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Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Posts Tagged ‘Zettel

Die Population der Dramatiker

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Wo der Herr Zettel schon immer hier rumschaut, uns die Wahrheit aufzuzeigen, derer wir bis dato ja nicht habhaft wurden, sonst wären wir ja kein linkes Blog, wir autoritär-linksfaschistischen Antiimps (versuche nur gerade, das Bad Blog anzuflirten), verlinke ich ihn doch noch mal   – wie kommt’s, daß Shakespeare, die alte Rampensau, noch heute so viel „wahrer“ ist als manches, was „Wissenschaftler“ zu seiner Zeit so vertraten?

„Zu Shakespeares Zeiten tat man darum gut daran, den niedergekämpften Gegner mindestens ins tiefste Verlies zu werfen, besser aber aufs Schafott zu bringen. Da sind wir zivilisierter geworden.“

Ja, wie kommt’s? Die Wirkung wissenschaftlichen Experimentierens? Und das, wo der Mensch doch genetisch auch nur Aasfresser und Raubtier ist?

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„Ratten und Schmeißfliegen“

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„“Ratten und Schmeißfliegen“ beschimpfte im Juli 1978 der CSU-Politiker Franz Josef Strauß die deutschen Intellektuellen, die es wagten, konservative Politiker öffentlich und lautstark zu kritisieren. Gemeint waren jene „Schmutzfinken“ und „Pinscher“, die schon Bundeskanzler Ludwig Erhard 1965 abgekanzelt hatte. Und im April 2005 polterte der SPD-Politiker Franz Müntefering in der BILD-Zeitung gegen die internationalen Finanzinvestoren, die wie „Heuschreckenschwärme“ über deutsche Unternehmen herfielen. Kein Wort fällt vom Himmel, sondern hat eine Geschichte. Und der Vergleich aus dem Tierreich, um den politischen Gegner zu treffen, hat in Deutschland Tradition. „Parasitäres Geschmeiß“ beschimpfte 1939 Goebbels die ihm verhassten Intellektuellen.“

Na, das mit dem „Parisitären“ ist dann ja rund die Hartz IV-Diskussionen auch noch mal hochgeschwappt  – Grund für’s Googlen dieser Zitate ist die dumpfe Erinnerung, von Herrn Franz-Josef Strauß, der in vielerlei Hinsicht für mich das bereits vorwegnahm, was ich heute als Neue Rechte bezeichnen würde, einst per TV als „Ratte“ und „Schmeißfliege“ beschimpft worden zu sein. Gab ja sogar Aufkleber damals, „Ich bin eine Ratte!“, und daß sie zu des Punkers Lieblingstier wurde, das ist auch kein Zufall.

Das Bonmot „Lieber ein Kalter Krieger als ein warmer Bruder“ hatte – wie vieles von FJS  – den Wortwitz auf seiner Seite, aber wegen solcher wie ihm hatten andere ja auch schon immer recht. Ist halt das übliche, patriarchale Säbelrasseln gegen „Appeaser“, die eben nur Schwuchteln oder Opfer sind, wird ja zumeist synonym verwendet von jenen, die dann den Islam als Machotum geißeln, dieser „warme Bruder“-Spruch.

Im Gegensatz zu Che fand ich das „Buback, Ponto, Schleyer, der nächste wird ein Bayer“ auch damals alles andere als witzig, erinnere mich, daß es mich 14-jährigen, der mit dem „Rock gegen rechts – Stoppt Strauß“-Sticker auf der Schultasche rumrannte, durchaus ernstlich empört hat.

Obwohl dieser Mann tatsächlich für mich politisch alles verkörperte, was mich bis heute schauern läßt. Allem anderen voran die Parole „Freiheit statt Sozialismus“, die zwar duchaus auch schon im Kohl-Wahlkampf ’76 Einsatz gefunden haben könnte – aber es sei daran erinnert, daß das eine Parole war, die gegen die Schmidt/Genscher-Regierung gerichtet wurde, und wenn deren Politik schon „Sozialismus“ war, gegen die dann die Freiheit jener, die lieber Kalte Krieger als warme Brüder sein wollten, sich in Stellung brachte, na, dann kann man sich ja auch heute noch bestens vorstellen, was die so mit „Freiheit“ meinten und mit Sozialisten vorhatten. Wobei, und dafür hat er sich ja später sehr geschämt: Es war Willy Brandt, der den „Radikalenerlaß“ durchließ.

Nun erstaunt nicht, daß der eventorientierte Jugendliche mit Grütze im Kopf und unsinniger Gewalt in Arm und Schenkel jüngst in Köln mit der SA vergleichende Zettel nunmehr vor Herrn Strauß retrospektiv eine Verbeugung macht. Anläßlich der veröffentlichung von Mordplänen der RAF gegen diesen macht er das, und, ehrlich, es ist mir jetzt zu blöd, auch noch zu betonen, daß ich diese Pläne, wenn sie denn wahr sind, scheußlich finde.

Wie üblich ist es das linke „Meinungsklima“ oder wie auch immer Naturwissenschaftler sowas begrifflich fassen, das die Legitimationserzählung für die Planung von Attentaten der RAF auf Herrn Strauß anleitete; erstaunlich ist ja, daß genau jene, die sonst mit „Eigenverantwortung“ noch jeden in den Hunger treiben wollen, in solchen Fällen dann zu Kollektivschuldthesen neigen und die Irren von RAF zu einer eine Art Effekt der Linken im allgemeinen stilisieren, als Vollstrecker dessen, was diese rotlackierten Faschisten eben WIRKLICH immer schon dachten und wollten:

Strauß galt als die Verkörperung schlechthin des „Schweinesystems“ und wurde von dem Karikaturisten Hachfeld (er zeichnete u.a. für den vom MfS finanzierten und von dessen Agenten redigierten „Berliner Extra-Dienst“) auch als ein kopulierendes Schwein dargestellt.

Wie weit die Dehumanisierung des politischen Gegners damals getrieben (und in der Linken weithin goutiert) wurde, belegen andere Karikaturen von Hachfeld im „Extra- Dienst“, die Strauß, grotesk verrenkt, in Gestalt eines Hakenkreuzes zeigen.

SA -Vergleiche bei „Autonomen“ in Köln hingegen sind jederzeit legitim. Ging ja da nur um Methoden, nicht um Personen.

„Solche Kampagnen, diese damals in der gesamten Linken verbreitete Herabwürdigung des politischen Gegners Strauß zum Monster waren es, die Strauß zu einem für die RAF interessanten potentiellen Opfer machten.“

Nun ist es natürlich Unsinn, im Falle von „Ratten“, „Schmeißfliegen“ oder „Pinschern“ von „Dehumanisierung“ oder „Herabwürdigung“ zu reden, und es stellt sich nur noch die Frage: Was könnte denn wohl der Herr Strauß bewirkt haben, als er seine politischen Gegner so treffend charakterisierte?

Habe dunkle Erinnerungen an die Erzählungen von der esrten großen Brokdorf-Demo damals, ungefähr zur selben Zeit  … und auch die SPIEGEL-Affäre gehörte zu den Highlights der Entfaltung der Meinungsfreiheit in der noch jungen Republik.

Und zu welchen Taten könnten Zettels SA-Vergleiche im Falle der Kölner „Autonomen“ denn inspirieren? Die Polizei zum Beispiel?

Käfighaltung und Freiheitsentzug für Demonstranten soll’s dort in Köln ja durchaus jüngst mal wieder  gegeben haben – eben das, was man mit Ratten so macht.