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Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Die Frau des Unbekannten Soldaten

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Der Kampf gegen den § 218 (9)

„Wir fühlten uns als direkte Erbinnen der Suffragetten, sowohl was die Theorie betraf als auch und vor allem im Hinblick auf die Anwendung gewaltsamer Methoden. Leider hatten wir bislang noch keine Möglichkeit gefunden, sie anzuwenden…“

Anne Zelensky

Was bisher geschah: Der Mai 1968 in Frankreich brachte keine unmittelbar sichtbare Frauenbewegung hervor. Erst im Frühjahr 1970 fanden einige schon länger existierende Zirkel zusammen und traten an die Öffentlichkeit. Eine erste Demonstration, die von der Universität Paris-Vincennes ausging, blieb so ohne Resonanz, daß heute nicht einmal mehr ihr Datum rekonstruierbar ist.

Die Herangehensweise in Frankreich war eine völlig andere als in der BRD. Dort war der Berliner Aktionsrat zur Befreiung der Frauen vor allem praktisch tätig geworden – durch Gründung antiautoritärer Kinderläden oder die Unterstützung eines Kindergärtnerinnenstreiks. Die Französinnen hatten sich dagegen zwei bis drei Jahre lang (je nachdem, welche Gruppe man nimmt) in eher privaten Zirkeln theoretisch und unter weitgehendem Ausschluß der Öffentlichkeit mit Fragen der Frauenemanzipation beschäftigt. Der Gang an die Öffentlichkeit gestaltete sich dementsprechend: Die ersten Schritte waren publizistischer Natur.

Es begann, wie bereits letzte Woche erwähnt, mit Artikeln in der Zeitschrift L’Idiot international. Im Mai erschien der Artikel „Combat pour la libération de la femme“ (Kampf für die Befreiung der Frau). Geschrieben wurde er von den Schwestern Monique und Gilles Wittig, zusammen mit den beiden Amerikanerinnen Marcia Rothenburg und Margaret Stephenson. Diese Frauen gehörten zu der namenlosen Gruppe um Antoinette Fouque, die sich an Marx, Freud und Lacan orientierte.

Zur selben Zeit arbeiteten Anne Zelensky und Jacqueline Feldmann-Hogasen von der Gruppe FMA (das Akronym stand inzwischen nicht mehr für feminin – masculin – avenir, sondern für Féminisme – Marxisme – Action) an einem Buch mit dem Titel Féminisme, Sexualité et Révolution. Sie boten das Manuskript dem linken Verlag Maspero an, der das Ganze allerdings ziemlich überarbeitungswürdig fand. Vom Verlag kam der Kompromißvorschlag, die besten Teile aus dem Buch herauszunehmen und in der verlagseigenen Zeitschrift Partisans zu veröffentlichen. Und zwar im Rahmen einer Nummer, die sich ausdrücklich Frauenfragen widmen sollte. Zelensky und Feldmann nahmen dieses Angebot begeistert an und überzeugten die Redaktion, daß ein solches Heft ausschließlich von Frauen gemacht werden sollte.

Und so wurde fieberhaft an einer schließlich mehr als 250 Seiten umfassenden Doppelnummer der Zeitschrift gearbeitet, die nach einigen Verzögerungen endlich im Oktober herauskommen sollte. Die erste Hälfte des Heftes bestand aus Übersetzungen von Texten der amerikanischen Frauenbewegung, die aus einem von Shulamith Firestone und Anne Koedt herausgegebenen Sammelband übernommen wurden. Der Titel dieses Sammelbandes – Notes From The Second Year – inspirierte dann auch den Titel der französischen Veröffentlichung, der schlicht Libération des femmes année zero (Frauenbefreiung Jahr Null) lautete. Die andere Hälfte bestand aus aktuellen Texten französischer Autorinnen (und dem einzigen Text eines Mannes, der in den Anhang abgedrängt wurde).

Während an der Zeitschrift gearbeitet wurde, begannen die verschiedenen Frauengruppen aufeinander aufmerksam zu werden. Die Frauen der FMA hatten den ersten Artikel in L’idiot international zur Kenntnis genommen und versuchten, Kontakt zur Gruppe um Fouque aufzunehmen. Andererseits war im Nouvel Observateur ein Brief der FMA veröffentlicht worden, worauf sich eine Gruppe namens Les oreilles vertes (Die scharfen Ohren) bei ihnen meldete. Verblüffenderweise stellte sich dann bei einem Treffen heraus, daß es sich bei den Frauen von Les oreilles vertes um Mitglieder der Gruppe von Fouque handelte, die sich auf die Anfrage der FMA nicht gemeldet hatte ([1], S. 40f).

Doch bereits bei den ersten Treffen gab es Unstimmigkeiten. Es war der klassische Streit, der die Anfänge der zweiten Frauenbewegung durchzog: Verstand man sich als Teil einer revolutionären Bewegung, die sich im wesentlichen auf das Proletariat als Subjekt der gesellschaftlichen Umwälzung stützte? Oder begriff man sich als reine Frauenbewegung, für die zunächst einmal die eigenen Belange im Zentrum standen? Es kam zu einem harten Schlagabtausch zwischen der marxistischen und der feministischen Fraktion:

„Die Diskussion konzentrierte sich immer mehr auf Antoinette [Fouque], Monique [Wittig] und Christine [Delphy]. Eine Spaltung zeichnete sich ab zwischen den Verfechtern der »F.M.A./Christine«-Thesen – sie waren in der Minderheit und wurden von Monique vertreten – und den Gegnern dieser Thesen, die die Mehrheit bildeten und von Antoinette vertreten wurden. Die zukünftigen Gruppen des späteren Mouvement de Liberation des Femmes waren an jenem Abend im Keim entstanden, und sie würden sich in Zukunft immer über die Fragen »Klassenkampf« oder »Feminismus« definieren.“ ([1], S. 44)

Das waren die analogen Auseinandersetzungen, die im Berliner Aktionsrat zur Befreiung der Frauen zwischen Helke Sander und Frigga Haug ausgetragen wurden. Und wie in Berlin waren es natürlich die Feministinnen, die das antiautoritäre Erbe der 60er Jahre bewahrten und mit spektakulären öffentlichkeitswirksamen Aktionen die Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse vorantrieben.

Gelegenheit dazu gab es am 26. August 1970. An diesem Tag inszenierten die Feministinnen die Aktion, die die Existenz einer Frauenbewegung ein für alle Mal ins öffentliche Bewußtsein Frankreichs rückte. Der eigentliche Anlaß dafür war wieder einmal eine Sache von außerhalb, diesmal aus den USA. Die von Betty Friedan gegründete National Organization for Woman hatte für eben diesen Tag zu einem Frauenstreik aufgerufen. Anläßlich des fünfzigsten Jahrestages des Frauenwahlrechtes sollte dieser Streik – zusammen mit landesweiten Demonstrationen – darauf aufmerksam machen, daß mit dem Wahlrecht die Gleichberechtigung der Frauen noch lange nicht erreicht war.

Dieser Streik elektrisierte auch die französischen Feministinnen. Anne Zelensky erinnert sich:

„Ich schlief noch […] Das Telefon weckte mich. Es war Mano. »Hast du jetzt sofort Zeit? Ich erklär’ dir weshalb. Die amerikanischen Feministinnen streiken heute. Ein Frauenstreik.«
»Sagenhaft«, ich war sofort wach.
»Wir haben uns überlegt, eine Aktion zu ihrer Unterstützung zu machen. Aber ich will es dir am Telefon nicht sagen. Komm’ gegen Mittag in das Café oben an den Champs-Elysées.«
Eine Frauenaktion? Davon träumte ich seit Jahren. Ich zog mich schnell an und ging zum vereinbarten Treffpunkt.“ ([1] , S. 46)

Dort fand sie nur eine kleine Gruppe von Frauen vor – ungefähr zehn, denn es war August und ganz Frankreich war in den Ferien. Aber sie hatten die Presse informiert, Transparente gemalt und vor allem: Einen Kranz besorgt, wie man ihn an Gräbern ablegt, mit Blumen und beschrifteten Schleifen. Diese Schleifen widmeten den Kranz der Frau des Unbekannten Soldaten, die, wie es auf einem der Transparente hieß, noch viel unbekannter war als ihr Mann (ein anderes Transparent trug den schönen, ins Deutschen nicht wirklich übersetzbaren Slogan „Jeder zweite Mann/Mensch ist eine Frau“). Dieser Kranz, so war es geplant, sollte am Grabmal des Unbekannten Soldaten am Arc de Triomphe abgelegt werden.

„Aber kaum waren wir aus dem Auto gestiegen und auf das Grab zugegangen, als Bullen auftauchten und uns brutal unsere Blumen und Spruchbänder aus den Händen rissen. Bevor wir richtig merkten was los war, hatten sie kurzerhand einige von uns festgenommen. […] Am nächsten Morgen war auf der Titelseite des France-Soir zu lesen: »Die feministischen Demonstrantinnen am Etoile konnten ihren Kranz „für die unbekannte Frau des Soldaten“ nicht niederlegen.« Zum ersten mal sprach man von Mouvement de liberation des femmes. War hatten uns diesen Namen nicht gegeben. Die Presse hat uns in Anlehnung an die amerikanische Women’s Lib so getauft. Der Frauenkampf war im Begriff wiederaufzuleben.“ ([1], S. 46)

Das war die symbolische Geburtsstunde der zweiten Frauenbewegung in Frankreich – so wie der Tomatenwurf Sigrid Rügers in der BRD zum Symbol geworden war. Von diesem Datum an existierte das MLF, die Bewegung zur Befreiung der Frauen. Und im Gegensatz zum Tomatenwurf gibt es sogar Filmaufnahmen, die man sich auf der Seite des Institut National de l’Audiovisuel anschauen kann.

Über den Charakter dieser Bewegung und die weiteren spektakulären Aktionen erfahren Sie nächste Woche mehr, wenn Anne Zelensky sich empört:

„Als erstes mußte nun eine Abtreibungsgruppe gegründet werden. […] Wie gewöhnlich wurde Unmut laut: »Schon wieder Abtreibung! Können wir denn nicht mal über was anderes reden!« Diese Reaktion machte mich wütend. Unglaublich! Als ob ihnen das nicht passieren könnte, diesen dummen Weibern! […] Was hatten sie in einer Frauengruppe verloren?“ ([1], S. 53)

Nachweise

[1] Tristan, A. & de Pisan, A., Jedesmal, wenn eine Frau sich wehrt…, Münster 1979.

Written by alterbolschewik

29. August 2014 at 15:57

Frauenbefreiung. Das Jahr Null

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Der Kampf gegen den § 218 (8)

„Es ist uns bewußt geworden, daß es, nach dem Vorbild aller unterdrückter Gruppen, an uns selbst liegt, unsere eigene Befreiung anzugehen.“

Partisans Nr. 54/55 (Juli-Oktober 1970): Frauenbefreiung. Das Jahr Null

Was bisher geschah: In den letzten Folgen hatten wir den Kampf gegen den Abtreibungsparagraphen, wie er vor der spektakulären Aktion im Stern geführt wurde, dargestellt. Abgeschlossen hatten wir mit einem Zeitzeuginnenbericht, der die repressive Stimmung dieser Jahre in der oberschwäbischen Provinz schilderte – und den Emanzipationsprozeß, der daraus erwuchs.

Der heutige Text ändert, scheinbar abrupt, den Schauplatz. Statt zu berichten, wie sich die Agitation gegen den § 218 weiterentwickelte, richten wir unseren Blick nach Frankreich. Das hat einen guten Grund: Die Aktion, die den nächsten Schritt dieser Geschichte in der Bundesrepublik markiert, war kein einheimisches Gewächs, sondern wurde aus Frankreich importiert. Insofern ist es ganz sinnvoll, die französische Entwicklung zumindest zu skizzieren.

Wer der irrigen Meinung ist, Frankreich sei ein in sexueller Hinsicht aufgeklärtes Land und hätte einen lockerere Haltung in Sachen Abtreibung, sitzt einem schweren Irrtum auf. Die katholische Tradition des reaktionären Frankreichs führte schon 1810 zu einer expliziten Abtreibungsgesetzgebung, gut sechzig Jahre, bevor dies im Deutschen Reich durch den § 218 geregelt wurde. In der Folge des ersten Weltkrieges wurde dann 1920 die Gesetzgebung verschärft – schließlich sollten die Gefallenen des Weltkrieges möglichst schnell ersetzt werden. Und so wurde nicht nur Abtreibung zu einem Verbrechen erklärt, sondern selbst der Verkauf von Verhütungsmitteln und die Aufklärung über Empfängnisverhütung unter Strafe gestellt.

1923 wurde das Gesetz dahingehend geändert, daß Abtreibung nun nicht mehr als Verbrechen, sondern nur als Delikt angesehen wurde. Diese scheinbare Entschärfung des Gesetzes war allerdings keineswegs menschenfreundlich: Sie diente dazu, die Rate der Verurteilungen hochzusetzen. Als Verbrechen hatte die Abtreibung vor einem Schwurgericht verhandelt werden müssen und die Geschworenen neigten notorisch dazu, mildernde Umstände gelten zu lassen. Indem die Abtreibung zum Delikt heruntergestuft wurde, entfiel die Verhandlung vor Geschworenen, die Zahl der Verurteilungen schnellte nach oben.

Doch es kam noch schlimmer: Ähnlich wie in Deutschland unter den Nazis erklärte 1942 die Vichy-Regierung Abtreibung zu einem Staatsverbrechen, auf das die Todesstrafe stand. 1943 wurde deshalb Marie-Louise Giraud auf die Guillotine geschickt. Nach der Befreiung Frankreichs wurde dieses Gesetz zurückgenommen, aber die Gesetze von 1920 und 1923 blieben bestehen.

Dagegen wandte sich der 1957 gegründete Verein Maternité heureuse (glückliche Mutterschaft), der dann 1960 im Mouvement français pour le planning familial (Französische Bewegung für die Familienplanung) aufging. Diese Organisation importierte illegal Diaphragmen und Spermizide aus Großbritannien, später auch die Pille aus den USA. In den lokalen Zentren des Vereins wurden die Verhütungsmittel vertrieben und die Frauen in ihrem Gebrauch unterwiesen.

1967 wurde wenigstens das Verbot von Verhütungsmitteln aufgehoben, wenn auch die Werbung dafür verboten blieb. Allerdings vergingen noch einmal fünf Jahre zwischen der Verabschiedung des Gesetzes bis zu dessen Rechtsgültigkeit. Doch wie in der Bundesrepublik Deutschland beeinflußte der Kampf gegen die Abtreibungsgesetzgebung die Anfänge der zweiten Frauenbewegung zunächst einmal nicht. Diese entwickelte sich vielmehr aus den antiautoritären Bewegungen heraus.

Der Mai 1968, der Frankreich stärker erschütterte als alles, was sich im Rahmen der antiautoritären Bewegungen in der Bundesrepublik ereignete, führte merkwürdigerweise nicht dazu, daß öffentlich sichtbare Frauenorganisationen entstanden. Eine Organisation wie den Aktionsrat zur Befreiung der Frauen sucht man im Frankreich der Jahre 1968 und 1969 vergebens. Das heißt nicht, daß es nicht kleinere Zirkel gab. Zum einen gab es die Gruppe féminin, masculin, avenir (FMA – weiblich, männlich, Zukunft). Diese war mit der Frauenorganisation der Sozialistischen Partei verbunden und organisierte auch schon vor dem Mai 1968 Treffen, bei denen das Verhältnis zwischen den Geschlechtern thematisiert wurde. Mehr als ein Dutzend Personen beiderlei Geschlechts nahmen an diesen Treffen allerdings nicht teil. Als dann im Rahmen der Maiunruhen die Sorbonne besetzt wurde, ging die FMA erstmals an die Öffentlichkeit:

„Spontan entschloss man sich, für den 4. Juni 1968 eine Debatte zum Thema »Frauen in der Revolution« in einem der Hörsäle der Sorbonne zu organisieren. Im Anschluss an die gut besuchte Veranstaltung erhielt die FMA regen Zulauf.“ ([1], S. 99f)

Natürlich fiel der FMA das Offensichtliche auf. Das Verhalten der Männer in der Revolte unterschied sich, bei aller behaupteten Progressivität, nicht von dem der Gesamtgesellschaft. Männer führten das große Wort, die Frauen wurden in eine reine Statistinnenrolle gedrängt. Und so stellte FMA in einem Flugblatt vom Sommer 1968 zurecht die Frage:

„Student, Arbeiter, auch wenn Du alles und jedes hinterfragst [...], hast Du daran gedacht, die Beziehung zwischen Mann und Frau infrage zu stellen?“ (zit. nach [1], S. 100)

Offensichtlich nicht. Und genau so offensichtlich gedachten die Männer auch nicht, in Zukunft daran etwas zu ändern. Für die FDA hieß das, daß der Aufschwung der Gruppe nur von kurzer Dauer war:

„Die Mobilisierung von bis zu 40 Teilnehmern hielt jedoch nur kurzfristig an. Nach der Sommerpause des Jahres 1968, die für viele andere Aktionskomitees und Initiativen der Mai-Bewegung das Aus bedeutete, verblieben in diesem Kreis nur noch eine Handvoll Personen.“ ([1], S. 100)

Noch weniger öffentlich sichtbar war ein anderer Zirkel, der sich im Herbst 1968 gründete und der zunächst keinen Namen trug. Während die FMA, wie bereits der Name andeutete, zunächst eine gemischtgeschlechtliche Gruppe war, konstituierte sich der namenlose Zirkel als ein exklusives Frauentreffen. Anfangs handelte es sich um einen reinen Debattenzirkel, der sich in Privatwohnungen traf. Führende Gruppenmitglieder waren die Schriftstellerin Monique Wittig und die spätere Psychoanalytikerin Antoinette Fouque. Worüber wurde diskutiert? Fouque erinnert sich:

„Wir haben Marx, Freud, Lacan durchgearbeitet, über die Hysterie und die Widersprüchlichkeit der Sexualität gesprochen.“ (zit. nach [1], S. 100)

Das kam nicht von ungefähr: Fouque war zu dieser Zeit Lektorin beim Verlag Seuil und über ihre Arbeit mit Lacan und Derrida vertraut, 1969 begann sie eine Analyse bei Lacan.

Erst 1970 trat diese Gruppe in die Öffentlichkeit. Am 30. März riefen sie zu einer Frauenversammlung an der Universität Paris-Vincennes auf. Dieser Ort war nicht zufällig. Die erst im Herbst 1968 frisch gegründete Universität Vincennes war ein Brennpunkt linksradikaler Aktivitäten in der Folge des Mai 1968. Nicht nur die ganzen politischen Gruppen und Sekten waren stark vertreten und beherrschten die universitäre Öffentlichkeit. Auch das Lehrpersonal gehörte teilweise zur radikalen Avantgarde. Das Lehrpersonal schloß beispielsweise Hélène Cixous, Gilles Deleuze und Michel Foucault ein. Und, für die Gruppe um Wittig und Fouque ganz wichtig: Auch wenn Lacan selbst nicht dort lehrte (er war abgelehnt worden), war diese Universität eine Hauptbastion der lacanschen Variante der Psychoanalyse.

An dieser Universität fand also im Frühjahr 1970 die erste explizit von Frauen organisierte öffentliche Versammlung seit dem Juni 1968 statt:

„Der Einladung gefolgt sind etwa dreißig Frauen. Sie bereiten T-shirts, Banderolen und Anstecker für eine Demonstration vor. Als Erkennungszeichen wird das in der Biologie verwendete Symbol für das weibliche Geschlecht gewählt, ergänzt durch eine geballte Faust im Innern des Kreises.“ ([1], S. 102)

Die Demonstration fand dann wohl statt, fand aber offensichtlich keinerlei Echo in der französischen Öffentlichkeit:

„Wann die Demonstration in Vincennes schließlich stattgefunden hat, ist – trotz des großen Andrangs, den Antoinette Fouque in mehreren Interviews bestätigt – nicht mehr zu rekonstruieren. Die Akteurinnen bestätigen, dass in der Presse über das Ereignis nicht berichtet wurde.“ ([1], S. 102)

Allerdings kamen durch diesen Schritt in die Öffentlichkeit die Gruppe von Wittig und Fouque mit der FMA in Kontakt. Eine weitere Veranstaltung fand dann am 4. Juni statt. Im Aufruf wurden Männer explizit ausgeschlossen – was zu einer wüsten verbalen Auseinandersetzung mit den linksradikalen Sekten auf dem Campus führt. Diese wollten das Treffen „im Namen der Revolution“ verhindern (zit. nach [1], S. 102). Eine Polemik schloß sich an:

„»Seit wann müssen die Unterdrückten ihre Unterdrücker um die Erlaubnis zur Revolte bitten?« – »Wenn wir euch nicht unterstützen, ist eure Bewegung zum Scheitern verurteilt!« – »Nieder mit den Unterstützern. Wir wollen uns von unseren Unterstützern befreien!« – »Ihr seid ja alle unbefriedigt!« (»mal baisées«)“ ([1], S. 102)

Diese Auseinandersetzung führt dann zu einem der ersten veröffentlichten Dokumente der zweiten Frauenbewegung in Frankreich, dem Artikel „Contre le terrorisme mâle. La Révolution fera le ménage“ (Gegen den männlichen Terrorismus. Die Revolution wird aufräumen), der in der Zeitschrift L’Idiot international publiziert wurde, wo einige der Frauen bereits in der April-Nummer einen Artikel veröffentlich hatten.

Doch all dies hat keine größer Außenwirkung. Es fehlte das symbolische Ereignis, an dem sich der Protest kristallisieren konnte. Dieses symbolische Ereignis, das analog dem Tomatenwurf Sigrid Rügers in der BRD als symbolische Geburtsstunde der französischen Frauenbewegung gilt, fand dann am 26. August 1970 statt.

Freuen Sie sich also auf nächste Woche, wenn es heißt:

„Es gibt jemand Unbekannteren als den unbekannten Soldaten – seine Frau“

Nachweise

[1] Schulz, K., Der lange Atem der Provokation. Die Frauenbewegung in der Bundesrepublik und in Frankreich 1968–1976, Frankfurt a.M. / New York 2002 (http://www.hist.unibe.ch/unibe/philhist/hist/content/e267/e6141/e8165/datei/datei/schulz_provokation_ger.pdf).

Written by alterbolschewik

22. August 2014 at 16:03

Ein Zeitzeuginnenbericht (2)

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Der Kampf gegen den § 218 (7)

Was bisher geschah: Die Mutter des alten Bolschewiken berichtete, wie es um die Rolle der Frauen in der oberschwäbischen Provinz der 60er Jahren und 70er Jahre bestellt war. Heute wird dieser Bericht fortgesetzt.

„Die ersten Diskussionen um die Reform des § 218, des sogenannten Abtreibungsparagraphen begannen, auch in unserer katholischen Frauengruppe. So ganz allmählich merkte ich, dass meine Ansichten und Überzeugungen nicht der allgemeinen Lehrmeinung entsprachen. Meine erste Reaktion war, es solle doch erst einmal eine vernünftige Schwangerschaftsverhütung eingeführt werden, dann würde sich das Thema von selbst erledigen. Wenn eine Frau schon bei der Verhütung ein schlechtes Gewissen habe, würde sie sicherlich nicht leichtfertig eine Abtreibung vornehmen lassen. Es wollte nicht in meinen Kopf, warum eine Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs der Untergang des Abendlandes sein sollte. Damit ging doch kein Zwang zum Schwangerschaftsabbruch einher.

Ich weiß noch, dass zu Demonstrationen gegen die Reform des § 218 aufgerufen wurde. Da ich nie an einer teilgenommen habe, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, ob, wo und wie diese stattgefunden haben.

Nein, in diese verlogene, bigotte Welt möchte ich nicht mehr zurück. Alles was später kam war besser. Die Kämpfe im Privaten wie im Berufsleben, die ich ausfocht, brauchten Kraft und Nerven, dafür bekam ich mehr Freiheit und Unabhängigkeit. Auch die langsame Abwendung von der katholischen Kirche, die mit dem Verlust von durchaus guten Beziehung einher ging, war zwar schmerzlich, aber notwendig. Stück für Stück verlor ich meinen Kinderglauben.

Am 6. Juni 1971 wurde in der Zeitschrift Stern der legendäre Artikel „Wir haben abgetrieben“ veröffentlicht. Viel später stellte sich heraus, dass einige der Frauen schlichtweg gelogen und nie abgetrieben hatten. Dass sie das dennoch behaupteten, kann ich gut verstehen, denn eine unsägliche Diskussion war entbrannt. Es ging längst nicht mehr nur um die Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs, sondern auch um „die Pille“ und vor allem um das Selbstbestimmungsrecht der Frauen.

Wahrscheinlich meinem losen Mundwerk hatte ich es zu verdanken, dass ich zu einer Podiumsdisskusion über den § 218 eingeladen wurde. Wo diese Tagung stattfand, weiß ich nicht mehr. Es war jedenfalls noch vor der Veröffentlichung des Artikels im Stern. Auch der Veranstalter ist mir nicht mehr in Erinnerung. Bei der Fahrt dorthin saßen außer mir nur noch Männer im Auto, darunter auch ein Landtagsabgeordneter und ein Biologe. Wir waren repräsentativ für die Zusammensetzung der vollbesetzten Tagung. Experten (Expertinnen gab es keine, später wurde bei Diskussionen meist auch eine konservative Frau gefunden und präsentiert) äußerten sich stundenlang zu dem Thema. Sie wussten, mit Berufung auf ihr Fachgebiet, ganz genau, wie Frauen denken und fühlen. Was das Weibliche ausmacht, was gut und was schlecht ist, wo die ethischen Grenzen lagen usw. Mir wurde zum ersten Mal in voller Tragweite bewusst, was es bedeutete, eine Frau zu sein. Da saßen Männer, die vollkommen davon überzeugt waren, dass sie das Recht hätten, untereinander über Frauen zu beraten. Die progressiven Wohlmeinenden brachten mich dabei fast noch mehr auf die Palme als die ewig gestrigen Moralapostel.

Es war offensichtlich, dass hier etwas gewaltig schief lief. Wie konnte es sein, dass Männer auf einem Gebiet das große Wort führten, das doch in erster Linie die Frauen betraf? Warum waren drei Viertel der Anwesenden Männer?

Eine Aussprache sollte sich anschließen. In mir hatte sich ein unbändiger Zorn entwickelt. Zu meiner eigenen Überraschung stand ich am Rednerpult vor dem Mikrofon. Vor kalter Wut hatte ich keinerlei Hemmungen mehr angesichts der auf dem Podium sitzenden Kapazitäten. Was ich da zum Besten gab, weiß ich nicht mehr. Ich nehme an, es waren bissige Kommentare zum zuvor Gehörten. Ob ich Beifall bekam, ist mir auch nicht in Erinnerung, zumindest hat niemand gebuht. An was ich mich noch gut entsinne, sind die Frauen, die anschließend auf mich zu kamen. Wir standen in einer Gruppe zusammen, in seltener Eintracht.

Nie wurde mehr darüber geredet, was weiblich beziehungsweise männlich sei, als zu dieser Zeit – vor allem über das „Weibliche“. Alle alten Vorstellungen von Weiblichkeit lebten nochmals auf. Die mütterliche, selbstlose, gebärende, der Erde verbundene, die Familie zusammenhaltende, dem Manne den Rücken freihaltende Frau wurde beschworen. Gleichzeitig artikulierten sich die Proteste der Frauen immer schärfer. Viele von uns sahen und fühlten sich in diesen Vorstellungen nicht mehr gemeint.

Diese Diskussionen waren für mich ein Signal, nicht mehr den Mund zu halten, wenn Männer über mich hinweg Meinungen verbreiteten und Beschlüsse fassten, in der festen Überzeugung, ihre Privilegien zu Recht zu behaupten. Trotzdem war eine zunehmende Verunsicherung der Männer zu spüren. Die Proteste und Argumente der Frauen konnten von denkenden Männern nicht einfach zur Seite geschoben werden. Es war für mich eine unglaubliche Entdeckung, mit meinem bisher nicht artikulierten Unbehagen an den bestehenden Verhältnissen nicht allein zu stehen. Als einmal der Anfang gemacht war, den Blick auf die Ungerechtigkeiten zu richten, die uns Frauen betrafen, und diese zu benennen, gab es kein Zurück mehr. Wir wollten unsere, ich wollte meine uneingeschränkten Menschenrechte, mein Recht auf Selbstbestimmung in allen Bereichen meines Lebens haben.

Die Aufklärungsfilme, die Oswalt Kolle zwischen 1968 und 1972 drehte, bewirkten, zusammen mit seinen Publikationen, dass auch in unserem verklemmten Oberschwaben über Sexualität offener gesprochen wurde. Ich kann mich noch gut an ein Gespräch in privater Runde erinnern, in dem ein Mann im Brustton der Überzeugung verkündete, dass Frauen ganz anders seien als Männer und kein Interesse an Sex hätten. Es war ein Moment Stille im Raum, wir Frauen schauten uns an und sind dann in schallendes Gelächter ausgebrochen.

Der Schlachtruf „Mein Bauch gehört mir“ war eine Kampfansage, die über die Forderung nach der Reform des § 218 weit hinaus ging. Durch die Pille konnten Frauen viel leichter ein selbstbestimmtes Leben anstreben. Zunehmend spalteten sich die Frauen in zwei Lager. Die einen, die „weiblichen Frauen“, wurden von den meisten Männern sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen und mit Zustimmung bedachte. Die anderen waren „Emanzen“, was durchaus als Schimpfwort gemeint war und als letztes Totschlagargument benutzt wurde. Die Männer, die sich an ihre Privilegien klammerten, und auch die Frauen, die sich mit der bestehenden Ordnung einverstanden erklärten, reagierten mit unverhohlener Aggression. Exemplarisch wurde das deutlich an den Beleidigungen und der Häme, mit der Alice Schwarzer überschüttet wurde.

Leider weiß ich nicht, wie es heute den jungen Frauen geht, wenn sie sich im Beruf und privat behaupten müssen. Wie sie mit der Doppelbelastung von Familie und Beruf umgehen. Wie es für sie ist, auf eine Beziehung nicht bauen zu können und trotzdem Kinder zu haben, oder sich dagegen zu entscheiden. Sicher gibt es, wie in jedem Leben, ein Auf und Ab. Ein sich Verlieren und wieder Finden und erneutes Scheitern. Aber es ist eine Geschichte, für die die Frauen selber die Verantwortung übernehmen müssen. Sie haben die Möglichkeiten es zu tun.“

Damit schließt dieser Erfahrungsbericht aus gar nicht so lang vergangenen Zeiten. Nächste Woche blicken wir kurz über den Rhein nach Frankreich, wo sich eine ähnliche Entwicklung vollzog wie in der Bundesrepublik Deutschland. Freuen Sie sich also darauf, daß im Anschluß an den Pariser Mai 1968 ein Flugblatt verteilt wurde, in dem es hieß:

„Studentin, Arbeiterin, auch wenn Du auf den Barrikaden gestanden hast, zähltest Du während der Proteste jemals zu den führenden Persönlichkeiten? Auch wenn Du an vielen Diskussionen teilgenommen hast, warst Du jemals in der Lage, Deine Bedürfnisse wirklich zu formulieren?“ (zit. nach [1], S. 99)

Nachweise

[1] Schulz, K., Der lange Atem der Provokation. Die Frauenbewegung in der Bundesrepublik und in Frankreich 1968–1976, Frankfurt a.M. / New York 2002 (http://www.hist.unibe.ch/unibe/philhist/hist/content/e267/e6141/e8165/datei/datei/schulz_provokation_ger.pdf).

Written by alterbolschewik

15. August 2014 at 12:00

Veröffentlicht in Feminismus, Paragraph 218

Ein Zeitzeuginnenbericht (1)

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Der Kampf gegen den § 218 (6)

Was bisher geschah: Ab 1969 brach eine vehemente gesellschaftliche Debatte über den § 218 aus. Außerparlamentarische Gruppen wie die Humanistische Union forderten anläßlich der aktuellen Strafrechtsreform die Abschaffung des Paragraphen. Diese Forderung wurde dann von der Frauenaktion 70 aufgegriffen, erreichte eine größere Öffentlichkeit und führte auch zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Regierungspartei SPD. Ich habe nun meine Mutter gebeten, sie möge doch bitte aufschreiben, wie sie die damalige Zeit erlebt hat. Dieser Bericht wird in zwei Teilen, heute und nächste Woche, hier zu lesen sein.

„Wenn ich hier über die Zeit berichte, in der wir Frauen in Deutschland begannen, uns zu Wort zu melden, auch wenn wir zunächst nicht gehört wurden, so kann ich das nur aus meinem persönlichen Erleben heraus. Unsere Lebensumstände waren und sind geprägt durch die Familien, aus denen wir stammen, durch Weltanschauungen, den Bildungs- und Berufsfeldern, der Region, in der wir leben, und dem Lebensalter, in dem wir uns gerade befinden. Dies galt in besonderem Maße für uns Frauen. Im viel zitierten Grundgesetz vom 23. Mai 1949 steht zwar:

„Männer und Frauen sind gleichberechigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitung bestehender Nachteile hin.“

Doch im täglichen Leben gab es für Frauen viele Ein- und Beschränkungen.

Anfang der 1970er Jahre begannen die Diskussionen um die Reform des § 218, des sogenannten Abtreibungsparagraphen. Diese waren für mich der Beginn, mich in meinem privaten Umfeld und in kleinem Umfang auch öffentlich, mit meiner eigenen Meinung dazu zu äußern.

Um meine Entwicklung besser zu verstehen, sind einige Hintergrundinfomationen notwendig. Ich lebte und lebe auch heute noch im katholischen Oberschwaben. Meine Eltern zogen nach ihrer Heirat 1937 vom Niederrhein in den Süden. Mein Vater fand in einer der großen Fabriken am Bodensee Arbeit. Diese produzierte später für die Kriegsrüstung. 1942 kam ich am Bodensee zur Welt. In unserer Familie wurden meine Geschwister und ich ganz selbstverständlich katholisch erzogen. Von der Geburt bis zum Tode war man eingebettet in die Rituale und Moralvorstellungen der katholischen Kirche. Zunächst fühlte ich mich darin auch wohl und geborgen, weil ich nichts anderes kannte. Die Enge und Bevormundung wurden mir erst viel später bewusst.

Gleichzeitig sah ich mit Staunen, wie viel Glück ich hatte, in einer intakten Familie aufzuwachsen. Unsere Eltern verstanden sich gut. Wir Kinder standen im Mittelpunkt der Familie. Dies ging bestimmt zum Teil auf die religiöse Einstellung unserer Eltern. zurück. Auch ein weiterer Aspekt wurde mir sehr spät klar. Ein Protest gegen die Nazivergangenheit der Eltern fiel bei mir aus. In der ganzen Familie (vor allem mütterlicherseits, denn mein Vater hatte nur noch eine Schwester) war niemand auch nur NSDAP-Mitglied. Als der Druck, in die Partei einzutreten, auch auf kleine Beamte zu groß wurde, ließ sich mein Großvater mit etwas über 50 Jahren pensionieren. Wie er das gemacht hat, ist mir ein Rätsel. Er wurde über 80 Jahre alt. Sicherlich war er kein Widerstandskämpfer, aber er hatte seine Prinzipien. Zu denen gehörte, dass er sich in den ganzen Jahren der Naziherrschaft weigerte, bei den zahlreichen Anlässen, bei denen zur Beflaggung der Häuser aufgerufen wurde, eine Fahne zu hissen. Meine niederrheinische Familie war einfach zu katholisch, um nationalsozialistisch zu sein.

Katholisch ist anscheinend nicht gleich katholisch. Nach einem Bombenangriff wurden wir nach Oberschwaben evakuiert. Unsere Wohnung am See konnte nicht mehr bewohnt werden. Der oberschwäbische Katholizismus ließ sich, anders als der rheinische, in vielen Fällen gut mit der Naziidelogie verbinden. Hier schloss das eine das andere nicht aus.

Mein Vater war nie Soldat. Zum einen war er kurzsichtig, zum anderen waren wegen eines Betriebsunfalls zwei Finger der linken Hand ab den mittleren Fingergelenken amputiert. Das und seine Arbeit in einem Rüstungsbetrieb bewahrten ihn vor dem Kriegseinsatz und möglicher Gefangenschaft. Dies war ihm Zeit seines Lebens immer etwas peinlich. Uns Kindern aber blieb ein traumatisierter Vater erspart.

Die Studentenproteste ab dem Jahr 1968 hatten mit meiner Lebenswirklichkeit nichts zu tun. Ich war 26 Jahre alt, berufstätig, verheiratet und Mutter eines vierjährigen Kindes. Dies unter einen Hut zu bekommen, brauchte all meine Kräfte. Mein Mann war von Beginn seiner Berufsausbildung an in der Gewerkschaft IG Metall aktiv. Arbeitskollegen überredeten ihn, in eine katholische Laienbewegung für Männer einzutreten. Diese bildete die Männer vor allem in Rhetorik weiter. Die Idee war, die Männer zu befähigen, sich in ihrem Umfeld im Sinne der katholischen Soziallehre einzubringen. Zu Beginn der 70er Jahre gab es auch eine Frauengemeinschaft dieser Organisation, zu der ich dann gehörte. Auch hier redeten wir über Probleme des Glaubens, der Kirche und der Zeit.

Es fällt mir schwer, mich noch einmal in diese Zeit zurückzuversetzen. In meiner oberschwäbischen Kleinstadt herrschten, zumindest an der Oberfläche, die moralischen Vorstellung der katholischen Kirche. Doch das war eben nur die Oberfläche. Eine ganze Gesellschaft vertrat nach außen hin Wertvorstellungen, die im Innern nicht gelebt wurden. Der berühmte Kuppeleiparagraph hatte noch seine Gültigkeit. Er führte dazu, daß Paare nur eine Wohnung bekommen konnten, wenn sie den Trauschein vorlegten. Wenn man zusammen leben wollte, blieb einem nur, früh zu heiraten. Geschlechtsverkehr vor der Ehe sollte es nicht geben, er wurde verheimlicht. Mit der Verhütung ging es oft schief (oder wurde gar keine angewandt?). Kam es zu einer Schwangerschaft, wurde geheiratet. Trotzdem wurden solche erzwungenen Heiraten als Schande für die ganze Familie angesehen. Diese wurde nur noch übertroffen von der, ein „sitzengelassenenes“ Mädchen zu sein, das ein „lediges Kind“ zur Welt brachte (als ob Kinder verheiratet zur Welt kommen könnten).

Heirat war natürlich keine Lösung für das Problem der Verhütung. Die von der katholischen Kirche bis heute propagierten Methoden verhalfen autoritätsgläubigen Katholiken zu überproportional vielen Kindern. Alle andern hielten sich nicht daran und schwiegen. Schon meine Großmutter, eine sehr gläubige Frau, war der Meinung, die Kirchenmänner verstünden nichts von den Problemen der Familien und hier insbesondere der Frauen. Unverheiratete Frauen, die bis ins hohe Alter als Fräulein angesprochen wurden, bezeichnete man herablassend als alte Jungfern. Allein aufgrund einer Scheidung wurden Frauen als moralisch zweifelhaft angesehen.

Wir Frauen waren in keiner Weise gleichberechtigt. Um über ein gemeinsames Bankkonto verfügen zu können, musste mir mein Mann eine Verfügungsberechtigung ausstellen, die er jederzeit hätte widerrufen können. Dies, obwohl auch mein Gehalt auf dieses Konto überwiesen wurde. Viele Frauen wussten nicht, was ihre Männer verdienten. Sie bekamen Haushaltsgeld und wurden über die Finanzsituation der Familie im Unklaren gelassen. Kinder schränkten die Möglichkeiten zur Berufstätigkeit der Frauen ein. Eine öffentliche Kinderbetreuung vor dem vollendeten 3. Lebensjahr des Kindes gab es nicht. Die Kindergarten- und Schulzeiten und die Arbeitszeiten in den Betrieben stimmten nicht überein.

Hinzu kam, daß die Schul- und Berufsausbildung der Mädchen in der Regel dürftig waren. Acht Jahre Volksschule genügten. Es lohnte sich nicht, viel zu investieren, da angenommen wurde, daß sie sowieso heirateten und Kinder bekommen würden. Aus der Klasse meiner älteren Schwester, geboren 1939, erlernten nur drei oder vier von über 60 Mädchen einen Beruf. Die Fabriken stellten die ungelernten Arbeiterinnnen ein und zahlten ihnen für die damaligen Verhältnisse einen guten Lohn. Mit diesem konnten sie die Aussteuer, die jedes anständige Mädchen haben musste, verdienen. Eine gelernte Verkäuferin verdiente deutlich weniger.

Meinen ersten Teilzeitarbeitsvertrag bekam ich 1968. Mit der Teilzeitarbeit wurden ausschließlich Frauen für den Arbeitsmarkt mobilisiert. Die Möglichkeit der gleitenden Arbeitszeit habe ich nicht mehr erlebt. Ich musste morgens immer zur gleichen Zeit erscheinen, ganz gleich, wie die Situation zu Hause war. Nur wenn es sich für die Firma vorteilhafter auswirkte, konnte meine Arbeit durchaus auch auf den Abend verlegt werden.“

Freuen Sie sich auf nächste Woche, wenn die Mutter des alten Bolschewiken weiter berichtet:

„Mir wurde zum ersten Mal in voller Tragweite bewusst, was es bedeutet, eine Frau zu sein. Da saßen Männer, vollkommen überzeugt, dass sie das Recht hätten, untereinander über Frauen zu beraten.“

Nachweise

Written by alterbolschewik

8. August 2014 at 15:34

Veröffentlicht in Feminismus, Paragraph 218

Die Debatte zieht Kreise

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Der Kampf gegen den § 218 (5)

„Die Forderung, den Paragraphen 218 völlig zu streichen, akzeptiere ich nicht.“

Bundesjustizminister Jahn (SPD), 1971

Was bisher geschah: In der letzten Folge hatten wir uns angesehen, wie die katholische Kirche darauf reagierte, daß sich immer mehr Frauen gegen ihre patriarchalische Bevormundung auflehnten. Geschickt gelang es ihr, von der eigentlichen Frage nach dem Selbstbestimmungsrecht der Frauen abzulenken und eine Pseudodebatte über den angeblichen Beginn des menschlichen Lebens anzuzuzetteln.

Kehren wir zurück zur Frauenaktion 70, die in Frankfurt mit ihrem Teach-In, der öffentlichen Demonstration und der Unterschriftensammlung Furore machte. Die Wirkung dieser Aktionen blieb nicht auf Frankfurt beschränkt. Auch überregionale Medien berichteten: Praktisch alle Rundfunkanstalten der ARD, auch der Bayerische Rundfunk sendeten Beiträge, bundesweite Zeitungen wie Frankfurter Allgemeine, Frankfurter Rundschau, Welt, BILD und Bild-am-Sonntag veröffentlichten Artikel und selbst Zeitschriften wie die St. Pauli Nachrichten oder die Neue Revue fanden diese Aktionen der Berichterstattung wert.

Es kann also keine Rede davon sein, wie Alice Schwarzer später unterstellte, daß es sich bei der Frauenaktion 70 um „ein Häuflein Frauen“ gehandelt habe, die „tapfer und allein gegen den §218 protestiert hatten“ und – so wird suggeriert – nur darauf gewartet hatten, sich der großen Alice anschließen zu können ([4]). Die Frauenaktion 70 war im Gegenteil äußerst erfolgreich darin, das Thema Abtreibung in die Öffentlichkeit zu tragen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Nur weil die Frauenaktion 70 die Öffentlichkeit bereits sensibilisiert und der Stern einen ganzseitigen Artikel über ihre Aktionen veröffentlicht hatte ([3], S. 79), konnte Alice Schwarzer dann später mit ihren Vorschlägen bei dieser Zeitschrift offene Türen einrennen.

Die Aktionen blieben dann auch nicht auf Frankfurt beschränkt. Rasch breitete sich die Bewegung aus. Vermittelt über die Humanistische Union wurde im November 1970 in weiteren Großstädten der BRD die Frankfurter Vorgehensweise kopiert:

„Der Information dienten zunächst drei Podiumsdiskussionen in Köln, Dortmund und Essen, bei denen vor zahlreichen Teilnehmern Juristen, Mediziner, Soziologen und Moraltheologen miteinander debattierten.
Außerdem wurden in Köln, Essen, Dortmund und Düsseldorf Straßenaktionen gemacht, bei denen Informationsmaterial verteilt und zur Unterschrift unter einen Offenen Brief an den Bundesjustizminister Gerhard Jahn aufgefordert wurde. Insgesamt wurden 90.000 Flugblätter ausgegeben. Bei den angesprochenen Passanten stießen die Aktivisten überwiegend auf Zustimmung. Ablehnung (und Beschimpfungen) waren sehr selten, sie kam vorallem aus katholischen Bevölkerungskreisen.“ ([5])

Die Zustimmung zu den Forderungen kam nicht unerwartet. Bereits ein Jahr zuvor hatte die Universität Mannheim eine großangelegte Studie zu Deutschlands Eliten durchgeführt und dabei auch deren moralische Einstellung in sexuellen Fragen abgefragt. Das Ergebnis war recht eindeutig (wohl vor allem, weil sich Mitglieder des katholischen Klerus rundweg geweigert hatten, an der Befragung teilzunehmen):

„64 Prozent billigen jeder Frau, entgegen dem Abtreibungsparagraphen 218 StGB, das Recht auf Schwangerschaftsunterbrechung zu;
66 Prozent sind nicht der Ansicht, daß ein Mädchen, »das etwas auf sich hält … auch heute noch unberührt in die Ehe gehen« solle;
75 Prozent wünschen, daß Homosexualität zwischen Erwachsenen (Paragraph 175 StGB) nicht bestraft wird; und
80 Prozent gar glauben, daß sich mit dem Wandel der Gesellschaft zwangsläufig auch die gesellschaftliche Moral wandle.“ ([1], S. 73)

Ausnahmen machten in diesen Fragen nur bestimmte Berufsgruppen:

„Hüter überkommener Moralprinzipien dominieren (beim Stichwort Abtreibung) unter den evangelischen Kirchenfürsten, den Funktionären der Berufsverbände und den Vorsitzenden der Bundestagsausschüsse. Intakte Bräute hingegen halten nur noch die Spitzenprotestanten (79 Prozent) für wichtig.“ ([1], S. 73)

Der katholische Klerus hatte, wie gesagt, die Auskunft verweigert, sonst stünden die Protestanten nicht ganz so einsam da.

Und auch sonst rumorte es allerorten. Die oben erwähnten Aktionen in Nordrhein-Westfalen wurden nicht nur von der Humanistischen Union getragen. Mit im Boot waren auch die Jungsozialisten und die Jungen Liberalen. Auf dem Bundeskongreß der Jusos, der im Dezember 1969 in Bremen stattfand, sprachen sich die Jusos für die Abschaffung des § 218 aus. In einem Spiegel-Interview erklärte der auf dem Kongreß neu gewählte Vorsitzende der Jusos, Karsten Voigt:

„Die Frage Abtreibung ist eine Frage der Selbstbestimmung der Frauen über ihren Körper und steht so im Zusammenhang mit der Selbstbestimmung des Menschen.“ ([6], S. 33)

Vorbereitet worden war diese Linie bereits einige Monate zuvor, während der Bundesfrauenkonferenz am 23. Oktober, als sich die Arbeitsgemeinschaft der Frauen in der SPD in Nürnberg traf. Dort hatte gleich zur Eröffnung die Frankfurter Juso-Vorsitzende Dorothée Vorbeck gefragt:

„Sollen wir weiter in der Ecke des still geduldeten Frauenkränzchens verharren? Wir müssen endlich die gesellschaftlichen Zusammenhänge der Unterprivilegierung der Frau auch im Parteisystem erkennen.“ (zit. nach [2], S. 117)

In der Folge kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den jungen, linken Frauen und dem weiblichen Establishment in der Partei, das von Annemarie Renger angeführt wurde. Nachdem die Rebellinnen am ersten Tag der Konferenz eine Abstimmungsniederlage erlitten hatten, als sie die Geschäftsordnung demokratisieren wollten, zogen sich ungefähr 40 Frauen – immerhin rund ein Viertel der Delegierten – aus dem Hauptprogramm zurück und diskutierten in einem eigenen Raum über Fragen der Emazipation. Heraus kam dabei ein Resolutionsentwurf, den sie vervielfältigen und diskutieren wollten. Das Parteiestablischment verhielt sich autoritär, hatte aber nicht mit der Basis gerechnet:

„Hausherrin Annemarie Renger […] verbot ihnen die Benutzung der Hektographier-Maschine mit dem Argument: »Euch gibt es gar nicht, und was es nicht gibt, kann man auch nicht abziehen« […].
Mit Hilfe eines Nürnberger Hoteliers gelang es dem linken Zirkel dann doch, seine Diskussions-Ergebnisse zu vervielfältigen. Und die Delegierten – zumeist über 50 Jahre alt – votierten am letzten Tag sogar mit 84 zu 80 Stimmen dafür, im Plenum über das Minderheiten-Papier zu diskutieren.“ ([2], S. 118)

Noch verblüffender war, daß sich die Minderheit am Ende mit einem Resolutionsentwurf zum Paragraphen 218 gegen die Parteilinie durchsetzen konnte:

„Entgegen dem Vorschlag der Antragskommission votierten die Delegierten für den schärfsten Resolutionsentwurf zur Schwangerschaftsunterbrechung: Auf Kosten der Krankenkassen soll jede Frau berechtigt sein, »ihre Schwangerschaft in einer staatlich anerkannten Frauenklinik oder durch einen fachlich vorgebildeten Arzt unterbrechen zu lassen«. Der Abtreibungs-Paragraph 218 des Strafgesetzbuches solle ersatzlos gestrichen werden.“ ([2], S. 118)

Mit anderen Worten: Schon im Jahr 1970 hatte die Diskussion um die Abschaffung des § 218 weite gesellschaftliche Kreise erreicht und wurde breit diskutiert. Von einem Häuflein Frauen, die sich ganz allein tapfer gegen den gesellschaftlichen Mainstream stellten, konnte also nicht die Rede sein. Gerade in der Frage des § 218 war sich die Mehrheit der Frauen in der BRD ziemlich darin einig, daß dieser ihrem grundgesetzlich garantierten Selbstbestimmungsrecht massiv widersprach.

Freuen Sie sich deshalb auf nächste Woche, wenn eine Zeitzeugin und Gastautorin in diesem Blog erklären wird:

„Die Studentenproteste ab dem Jahr 1968 hatten mit meiner Lebenswirklichkeit nichts zu tun. Ich war 26 Jahre alt, berufstätig, verheiratet und Mutter eines vierjährigen Kindes. Dies unter einen Hut zu bekommen, brauchte all meine Kräfte.“

Nachweise

[1] Redaktioneller Beitrag, „Fragen an Uschi“, in: Der Spiegel, Jg.23 (1969), Nr.18 (28. April 1969), S.66 – 81 (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45589675.html).

[2] Redaktioneller Beitrag, „Loch im Strumpf“, in: Der Spiegel, Jg.24 (1970), Nr.45 (2. November 1970), S.116 – 118 (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44303087.html).

[3] Scheunemann, R. & Scheunemann, K.: „Die Kampagne der ‘Frauenaktion 70′ gegen den § 218“, in: Grossmann, H. (Hg.), Bürgerinitiativen. Schritte zur Veränderung?, Frankfurt a.M. 1973 (3. Aufl.), S. 68 – 84.

[4] Schwarzer, A., „Mein persönliches 68“, in: Emma, Jg.32 (2008) (http://www.emma.de/artikel/alice-schwarzer-mein-persoenliches-68-263763).

[5] vg, „Neue Straßenaktion gegen den Abtreibungsparagraphen“, in: Vorgänge, Jg.9 (1970), Nr.12 (Dezember 1970), S.345.

[6] Voigt, K., „Wir wollen nicht wild herumfuchteln“, in: Der Spiegel, Jg.24 (1970), Nr.52 (21. Dezember 1970), S.31 – 34 (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43801016.html).

Der große Bluff

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Der Kampf gegen den § 218 (4)

„Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz vestößt.“

Artikel 2 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland

Was bisher geschah: Mit Unterstützung der Frankfurter Ortsgruppe der Humanistischen Union entstand 1970 die Frauenaktion 70, die die ein Jahr zuvor begonnene Kampagne der Humanistischen Union gegen den § 218 fortsetzt. Mit ihren Aktionen erreichte die Frauenaktion 70 eine breite Öffentlichkeit – was wiederum bei den christlichen Kirchen, besonders der katholischen, zu panischen Reaktionen führte.

Es ist ganz erstaunlich, mit welcher Dreistigkeit sich die Katholische Kirche nach 1945 in die selbstgerechte Pose einer moralische Autorität warf. Eigentlich hätte sie angesichts ihres Versagens während des nationalsozialistischen Regimes in Sack und Asche gehen müssen. Doch stattdessen schrieb man sich den Widerstand einzelner Katholiken, Priestern wie Laien, die oft genug von ihrer eigenen Kirche im Stich gelassen worden waren, auf die Fahne, während man die institutionelle Kollaboration unter den Teppich kehrte. Und das funktionierte erstaunlich gut. Im Adenauer-Deutschland verfügte die katholische Kirche wieder über eine politische Machtposition, die sie durch die Zustimmung der Zentrumspartei zu Hitlers Ermächtigungsgesetz und dem Reichskonkordat freiwillig aufgegeben hatte.

Doch von den antiautoritären Bewegungen, die sich in den 60er Jahren entwickelten, fühlte sich die katholische Kirche in ihrer in der Nachkriegszeit wiedergewonnen politischen Autorität zusehends bedroht. Und das zurecht. Denn auch wenn der Katholizismus politisch wieder ganz gut im Sattel saß, blieb seinen Ideologen nicht verborgen, daß ihm die Menschen auf der vorpolitischen Ebene des Alltags allmählich entglitten. Und die Kirche wußte sehr gut, daß ihre politische Macht darauf beruhte, auch und vor allem das Alltagsleben ihrer Schäfchen fest im Griff zu haben. Wenn sie diesen Zugriff verlöre, wäre es auf die Dauer mit der Macht und Herrlichkeit der katholischen Kirche nicht mehr weit her.

Es ist deshalb kein Wunder, daß die Kirche sich beharrlich dagegen sträubte, den ideologischen Würgegriff zu lockern, mit dem sie den intimsten Bereich des individuellen Lebens umklammert hielt: Die Sexualität. Doch gerade in diesem Bereich begann ihr die Jugend in den 60er Jahren zu entgleiten. Schon die Antibaby-Pille, die in der BRD seit 1961 verkauft wurde, war ein schwerer Schlag. Mit der Angst vor ungewollter Schwangerschaft war es vorbei – was natürlich für die Kopplung von Sexualität und bürgerlicher Familie, auf die sich der katholische Konservatismus stützte, verheerend war. Damit geriet eine seiner wichtigsten Bastionen unter massiven Beschuß. Mit der Forderung, den § 218 abzuschaffen, wurde in diesem Kampf eine zweite Front eröffnet.

Bei diesen ganzen Diskussionen ging es natürlich primär um Macht. Auf der einen Seite standen die Frauen, die ein Selbstbestimmungsrecht für sich, ihre Körper, ihr Leben einforderten; und auf der anderen Seite die patriarchale Institution der katholischen Kirche, die sich mit Zähnen und Klauen dagegen wehrte, den Frauen dieses Recht zuzugestehen. Das Problem war nur, daß die Kirche nicht mehr einfach die Heilige Inquisition ausschicken konnte, um die unbotmäßigen Frauen wieder unter ihre Fuchtel zu bekommen. Statt einfach Machtworte aussprechen zu können, mußte sie sich der gesellschaftlichen Diskussion stellen.

Damit stand die Kirche allerdings vor einem Problem. Denn wenn sie den eigentlichen Konflikt thematisiert hätte, nämlich den zwischen ihren patriarchal-autoritären Ordnungsvorstellungen auf der einen Seite und dem Recht der Frauen auf ein selbstbestimmtes Leben auf der anderen Seite, hätte sie in einer pluralistischen Gesellschaft ganz schnell ganz alt ausgesehen. Nun verfügt die katholische Kirche natürlich über Jahrhunderte der Erfahrung in ideologischen Auseinandersetzungen. Und sie wußte genau, daß sie nur verlieren konnte, wenn sie den eigentlichen Konflikt thematisierte, um den es in der ganzen Auseinandersetzung um Verhütung und Abtreibung ging. Und so kommt es, daß gerade in den kirchlichen Schriften über den § 218 genau diese eine Frage immer geschickt umgangen wird, nämlich die nach dem Selbstbestimmungsrecht der Frauen.

Stattdessen wurde, propagandistisch gekonnt, die ganze Diskussion auf ein Nebengleis abgeschoben, wo dann absurde scholastische Auseinandersetzungen geführt wurden, die mit der eigentlichen Frage nichts zu tun hatten. Es wurde eben nicht über die Stellung der Frauen in der Gesellschaft gesprochen und darüber, wie die absurden katholischen Vorstellungen über Sexualität dazu dienten, diese in einer subalternen Rolle als Hausfrau und Mutter zu halten. Stattdessen wurde darüber diskutiert, wann menschliches Leben beginne. Denn mit jesuitischer Spitzfindigkeit wurde ein einfacher Syllogismus vorgetragen: Zum einen sei die Tötung von Menschen in zivilisierten Gesellschaften geächtet. Der im Mutterleib heranwachsende Embryo sei aber ein Mensch. Daraus ergebe sich zwangsläufig der Schluß, daß der Abbruch einer Schwangerschaft die Tötung eines Menschen darstelle, weswegen sie geächtet gehöre.

Und man muß das Geschick der katholischen Kirche bewundern, genau diesen Syllogismus als unhinterfragebare Grundlage der Diskussion über den § 218 etabliert zu haben. Die ganzen Diskussionen in den Hearings und Enquete-Kommissionen drehten sich dann nur noch darum, ob das menschliche Leben mit der Verschmelzung von Eizelle und Spermium beginne, oder mit der Nidation der befruchteten Eizelle, oder dem Fortschritt der Zellteilung bis zu dem Punkt, wo keine Zwillinge mehr entstehen können oder der Ausbildung der ersten Hirnzellen… Und die katholische Kirche beharrte natürlich darauf, daß das menschliche Leben mit der Verschmelzung von Eizelle und Spermium beginne.

Natürlich war diese ganze Diskussion völlig absurd. Das Leben beginnt nicht mit der Verschmelzung von Eizelle und Spermium. Und auch nicht zu einem der anderen vorgeschlagenen Zeitpunkte. Es beginnt überhaupt nicht. Schon die Eizelle und das Spermium sind lebende Zellen. Das Ganze ist einfach ein kontinuierlicher Prozeß, in dem die andauernd im lebenden Organismus vor sich gehende Entstehung neuer Zellen so gesteuert wird, daß dabei ein Organismus entsteht, der sich irgendwann von dem erzeugenden Körper lösen kann, um eigenständig weiter zu existieren. Es gibt nirgendwo den Moment, vor dem kein Leben ist und nach dem auf einmal Leben da wäre.

Tatsächlich, und genau darin liegt die jesuitische Spitzfindigkeit in dieser Argumentation, meint die katholische Kirche aber gar nicht „Leben“, wenn sie von „Leben“ spricht, sondern meint eigentlich die „Seele“. Denn ihre reichlich absurde Doktrin, der zufolge jeder Mensch eine unsterbliche, individuelle Seele habe, ist natürlich mit diesem evolutionären Entwicklungsgang logisch nicht vereinbar. Wenn jeder Mensch eine unsterbliche Seele besäße, dann müßte ihm diese irgendwann einmal eingepflanzt worden sein. Ich hatte bereits vor ein paar Wochen als Kuriosum erwähnt, daß die katholische Kirche bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts davon ausgegangen war, daß die Seele nach 40 Tagen in den Embryo hineinführe (bei weiblichen Embryonen etwas später).

Da man sich mit einer solchen Vorstellung angesichts des Fortschrittes naturwissenschaftlicher Erkenntnisse lächerlich machte, wurde 1869 diese Doktrin aufgegeben. Doch damit war das logische Problem, ab wann der Mensch eine Seele habe, nicht aus der Welt geschafft. Ob man jetzt sagte, das geschehe bei der Verschmelzung der Eizelle mit dem Spermium oder zu einem beliebigen anderen Zeitpunkt, ist völlig gleichgültig. Und diese individualgeschichtliche Absurdität potenziert sich noch, wenn man sie menschheitsgeschichtlich betrachtet. Allein die Vorstellung, daß Gott irgendwann beschlossen habe, daß er ab nächster Woche den Affen im Neandertal eine Seele spendieren werde, ist grotesk. Im einen wie im anderen Fall wird die Kontinuität der evolutionären Entwicklung willkürlich in ein Vorher und ein Nachher eingeteilt.

Es ist deshalb einfach ein Bluff, wenn das Kommissariat der deutschen Bischöfe in einer Stellungnahme schrieb:

„Die Mutter hat kein Verfügungsrecht über das werdende Leben. Zwar trägt sie es aus, das Leben im Mutterschoße ist aber nicht Teil des Körpers der Frau, sondern eigenständiges Leben. Sein Eigen- und Anderssein muß heute sowohl genetisch wie biologisch als wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis gelten.“ ([1], S. 82)

Das ist kompletter Unsinn, im Brustton der Überzeugung vorgetragen. Diese Behauptung, es handle sich um „wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis“, ist der erfolglose Versuch, die eigenen irrationalen religiösen Vorstellungen objektiv zu untermauern. Der Embryologe Professor Klaus V. Hinrichsen erklärte dann auch in einem Hearing des Bundestages:

„Die Diskussion über eine Änderung der strafrechtlichen Bestimmungen zum Schwangerschaftsabbruch ist vorzugsweise unter der Frage nach dem Beginn des Lebens oder nach dem Beginn des individuellen Lebens geführt worden. Der biologisch orientierte Mediziner kann diese Fragestellung nicht akzeptieren, handelt es sich doch vielmehr unter der zutreffenden Bezeichnung »Fortpflanzung« um die Übertragung menschlichen Lebens auf eine neue Generation. Biologisch reicht die Vorgeschichte des einzelnen Trägers dieses fortgepflanzten Lebens vor die Befruchtung zurück.“ (zit. nach [2], S. 51)

Gerhard Kraiker stellte deshalb auch zurecht fest:

„Mit der immer wieder von den Bischöfen betonten Übereinstimmung ihrer Auffassung mit den Erkenntnissen der »modernen Wissenschaft« versuchen sie, den Anspruch der Allgemeinverbindlichkeit über die Kirchengläubigen hinaus für ihre Anschaung zu behaupten. Kern ihrer Argumentation bleibt indes die nur dem Gläubigen nachzuvollziehende Annahme, daß der Mensch mit Beginn seines Lebens von Gott eine unsterbliche Seele erhalte.“ ([2], S. 51)

Während es also der Katholischen Kirche gelang, dem Gesetzgeber eine Scheindiskussion aufzuzwingen, ließen sich die Frauen von diesen angeblichen „sachorientierten“ und „objektiven“ Diskussionen nicht auf’s Glatteis führen. Ihnen war klar, daß es sich nicht um Fragen der Moral, sondern um Machtfragen handelte.

Freuen Sie sich deshalb auf nächste Woche, wenn die Frauenaktion 70 erklärt:

„Hat die Bischofskonferenz je etwas getan, um eine massenhafte Aufklärung der Bevölkerung über Antikonzeptiva zu fördern? Im Gegenteil. In den Kirchen liegen in Millionenauflage Traktate aus, die die Jugend nicht aufklären und zur Lust an der Sexualität ermuntern, sondern irrationale Schuldgefühle vermitteln.“ (zit. nach [3], S. 82)

Nachweise

[1] Kommissariat der deutschen Bischöfe: „Stellungnahme zum Schutze des werdenden Lebens“, in: Schroeder, F.-C. (Hg.), Abtreibung. Reform des § 218, Berlin 1972, S. 82 – 86.

[2] Kraiker, G., § 218. Zwei Schritte vorwärts, einen Schritt zurück, Frankfurt a.M. 1983.

[3] Scheunemann, R. & Scheunemann, K.: „Die Kampagne der ‘Frauenaktion 70′ gegen den § 218“, in: Grossmann, H. (Hg.), Bürgerinitiativen. Schritte zur Veränderung?, Frankfurt a.M. 1973 (3. Aufl.), S. 68 – 84.

Written by alterbolschewik

25. Juli 2014 at 16:50

Veröffentlicht in Feminismus, Paragraph 218

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Frauenaktion 70

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Der Kampf gegen den § 218 (3)

„Die gleichen Kirchen, deren höchste Vertreter einst Kanonen segneten und die fast ausnahmslos die Judenverfolgung erleichterten […], diese Kirchen sprechen von der Schutzbedürftigkeit des menschlichen Lebens angesichts von Zellverbänden.“

Renate Schürmann, Frauenaktion 70

Was bisher geschah: Nachdem in den ersten zwei Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg der § 218 aus der öffentlichen Diskussion verschwunden war, wurde Ende der 60er Jahre ein erneuter Anlauf unternommen, den Paragraphen abzuschaffen. Erstaunlicherweise wurde diese Kampagne aber weder von einer Frauenorganisation noch von der SPD unternommen. Erneut auf die Tagesordnung setzte diese Frage vielmehr die Humanistische Union. Ein offener Brief an die Abgeordneten des Bundestages und eine Unterschriftenkampagne bei Ärzten waren die ersten Aktionen.

Im Jahr 1970 nahm die Kampagne Fahrt auf, denn in Frankfurt wurde eine neue Frauengruppe gegründet, die Frauenaktion 70. Das war nicht die erste und auch nicht die einzige Frauengruppe in Frankfurt. Nach Helke Sanders Rede auf der 23. Delegiertenkonferenz des SDS im September 1968 hatte sich aus dem Frankfurter SDS heraus eine eigenständige Frauengruppe gebildet, der Frankfurter Weiberrat. Dieser wurde dann berühmt-berüchtigt ob seines „Rechenschaftsberichtes“, ein zweiseitiges Flugblatt, das auf der 24. Delegiertenkonferenz des SDS verteilt wurde. Darin hieß es:

„Wir machen das maul nicht auf!
wenn wir es doch aufmachen, kommt nichts raus!
wenn wir es auflassen, wird es uns gestopft: mit kleinbürgerlichen schwänzen, sozialistischem bumszwang, sozialistischen kindern, liebe, sozialistischer geworfenheit, schwulst, sozialistischer potenter geilheit, sozialistischem intellektuellem pathos, sozialistischen lebenshilfen, revolutionärem gefummel, sexualrevolutionären argumenten, gesamtgesellschaftlichem orgasmus, sozialistischem emanzipationsgeseich. GELABER!“

Das ganze schloß mit der legendären Parole:

Befreit die sozialistischen Eminenzen
von ihren bürgerlichen Schwänzen.

Was dann auch auf der anderen Seite des Flugblattes plakativ illustriert wurde. Doch dieser erste Weiberrat löste sich schnell wieder auf. Im Frühjahr 1970 wurde er wieder neu gegründet, tappte dann aber in die selbe Falle wie der Sozialistische Frauenbund Westberlin: Es wurde ein völlig abstraktes Schulungsprogramm entwickelt, das mehr vom linken Zeitgeist als von tatsächlichen Bedürfnissen geprägt wurde. Man las Lohn, Preis und Profit von Marx und fragte sich, was das denn eigentlich mit der eigenen Situation zu tun habe.

Anders die Frauenaktion 70, die sich eben nicht aus dem studentischen Milieu heraus entwickelte. Ausgangspunkt war hier der Ortsverband der Humanistischen Union in Frankfurt. Dieser hatte 1969 beschlossen, sogenannte Projektgruppen einzurichten und machte dazu eine Mitgliederbefragung, welche Themen denn gewünscht würden. Darunter war auch das Thema Frauenemanzipation, an dem sich zwölf Frauen interessiert zeigten:

„Die meisten dieser zwölf Frauen waren kinderlose Berufstätige (allein die Hälfte im Schulwesen und in der Publizistik), aber es meldeten sich auch sogenannte Nur-Hausfrauen mit kleinen Kindern.“ ([1], S. 71)

Schon beim ersten Treffen wurde der § 218 als geeignetes Diskussions- und Kampagnenobjekt identifiziert:

„[Es gab] weitgehend Übereinstimmung darüber, daß die Strafandrohung gegen Schwangerschaftsabruch, also die Paragraphen 218 – 220 des Strafgesetzbuches wegen ihres eindeutig frauenfeindlichen Charakters ein sehr brauchbarer Ansatzpunkt für weitere Diskussionen und eventuelle Aktionen sein könnte. Dies auch deswegen, weil gerade diese Strafandrohung die patriarchalische Vorstellung von der Objektrolle der Frau symbolisiert.“ ([1], S. 71f)

Die Gruppe traf sich weiter und beschloß bei ihrem dritten Treffen, nicht länger als Frauengruppe der Humanistischen Union aufzutreten, sondern sich den Namen Frauenaktion 70 zu geben. Gleichzeitig wollte man offensiv neue Mitglieder für die Gruppe gewinnen; und zwar mit Hilfe einer öffentlichen Aktion:

„Es wurde beschlossen, auf offener Straße Unterschriften gegen den § 218 zu sammeln, genauer gesagt: Unterschriften unter einen »Offenen Brief« an die Bundesministerin Käte Strobel mit der Forderung nach Straffreiheit bei Schwangerschaftsabbruch.“ ([1] , S. 74)

Bei der Vorbereitung der Aktion konnte man dann gut sehen, daß die Frauen in der Frauenaktion 70 einiges an politischer Erfahrung besaßen – hatten sie sich zum Teil schon in Parteien, in Gewerkschaften oder eben auch der Humanistischen Union engagiert:

„Es wird beschlossen, der Straßenaktion ein Teach-in im Frankfurter Volksbildungsheim voranzustellen. Man will vermeiden, ein ähnliches Schicksal zu erleiden wie zahlreiche studentische Gruppen, die mit ihren Demonstrationen auf eine uninformierte und unvorbereitete Öffentlichkeit stießen und z.T. auch deshalb mit ihren sachlichen Vorstellungen nur selten Resonanz fanden.“ ([1], S. 74)

Am 3. Juli 1970 führten sie dann das Teach-in durch, zu dem 120 Interessierte kamen. Knapp eine Woche später, am 9. Juli, fand dann in Frankfurt die Demonstration statt, bei der Unterschriften unter den offenen Brief an die Gesundheits- und Familienministerin Strobel gesammelt wurden. In diesem offenen Brief – der auch auf den vorhergehenden offenen Brief der Humanistischen Union verwies – hieß es:

„Jede Frau hat das Recht, über ihren Körper selbst zu bestimmen. Jedes Kind hat das Recht, willkommen geboren zu werden. Jeder Mann hat das Recht, nur bei gewollter Elternschaft Vater zu werden. Deshalb fordern wir die konsequente Freigabe der Schwangerschaftsunterbrechung, die auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen von Gynäkologen vorgenommen werden soll.“ (zit. nach [1], S. 78)

Innerhalb von zwei Stunden konnten die Frauen rund 1000 Unterschriften sammeln. Um dem Ganzen aber noch mehr Wucht zu verleihen, verließ man sich nicht allein auf die Straßenaktion, sondern brachte zusätzlich einige wichtige Persönlichkeiten dazu, ihre Unterschrift zu geben – darunter den Frankfurter Oberbürgermeister und den Präsidenten des Oberlandesgerichtes. Das Ganze machte Eindruck: Für den 28. Oktober wurden Vertreterinnen der Frauenaktion 70 zu einem Gespräch mit der Familienministerin und dem Justizminister gebeten.

Doch auch die Gegenseite schlief nicht. Am 25. September reagierte die katholische Bischofskonferenz. Offensichtlich sahen die Bischöfe ihre Felle davonschwimmen, denn es war klar, daß sich die Kampagne zur Abschaffung des § 218 auf eine breite Mehrheit in der Bevölkerung stützen konnte. Es ist schon fast rührend anzusehen, wie sie versuchten, den Eindruck zu erwecken, ihre Intervention sei gar nicht auf ihrem eigenen Mist gewachsen:

„Gewisse politische Gruppen versuchen, die Strafbestimmungen zum Schutze des werdenden Lebens für die ersten drei:Monate der Schwangerschaft […] abzuschaffen oder einzuschränken. […] Wir Bischöfe erhalten in den letzten Wochen und Monaten eine steigende Zahl von Zuschriften, in denen wir – oft in geradezu beschwörender Weise – darum gebeten werden, den bezeichnenden Tendenzen eine klare Haltung und ein deutliches Wort der Kirche entgegenzusetzen.“ (zit. nach [2], S. 367)

Und dann vertraten sie natürlich ihre üblichen frauenfeindlichen Positionen. Worauf die Frauenaktion 70 prompt mit einem neuerlichen offenen Brief reagierte. Freuen Sie sich also auf nächste Woche, wenn die Frauen den katholischen Bischöfen am 30. September folgendes entgegenschleudern:

„Ihre Argumentation ist scheinheilig und ruft unseren schärfsten Protest hervor. Sie sprachen vom Schutz des menschlichen Lebens, bleiben aber auf dem Schutz von Embryonen fixiert. In Wirklichkeit ist die Position der Bischöfe zutiefst lebensfeindlich: kinderfeindlich, frauenfeindlich, sexualfeindlich. Zu alledem hat sie Klassencharakter.“ (zit. nach[1], S. 82)

Nachweise

[1] Scheunemann, R. & Scheunemann, K.: „Die Kampagne der ‘Frauenaktion 70′ gegen den § 218“, in: Grossmann, H. (Hg.), Bürgerinitiativen. Schritte zur Veränderung?, Frankfurt a.M. 1973 (3. Aufl.), S. 68 – 84.

[2] vg, „Bischöfe haben was gegen Pornographie und Abtreibung“, in: Vorgänge, Jg.9 (1970), Nr.10 (Oktober 1970), S.366 – 367.

Written by alterbolschewik

18. Juli 2014 at 15:24

Veröffentlicht in Feminismus, Paragraph 218

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