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Von der Masse zur Bewegung

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Bewegungslehre (6)

„Es hat hier gegen ein vollkommen bekanntes deutsches Magazin eine offensichtlich generalstabsmäßig vorbereitete, polizeiliche große Nacht-und-Nebel-Operation stattgefunden, ohne daß dem deutschen Publikum je erklärt worden wäre, warum diese Art von Aktion in diesem Fall notwendig war“

Sebastian Haffner in Panorama, 4. November 1962

Was bisher geschah: Wir haben gesehen, daß es nicht ausreicht, daß ein Ereignis stattfindet, sondern daß es in der Regel auch sogenannte „Massenkristalle“ braucht, damit sich eine Masse bildet. Diese können einfach einzelne engagierte Personen sein, es sind in der Regel aber irgendwelche bestehenden Organisationen, die zum Kristallisationspunkt werden. Dabei muß Ziel und Zweck der Masse durchaus nicht mit den Intentionen der Organisationen übereinstimmen.

Heute soll es darum gehen, den Übergang von einer bloßen Masse zu einer Bewegung genauer zu untersuchen. Dabei geht es um Ordnungen; oder genauer: um die spezifische Wahrnehmung von Ordnungen. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, daß wir die Welt im Normalfall als eine in sich mehr oder weniger stimmige, kohärente Ordnung erfahren. Darin gibt es gute Dinge und es gibt schlechte Dinge, Dinge, die einem passen und Dinge, die einem nicht passen. Aber alles hat seinen Platz, ist nachvollziehbar, kurz: Es ist eben geordnet. Wir leben immer im Bewußtsein einer solchen Ordnung – ohne eine solches Bewußtsein würden wir über kurz oder lang verrückt werden.

Das Ereignis nun, das zur Mobilisierung von Massen führt, hatte ich schon vor einiger Zeit als Störung der bestehenden Ordnung interpretiert. Als Beispiel hatte ich damals ein schockierendes Verbrechen genannt – ein solches Verbrechen mobilisiert Menschen, die am Ort des Geschehens Kerzen anzünden oder Plüschtiere ablegen. Und ich hatte dieses Verhalten so interpretiert, daß es den Mobilisierten nicht einfach nur um einen Ausdruck von Trauer angesichts einer Tragödie gehe, sondern auch darum, sich zu versichern, daß die Störung der Ordnung, als die das traumatische Ereignis empfunden wird, eine schreckliche Ausnahme ist. Man schließt sich zu einer Masse zusammen, um sich unter Gleichgesinnten zu bestätigen, daß die eigene Sicht auf die Welt und ihre Ordnung weiterhin in sich stimmig ist.

Mit anderen Worten: Massen dienen dazu, daß sich die Mobilisierten in ihrer Weltanschauung bestärkt sehen. Und je größer und eindrucksvoller die Massen sind, um so sicherer fühlt man sich in seiner Weltanschauung. Wie aber wird aus solchen Massen eine Bewegung? Anhand der Spiegel-Affäre läßt sich der Unterschied zu einfachen Massenereignissen gut darstellen.

Dazu müssen wir erst einmal die Ordnung genauer bestimmen, die durch das Ereignis massivst gestört wurde. Diese beruhte darauf, daß die Mehrheit der Bürger der Meinung war, die politischen Strukturen seien so eingerichtet, daß sich so etwas wie die Schrecken des Nationalsozialismus nie mehr wiederholen könnten. Am linken wie am rechten politischen Rand wurde das etwas anders gesehen, doch die gesellschaftliche Mehrheit ging von genau dieser Annahme aus.

Diese einheitliche Sicht der Dinge hatte aber eine Sollbruchstelle, die in der Spiegel-Affäre zum Vorschein kam. Denn es gab zwei sehr verschiedene Interpretationen dessen, was den Kern der bundesrepublikanischen Ordnung ausmache, nämlich eine konservativ-autoritäre und eine progressiv-liberale.

Die konservativ-autoritäre Position ging davon aus, daß der Nationalsozialismus nur aus einem Mangel an Respekt vor den traditionellen gesellschaftlichen und moralischen Werten an die Macht kommen konnte. Die vehement ausgetragenen politischen Kontroversen der Weimarer Republik und die kulturellen Angriff auf als heilig erachtete Werte und Hierarchien, das alles habe dem Umkippen der Republik in ein totalitäres Regime Vorschub geleistet. Und dementsprechend sah der konservativ-autoritäre Teil der gesellschaftlichen Mehrheit in politischer Zurückhaltung und dem Respekt traditioneller Werte und Hierarchien den Kern dessen, was die Ordnung der BRD ausmachen sollte.

Anders die progressiv-liberale Sichtweise: Diese sah die Gefahr des Totalitarismus gerade durch eine zu große politische Passivität und die unhinterfragte Akzeptanz überkommener Wertemuster drohen. Für diesen Teil der Gesellschaft war also der politische Meinungsstreit und die kritische Infragestellung von Autoritäten eine wesentliche Bedingung dafür, daß die zweite deutsche Republik als ein wirklich demokratisches Gemeinwesen gelingen konnte.

Es gab also sehr unterschiedliche Interpretationen dessen, was den eigentlichen Kern der bundesrepublikanischen Ordnung ausmache, doch diese unterschiedlichen Interpretationen stellten den Grundkonsens der Demokraten nicht nachhaltig in Frage. Man war sich durchaus der unterschiedlichen Ansichten zwischen CDU/CSU-Wählern auf der einen Seite und denen, die FDP oder SPD wählten, bewußt; oder der konfessionelle Spaltung zwischen denen mit katholischem und denen mit protestantischem Hintergrund; oder der sehr unterschiedlichen Erfahrungen der der Kriegs- und der Nachkriegsgeneration. Aber das hatte alles seinen Platz innerhalb der einen Ordnungsvorstellung.

Das Ereignis aber, in diesem Fall die Spiegel-Affäre, ändert diese Situation schlagartig. Der von Regierungsseite ausgehende Übergriff auf die Spiegel-Redaktion erhellte die Szenerie wie ein Blitzlicht, das harte Schlagschatten warf. In der Spiegel-Affäre hatte die Regierung den Ordnungsrahmen, innerhalb dessen auch ihre konservativ-autoritäre Position ihren Platz gehabt hatte, verlassen. Bislang hatten beide Seiten für sich reklamierten, daß es ihnen darum ginge, die Bundesrepublik vor der Gefahr des Totalitarismus zu schützen. Während die Regierung mit Franz Josef Strauß als Verteidigungsminister auf „taktische“ Atomwaffen setzte, optierte die liberal-progressive Seite für eine demilitarisierte Bundesrepublik. Das war ein Streit, der innerhalb des herrschenden Konsenses ausgetragen werden konnte.

Das Ereignis aber zerstörte diesen Konsens – und zwar indem es deutlich machte, daß die Bundesregierung sich eigentlich außerhalb dieses Konsenses befand. Der eigentliche Witz dabei ist, daß die wesentliche symbolische Komponente des Ganzen, die zum Zeichen dieser Aufkündigung des Konsenses wurde, eigentlich etwas sehr Nebensächliches war. Es handelte sich dabei um die Tageszeit, in der die Bundesanwaltschaft die Spiegel-Büros in Hamburg besetzen und die Wohnungen der Verdächtigen durchsuchen ließ.

Eigentlich war die ganze Aktion gar nicht für den Abend geplant gewesen. Das Problem war nur, daß ein übereifriger Schlapphut einen Angestellten des Bonner Spiegel-Büros fälschlicherweise als Rudolf Augstein identifiziert hatte. Dieser falsche Augstein wurde verhaftet, mußte dann aber, nachdem die Verwechslung aufgeklärt war, natürlich wieder freigelassen werden. Aus Angst, der Freigelassene könnte den richtigen Augstein warnen, wurde dann die Aktion zu abendlicher Stunde in Gang gesetzt. Damit lieferte man den Medien eine Steilvorlage, die nun von einer „Nacht und Nebel“-Aktion berichten konnte, was ungute Assoziationen weckte:

„Das brachte, mehr als jede andere Eigentümlichkeit des bizarren Vorgehens, schauerliche Erinnerungen an Gestapo-Zeiten zurück.“ ([2], S. 102)

Schon in einer der ersten publizistischen Reaktionen auf die Aktion faßte Karl-Hermann Flach unter eben dem Titel Bei Nacht und Nebel die entsprechenden Befürchtungen in Worte:

„Wenn es also morgens in aller Frühe bei uns klingelt, können wir uns nicht weiterhin in dem beruhigenden Gefühl strecken, daß es nur der Milchmann oder der Junge mit den Brötchen sein kann; wenn um Mitternacht jemand an unsere Türe schlägt, wissen wir nicht mehr genau, daß es sich schlimmstenfalls um einen Telegrammboten oder einen betrunkenen Weggenossen handeln kann, der sich in der Türe geirrt hat. Wir müssen damit rechnen, daß es die politische Polizei ist, die bei Nacht und Nebel nach Landesverrätern sucht. Wenn wir hören, daß Kinder weinen, weil zu später Stunde ihre Zimmer nach Belastungsmaterial gegen ihre Eltern durchstöbert wurden […], dann dürfen wir nicht mehr sicher sein, daß es sich um eine Geschichte aus Moskau, Prag oder Leipzig oder aber aus dem Berlin des Jahres 1944 handelt.“ ([1], S. 423)

Es kann gut sein, daß es nie eine Spiegel-Affäre gegeben hätte, wenn die Beamten höflich am Montagmorgen um 9.00h geklopft hätten. Diese symbolische Katastrophe wurde durch eine zweite, nun nicht mehr so zufällige ergänzt. Es handelt sich dabei um die nach internationalem Recht illegale Verhaftung von Conrad Ahlers in Spanien, die auf direktes Betreiben von Franz Josef Strauß durchgeführt wurde. Hätte die Bundesanwaltschaft Ahlers mitgeteilt, er möge doch nach Deutschland zur Aufklärung des Sachverhaltes zurückkommen, dann wäre das unproblematisch gewesen. Man hätte im einen wie im anderen Fall das selbe Ergebnis erhalten – aber die Bundesregierung hätte sich nicht außerhalb des gesellschaftlichen Konsenses gestellt. Indem das Ereignis aber als Anwendung von Gestapo-Methoden verstanden werden konnte, provozierte es eine tiefgreifenden Verstörung, eine fundamentale Beschädigung dessen, wie die etablierte Ordnung wahrgenommen wurde.

Was also die Demonstranten auf die Straße und die schockierten Bürger in die überall stattfindenden Diskussionsveranstaltungen trieb, war durchaus das Bedürfnis nach Selbstvergewisserung, der Wunsch nach Herstellung einer kohärenten Ordnung. Aber anders als im Beispiel des schockierenden Verbrechens, wird hier nicht mehr davon ausgegangen, daß die Verhältnisse vor dem Ereignis in bester Ordnung waren. Im Gegenteil, das Ereignis enthüllt denen, die darauf reagieren, daß die Ordnung schon vorher beschädigt war. Dabei handelt es sich um eine doppelte Bewegung: Nicht nur enthüllt sich die bestehende Ordnung als faktische Unordnung. In unserem Beispiel entpuppte sich die konservativ-autoritäre Interpretation der bundesrepublikanischen Verfassung als Angriff auf diese. Gleichzeitig setzte sich die progressiv-liberale Interpretation im Bewußtsein der Mehrheit als die alleinige Form durch, in der es wieder zu einer akzeptablen Ordnung kommen konnte. Es kommt aber noch ein weiteres hinzu: Die neue Ordnungsvorstellung wird als nicht-seiend gesetzt, obwohl die Massenmobilisierung genau diese Weltsicht als die richtige bestätigt. Im Beispiel heißt das, daß die Bundesregierung der progressiv-liberale Ordnungsvorstellung die Existenz entzogen hatte. Was aber zu dem Paradox führte, daß sie nicht mehr nur als eine mögliche Interpretation des Grundkonsenses dastand, sondern als die einzig richtige. Die aber keineswegs der Wirklichkeit entsprach.

Aus dieser Diskrepanz ergibt sich dann der Übergang von der bloßen Zusammenballung einer Masse hin zu einer Bewegung: Anders als bei einfachen Massenereignissen genügt hier die gegenseitige Versicherung, daß die eigene Weltsicht ein stimmiges Ganzes ergibt, nicht, denn es existiert eben dieser Widerspruch zur gesellschaftlichen Wirklichkeit. Aus dieser Differenz ergibt sich deshalb eine Aufgabe, nämlich die Aufgabe, die Realität so zu verändern, daß sie der zunächst kontra-faktischen Weltsicht der Masse nicht mehr widerspricht.

Dadurch kommt Dynamik ins Geschehen: Die Masse zerstreut sich nicht mehr einfach, nachdem sie sich ihrer eigenen Sicht der Dinge versichert hat, sondern es werden Verabredungen getroffen, wie es weitergehen soll. Vielleicht nicht von allen, aber doch von einigen. Im einfachsten Fall spricht man sich ab, wann man sich wieder trifft. Wenn es schon etwas weitergeht, bestimmt man ein Vorbereitungskomitee für dieses nächste Zusammentreffen. Oder man gibt bekannt, wo sich die besonders Engagierten auch außerhalb der öffentlichen Massenzusammenkünfte treffen können – hier spielen die Massenkristalle wieder eine wichtige Rolle, weil sie über eine gewisse Infrastruktur verfügen. Und so entsteht aus dem Versuch, eine neue, in sich stimmige Ordnung zu erzeugen, eine Bewegung. Das Ziel von Bewegungen ist es also, in einer Situation, in der das Ereignis einen fundamentaler Defekt der bestehenden Ordnung enthüllt, eine neue, wieder in sich stimmige Ordnung zu hervorzubringen.

Und da ich noch nicht weiß, wie es nächste Woche weitergeht, kann ich Ihnen, werte Leserin, werter Leser, leider nicht mit einem schönen Zitat auf den nächsten Beitrag einstimmen. Ich wünsche Ihnen dennoch eine angenehme Woche und verbleibe bis nächsten Freitag

Ihr Alter Bolschewik

Nachweise

[1] Flach, K.-H.: „Bei Nacht und Nebel (Frankfurter Rundschau, 29. Oktober 1962)“, in: Ellwein, T.; Liebel, M. & Negt, I., Die Spiegel-Affäre II – Die Reaktion der Öffentlichkeit, Olten 1966, S. 422 – 424.

[2] Kirchheimer, O. & Menges, C.: „A Free Press in a Democratic State?: The Spiegel Case“, in: Carter, G. M. & Westin, A. F. (Hg.), Politics in Europe, New York, Chicago, Burlingame 1965, S. 87 – 138.

Written by alterbolschewik

12. Dezember 2014 at 16:45

Veröffentlicht in Bewegung, Ereignis

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Massenkristalle

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Bewegungslehre (5)

„Wer sich heute nicht setzt, kann morgen schon sitzen!“

Sitzstreikparole, Frankfurt 1962

Was bisher geschah: Am Abend des 26. Oktober 1962, einem Freitag, wurde in Hamburg die Spiegel-Redaktion von den Ermittlungsbehörden besetzt. Grund dieser „Nacht-und-Nebel“-Aktion: Verdacht auf Landesverrat. Am Samstagmittag stellte sich Rudolf Augstein der Polizei. Und schon am Sonntag fand die erste spontane Protestdemonstration in Stuttgart statt.

Ich hatte letzte Woche bereits darauf hingewiesen, daß die Demonstration in Stuttgart nicht von politisch völlig unerfahrenen und unorganisierten Leuten initiiert wurde. Vielmehr wurde die Demonstration ziemlich symbolträchtig aufgezogen. Die AktivistInnen vom Verband der Kriegsdienstgegner hatten sich die Münder mit Heftpflaster verschlossen, hielten Ausgaben des Spiegel in der Hand, bekannten sich mit handgeschriebenen Plakaten mit der Zeitschrift solidarisch. Außerdem hatten sie eine Presseerklärung geschrieben, die sie der Deutschen Presseagentur telefonisch durchgaben. Und sie standen direkt vor der Redaktion der Stuttgarter Nachrichten, so daß die lokale Presse den Protest nicht ignorieren konnte. Dabei hätten sie sich keine Sorgen machen müssen:

„Als die Reihe stand, brauchte ich gar nicht mehr ins Verlagsgebäude zu gehen. Ein Lokalreporter kam mit einer Sofortbildkamera, fragte wer wir seien und nahm meine Presseerklärung entgegen.“ ([3], S. 19)

Nach Beendigung der Aktion überlegten sich die Protestierenden, ob sie noch etwas trinken gehen sollten, entschieden sich dann aber dafür, sich vorher noch die Tagesschau anzusehen, ob es neue Entwicklungen in der Spiegel-Affäre gebe:

„Das war eine glückliche Entscheidung, denn es gab eine Überraschung. Der Reporter der Stuttgarter Nachrichten war fix gewesen. Unser Bild kam in der Tagesschau. Bürgerprotest zugunsten der Spiegel-Redakteure! Das erste Zeichen, dass der Mann auf der Straße sich von Adenauers Rede, dass hier »ein Abgrund von Landesverrat« klaffe, nicht einschüchtern ließ.
Auch der Ticker von dpa tat sein Werk. Wir hatten die Nachricht produziert, auf welche die Presse gewartet hatte. Die Stuttgarter Nachrichten – und sogar die Konkurrenz, die Stuttgarter Zeitung – berichteten am Montag über unsere Aktion, die eine mit Bild, die andere ohne. Mich freute, dass meine Presseerklärung vollständig zitiert wurde.“ ([3], S. 19)

Das macht deutlich, daß es noch einen weiteren wichtigen Akteur gibt, den wir bei unserem Versuch, die Natur von Protestbewegungen zu verstehen, mit in den Blick nehmen müssen: Die Medien. Doch dazu in einem späteren Beitrag mehr. Hier interessiert uns zunächst etwas anderes, nämlich die Natur der Spontaneität. Läßt sich, angesichts dieses professionellen Herangehens tatsächlich von spontanem Protest reden? Ist das nicht vielmehr genau die Art von organisierter Demonstration, die ich im vorletzten Beitrag etwas abfällig als „synthetische Bewegung“ bezeichnet hatte?

Keineswegs. Denn der Ursprung des Ganzen liegt im Ereignis – dem staatliche Angriff auf den Spiegel – zu finden, es war diese Aktion der Staatsmacht, die die Proteste auslöste. Die Demonstration entsprang keinen strategischen oder auch nur taktischen Planungszielen der Organisation. Die Verteidigung der Pressefreiheit war kein primäres Interesse des Verbandes der Kriegsdienstgegner (VK). Dessen Mitglieder reagierten nur sensibler und damit schneller als der Rest der Öffentlichkeit.

Im Gegensatz zum Großteil der Öffentlichkeit kannten sie den inkriminierten Artikel ziemlich genau, weil dieser tatsächlich in das Interessensgebiet ihrer Organisation fiel. Schließlich lag die Veröffentlichung bereits zwei Wochen zurück, doch den Kriegsdienstgegner war er ziemlich präsent, weil er ihre Kritik am Adenauerschen Militarismus und dessen potentiell katastrophalen Konsequenzen auch durch die gegnerische Seite beglaubigte:

„Dieser Bericht bestätigte quasi NATO-offiziell die schlimmsten Befürchtungen unserer Gruppe.“ ([3], S. 17)

Gegenstand des Protestes war aber nicht der Artikel selbst, sondern der offenkundige Versuch der Regierung, die kritische Berichterstattung zu einem der umstrittensten Politikfelder der Adenauer-Regierung zu unterdrücken. Es ging also um die Rolle der Presse in einer funktionierenden Demokratie, und das war nun gerade nicht ein zentraler programmatischer Bestandteil der VK. Konsequenterweise beschloß die Gruppe, ausdrücklich nicht als Stuttgarter Ortsgruppe der VK aufzutreten:

„Möglichst viele sollten sich mit unserem Protest identifizieren. War es da nicht besser, wenn wir uns heute nicht als Randgruppe der Gesellschaft zu erkennen gaben, also weder von Kriegsdienstverweigerung, noch von unserer Teilnahme an den Ostermärschen, noch gar von unserem Plan des Aufbaus einer Gewaltfreien Zivilarmee sprachen. »Wir tun so, als ob wir uns sonntagmorgens regelmäßig zu einer Art politischem Stammtisch treffen und uns nun spontan zu diesem Zeichen der Ermunterung für die inhaftierten Spiegel-Redakteure entschlossen haben.« Das sagte ich Günter am Telefon. Auch mit Artur Epp verständigte ich mich noch. Sie waren einverstanden: »Ja, um der Sache willen, ist heute Zurückhaltung geboten. Flagge zeigen, könnten wir ein andermal.«“ ([3], S. 18f)

Dieser Ablauf ist keineswegs untypisch. Am Anfang, bei der Initiierung einer Bewegung, sind es häufig Organisationen – oder besser: Menschen, die schon Organisationserfahrung haben – von denen die erste Aktivitäten ausgehen. Das heißt nicht, daß die Organisation die Bewegungen hervorbringen. Sie sind eher als Katalysatoren oder Kristallisationspunkte anzusehen, die den Prozeß zwar in Gang setzten, worauf dieser dann aber eine Eigendynamik gewinnt, die sich von den Initiatoren emanzipiert. Canetti spricht in diesem Zusammenhang von „Massenkristallen“ ([1], S. 79ff). Allerdings bleibt, da er nicht zwischen Massen und Bewegungen unterscheidet, seine Bestimmung dessen, was Massenkristalle überhaupt sind, seltsam unscharf. Dennoch hat er eine der wesentlichen Eigenschaften dieser Massenkristalle herausgearbeitet. Es ist die Eigenschaft, daß Massenkristalle deutlich langlebiger sind als Massen (und Bewegungen):

„Zwar bilden sich immer neue Formen aus, aber die alten in ihrem Eigensinn bleiben daneben bestehen. Sie mögen zeitweilig in den Hintergrund treten und an Schärfe und Unentbehrlichkeit verlieren. Die Massen, die zu ihnen gehörten, sind vielleicht abgestorben oder man hat sie ganz unterdrückt. Als harmlose Gruppen, ohne irgend etwas nach außen zu bewirken, leben die Kristalle dann für sich weiter. […] Der Augenblick, da sie gebraucht werden, kommt so sicher wieder, wie es neuartige Massen gibt, zu deren Erregung und Auslösung sie sich eignen mögen.“ ([1], S. 80f)

Gerade an der Spiegel-Affäre läßt sich sehr schön die Katalysatorfunktion der Massenkristalle aufzeigen, denn in unterschiedlichen Städten waren es sehr unterschiedliche Organisationen, die zu öffentlichem Protest aufriefen, die dann aber schnell weitere, bislang unorganisierte Menschen mobilisieren konnten:

„Insgesamt kam es in den ersten vier Wochen der Spiegel-Affäre zu mindestens 23 Demonstrationen in 17 Städten der Bundesrepublik, meist mit Sitz einer Universität oder Hochschule. Am häufigsten ging die Initiative von politischen Studentenverbänden, wie dem Liberalen Studentenbund Deutschlands (LSD), dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS), dem Sozialdemokratischen Hochschulbund (SHB) oder gewerkschaftlichen Studentengruppen aus. Doch die Mehrzahl der Demonstranten bestand aus Studenten, die sonst nicht in politischen Studentenverbänden mitarbeiteten.“ ([4], S. 161)

Das heißt, es ist relativ egal, welche Organisation als Katalysator dient, es braucht nur einen Kristallisationspunkt, um den herum sich die Masse gruppieren kann. Im Extremfall kann das auch eine einzige Person sein. Ein gutes Beispiel hierfür findet sich bereits einen Tag nach der Stuttgarter Aktion in Düsseldorf. Dort stellte sich eine Einzelperson, der 30-jährige Werbegraphiker Günter W., mit einem selbstgemalten Plakat auf die Königsallee. Im Polizeibericht hieß es dazu:

„Das Plakat ist wie folgt bemalt: »Warte, warte noch ein Weilchen, bald kommt Josef auch zu Dir, mit dem großen Hackebeilchen und macht Büchsenfleisch aus Dir!« Weiter sind auf dem Plakat einige Büchsen mit den Aufschriften »Der Spiegel«, »Demokrat«, »…albohm«, »Takt und Anstand« und weiter eine feiste männliche Person mit einem Beil aufgemalt; vom Beil tropft rote Farbe.“ (zit. nach [4], S. 162)

Um diesen singulären Massenkristall sammelten sich dann in kürzester Zeit rund 200 Menschen ([2]) – bis Günter W. dann einfach von der Polizei festgenommen wurde. Mit anderen Worten: Wenn das Ereignis eintritt, muß jemand die Initiative ergreifen. Das können einzelne, bislang in der Öffentlichkeit unbekannte Personen sein, doch mit größerer Wahrscheinlichkeit sind es bereits bestehende Organisationen, die als Massenkristalle fungieren.

Unglücklicherweise leiden politische Organisationen notorisch an der Illusion, sie würden die Bewegungen hervorbringen, für die sie eigentlich nur als Katalysatoren dienen. Es ist nicht ihre geduldige politische Wühlarbeit, die irgendwann umschlägt in eine Bewegung. Sondern die Bewegung ist das Resultat eines unerwarteten, aber symbolischen Ereignisses, in dessen Folge dann Organisationen als Katalysatoren wirken können.

Nächste Woche schauen wir uns näher an, was das Ereignis, wenn es denn ein Symbol ist, überhaupt symbolisiert. Freuen Sie sich also darauf, wenn Harry Pross zur Spiegel-Affäre meint, sie habe geholfen,

„im Volk zwei Parteien quer durch alle Schichten zu bilden: die Landesverratspartei und die Anti-Willkür-Partei.“ (zit. nach [4], S. 215)

Nachweise

[1] Canetti, E., Masse und Macht, Frankfurt a.M. 1980.

[2] clj & BeK: „Protest: Die Zivilgesellschaft geht auf die Strasse“, URL: http://www.anstageslicht.de/themen/themenkategorien/geschichtenansicht/berichtansicht/kat/history/story/die-spiegel-affaere-1962-und-danach/kapitel/landkarte-des-protests-demonstrationen-und-diskussionen/report/158.html, abgerufen am 26. November 2014.

[3] Ebert, T.: „Auf der Suche nach einer gewaltfreien Alternative zur Bundeswehr – Erfahrungsbericht eines Friedensforschers“, URL: http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/media/pdf/Ebert_Nuernberg_2_11_05.pdf, abgerufen am 28. November 2014.

[4] Liebel, M.: „Die öffentlichen Reaktionen in der Bundesrepublik“, in: Ellwein, T.; Liebel, M. & Negt, I., Die Spiegel-Affäre II – Die Reaktion der Öffentlichkeit, Olten 1966, S. 37 – 240.

Written by alterbolschewik

5. Dezember 2014 at 14:56

Spontaner Protest

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Bewegungslehre (4)

„Jeder Bürger muß es schrein – Augstein raus und Strauß muß rein“

Demonstrationsparole 1962

Was bisher geschah: Spontane Massen bilden sich als Reaktion auf ein Ereignis. Und zwar ein Ereignis, das die bestehende Ordnung als brüchig erscheinen läßt, beispielsweise ein extrem traumatisierendes Verbrechen. Oder auch ein politische Attentat wie das auf John F. Kennedy.

Bei der Ermordung Kennedys hatten wir bereits gesehen, daß das Ereignis den Charakter eines Symbols annehmen kann. Hier wurde nicht nur ein beliebter Politiker ermordet, sondern der Mord repräsentierte im Bewußtsein derer, die deswegen auf die Straße gingen, die Gefahr eines politischen Rückfalls in einen autoritären Politikstil, der mit Kennedy überwunden schien.

An dieser Stelle ist es wohl angebracht, Bewegungen von zwei anderen, nah verwandten sozialen Phänomenen abzugrenzen, nämlich von bloßen Massen einerseits und Organisationen andererseits. Ein Massenereignis, selbst wenn es einen politischen Inhalt hat wie die Trauerkundgebungen nach dem Tod von Kennedy, ist noch keine Bewegung. Damit spontan entstehende Massen zu Bewegungen werden, müssen sie mehr sein als eine bloße öffentliche Zusammenballung von Menschen. Bewegungen werden von mehr getragen als dem bloßen Gefühl, in der Masse aufgehoben zu sein. Sie wollen etwas, das sich nicht allein durch das Zusammenkommen befriedigen läßt. Sie weisen über den konkreten Anlaß hinaus. Andererseits wäre es aber zu weit gegriffen, wenn man dieses Mehr, diesen Überschuß, den Bewegungen gegenüber bloßen Massen haben, schon als ein klares Ziel bezeichnen würde. Das unterscheidet Bewegungen von Organisationen. Organisationen haben Ziele – und deshalb mischen sie sich auch oft in Bewegungen ein, um diese für ihre Ziele zu instrumentalisieren (über das komplexe Verhältnis von Bewegungen zu Organisationen wird in einem späteren Blogtext zu reden sein). Die Kurs einer Bewegung ist jedoch viel unbestimmter als bei organisierten Gruppen. Es gibt kein konkret ausformuliert Ziel, sondern nur eine vage Richtung, in die die Bewegung sich eben bewegt. Anders als bei Organisationen stellt sich deshalb die Einheit der Bewegung nicht über ausformulierte Programme her, sondern über Symbole. Und das Ereignis, das die Bewegung auslöst, ist das erste Symbol, das die Menschen zusammenbringt und in Bewegung setzt.

Als Symbol ist das Ereignis immer ein Doppeltes: Einerseits ein konkreter Vorfall, der meist als schockierend und traumatisierend empfunden wird. Andererseits lädt sich dieser Vorfall sofort mit einem Mehr an Bedeutung auf, durch ihn wird etwas, das bislang nur vage erahnt, befürchtet oder auch erhofft wurde, auf einmal konkret. Eine solche Ahnung, sei sie nun positiv oder negativ, wird durch das symbolische Ereignis Gewissheit. Und diese Gewissheit treibt die Menschen auf die Straße.

Ein ganz typisches Beispiel für ein derartiges Ereignis war etwa der GAU im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl. Die Gefahren der Atomenergie waren zum damaligen Zeitpunkt längst in der öffentlichen Diskussion, doch sie waren, wie es so schön heißt, „umstritten“. Zwar gab es erklärte Verfechter der Atomenergie und klare Gegner, doch ein Großteil der Bevölkerung war eher unschlüssig. Das Ereignis änderte dies grundlegend. Die schon totgesagte Anti-Atomkraft-Bewegung erlebte einen neuen Aufschwung, daß selbst die Parteien der schwarz-gelben Regierungskoalition dazu gezwungen waren, die Atomenergie nun nur noch als eine „Übergangslösung“ zu verkaufen. Bei einer diffus polarisierten Öffentlichkeit kann ein solches symbolisches Ereignis die öffentliche Meinung schlagartig nach einer bestimmten Seite hin kippen lassen.

Im Detail läßt sich dies an der Spiegel-Affäre des Jahres 1962 studieren. Ganz kurz zur Erinnerung die Fakten: Im Oktober 1962 veröffentlichte der Spiegel einen Artikel über das Nato-Manöver Fallex 62, das das Verteidigungskonzept der Bundesrepublik als völlig unzureichend aufgezeigt hatte. Die Informationen dazu waren dem Spiegel durch einen, wie man heute sagen würde, Whistleblower zugespielt worden. Dieser Indiskretion lagen Flügelkämpfe im Verteidigungsministerium zugrunde: Es gab offensichtlich eine Fraktion von Militärs, die den Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß diskreditieren wollte. Auf die Veröffentlichung im Spiegel erfolgte eine recht absurde Anzeige wegen angeblichen Landesverrates. Urheber der Anzeige war ein alter Nazi und jetziger Parteifreund von Franz-Josef Strauß; ob die Anzeige mit Wissen und Billigung von Strauß erfolgte, ist nicht bekannt. Doch das ist auch nicht weiter von Belang, da Strauß im Rahmen der Ermittlungen in kürzester Zeit informiert war, denn die Bundesanwaltschaft wandte sich im Rahmen ihrer Ermittlungen an das Verteidungsministerium, um ein Gutachten zu bekommen, ob es sich bei besagtem Artikel wirklich um Landesverrat handeln könne.

Spätestens jetzt wurde Strauß, der schon längere Zeit eine Fehde mit dem Spiegel austrug, zum Strippenzieher hinter den Kulissen. Am Freitag, den 26. Oktober, mitten während der Endredaktion der nächsten Spiegel-Ausgabe, besetzten in den Abendstunden rund 50 Mann des Bundeskrimialamtes, des Militärischen Abschirmdienstes und der Bundesanwaltschaft die Redaktionsräume des Spiegel. Sie hatten Haftbefehle für den Herausgeber Rudolf Augstein und den Autor des Artikels, Conrad Ahlers, doch keiner der beiden befand sich in der Redaktion. Augstein war bei seiner Geliebten, Ahlers in Spanien im Urlaub. Augstein stellte sich am nächsten Tag der Hamburger Polizei, Ahlers wurd auf direkte Intervention von Strauß im faschistischen Spanien festgenommen. In der Öffentlichkeit wurde die Aktion sofort als Racheakt Franz-Josef Strauß‘ am Spiegel interpretiert. Und schon am Sonntag begannen dann die uns interessierenden Proteste – zunächst im von Hamburg weit entfernten Stuttgart:

„20 junge Stuttgarter protestieren am Nachmittag »stumm« auf der Königsstraße gegen das Vorgehen der Bundesanwaltschaft. In einer Presseerklärung heißt es, sie seien »dem ‚Spiegel‘ für seinen couragierten Bericht über das Manöver Fallex 62 dankbar« und dass die Anschuldigungen gegen den Spiegel lächerlich seien, »da außer dem Bundesanwalt wohl niemand in der Bundesrepublik die russische Spionage für so unfähig hält, daß sie auf die Spiegel-Lektüre angewiesen wäre.«“ ([2])

Diese erste Protestaktion war ziemlich professionell gemacht. Gut gemachte Plakate, ein öffentlichkeitswirksamer Platz direkt vor der Redaktion der Stuttgarter Nachrichten, das symbolträchtige Auftreten mit verklebten Mündern und dem Spiegel in der Hand, die Formulierung und Verbreitung einer Presseerklärung: Das alles verweist darauf, daß diese ersten Protestierenden organisiert waren. Und das waren sie in der Tat – es war die Stuttgarter Ortsgruppe des Verbandes der Kriegsdienstgegner, die hinter der Aktion stand. Eigentlich wollte sich die Gruppe an diesem Sonntagmorgen zu einem Referat über den Widerstand der norwegischen Lehrer während der nationalsozialistischen Besatzung treffen. Doch die Verhaftung Augsteins wegen Landesverrates änderte schlagartig die Tagesordnung – angesichts dieses Vorfalls war nach Ansicht der Kriegsgegner der Verteidungsfall für die Demokratie eingetreten. Noch am selben Tag wollte man in der Stuttgarter Innenstadt demonstrieren. Und man plante taktisch äußerst geschickt, wie sich einer der Beteiligten, Theodor Ebert, später erinnerte:

„»Die meisten Journalisten werden in der Verhaftung Augsteins einen Angriff auf die Pressefreiheit sehen. Wir müssen ihnen ganz schnell die Nachrichten zum Protest der Bevölkerung liefern, die sie brauchen. Wir demonstrieren spontan auf der Königstraße. Wir stellen uns vor das Verlagsgebäude der Stuttgarter Nachrichten. Mitten in der Stadt. Dort sind wir nicht zu übersehen.« Das war meine Empfehlung.
Sie leuchtete ein. »Wir brauchen einen Blickfang. Wenn wir da nur rumstehen und ‚Freiheit für Augstein‘ rufen, hilft dies nicht viel«, gab Artur Epp zu bedenken. Und dann machte Jutta Vorwerk, die vom Krakeelen überhaupt nichts hielt, einen überraschenden Vorschlag: »Wir bilden vor dem Verlagsgebäude eine lange Reihe. Jeder nimmt irgendeine Nummer des ‚Spiegel‘ in die Hand und liest darin. Und wir kleben uns den Mund zu – mit Heftpflaster.« – Artur stimmte sofort zu: »Das ist genial. Da kapiert jeder sofort, was gemeint ist.« Auch mir gefiel der Vorschlag: »Da können sich Passanten spontan anschließen und wir sind sicher, dass sie keinen Unsinn erzählen und dies dann als die Meinung der Demonstranten zitiert wird.«“ ([3], S. 18)

Durch dieses Vorgehen wurde die Stuttgarter Ortsgruppe des Verbandes der Kriegsdienstgegner zu einem, wie es bei Canetti heißt, Massenkristall. Damit und mit der weiteren Dynamik der Proteste im Jahr 1962 beschäftigen wir uns nächste Woche. Freuen Sie sich also darauf, daß Elias Canetti nächste Woche erklärt:

„Als Massenkristalle bezeichne ich kleine, rigide Gruppen von Menschen, fest abgegrenzt und von großer Beständigkeit, die dazu dienen, Massen auszulösen.“ ([1], S. 79)

Nachweise

[1] Canetti, E., Masse und Macht, Frankfurt a.M. 1980.

[2] clj & BeK: „Protest: Die Zivilgesellschaft geht auf die Strasse“, URL: http://www.anstageslicht.de/themen/themenkategorien/geschichtenansicht/berichtansicht/kat/history/story/die-spiegel-affaere-1962-und-danach/kapitel/landkarte-des-protests-demonstrationen-und-diskussionen/report/158.html, abgerufen am 26. November 2014.

[3] Ebert, T.: „Auf der Suche nach einer gewaltfreien Alternative zur
Bundeswehr – Erfahrungsbericht eines Friedensforschers“, URL: http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/media/pdf/Ebert_Nuernberg_2_11_05.pdf, abgerufen am 28. November 2014.

Written by alterbolschewik

28. November 2014 at 19:29