spiel und fröhliche Gesänge …. na, fröhlich wurde es erst wieder bei einer spaßigen Aufführung unseres Teams nach Abpfiff, da Buchstaben auf einem Shirt erst „Wir und ihr – ein tolles Team“ bildeten, und zu Hell Bells-Glockenschlägen fielen dann ein paar nacheinander um – übrig blieb weiß auf schwarz der Schriftzug „Millerntor“, ach, hätten sie doch auch so einfallsreich gespielt! Wenn sie nächste Woche in Mainz so spielen, dann hat das schon was von Wettbewerbsverzerrung.

Immerhin: Es gibt Zukunft! Die zwei 3-5-jährigen oder so im St. pauli-Trikot, die nach Abpfiff noch Elfmeterschießen übten und bei deren Treffern dann all das Jubelnwollen aus den noch im Stadion Verbliebenen hervorbrach, die haben unsere schlappe Trupe mal eben im Nachhinein in den Schatten gespielt. Wo unsere Mannen ja die ganzen 90 Minuten schon so dringend hinwollten.

Ansonsten Glückwunsch Köln, Glückwunsch Gladbach, aber ihr armen Schweine dürft dann eben nächstes Jahr nicht am Millerntor spielen. Na ja, vielleicht geht ja was im Pokal …. ansonsten hoffe ich mal sehr darauf, daß Oberhausen auch hinzustößt und sich diese doofen Hoppenheimer in’s Oberhaus begeben. Nicht, daß ich Mainz und Freiburg nicht von Herzen ALLES außer Siegen gegen uns gönnen würde – aber so nette Vereine behält man doch lieber in der eigenen Liga.

Jetzt bete ich nur noch, daß die DFL irgendwas ausheckt, Rostock direkt in Liga 3 zu befördern, vielleicht, um Kaiserslautern zu retten oder so – dann kann’s in der nächsten Saison ja eigentlich wieder ganz lustig werden.

Um halt die Erfahrung, die das gestrige Spiel bedeutete, dann in jedem neuen Kick zu revidieren und hier wieder dolle Urteile in Fließtext fällen zu können!

Written by momorulez

12. Mai 2008 at 13:53

HEYY YAAA YIPPIIYEAH HAMBUUURG HAMBUURG SANKT PAULIII – oder mein kleiner Beitrag zu einem großen Sieg …

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Quelle: Block 10

Daß es zunächst mal gar nicht gut aussah, das war der Beitrag von P.A. zum gestrigen Spiel.

Kaum, daß er die Hauttribüne betrat, fiel auch schon das 1:0 für Aue. Daß er erst so spät kam, das lag an den absurden Anpfiffzeiten- Freitag, 18 h ist einfach eine Frechheit und nur durch das 17.30 h an einem Dienstag, also z.B. nächste Woche gegen die Region, noch zu toppen.

So lagen wir also zurück, nicht nur wegen P.A., sondern auch wegen dieser temporären Fahrlässigkeit aus Überheblichkeit, die unsere Mannschaft gegen vermeindlich „Schwächere“ immer heimsucht. Den Auern gegenüber war das wirklich keine angemessene Haltung: Die haben nicht nur den Dribbelkönig Curri, sensationell, der Mann, sondern auch ansonsten in der ersten Halbzeit richtig gut gespielt. Sympathische Mannschaft.

Also mußte ich ran. „Na, vielleicht bringt’s ja was“ sach ich zu P.A. und schlurfe zum Bierstand – wie zu erwarten war: Kaum, daß ich rückkehrend mit 4 Bier in der Hand die Haupptribüne betrete, fällt auch der Ausgleich.

Na also. Gegen das ziemlich dämliche 1:2 konnte ich auch nix ausrichten, P.A. war allerdings dieses mal unschuldig, Pliquettund Morena weniger – und dieses traumhafte Abschiedstor von Charles kurz vor der Halbzeit, na, das haben wir so als St. Pauli-Kollektiv uns einfach verdient.

Skorpione wie Charles können ja so viel Glück, wie wir das zumindest zeitweise am Millerntor erleben und erfühlen dürfen, einfach nicht ertragen, die brauchen Krisen, Düsternis und fiese Dialekte um sich rum, um sich lebendig zu fühlen. Das kannte er ja schon vom HSV, und das braucht er nun noch ’ne Nummer unspektakulärer, Tristesse pur, damit’s noch mehr weh tut – und im Schmerz findet man sich halt dann selbst. Kenne ich auch noch aus dem Alter. Deshalb zieht es ihn jetzt in jene Gegend, in deren geographischem Umfeld Intrigen in FDP-Ortsvereinen die einzigen Highlights eines ansonsten durchreguliert-beschaulichen Daseins darstellen und allenfalls manche Landrätin noch für ein wenig Glamour und Stil sorgt. Na, viel Glück trotzdem.

P.A. raune ich noch in der Halbzeit zu „Komm, das gibt noch ein 5:2“, gut, knapp daneben, aber so ganz falsch lag ich ja nicht.

Aber damit das auch wahr wurde, mußte ich halt wieder ran. „Na, gut, vielleicht klappt’s ja noch mal“ – also raus zum Bier holen, und in der Tat: Stehe so an einer dieser neuen, mobilen Zapfsäulen, ganz plötzlich wird es richtig laut, und der geliebte „Song 2“ fräst sich in die jubelnden und Schals schwenkenden Tentakel meines Innenohres oder was auch immer da drinnen so los ist.

Klar, der Schnitzler war’s, seitdem der hier mitliest, trifft er ja wieder. Da störten mich noch nicht mal die Sprüche von diesem Herren in den besten Jahren, der seine Blondine kurz darauf von der Biersäule abholte und erst mal ausführlich berichtete, daß ihm beim Pinkeln ja eh die Hälfte in die Hose gegangen sei und er sowieso beim Strullen unter lauter Männern immer nicht richtig könne, weil er ja Angst habe, daß die alle schwul seien. Na ja, der in Neurosen eingelegte Humor auf St. Pauli kennt halt auch seine Tiefpunkte, so stelle ich mir den in Franken auch vor … vor allem, weil Typen wie der auch auf den Toiletten einschlägiger Etablissements nicht unbedingt so richtig Riesenchancen hätten. Aber vielleicht meinte er ja das, diese tiefsitzende Angst vor Zurückweisung halt …

Daß Bruns dann sogar ganz ohne daß ich schon wieder Bier holen gehen mußte gleich mit seiner ersten Ballberührung die Vorlage für’s 4:2 gab, das war schon doll. Das war so richtig doll. Aber sowas von doll. Hallelujah: 12 Tore in den letzten 3 Heimspielen, die Quote ist schon enorm. Und dann noch on top die 3 in Wiesbaden … das bißchen Augsburg kann da die Laune nicht trüben.

Und als dann nach dem Spiel klar war, daß wir rechnerisch für den Rest des Saisonverlaufs unabsteigbar sind, weil die Region in Mainz gepatzt hat, das war ein Gefühl im Stadion, also, da von Magie zu reden, vom Zauber, das ist gar nicht übertrieben…

Drum:

HEYY YAAA YIPPIIYEAH HAMBUUURG HAMBUURG SANKT PAULIII!

Gehen wollte keiner. Aber alle ganz gospelig Wechselgesänge mit der Mannschaft anstimmen. Weil man in solchen Momenten weiß, was Liebe ist … ach, überlasse ich doch einfach Erik das letzte Wort:

„Die Sonne kam durch und ganz Sankt Pauli sang. Wie junge Hunde drehten sich unsere Jungs da auf dem Rasen im Kreis, es war eine Freude ihnen zuzuwinken. (…) Eine Wucht.“

PS: Wer schon immer mal wissen wollte, wie ich aussehe, kann ja auf dem obigen Foto mal suchen 😉 …

PPS: Liebe Südtribünenstehplatzchorsänger, ich werde erst dann auf eure Aufforderung hin aufstehen, wenn ihr euch im Gegenzug hinsetzt!

Written by momorulez

3. Mai 2008 at 15:26

Was Ökonomen so alles „Fehlallokation“ nennen …

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…. obwohl sie doch eigentlich nur schreien: Mein Klientel an die Macht! Wie sich Normatives generiert, das wollen doch bitte wir bestimmen!

Man vergleiche also das hier und jene Diskussion dort!

Nachschlag: http://www.abendblatt.de/daten/2008/04/03/864762.html

Written by momorulez

8. April 2008 at 8:21

Ein Stier im Tor und die Folgen …

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Na, Fussball läßt ja das Archaische, Mythische dann allerorten heranwachsen in Jungs- und Mädels-Seelen, aber Santa Paula hat schon recht: Was so ein Torwartwechsel an psychischen Blockaden lösen kann, das zog uns alle mit hinein in einen Sog der Fassungslosigkeit im postivsten Sinne. Gestern, am schönsten Ort der Welt.

Von dem man dann final noch vertrieben wurde: Unglaublich – ernenne jemandem zum „Ordner“, und er wird Macht mißbrauchen. Wie von Polizisten, die glauben, die Straße gehöre ihnen, wird man auf einmal von bebrillten Kittelträgerinnen in gelb aus dem eigenen Stadion „gebeten“, als man noch ganz entspannt Siegesluft genießen möchte. Etwas länger nach Abpfiff, versteht sich. Und dann entblödet sich dieses grienende „Ich bin so tough, frisch, keck und gut gelaunt“-Hilfspolizistchen nicht, auch noch „Ihr könnt aber gerne wiederkommen!“ den Vereinsmitgliedern und seit Jahren Dauekartenbesitzern hinterher zu blöken, als habe sie da irgendwelche Mitwirkungsrechte. Unverschämtheit.

War aber allenfalls ein Wermutströpfchen – so dionysische Nachmittage wie gestern, ach, da fühlt man sich und die Welt und alle sechs Sinne so lange und so intensiv, bis sie sich dank Alkohol zu einer Einheit formen und wundervoll sanft verschwimmen zu einem ganzheitlichen Wohlsein, in dem man nur noch schwankt, hin und her zwischen Glück einerseits, Begeisterung andererseits. So steht man vor der Domschänke, winkt noch mal all den Spielern mit den klischeehaften Blondinen an ihrer Seite zu, die im braunen Dress die Budapester Straße zufrieden entlang schlurfen und genießt das nackte Dasein in vollen Zügen, empfindet denen gegenüber, die da schlurfen, tiefe Dankbarkeit dafür, daß sie einem ein solch traumhaftes Spiel geschenkt haben- Prost!

Und erinnert sich an das Unfaßbare, Unglaubliche, eigentlich Unmögliche:

René Schnitzler trifft!

Gleich ZWEI mal!

Ja, Wunder gibt es immer wieder. Man will „Amazing Grace“ anstimmen, singt stattdessen nicht minder euphorisch das eigentlich ja dumpfe „O, wie ist das schöööööön“ mit und findet das auch völlig in Ordnung. Weil’s ja wahr ist.

Dem Fußballgott möchte man irgendein Getier opfern vor Erleuchtung, wenn man sowas wie gestern erleben darf. Das Leben lohnt sich ja wirklich. Echt. Manchmal geht das leider nur auf Kosten anderer, gestern der Freiburger Spieler, die dem Millerntor aber sowas von gar nicht gewachsen waren. Geschweige denn einem Ziehaufmännchen wie Thimo Schulz, den ich immer falsch schreibe, der dafür aber alles richtig macht, wenn er den Dynamo anwirft und die ganze Manschaft nach vorne kreiselt kraft unerschöpflicher Energie.

Wenigstens ging’s nicht auf Kosten der Freiburger Fans, so schien es zumindest – die haben nämlich unsere Mannschaft irgendwann genau so gefeiert wie wir selbst. Forderten bei der Ehrenrunde die Welle und supporteten schon während des Spiels unsere Jungs irgendwann einfach mit. Unglaublich. Das gab zur Antwort nicht nur „Freiburg, Freiburg!“-Chöre, sonderrn auch ein Gefühl unauslöschlicher Hochachtung den Breisgauern gegenüber. Wow!

Die Anekdote, wieso ich mich einst in Freiburg dazu entschieden habe, nach Hamburg zu ziehen, die erzähle ich deshalb dieses Mal nicht …

Von meinem Haupttribünenplätzchen aus schien mir das Stadion gestern nichstdestotrotz erstaunlich leise, wobei man auch nach dem 4:0 in der 52. Minute nicht mehr wirklich das Gefühl hatte, die Mannschaft müsse weiter dringendst nach vorne gepeitscht werden (schon wieder sowas Archaisches, „peitschen“). Aber mir schwante auch (wie „Schwan“), die totale Fassungslosigkeit sei in all die Psychen in all den Kurven und Geraden (eigentlich gibt’s gar keine Kurven mehr, die heißen nur noch aus Gewohnheit so) gefahren, weil mit sowas nun wirklich keiner gerechnet hatte. Wie’n vierter Akt bei Tschechow war es trotzdem nicht: Hatte um die 70. Minute Angst, daß sie doch noch einbrechen, unsere magischen Helden, weil das konditionell eigentlich gar nicht gehen kann, was die da gespielt haben, dieser 90.-Minuten Sturmlauf.

Ging aber, bis zum fulminanten Schlußakkord, eben dem 5:0 von Kuru. Ein richtig gutes Fußballspiel ist ja wie ’ne mitreßende Symphonie, da muß halt zum Schluß noch mal ’nen gewaltiger Akzent gesetzt werden, in dem ganz anti-adornitisch die Dissonanzen aufgelöst werden – wobei, so richtig Dissonanzen gab’s gestern eigentlich gar nicht.

Also, liebe Nachbarn: Nicht immer so unken. Zwar habt ihr meistens recht, aber diese Sprüche gestern in der Halbzeit, daß das 3:4 ja noch drin sei, die waren für einen so magischen Nachmittag dann doch viel zu profan …

Written by momorulez

7. April 2008 at 8:28

Veröffentlicht in Fussball, He! Sie da! Polizei!, Ja, Liebe

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