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Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Posts Tagged ‘Solidarität

Was fang ich mit dem Körper an?

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Momorulez hat ja heute schon die großen Fragen auf die Füße gestellt. Ich würde ihm entgegenrufen und an die Überlegungen, die wir im März mal zur Leiblichkeit anstellten, anschließen: „Die wirklich großen Fragen betreffen unsere Körper!“

Also was mich gerade umtreibt, abgesehen von meinem Fachinteresse an der Körpersoziologie, ist folgendes. Weil ich einige Zitate aus unseren Kommentaren zusammen gesucht hatte, bin ich auf nochmal auf meine These gestoßen, dass Bildung nicht nur ein Wissen darstellt, das man erlernt (und in meinem Fall sowas wie Geslelschaft oder Sozialbeziehungen betrifft), sondern eben auch eine Schulung des Auges (also eine ästhetische Bildung) und untrennbar damit verbunden auch ein körperliches Verhältnis zu seinem Wissen. Mir ist das kürzlich auch nochmal an der schönen Studie zum Boxen aufgegangen, die Loic Wacquant schrieb. Das ging schon soweit, dass ich mir überlegte, ob ich nicht doch eine regelmäßig praktizierbare Sportart aufnehmen sollte (was bei mir einiges heißen soll; eine befreundete Soziologin hatte mir drauf auch prompt erzählt, dass sie wegen dieser Studie selbst zum Boxen anfing!).
Woran kann man dieses leibliche Engagement deutlich machen? Vielleicht mit der Erfahrung von Literatur: Die Romane von Albert Camus z.B. klingen für mich nach Weather Report und ich habe sofort den Geruch von warmen Frühlingstagen in der Nase: ich habe „Der glücklichen Tod“ und „Die Pest“ von Camus auf dem Balkon gelesen, während im Hintergrund „Black Market“ hoch und runter lief.

Ein anderes Beispiel wäre das Problem der Solidarität, was für mich immer ein ganz zentraler Wert sowohl im Politischen wie auch und im Privaten darstellt. Dass darin auch ästhetische Dimensionen zu stecken scheinen, deutete T.Albert die Tage mal an und wenn ich den Verweisauf Tschechovs Landhausgemeinschaften heranziehen darf, dann lässt sich Momo’s Satz

„Und weil dieses seltsame Geschöpf zum Knuddeln ist, wenn es Unsinn redet und dabei z.B. niedlich lächelt, einfach, um Kontakt zu halten nach langen Sommertagen, Beisammensein ausfüllend, ist doch egal, was man da quatscht, wenn man abends in den Salons russischer Landgüter zusammen sitzt.“

eben auch als ein solches körperliches/leibliches Verhältnis der Solidarität begreifen: Die Grundlage des Kommunismus ist eben das Beisammensein, eine Gemeinschaft der Körper. Da hatte der Durkheim schon recht, dass Solidarität durch eine gemeinsame Tätigkeit hervorgerufen wird (auch wenn er mit Solidarität das einverleibte moralische Zwangskorsett der Gesellschaft meinte und keineswegs eine Partizipation am Handeln und Denken anderer).
Aber was heißt das für einen Cezanne, oder einen Beckett, und meinetwegen auch für einen Meese?

Das ganze ist natürlich nich ganz unproblematisch. Eine der zentralen Schlagwörter von Judith Butler etwa ist das „leidenschaftliche Verhaftetsein“, welches noch die verletzten Identitäten körperlich an den sie verletztenden „normativen Heterosexismus“ bindet. Und doch bin ich mir sicher, dass ohne eine körperliche/leibliche Teilhabe die „großen Fragen“ nicht „beantwortet“ werden können. Bourdieu, der ja schon so etwas wie eine fundamentale Referenz meines Denkens darstellt, weil sich durch ihn meine Blicke anders richten, mein Denken andere Wege nimmt (alles Metaphern, die auf einen Körper bezug nehmen), hat die Vorstellung eines homo oeconomicus, oder die einer abstrakten und theoretischen Vernunft mal die“scholastische Verblendung“ genannt. Und recht hatte er. Ausdrücken kann er’s übrigens auch viel besser:

„Weil der Körper (in unterschiedlichem Ausmaß) exponiert ist, weil er in der Welt ins Spiel, in Gefahr gebracht wird, dem Risiko der Empfindung , der verletzung, des Leids, manchmal des Tods ausgesetzt, also gezwungen ist, die Welt ernst zu nehmen (und nichts ist ernsthafter als Empfindungen – sie berühren uns bis ins Innerste unserer organischen Ausstattung hinein), ist er in der Lage, Dispositionen zu erwerben, die ihrerseits eine Öffnung zur Welt darstellen, das heißt zu den Strukturen der sozialen Weltm deren leibgewordene Gestalt sie sind.“
P.Bourdieu (2001) Meditationen. Kritik der scholastischen Vernunft, Frankfurt/Main: Suhrkamp, S.180.

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Written by lars

16. Mai 2008 at 14:47

Sozialversicherungsbefreite Veddel?

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Und alle reden auf einmal über die Veddel. Beim Mittagessen. Weil Ottensen zu  teuer ist und durch die Hafencity eine Brücke zur Veddel geschlagen würde. Ist ja auch ein schönes Viertel. Das sollte man doch jetzt was kaufen, da gibt’s wenigstens Wertzuwachs! Und die Freundin hat endlich auch einen Galeristen gefunden, einen der Top 20-Galeristen. Der, wo auch Norbert Bisky ist. Und wieder, auf gegrillten Thunfisch und Gyros glotzend, unser Abwehrchef dreht uns derweil den Rücken zu, ist die Sozialversicherungspflicht für Geschäftsführer größerer, mittelständischer Unternehmen Thema. Ist es in letzter Zeit ständig. Nur Finanzvorstände von Aktiengesellschaften könnten sich davon befreien, hat neulich wer behauptet. Aber, Erfolg: Der Anwalt hat es jetzt auch geschafft, eines meiner Gegenüber davon zu befreien! 2 Jahre, 2 Jahre!!! hat er das bezahlt – endlich vorbei! „Na, das nenn ich Solidarität!“, werfe ich ein – „Was is’n das für’n Spruch?“ ist die Antwort.

Written by momorulez

15. Mai 2008 at 7:44