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Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

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„Diese Menschen haben die Lebensqualität eines Krebskranken“

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„Für mich ist das Wichtigste, dass wir so wenig Langzeitarbeitslose und so wenig Vollarbeitslose haben wie möglich. Man kann alles zerreden. Es ist schlimm, arm zu sein. Aber ungleich schlimmer ist, arm zu sein und keine Arbeit zu haben. Diese Menschen haben die Lebensqualität eines Krebskranken.“

Sagt Herr Lauterbach von der SPD, der Mann mit der Fliege, der so sympathisch kabarettesque redet in Interviews – die unmittelbaren Glücks- und Lebensqualitäts-Argumente in Analogie zu sonstigen „Pathologien“ zu formulieren, das ist das meiner Ansicht nach Schlimmste, was man im politischen Diskurs absondern kann.

Natürlich muß es in allen Diskussionen rund um Hartz IV, Arbeit- und Arbeitslosigkeit immer darum gehen, die Glücksmöglichkeiten jedes Einzelnen wie’s irgend geht zu maximieren, ja, in der Tat – eben im Sinne der Voraussetzung dafür, den je eigenen Entwurf des „guten Lebens“ im Rahmen der Gegebenheiten auch anvisieren zu können. Ja, das ist auch ein utopischer Gehalt, was jetzt aber daran nix ändert, daß kein anderes Kriterium besser formuliert, was „Selbsbestimmung“ hervorbringen kann.

Aber so, wie der Herr Lauterbach da argumentiert, ist ja noch Sachalin ein Wohlfahrtsprogramm – ja, liebe Liberale, gab noch die Zaren vor Lenin, könnt ihr ja mal nachlesen, findet sich auch im Netz was zu.

Nichtsdestotrotz lohnt sich die Lektüre, auch, weil jener Herr Lauterbach eine ganz sympathische Definition für „links“ mal eben nebenbei formuliert:

„Links ist, für die zu kämpfen, denen es am schlechtesten geht.“

Probleme entstehen halt dann, wenn die, für man kämpft, die Definition von „schlecht gehen“ einfach nicht teilen wollen …

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Written by momorulez

23. September 2008 at 20:43

132 Euro Sold pro Wirtschafts-Professor!

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Na, das entspricht dann ja ungefähr dem Menschenbild unserer Prediger für die Eigenverantwortung:

„Die Studie kommt zum Ergebnis, dass bei enger Auslegung ein Bedürftiger mit 132 Euro im Monat auskommen müsste. Tabu sind in dem Fall Alkohol und Tabak. Für Freizeit, Unterhaltung und Kultur wurden lediglich ein, für Kommunikation zwei Euro veranschlagt.“

Weil: Wer eigenverantwortlich handelt, der raucht und trinkt ja auch nicht. Habe mich immer gewundert, warum gerade die gegen Rauchverbote agitierten.

Ein kulturloser, biologischer Organismus sei der Mensch, und Steffen H. erforscht dann noch die Gen-Bonus-Zahlung für doch noch hoffnungsvolle Exemplare mit erblichem Potenzial.

Kommunikation nur noch sowas wie ein Sahnhäubchen, aber man kann ja auch auf Parkbänken sitzen und Pullover anziehen (nur: Wie kauft man die dann? Na. gibt ja auch diese Container …), da hängen die ja eh den ganzen Tag nur rum  – was ist aus meinem einst geliebten Existenzialismus nur geworden? Der Satz „Die Existenz geht der Essenz voraus“ erfährt doch einen Bedeutungswandel bei diesen Apologeten der organisierten Menschenverachtung. Wenigstens kann dann auch keiner mehr fragen „Warum essen sie denn keinen Kuchen?“

Kein Wunder, daß es natürlich Wirtschaftswissenschaftler sind, die zum Ergebnis kommen, daß, wer nix hat, auch der „rational choice“ vollends enthoben zu werden hat. Und in Chemnitz ist ja eh nix los. Wer will da schon schon kommunzieren? Da sächseln doch alle. Und Kultur, gibt’s da sowas?

Plädiere dafür, im Sinne ausgeglichener Haushalte zunächst mal die Gehälter für Wirtschaftsprofessoren auf diesem Niveau anzusiedeln. Vor allem auch die zu erwartenden Pensionen. Und es sage keiner, dann blieben die qualifizierten Kräfte weg: Das sind sie doch ganz offenkundig jetzt schon ….

Written by momorulez

5. September 2008 at 8:50