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Neue Regularien müssen her: Der Marktlästerungsparagraph!

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Weil, so geht das ja gar nicht:

„Das ist eine Perversion des Marktes“, schimpfte Baki Irmak, der Sprecher von DWS Investments, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. „Was hier am deutschen Aktienmarkt gerade passiert, sehen Sie sonst an der Börse in Simbabwe.“

Auf solche Stufe als Deutsche sinken? Nee, nee, nee ….

Zudem jetzt das Kuriosum passierte – passieren Kuriosen? Ist das dann sowas wie ein „anonymer Systemfehler“, dieses „es passiert“? Ist Kuriosen das Plural von Kuriosum? Oder heißt es der Plural? -, daß ich soeben in der Küche beim FR-Lesen mir diesen Eintrag vornahm.

Ich beschloß, ihn zu schreiben.

Wollte rumwitzeln über empörte Demonstrationen brandschatzender, zum Sündenbock verklärter Banker gegen die „Markt-Karrikaturen“, die überall sich fänden, schon bald. Fragte mich dann jedoch, ob ich damit nicht im Grunde genommen mich in PI-Fahrwasser hineinwtzel, ohne es zu wollen, oder mich gerade über die da rechts, wie eigentlich intendiert, vor allem lustig mache, und so eine Frage ist ja gar nicht so leicht zu beantworten.

Das alles nur, weil die Überschrift wie beim Verlinkten eben die „Verhöhnung des Marktes“ postulierte, und da kann ja nur ein Marktlästerungsverbotsparagraph Abhilfe schaffen als Erweiterung und Absicherung des unbedingten Eigentumsschutzes. Gerade an Börsen muß der halt Anwendung finden! Gerade da! Weil die da die Reinheit der Lehre und Verkündigung des Marktes einfach nicht LEBEN!

Und wo jetzt auch der Herr Sinn in der gleichen Ausgabe der FR für staatliche Regularien plädiert …. also, wenn schon regulieren, dann richtig, dann da, wo’s uns wirklich heilig ist. Weil ja eine Konkurrenz zwischen Staaten was ganz anderes ist als die zwischen Unternehmen, objektiv, so Herr Sinn, kann man im Verlinkten nachlesen, na sowas, hätte man darauf noch vor 2, 3 Jahren verwiesen, hätte einen prompt so’n Schröder oder sower unter Linksextremismus-Verdacht gestellt, weil gegen die Wirtschaft, das geht ja gar nicht.

Und Herr Sinn sagt jetzt ganz im Gegensatz dazu, er habe das schon immer Selektion genannt. Das war jetzt böswillig, einfach nachlesen, was er genau für dolle Termini in die wirtschaftstheoretische Debatte einführte, und egal, regulieren will er trotzdem, und zwar so, daß die Banken zu einer höheren Eigenkapitalausstattung GEZWUNGEN werden. Und außerdem so, daß es Verträge gibt, die erlaubt sind, und solche, die verboten sind. VERBIETEN???? Wahrscheinlich meint er Tarifverträge, schon wegen dem Bofinger.

Was ja eine bahnbrechende, wirtschaftstheoretische und -praktische Erkenntnis ist, Vertrag!, Institution!, Aha!, die dann mit dem Weihrauch des Geistig-Befruchtet-Worden-Seins woanders als Beispiel für „Institutionenökonomie“ bald sich zitiert finden wird, Staazis sind wir ja mittlerweile alle miteinander.

Und wo selbst der Herr Sinn für Regularien plädiert und es einfach nicht angehen kann, daß man sowas wie den Markt heutzutage ungestraft verhöhnen kann, ey Porsche, paß auf, Du, da wollte ich dann das Zitat mit der Verhöhnung des Marktes hier reinkopieren, und, ja, was passiert? Der hat PERVERSION gesagt da im Zitat und nicht Verhöhnung (das war jetzt das eingangs erwähnte Kuriosum)! Stand in der Print-Ausgabe anders. Dieses Ferkel.

Also doch wieder nur Sittenverfall nach ’68 statt so richtigem Katholizismus. Herr Sinn, übernehmen Sie! Sie haben schlicht den falschen historischen Vergleich gewählt bezüglich der Bankenkrise, probieren Sie’s doch noch mal …

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Written by momorulez

29. Oktober 2008 at 22:17

Der Wille zur Macht besteht fort, doch er bröckelt angesichts der Wirklichkeit ….

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„Daraus spricht die Enttäuschung des Ideologen, in Sinn nicht seinesgleichen zu finden, sondern einen differenzierenden Wissenschaftler, dessen Thesen zu widerlegen eine Mühe erforderte, die der Ideologe nicht auf sich nehmen will und stattdessen die Abkürzung über Argumente ad personam bevorzugt.“

Alles Ideologen, nur natürlich die neuerdings zur Systemtheorie übergetretenen Nicht-Ideologen von gegenüber nicht – wofür ja nicht zuletzt der so differenziert argumentierende, verlinkte Eintrag spricht.

Wobei Ideologiekritik übrigens auch von niemand anders als Marx in den Theoriemarkt eingeführt wurde. Aber schon bei dem, was „Ideologie“ sei, versagt ja die ach so selbstherrlich beschworene Analysefähigkeit derer drüben, wenn man sich immer nur an der je eigenen Theoriewixe ergötzt, dann wird man halt notwendig und mit jedem Satz selbsreferentiell.

Ideologie ist ja nicht einfach nur das Falsche, was immer und grundsätzlich nur die anderen sagen, nie man selbst, sondern gesellschaftliche Realität, die wirkt, und wie, das kann man z.B. bei Althusser und Stuart Hall nachlesen (ich mach das jetzt auch so: Ich deute an und verweise auf Namen, auf die Sache mit dem Ideologiebegriff, auf die komme ich aber demnächst mal wieder drauf zurück).

Dann werde ich mal , weiter im Reich des Guten mich wähnend und mich über Herrn Sinn ja nur ärgernd, weil der Antisemitismus-Vorwurf mich eigentlich zutiefst trifft, weil er natürlich völlig zu recht erhoben wird, mich dem Quatsch da drüben widmen, wo ich ja offenkundig gemeint bin, wenn ich auch deutlich beledigt bin, daß man auf einen gar nicht so schlechten Fehdehandschuh auf derart jämmerlichem Niveau kontert: Da steht nämlich wie üblich nix, rein gar nix, da drüben. Platter Feuilletonismus. Z.B. das hier:

„Wobei “System” jetzt nicht so platt zu denken wäre wie bei vielen Kommentaren, die man jetzt zu lesen bekommt, im Ergebnis bereits im Lied “Kreuzberger Nächte sind lang” vorweggenommen, sondern als Teilsystem “Banken und Finanzmarkt”, das in wesentlichen Teilen ganz anderen Bedingungen und Regulierungen unterliegt als der Rest der Wirtschaft, wie jeder am eigenen Leib erfahren wird, der morgen versucht, eine Bank zu gründen.“

Ja, was heißt denn dann System? Das wird wie üblich verschwiegen in einer Blase aus Arroganz und Geschwätz und Andeutungen. Ja, welche Regularien denn? Z.B. im Derivathandel? Geben Sie doch mal Butter bei die Fische, liebe, differenzierende Welt-Ökonomen da drüben.

Dabei bestätigt die einzige im Zitat enthaltene Aussage nix anderes, als das, was auf der Linken und hier im Blog schon immer gewußt wurde: Daß es Staat ist, der die Institutionen von Markt unter aktuellen Bedingungen ermöglicht – und umgekehrt. Daß je nach Stufe der wirtschaftlichen Entwicklung auch die dazu passende Staatsform sich stets formierte, auch im Falle Russlands und der nachholenden Industrialisierung, weltweit von Raysons Ökonomenfreunden bewundert; ein wechselseitiges Bedingungsverhältnis kann freilich nicht jeder Weltökonom denken.

Indem man z.B. eine historische Perspektive einnimmt, anstatt Hayek und von Mises wie Geschichtsbücher zu lesen.  Was dazu führt, daß man „Staat“, was auch immer das ist, steht ja auch grundsätzlich nie da drüben, dann de facto als Möglichkeitsbedingung und Hindernis zugleich denkt, dessen reale Funktionsweise aber konsequent ausklammert.

Ohne z.B. den Gedanken der „Autpoesis“, der Selbsterzeugung von (Kommunikations-)Systemen, auch nur an-denken zu können, weil all die Österreicher dazu ja nix geschrieben haben und Weltökonom Hans-Werner Sinn  wohl auch nicht.

Das ist freilich bei ´Marx schon angelegt, dieser Gedanke, kann man z.B. in „Marx lesen“ von dem Marx-Verbesserer Robert Kurz nachlesen, auch für weltfremde Ökonomen eine recht softe Lektüre, bei der nicht schon beim ersten Gedanken, den man nicht versteht, dann „Jargon“ oder „Geschwafel“ als Abwehrreaktion erfolgt; und er macht dann Sinn, der Gedanke der Eigendynamik und Selbsterzeugung systemischer Prozesse, wenn man ihn in historischer Perspektive in Theorien der sozialen Differenzierung (sowas kennt man da drüben ja gar nicht) nach Klassen, Schichtungen, Perepherie und Zentrum integriert (das ist ja, wenn ich’s richtig verstanden habe, eine der Pointen der Handelstheorien des aktuellen Wirtschafts-Nobelpreisträgers, solche Formen der Differenzierung zu untersuchen und auf de facto Klassen-Modelle, auch wenn er’s anders nennt, zu beziehen), aber eben tatsächlich auch in jene der sozialen Teilsysteme analytisch auflöst, die da im wesentlichen sind Recht, Politik und Wirtschaft (ja, Wissenschaft, Medien usw. klammer ich mal aus, da gehen die anderen Systemlogiken mitten hindurch – ja, Rayson, Du warst es, der „Systemlogiken“ als „Jargon“ qualifizierte).

Wenn man gedanklich soweit mal ist, anstatt rumzupupen, dann wird der Blick auf die aktuelle Krisenlage schon interessanter. Dann, wenn man zur Ideologie, Diskursanalysen und Theorien der generalisierten Kommunikationsmedien zurückkehrt und schaut, wie die sich wechselseitig als Umwelt begreifenden Teil-Systeme in diesen Medien und Diskursform versuchen, als „Umwelt“ Begriffenes zu instrumentalisieren, um sich selbst zu erhalten und ggf. zu wachsen. Was dann zur ehrenwerten und immer wieder richtigen Kritik der instrumentellen Vernunft bzw. Zweckrationalität überleitet, das Feld der Kritischen Theorie, sei’s Adorno oder Habermas.

Dann sieht man auch recht deutlich, wie sowohl Herr Sinn als auch Herr Rayson einfach die Perspektive eines Teilsystems von „Wirtschaft“ einnehmen, das von Banken und „Staat“ gleichermaßen als potenzielle Verfügungsmasse  des je eigenen Gewinnstrebens und Systemerhalts betrachtet wird.

Das verweist zudem auf eine Interferenzzonen zwischen sozialen Teilsystemen wie z.B. der „Finanzwissenschaft“ und der „Finanzwirtschaft“ und „Zentralbanken“, anhand derer deutlich wird, wie unsinnig es ist, in der Staats/Markt-Dichotomie zu denken. Genau jene Sphäre ist es, aus der all die ach so oberschlauen Weltökonomen in der liberalen Blogosphäre ihr ach so profundes Wissen beziehen und Herr Sinn gleich mit: Ob Friedmann oder die klassischen Ordoliberalen, das waren durchgängig diese Leute, die als Philosophenkönige in platonischen Staaten sich erträumten, regierungsberatend, nur daß Leute wie Erhardt wohl noch irgendwie an Demokratie glaubten, vermute ich, Friedman mit seinen Attacken auf „kollektive Entscheidungen“ ja schon nicht mehr. Und mir schwant, wenn Interessenvertreter wie Steffen H. und Herr Sinn ’29 beschwören, daß sie sich schon überlegen, was sie denn tuen könnten, wenn Demokratie nicht mehr in ihrem Sinne agiert, genau das haben sie damals ja auch getan.

Womit der Ort der Argumentation bestimmt wäre: Es geht drüben um ein durchaus theoriekonformes, eigeninteressiertes, herrschaftswahrendes und selbstlegitimierendes Handeln, somit den reinen Willen zur Macht, aber mit Sicherheit nicht um „Wahrheit“.  Ein Wille zur Macht, der sich rechtfertigt mit der „Pferdeäpfel-Theorie“, also: Wenn man das Pferd, die eh schon Begüterten, nur ordentlich füttert, dann fällt für die Anderen schon der eine oder andere Apfel ab; und Rayson argumentiert im selben Paradigma und sowieso sehr ähnlich wie Peer Steinbrück, und es ist eher eine Frage des Stils, daß diese Ähnlichkeit noch niemandem aufgefallen ist.

Um so was wie „Wahrheit“ in’s Auge fassen zu können jenseits der Elementarsatzlehren müßte man schon einen Ort aufsuchen, der irgendwo jenseits der Teilsysteme situiert ist, und ob es den gibt, halte ich mittlerweile für äußerst zweifelhaft. Auch da hatte Marx wohl recht. Der war nämlich außerhalb, unterstützt vom erzeugten „Mehrwert“ der Arbeiter von Friedrich Engels.

Daß es sich um nix anderes als Selbsterhalt handelt, das belegt z.B. der folgende Passus:

„Sorry, Leute, der hier vertretene Liberalismus hat seine Mitte in der Überzeugung, dass staatliche Rahmensetzung wichtig und richtig ist (wir sind keine Ankaps, falls das noch keinem aufgefallen sein sollte), und daher kann es natürlich auch Defizite in dieser Richtung geben, wie sich gerade offensichtlich gezeigt hat.“

Wiederum und wie so oft steht da ja nur was über den Einfluß auf „staatliches Handeln“, nix über die tatsächliche Funktionsweise von Wirtschaft, geschweige denn darüber, was man mit „Staat“ sinnvoll meinen könnte  – worüber sich die Finanzmarktsakteure, die ich kenne, übrigens tot lachen. Die bereiten sich doch längst auf die nächste Blase in ihren virtuellen Märkten vor, quasseln über „antizyklisch“, werden mit Hilfe von Leuten wie Sinn und Rayson dafür die Rahmenbedingungen erhalten, und notfalls hilft ihnen der Staat. Und dann schreiben wieder alle in den liberalen Blogs „theoretisch hätte man die hängen lassen sollen, so wie Lehmann“, bauen ihre platonischen, idealen Welten, und ihr Klientel weidet sich derweil daran, daß sie natürlich immer schon wußten, wie man die eigenen Schäfchen in’s Trockene bringt …

Written by momorulez

28. Oktober 2008 at 10:16

„Rational Choice,“ Subjektphilosophie und „Verantwortungsethik“ als struktureller Antisemitismus?

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Ja, ja, klar. Hartz IV-Empfänger gängelt man per Proklamation von „Eigenverantwortung“, und bei Managern treten ganz plötzlich „objektive Gründe“ auf den Plan, und sie können dann für nix was.

Daß nun gerade einer, den all die Hetzer gegen Mittel- und Erwerbslose immer im Munde führen, sich über die Suche nach „Sündenböcken“ beklagt und dabei in’s begriffliche Fettnapf latscht, das wundert wenig – zudem er auch noch ein klassisches, antisemitisches Muster reproduziert, das ja nicht dadurch besser wird, daß man es mit umgekehrtem Vorzeichen versieht.

Weiß ja jeder, wen ich meine; das ganze ist jedoch noch weit über den konkreten Fall hinaus interessant, weil es auf eine maßgebliche Differenz zwischen linken und liberalen Theorieansätzen verweist. Mal ein liberales Beispiel:


„Individualismus[4]

Methodologischer Individualismus: Wirtschaftswissenschaft muss aus dem Handeln von Individuen heraus erklärt werden (nicht zu verwechseln mit ideologischem oder politischem Individualismus).

Subjektivismus[4]

Methodologischer Subjektivismus: Wirtschaftswissenschaft basiert auf der Untersuchung der Handlungen von realen Individuen und deren subjektivem Wissen beziehungsweise Unwissen und ihrer subjektiven Bedürfnisse.“

Nun die Zettelsche Sinn-Verteidigung:

„In diesem Zusammenhang wies Sinn darauf hin, daß es damals wie heute die Tendenz gab und gibt, nicht objektive Ursachen für die Krise zu sehen, sondern sie Personen als den vermeintlich Schuldigen zuzuschreiben.“

Hör ich Marx da trapsen? Wenn ja, dann ja zu recht.

Seltsam ist’s dennoch, daß all die Sinns dieser Welt wenig Probleme hatten, Gewerkschaftlern bei vermeindlich unzulässigen Lohnforderungen die Schuld zuzuschieben, ist das Antisemtismus? All dem „arbeitsscheuen Gesindel“ noch Schlimmeres zurufen, während dieses „unsere Volkswirtschaft“ zu Grabe schaufelt; interessant zudem, welche antisemtischen Stereotype heutzutage in Erinnerung verbleiben, von der „verjudeten Sozialdemokratie“ beispielsweise liest man heutzutage ja eher wenig.

Darüber hinausgehend jedoch bemerkenswert, wie ansonsten proklamierten Handlungstheorien ganz plötzlich in die Tonne wandern, wenn’s um die leninistische Avantgarde „Manager“ geht ….

Written by momorulez

27. Oktober 2008 at 10:29

Veröffentlicht in Ökonomie

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