shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

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Gold

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Es ist goldener Oktober und die Fäulnis legt eine große Süße über das Land. Die Luft riecht nach Veränderung (the times they are a-changing) und Vierzigjährige (auch Blogger) schwelgen in den Zeiten, als die Teilung noch rein war. Die Teilung in alt und neu, wobei neu „rotten“ war. Die Teilung in cool und lahm. (Flash is fast)

Es ist Sonntag und die „Generation Walkman“ liegt müde in ihren 4-Zimmer-Lofts, regeneriert den von der Nacht angeranzten Körper. Es ist doch kein Wunder, dass wir uns in dieser Situation wohlig der Zeit zuwenden, die schon so weit zurück liegt, dass ihre Musik bei „Oldie95“ läuft. Die Zeit in der Rebellen ihre eigene Stadt in Manhattan hatten, die Polizei immer nur in Massenkarambolagen sich selbst vom Highway schubste und via Bud Spencer noch alles Schlimme mit pussierlicher Gewalt zu lösen war.

Wann war das denn eigentlich zuende? Ich befürchte in dem Moment, wo diese Naiven suchten den Ernsten zu folgen, selbst Revolutionäre zu werden. Und das Schlimme, sie haben wirklich geglaubt, dass sie es könnten, diese Narren, die wir waren.

Die popkulturelle Idee von Veränderung, war keine erfolgreiche. Hasch für das Gewissen, nichts weiter. Da hilft es nun auch nicht, im Angesicht der Bankenkrise den Herrn Marx zum Pop-Idol zu machen.
(… und was macht eigentlich Tracy Chapman?)

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Written by ring2

12. Oktober 2008 at 11:24

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Das Dogma des Undogmatischen

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Das wäre dann ja wirklich mal ein lohnendes Dissertationsthema: Eine Rekonstruktion des Wertekanons, der in Künstler-Nachrufen sich spiegelt.

Weil Rauschenberg wahrscheinlich heute laut und dogmatisch wäre, würde er jetzt loslegen, alleine schon, um diesen Nachrufen zu entgehen. Und mit Pop würde er heute nichts zu schaffen haben wollen. Pop-Art hat ja wie alles Gute fatal gewirkt, weil im Gegensatz zu Alban Berg, Beckett oder selbst Cézannes Stilleben es programmtisch rezipierbar ist.

Cézanne bietet Zugangsweisen, nicht Aussagen. Und Becketts Absurdes zum Programm zu erheben bleibt absurd, Pop als Programm bleibt aber nicht wirklich wirklich poppig.

Weil programmtisch verstandener Pop in Paradoxien führt: Einen reinen Ekletizismus, ein Dogma des Undogmatischen. Er führt dazu, Provokationen erwarten, Reproduktionen reproduzieren,  ganz konform Querdenkertum einzufordern und zwanghaft zu ironisieren, bloß nie über die Ironie selbst  – und Innovationen, auf die alle warten, sind gar keine. Siehe Menon.

„Ich glaube, der war zu, das war kein Intellektueller, aber ungeheuer wacher Mensch. Und er wusste, dass diese Idee der Avantgarde eigentlich fragwürdig ist, wenn man zugleich solch eine Prominenz hat. Das ist ein Widerspruch, der eigentlich wenig Sinn macht.“

sagt der Herr König und hat wohl recht.

„Und dann war es natürlich für die amerikanischen Künstler wichtig, sich freizuschwimmen. Das ist eben Pollock, der diesen totalen Durchbruch gemacht hat, ein wirklich endlos abstraktes Bild, einen neuen Bildraum gedacht hat. Und dann kam eben Jasper Jones und Rauschenberg und haben das von innen geöffnet und das Dogmatische irgendwie unmöglich gemacht.“

Sagt auch Herr König. Hat er da auch recht?

Ich bewundere ja zunehmend Dogma-Film und Episches Theater, weil es so billig ist, einfach nur „verspielt“ zu schreien und Dogmatisches unmöglich zu machen.

Ich fordere Tabus, z.B., daß irgendein Patriotisches Forum aus Süddeutschland bei WordPress bloggt, das gehört tabuisiert in dem Sinne, daß es nicht stattfindet. Ich fordere den Zwang zur Sozialversicherungspflicht für Geschäftsführer UND Finanzvorstände.

Geht das wie folgt? Kommt man da so hin? Brauchen wir nicht eher die Renaissance des V-Effektes ? Oder ist die US-Flagge von Jasper Johns und die Siedlerhymne von Cage nicht genau das und gerade nicht das Wiederauftauchen von Lebenswirklichkeit in der Kunst? oder baue ich hier Scheinggensätze auf? Geht das im Pop? Und geht es so?

Rauschenberg, Cage, Cunningham und deren Freunde wie David Tudor oder Jasper Johns warfen den herrschenden Kunstbegriff über den Haufen, aber das auf manchmal unerwartet sanfte Weise. Monochrome Bilder einerseits, Alltagsgegenstände andererseits; chaotische Klänge einerseits, die Stille andererseits: Man erprobte eine neue umfassende Weltsicht. Zitat: „Rauschenberg vertrat die Ansicht, dass die von ihm angestrebte Wiedervereinigung der künstlerischen (Bild-)wirklichkeit mit der Lebenswirklichkeit am besten dadurch erreicht werden könne, indem man Teile der realen Welt – mehr oder weniger unverändert – in die Kunst hereinholt“.

Freund Jasper Johns malte die amerikanische Flagge und John Cage re-komponierte alte amerikanische Siedlerhymnen. Nicht jede Revolution braucht laute Töne.

Written by momorulez

15. Mai 2008 at 8:18