shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

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„Wer Keine Kraft Zum Träumen Hat, Hat Keine Kraft Zu Leben“ (Ernst Toller)

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„4.13 Uhr: Wer nicht auf der Party der unabhängigen Kleinverlage war, hat nicht gelebt. Junge Menschen tanzen zu Seal, und Wagenbach und Rotbuch geben sich über Treppengeländer hinweg die Hand. „Ist das nicht der Mann von Heidi Klum?“ fragt Jörg Sundermeyer, und das sagt ja wohl alles über den Stellenwert des Musikers in der heutigen Zeit. Oder jedenfalls beim Verbrecher-Verlag.“

„Mach das Licht aus, wenn Du gehst“: An Element of Crime habe ich immer schon geliebt die Aneignung untergegangener Welten auf fast verborgene Weise.

Schon damals, als sie noch englisch gesungen haben und mein erstes Konzert hier in Hamburg im Westwerk, wo ich ja neuerdings wieder ein- und ausgehe, gleich ein erstes Konzert-Highlight war: In der „Try to be Mensch“-Phase war das, Regener gab den kinskiesken Psycho und hatte eine saucoole Frisur, und mir kam’s vor wie eine Kombi von The Clash der „London Callin'“-Phase, Edgar Wallace-Filmen und Sartre-Romanen, was die da zelebrierten. Musikologisch wahrscheinlich völliger Quatsch, aber diese Kombi auf die zweite Hälfte der 80er zu beziehen, das ist noch nicht mal völlig falsch.

„Herr Lehmann“ halte ich ja immer noch für die gelungenste Thematisierung der 80er ausnahmsweise mal aus West-Perspektive, ansonsten haben ja Osis und VW-Werbe-Claims das Privileg, ihre Jugend aufzuarbeiten, ganz, als habe es West-Berlin nie gegeben und statt des Steigenberger und dieser doofen Privat-Klinik nie ’nen londonesken Parkplatz aus Schutt und Erde vorm Westwerk, direkt am Fleet.

Und dann kam dieses wundervolle, unerreichte „Damals hinter Mond“-Album, das erste von Element of Crime mit deutschen Texten, ich erinner mich noch gut an einen Artikel im ZEIT-Magazin, wo der sich lachend in’s Meer stürzende Dosenfisch zitiert sich fand.

Es war die Zeit von Haddayway und Dr. Alban, von Techno und auch Grunge, und dann kommen da diese ehemals von John Peel gespielten Berliner Musiker um die Ecke und bringen großartig zeitgemäße Chansons heraus: Perlen grantelnder Melancholie, und auf einmal steht ein Brecht im Zimmer, Musik aufersteht, diese wundervolle Tradition der Lieder der Zwanziger Jahre erwacht erneut und scheint mir rein formal ungleich politischer als jeder Politsong es je gewesen ist.

Hatten Element of Crime doch schon in ihrer englischsprachigen Phase auf einmal den „Surabaya“-Johnny auf die Bühne gebracht, nun retteten sie in einem phänomenalen Gegendiskurs zur „Wieder“-Vereinigung auf einmal genau jene Stränge der Ästhetik auf CD, die ein Neo Rauch bis heute nicht verstanden hat und die im Einheitsgedusel vor lauter Adenauerei und „Friede, Freude, Eierkuchen“ platt gewalzt wurden.

Ja, auch der hier gehört dazu, den kennt ja heute kein Schwein mehr, für mich mit 17, 18 ein immens wichtiger Autor, damals, als mir das sensationelle Buch „Die verbrannten Dichter“ in die Hände fiel und ein Toller, ein Mühsam, eine Else-Lasker-Schüler mir Welten eröffneten, die ein Konstantin Wecker zwar fortzuschreiben vermochte, nie jedoch auch nur irgendwer in der „offiziellen Kultur“.

Erinnerung marginalisiert Kulturen, und bis heute ist „Grün ist die Heide“ ja wirkungsmächtiger als „Die kleine Freiheit“, „Einsam bist Du sehr alleine, aus der Wanduhr tropft die Zeit“, na, vielleicht weiß ja der eine oder andere Kommentator, was ich meine.

Regener ist keiner, der je so platt politisch drauflosspazieren würde, wie ich das hier das tue, aber selbst so eine hingebloggte Miniatur wie die oben eröffnet mir gleich ganze Welten: Da höre ich nicht nur „Kiss from a Rose“ und Terence Trent d’Arby gleichzeitig, da habe ich auch das Gefühl von diesen schwarzgerandeten Wagenbach-Bändchen und  „Schon bist Du ein Verfassungsfeind“, war, glaube ich, im Rotbuch-Verlag erschienen, zwischen den Fingern.

Die fühlten sich ja anders an als dtv oder rororo, die Bücher. Da vergegenwärtigt man sich plötzlich die DDR-Buchausgaben von Mühsam aus dünnem Papier, den im Westen kaum jemand verlegte, „Ich bin verdammt zu warten, in einem Bürgergarten“ war so ein Gedichtbändchen aus dem Osten, und man sieht sich wieder durch die Niedersächsische Landesbibliothek spazieren und mit seltsamen, grün-schwarzen Computer-?, ja, wie hießen denn diese Dinger, die man in die Lesegeräte geschoben hat?, hantieren, um nach alten Ausgaben der „Weltbühne“ zu suchen.

Panther, Tiger & Co, das immerhin gab’s auch in Großverlagen, und bis heute empfinde ich tiefe Demütigung, wenn ich mich zurückerinner, wie ausgerechnet Helmut Kohl, der Ernst Jünger hofierte, Tucholsky zitierte – ja, ein paar Sätze von Regener und eine Welt geht auf, die andere wohlverschlossen halten wollen

Wenn jedoch am anderen Pol der Blogosphäre sich auf Picasso besonnen wird, dann besteht ja noch Hoffnung. Bei der Lektüre habe ich mich gefreut heute morgen.

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Written by momorulez

19. Oktober 2008 at 9:44

Die van Goghs der Arena!

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„Top-Investmentbanker sind im Grunde Künstler. Sie haben ihren Preis. Wenn Sie einen Ronaldo nicht gut bezahlen, spielt er eben nicht im Ihrem Team.“

Hilmar Kopper, der ehemalige Chef der Deutschen Bank, in der aktuellen DIE ZEIT

Written by momorulez

9. Oktober 2008 at 21:10

Veröffentlicht in Ökonomie, [kleine Form]

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Café Deutschland!

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„Ich bin kein Abstraktionist. Mich interessiert nicht das Verhältnis von Farbe oder Form oder irgend so etwas. Mich interessieren nur die grundlegenden menschlichen Emotionen: Tragödie, Ekstase, Schicksal … Die Tatsache, dass Leute zusammenbrechen und weinen, wenn sie mit meinen Bildern konfrontiert werden, zeigt, dass ich diese Gefühle kommunizieren kann … Die Leute, die vor meinen Bildern weinen, haben die gleiche religiöse Erfahrung wie ich, als ich sie gemalt habe.“

Geweint hat da heute keiner. War auch wirklich recht leer auf den berühmt-berüchtigten Fluren. Nur die kleine blonde Frau im Fahrstuhl, die mit dem Strass auf der Jeansjacke, die hatte Platzangst. Der war aber auch wirklich sehr eng, der Fahrstuhl. Und die vierte Person, die einstieg, die war auch wirklich mehr als nur übergewichtig. In ihrem auch wirklich sehr engen rosa T-Shirt fühlte sie sich ein Stockwerk lang unwohl, weil die Kleine in der Jeansjacke ja laut von ihrer Platzangst berichtete – „Nee, ich kann auch wirklich nicht auf den Hafengeburtstag gehen oder so, neenee!“. In solchen körperlichen Dimensionen wie jenen der Dame in Rosa gibt’s wohl auch wirklich nix mehr, was nicht eng ist, sei’s Fahrstuhl oder T-Shirt, ob auf dem Hafengeburtag oder das eigene Gästeclo.

Da geht die nie rein. Obwohl doch ihr Gatte da den Kalender mit den Motiven von den abstrakten Expressionisten aufgehängt hat. Sie mochte aber immer lieber die Jungen Wilden, nur die mochten sie nie, hähähä … so kam sie halt zu ihrem Gatten, wurde immer mehr und das Haus mit dem Gästeclo müssen sie jetzt auch verkaufen.

Beim kurzen Warten mit Blick auf den dunkelblauen Teppich fragte ich mich die ganze Zeit, ob man wohl auch in ihm, in seinem Blau, spirituell versinken könne. Wie viel Ekstase, Tragödie und Schicksal über den wohl hinwegspaziert ist?

Oder im Weiß der Wände, was kann man da wohl so alles finden an Erhabenem, an Ewigkeit! Großformatig! Soooooo großformatig! Strukturiert! Man, sowas als Leinwand, da bräuchten aber die russischen Oligarchen schon ganz schön große Villen in Antibes, um dieses „Weiß, rauhfaser-strukturiert“ dann hinter ihrem Divan zu platzieren!Ginge wohl nur auf dem Flur.Und wenn der Divan da noch steht, wird’s eng. Wie im Fahrstuhl.

Der Dame von der Agentur waren solche Gedanken zumindest noch nicht passiert, viel zu handfest und zielorientiert saß sie da in Jeans und T-Shirt und demonstrierte Humor trotz Bürokratie. So ein wenig wie eine Vorstufe zu Oehlens Dinosauerien wirkte sie, aber das ist durchaus als Kompliment gemeint! Ich mag die.

Sie hatte eine so intensiv eingeübte, daß bereits völlig selbstständig gewordene und übertriebene Rhetorik und Gestik, einstudierter Mutterwitz, ganz durchtränkt von Machtbewußtsein und Wohlwollen. Sie hat ganz offenkundig ihre Mission gefunden. Keine langen Wege von der Figuration zur Abstraktion, nö, eher Holzschnitt, möglichst konkret.

Und sie kannte sich  wirklich gut aus in ihrem Metier. All die frisch gekündigten Kollegen hatten nach 10 Agentur-Minuten eine Broschüre in der Hand und waren ratlos wie zuvor. Ich hatte nach 45 Minuten sogar den Antrag zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung für Selbstständige in meiner Tasche. Die gute Frau sieht sich offenkundig als so eine Art Hebamme in Gründerfragen. Konnte nicht meckern. War auf Not und Elend eingestellt und traf handfeste, jedoch auch verpflichtende Kompetenz und Überlebenswillen im eigenen Bürokratendschungel. Erstaunlich.

Ein seltsames Nichts inmitten der Stadt ist es, wo dieses große, rote Backsteingebäude steht. Eine breite Grünfläche (wahrscheinlich voll mit Junkie-Nadeln), eine breite Straße, und dann eine Häuserfront: SPD-Zentrale – leerstehendes Bürogebäude mit Werbung „Ein Zauberwürfel!“ – Agentur für Arbeit – großes Verwaltungsgebäude mit schlecht geputzen Fenstern – DGB-Zentrale – Verwaltungsgebäude einer fast insolventen Versicherung. Ungefähr so die Abfolge.

Sieht alles ein wenig aus wie in den Fünfzigern, aber die Tendenz des Einkommensniveaus zeigt ja eh wieder dort hin. Weil uns das BAFÖG für Ostdeutsche so teuer kam. Die Seitenstraße, die die Agentur flankiert, führt hinab zur Bahnstrecke nach Berlin, und inmitten all der adminstrativen Klötze drumherum hing eine schlappe Flagge am einzigen Balkon weit und breit. Konnte nicht erkennen, was das für eine war, aber sie sah irgendwie nach Portugal oder Südamerika aus, dieser kleine Lappen Stoff vor dem Bett der Bahnlinie, wo die Züge rauschen …

Im „Museum der Gegenwart“ war’s deutlich bevölkerter als in der Arbeitsagentur. Das Klientel sah auch ganz anders aus.

Gut situierte Herren in gestreiften Buisness-Hemden, die noch nicht einmal davon gehört haben, daß es möglich ist, mit auch wirklich sehr übergewichtigen Frauen im engen rosa  T-Shirt in einem engen Fahrstuhl zu stehen. Überschminkte, teuer friserte Damen zwischen 40 und 60 in schicken Kostümen. Schulklassen, massenhaft Schulklassen,denen lautstark – in der „Stilleben“-Ausstellung, bei Rothko hingegen gab’s nur Kopfhörer – die Kunst der Bildinterpretion gelehrt wurde: Totenkopf steht für Dekadenz. „Wisst ihr, was Dekadenz heißt?“ „Ist das sowas wie Kuklident?“ Harharhar … „Die braucht der olle Schädel doch aber gar nicht mehr“ hohoho … „Sind das desssen Dritte?“ Hähähäh …

Und natürlich auch der übliche Post-Öko-Nicht-Schick der einst linken Ex-Intelligenzia, die jetzt in Ottensen wohnt und mit Herrn von Beust kaoliert, war vertreten. Die hatten wenigstens gelernt, wie man Herrn Rothko anzuschauen hat: Gaaaaaaaanz lange vor einem der Bilder stehen und guckend spirituelle Erfahrungen suchen.

Vor allem die mit den dunklen Locken, dem Strick-Pullover und dem Brillen-Modell, das mir noch ganz vertraut schien von den Friedensdemos ’82, die rückte in Halbstundenintervallen von Bild zu Bild.

Mich hat der heilige Geist nicht ergriffen. Aber einige der Bilder, für die man sich ja ganze Straßen voller Villen in Antibes samt Park und Putzhilfe im engen rosa T-Shirt, knackig und frisch aus Rumänien importiert, trotzdem darf die da nicht in denn Fahrstuhl,  zulegen könnte, die haben mich schon gekickt.

Obwohl ich gar nicht weiß, wieso eigentlich. Man starrt dann so da hin und achtet darauf, wie verwischt und dadurch hübsch wolkig die Farbe ist – und ooops, dann bricht irgendwo ein Klecks oder ein Fleck hervor, und der stört. Dann denkt man kurz „Wow!“, um festzustellen, daß das ja genau der Effekt ist, wenn man selbst ’ne Wand gestaltet, da stört der Fleck ja auch, wenn man die gewischt hat.

Das, was der Rothko selbst so gesagt hat zu seinen Bildern, siehe oben, das konnte ich nicht recht nachvollziehen, ich Banause. Das Gefühl des Tragischen oder Erhabenen wollte sich nicht so recht einstellen; das lag aber auch daran, daß es einfach verdammt voll war, weil natürlich alle kurz vor Ausstellungsende noch mal kurz gucken wollten, genau wie ich.

Und so war viel interessanter die Konstellation Bild – Raum – Menschen.

Einige pflichtbewußte Gatten schritten offenkundig gelangweilt zwischen diesen ganzen Farbfeldern herum, und am meisten beeindruckte neben den Bildern, die man wahrscheinlich schon längst bei Ikea als Poster samt dazu passendem Gardinenmuster sich zulegen kann, eines, das vor allem sehr groß und sehr schwarz war. Da blieben dann alle stehen, das fiel einfach auf zwischen den ansonsten zumeist düster-rostig-gebrochenen oder pastelligen Farben.

Nun hing das viel interessantere Bild direkt gegenüber. Das hing aber so, daß man es nicht beim rein-, sondern erst beim rausgehen aus dem Raum so richtig sah, außerdem war’s kleiner und nicht ganz so schwarz.

Und das hatte wirklich was: „Dark blue and three kinds of black“ oder so ähnlich hieß das, und natürlich sah man das dunkle Blau erst als verdünntes Schwarz, so drumherum lasiert um’s schwarz, wie’s da halt hing. Habe auch zwischen Schwarz 1 und Schwarz 2 keinen Unterschied erkennen können in diesem vom Künstler verordneten Dämmerlicht,  und das dritte Schwarz  sah man erst mal gar nicht, weil es sich kaum von dem Blau drumherum abhob.

„Aha!“ dachte sich dann auch so auch eine mit bestgeformten Waden im knielangen, beigen Kostüm und ganz besonders teurer Frisur, als sie das dritte Schwarz entdeckte, ganz unten im Bild, ein ganz schmaler Streifen  und fast in Bodenhöhe. „So, so, kapiert!“

Nun hätte sie das nie entdeckt, wenn ich mich nicht aus Trotz mit dem Rücken zu dem anderen, viel größeren schwarzen Bild auf eine Bank gesetzt, dem, wo alle stehen blieben, weil das so bedeutungsschwanger wirkte. Wollte stattdessen bei dem anderen mal gucken, ob mich denn jetzt auch das Religiöse packte, beim 10-minütigen Anstarren von den 3 Schwarz mit dunklem Blau. Prompt wandten sich immer mehr Interessenten dem von mir erwählten Werk zu Werk zu.

So auch die mit den Waden, und ich bereute kurz, daß mein Erregungspotenzial bei diesem Geschlecht nicht so richtig vorhanden ist, als sie sich da direkt vor mir zum dem 3. Schwarz herunterbeugte. Und dachte nur: „Mönsch, wäre das jetzt doch ’n sexy Skater oder Fahrradkurier“, die haben ja tolle Waden oft,  aber nee, irgendsoeine Millionärsgattin drängte sich mir mitten ins Blickfeld. Setzte sich dann sogar neben mich auf die Bank und starrte mit mir um die Wette. Und wir wurden immer mehr vor diesem Bild – also, wenn einer mal anfängt, so ist das dann halt in Deutschland …
Spannend war, daß im 3. Stock der Weg hin zu den Farbflächen schön aufgezeigt wurde – wie Herr Rothko allmählich von der Figuration über so picassoeske Geschichten, zu denen mir “ Fast Abstrakter Surrealismus“, FAS,  zu passen schiene (ein Bild davon über so einen alten Seher der alten Griechen, dazu kann man sogar den Audio-kommentar zu hören drüben auf der Kunsthallen-Seite!) , über ein wenig Trash in Rosa und Gelb in auch mal variableren Feldern, die schon schick aussahen, bis eben hin zu den berühmten Großformaten, das war schön schön zu schauen, und es war immer mal wieder was Hübsches dabei.

Nicht hübsch war, daß dann neben so grau-schwarzen Farbfelder, waagerecht, mittig geteilt, jeweils Hälfte-Hälfte, circa, der verwischt ja solche Grenzen, auf einmal was von Caspar-David-Friedrich-hing und irgendein Bild mit Himmel und Weite und Horizont.

Da fühlte ich ich mich richtiggehend verkackeiert bei solch plumpen Anaologisierungen. War noch an anderen Stellen der Ausstellung so, daß da auf einmal was hing, was nicht hin paßte und nicht von Rothko war, deshalb heißt die wohl so, Aus“stellung“, wegen der Stellen, meine ich. Ist irgendwo was wund, hat man ja auch ’ne Stelle.

Das kann sich aber unter Umständen auch darauf beziehen, wie denn der Skater oder Fahrradkurier sich positioniert hätte, wenn’s denn nicht die Frau im beigen Kostüm mit den Waden gewesen wäre, „Stelllung“ halt.

Kann aber auch so heißen, weil die Aussteller sich ja eigentlich selbst ins Aus stellen (die Kalauer-Dichte steigt), wenn sie so dämliche Bezüge da herstellen, damit sich die gelangweilten Gatten wenigstens nicht ganz so arg langweilen, und das nur, weil sie nie auf die Idee gekommen sind, daß man mit coolen Skatern oder Fahhradkurieren die dollsten Sachen in engen Fahrstühlen machen könnte, wenn sich nicht gerade zufällig eine auch wirklich sehr übergewichtige Frau im auch wirklich sehr engen rosa T-Shirt dazu gesellte.

Viel verblüffender war dann aber der Weg in den ersten Stock – bzw. das dort ankommen.

Krawumm! steht man auf einmal vor einem von Immendorffs „Café Deutschland“s (oder etwas, was so aussah, vielleicht war das ja gar nicht von dem), als hätte man eine Ohrfeige erhalten.

Der Effekt war schon dolle: Die teils vertrauten Bilder sahen für mich auf einmal völlig anders aus, als wenn ich vorher NICHT auf die Rothko-Bilder geguckt hätte.

Der olle Lüpertz mit seinem Helm auf Rädern kam einfach nur ziemlich uninspiriert und plump und blöde daher nach diesem Eintauchen in die Rothko-Welten, während Oehlens „Gerippe“ wirklich ein Lacher im positiven Sinne war und ganz seltsam ausgewogen wirkte, deshalb war das mit Lacher vielleicht auch wieder nur angelernt, wie das Spirituelle bei Rothko, gefallen hat’s mir trotzdem, auch und gerade nach dem Rothko-Gucken.

Hockney nebenan trat in Würde zurück hinter Herrn Rothko bei seinen botanischen Studien vor flächigen Perspektiven, igendwelche Palmen vor Hollywood-Bungalows halt, aber toll! und glatt! so glatt!, und sein früher „Doll Boy“ schien noch pointierter als sowieso schon nach all dem Schwarz und Pflaumenfarben und ließ den Lüpertz noch älter aussehen.

Und dann wieder zurück zu „Café Deutschland“.

Aaarg, diese affigen, menschengroßen, comichaften Adler. Passend zum Tagesthema fand sich auch ein Grafitti auf dem Bild, in dem’s um „Arvbeit“ ging, aber keiner trug Rosa oder hatte Straß auf der Jacke. Diese Neon-Umrisse der Figuren (da hat der Daniel Richter das also her), puuuuh, Effekte über Effekte. Diese ja schon karrikierte Zentralperspektive mit Fluchtpunkt, diese ganzen Punk-Ästhetik-Anspielungen, das Ganze stellt doch das S0 36? dar,  oder zumindest was sehr ähnliches, den Ratinger Hof oder so.

Scheiße, wass für ein schriller Pop, in dem ich einst lebte. Und was habe ich den geliebt!

Und doch: Je länger man hinguckt, desto mehr erhebt sich auf einmal doch Rothko aus dem Bild. Wie jetzt? Ja, dieser lila-dunkelblaue Hintergrund, die eigentliche Bildfläche, die Bühne des Bildes, auf der Bar und Adler und Figuren standen, die bekam ganz plötzlich ein Eigenleben, das mir sonst gar nicht aufgefallen wäre. Und stieg mir entgegen und ließ die Adler irrelevant werden  …. ach, ich liebe die späten 70er und frühen 80er und will auch ein neuer Wilder sein! Immer neu!

Aber nur, wenn die Dame von der Agentur auch zustimmt. Wir haben ja jetzt eine „Zielvereinbarung“.

Written by momorulez

10. September 2008 at 20:29

„Jede Idee, die sich nicht am Sozialen bricht und dabei verwirren, zerstören oder beglaubigen lässt, gibt es gar nicht.“ (Rainald Goetz)

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„Die Hypothese dieser kleinen Abhandlung lautet, dass sich schlechte Texte heute entweder durch einen haltlosen Subjektivismus oder einen stereotypen, Theoriemächtigkeit suggerierenden Jargon disqualifizieren. Die einen sagen zwar viel über die Selbstvermarktungsstrategien ihrer Autor/innen, aber wenig über ihre Gegenstände. Die anderen ersetzen Argumente durch Indizes für irgendwann und irgendwo anders geführte Debatten. Also gilt erstens: Texte, die zwar „Ich“ sagen, aber sonst nicht viel, sind keine guten Texte. Zweitens: Texte, die nur den Anschein erwecken, als würde in ihnen nachgedacht, sind es auch nicht.“

Ja, ertappt. Ich bekenne mich der schlechten Texte schuldig und stoße diese Selbstkasteiung in tiefer Dringlichkeit und Leidenschaft heraus. Christliche Sedimente trägt ja jeder in sich.

Er hat ja recht, der Herr Gutmeir. Auch wenn im verlinkten „Texte zur Kunst“-Text die Pointe sich doch eher auf den ökonomischen Strukturwandel bei den Zeitungsarbeitern bezieht, so gilt das doch wohl für die Blogosphäre nur noch mehr. Und in gesteigerter Form. Meine Güte, in elendig gesteigerter Form …

Seltsam ist, daß dieses „Ich“ beim Fernsehen nur Priveligierten vorbehalten ist: Wenn Gerd Ruge die Puszta bereist oder Gero von Boehm unterwegs ist. Ansonsten ist das Objekt der Berichterstattung „Ich“-Sager.

Was ja direkt zur Malerei überleitet: Die Kamera suggeriert ja so etwas wie eine Subjektive selbst dann, einen Blickwinkel, wenn sie nur statisch die Linse der Alten Meister reproduziert in all ihren Kompositionsversuchen. Obwohl so keiner guckt: Eher wie ein Schaufenster in die die Objektive nimmt das müde Volk den Blick in den Kasten wahr, trotz eindeutiger Perspektivik – oder eben als Unterhaltung, die ist zwar auch an Perspektiven gebunden, aber inwiefern sie Wahrheitsträger ist, das überforderte mich jetzt (ich!).

Läßt man hingegen den Blick schweifen mit der Kamera wie mit dem Auge, dann kann sich das eigentlich kaum jemand anschauen. Das macht einen irre, weil die immer da hinguckt, wo man gerade gar nix sehen will. Genau deshalb konnte es einen Rothko und diese solche auch erst geben, als es schon Film gab.

Mit Malerei hat das deswegen zu tun, weil eben deren interpretative Leistung die der Kamera immer toppt. Weil Malerei z.B. den Blick in Tessiner Dörfer räumlich verdichten und synthetisieren kann, viel besser als Sprache oder Linsen das je möglich wäre – oder selbst bei noch so dollen Postproduktionstechniken der Kamera es erlaubt: Diese Form der „Verdichtung“ kennt auch der „Herr der Ringe“ nicht.

Deshalb ist der folgende Satz aus dem verlinkten Text auch so traurig:

„Es war wohl kein Zufall, dass der Siegeszug der Verfallsformen des sogenannten Popjournalismus zur selben Zeit stattfand, als diese Entwicklung Fahrt aufnahm. Seine Vorläufer hatten mit dem Einnehmen eines subjektiven Blicks unter anderem das Unterlaufen der alten Grenzen zwischen Hoch- und Subkultur im Sinn gehabt. Alltagserfahrungen wurden vor kanonisiertem Wissen privilegiert, wobei es im besten Fall darum ging, theoretische Interessen und den genauen, so empathischen wie kritischen Blick auf popkulturelle Phänomene miteinander zu verbinden.“

Ach, heroische Zeiten. Wie kam’s eigentlich zu diesem Progarmm? Und wieso war das wichtig?

Ist ja schon so, daß man genau das einst aufgesogen hat und dann doch nie machen durfte, in meinem Feld eher, weil Regeln des Populären schon vorm Geschriebensein den Text infizieren wie ein Pilz und jeder Versuch, ein sprachliches Bild zu finden, das aufhorchen läßt, der Zensur durch den Markt sofort zum Opfer fällt. „Das ist fein, zu fein!“ bekam ich neulich mal wieder zu hören.

Umgekehrt gefragt: In welchen Feldern ist denn aktuell das Brechen des Kanonischen durch Alltagserfahrung relevant?

Welcher Kanon regiert denn eigentlich gerade? Der Einbürgerungstest? Nach bald zwei Jahren der Klassiker-Exegese habe ich nicht mehr das Gefühl, daß diese selbst es sind, sondern daß das Behaupten, es seien Klassiker, den Zugang zu ihnen versperrt, ansonsten haben die wenig beigetragen zum real-existierenden Kanon – manche haben ja eigentlich sehr viel zu erzählen. Pro Hochkultur!

Nun ist diese Position selbst schon wieder klassisch, und so dreht man sich ein in die Frage, ob diese Darstellungsformen denn nun wirklich die Relevanz haben, die Schreibende und sonstwie Darstellende ihnen zugestehen – aber was hast denn sonst Relevanz? Was ist dringlich und mit Leidenschaft anzupacken? Dann kommen nämlich die nächsten Sätze in der Abhandlung des Herrn Gutmeir, die einen völlig fertig machen, weil sie wahr sind:

„Dabei können sie gar nichts dafür, dass sie sich als Germanisten, Kulturwissenschaftler oder Kuratoren in der Welt der Exzellenzinitiativen und unter dem Regime von Bachelorstudiengängen in einer ständigen Konkurrenz um Drittmittelprojekte, Fördergelder oder Kunstmarktanteile befinden. Das zwingt sie dazu, sich plötzlich als Experten zu Klimakatastrophe, Nachhaltigkeit oder interkulturellem Austausch äußern zu müssen. So werden sie gleichermaßen zu Opfern und Akteuren eines Prozesses, in dem Kunst und Kultur als Diskursagenturen für eigentlich politische Fragestellungen missbraucht werden. Nur die Benennung und „Thematisierung“ gesellschaftlich drängender Probleme scheinen den Organisatoren von Tagungen und Veranstaltungsreihen und den Kuratoren von Ausstellungen heute Fördergelder und Aufmerksamkeit zu bescheren.“

Der Autor drüben endet ja selbst damit, daß auch die Alltagserfahrung, irrelevante, in Zeiten, da Geld für die Recherche fehlt, dann eben der einzige Stoff sei, der übrig bleibt, das billigste Material halt – für die Print-Medien. Für’s Fernsehen ja eher Archivschlachten mit Interviews vor Blau oder schwarz, Einrichtungs-, Garten- und Traumhaus-Soaps und „Mein neues Leben XXL“. Na, und Ranking halt. Und „Das Model und der Freak“.

Ja, aber was bleibt dann eigentlich noch? Außer Disco-Musik aus den 70ern, dem FC St. Pauli und der Kritik der politischen Ökonomie? Das kann doch nicht alles gewesen sein ….

Zwischendurch mal’n intelligenter Kritiker Lyotards

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Das, was Kunst eigen ist, ist eine Sphäre einer spezifischen Erfahrung, und leitet sich nicht aus Gesetzen oder den Eigenschaften ihrer Objekte her. (…) Wenn Kant das Schöne ausgehend vom freien, nicht hierarchischen Spiel zwischen dem intellektuellen und dem sinnlichen Vermögen definiert, wenn er zwischen dem Objekt des ästhetischen Urteils und dem Objekt der Erfahrung des Begehrens unterscheidet, unterstreicht er diese doppelte Suspension einer Hierarchie der Erkenntnis und einer Hierarchie der Güter und der Größen. Schiller radikalisiert dies: Die ästhetische Erfahurng ist der Ruin der Hierachien,  die den Stoff der Form, die Sinnlichkeit der Intelligenz, die Passivität der Aktivität unterwarfen. Sie ist der Ruin der Aufteilung des Sinnlichen, die Herrschaft über den Unterschied einer sinnlichen Befähigung zwischen Menschen mit entwickelten Sinnen und Menschen mit groben Sinnen regelte. Und das ermöglichte ihm, eine Freiheit und Gleichheit zu entwerfen, die sinnliche Realitäten und nicht einfach legalistische oder staatliche Formeln sin d. Auf dieser Schicht ruht der Traum einer ästhetischen Revolution auf, der in den Formen der gekebten erfahrung selbst eine Gleichheit realisierte, die in ihren rein politischen Formen immer dazu verurteilt wären, abstrakt zu bleiben.“

Jacques Ranciére, Ist Kunst widerständig?, Berlin 2008, S. 41-43

Und jetzt kommt bestimmt gleich irgendein Depp um die Ecke und beschimpft den Autor der Gleichmacherei, so belegend, dass Erfahrung und Sinnlichkeit ihm nur in Hierachien zugänglich sind und es nicht die Schriften zur Ästhetik Schillers sind, die hierzulande Kanonisierung erfuhren … um gleich darauf nur jene Musik zu hören, die dank Kritiker-Adelung keine Gefahr mehr versprechen.

Written by momorulez

7. August 2008 at 9:09

Eine narzisstische Kränkung?

with 15 comments

„Ich frage lediglich, warum so unzählige Krtiker, Schriftsteller, Philosophen, derart bereitwillig verkünden, die Erfahrung des Kunstwerks sei unsagbar, sie entziehe sich der Definition rationaler Erkenntnis; warum so widerstandslos die Niederlage des Wissens anerkennen; woher bei ihnen dieses so mächtige Bedürfnis kommt, die rationale Erkenntnis niederzumachen, dieser Furor, die Unreduzierbarkeit des Kunstwerks oder, mit einem passenderen Wort, seine Transzendez geltend zu machen?“
Pierre Bourdieu (2001): Die Regeln der Kunst. Genese und Struktur des literarischen Feldes, Frankfurt/Main: Suhrkamp, S. 11.

Ja, ich weiß, damit mache ich mir die Diskussion mit MomoRulez nicht einfach, und der T.Albert wird bestimmt auch gleich sagen: „Aber Lars, das ist doch alles Quatsch.“

Ich kann Kunst nicht im Namen ihrer Autonomität verteidigen. Sie ist es nicht. Fraglich, ob sie es jemals war. Kunst kann nicht auf Transzendenz zielen, sondern auf eine andere Form der Erfahrung von Welt, die sich zuallererst als Sinnlichkeit präsentiert. Es geht weder darum, über das Subjekt hinauszugelangen, noch es zu sich selbst kommen zu lassen, sondern es geht um seine Präsenz im Hier und Jetzt; darum, die ganz realen Beziehungen zu sich und zu den anderen deutlich werden zu lassen; sich zugleich als Subjekt der Erfahrung und als Objekt des Arrangements, welches die Erfahrung ermöglichte, erfahrbar zu machen. Bourdieu nannte das eine narzisstische Kränkung, die einem widerfährt, wenn man erkennt, dass man gleichzeitig der handelnde Agent, und das zum Handeln gezwungene Agens ist. Und Benjamin entwirft das Bild eines Torso aus Stein, aus dem es nun gelte, das eigene Bild der Zukunft zu hauen. Und er meinte damit kein Ideal, sondern lieferte eine nüchterne Beschreibung des von der Notwendigkeit geprägten Gegenwart.

Und dann lese ich den von MomoRulez empfohlenen Tschechow und finde diese doppelte Objektivierung ganz deutlich wieder. Der Versuch, zugleich das Beziehungsnetz der Akteure zu zeigen, aber auch die einzelnen Perspektiven zu verstehen, woher sie kamen, warum sie zum handeln gezwungen sind, welche Handlungsmöglichkeiten offen wären, wie sie dann schließlich handeln und wie sich dann das Feld neu strukturiert.

Written by lars

17. Mai 2008 at 20:21

Das Dogma des Undogmatischen

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Das wäre dann ja wirklich mal ein lohnendes Dissertationsthema: Eine Rekonstruktion des Wertekanons, der in Künstler-Nachrufen sich spiegelt.

Weil Rauschenberg wahrscheinlich heute laut und dogmatisch wäre, würde er jetzt loslegen, alleine schon, um diesen Nachrufen zu entgehen. Und mit Pop würde er heute nichts zu schaffen haben wollen. Pop-Art hat ja wie alles Gute fatal gewirkt, weil im Gegensatz zu Alban Berg, Beckett oder selbst Cézannes Stilleben es programmtisch rezipierbar ist.

Cézanne bietet Zugangsweisen, nicht Aussagen. Und Becketts Absurdes zum Programm zu erheben bleibt absurd, Pop als Programm bleibt aber nicht wirklich wirklich poppig.

Weil programmtisch verstandener Pop in Paradoxien führt: Einen reinen Ekletizismus, ein Dogma des Undogmatischen. Er führt dazu, Provokationen erwarten, Reproduktionen reproduzieren,  ganz konform Querdenkertum einzufordern und zwanghaft zu ironisieren, bloß nie über die Ironie selbst  – und Innovationen, auf die alle warten, sind gar keine. Siehe Menon.

„Ich glaube, der war zu, das war kein Intellektueller, aber ungeheuer wacher Mensch. Und er wusste, dass diese Idee der Avantgarde eigentlich fragwürdig ist, wenn man zugleich solch eine Prominenz hat. Das ist ein Widerspruch, der eigentlich wenig Sinn macht.“

sagt der Herr König und hat wohl recht.

„Und dann war es natürlich für die amerikanischen Künstler wichtig, sich freizuschwimmen. Das ist eben Pollock, der diesen totalen Durchbruch gemacht hat, ein wirklich endlos abstraktes Bild, einen neuen Bildraum gedacht hat. Und dann kam eben Jasper Jones und Rauschenberg und haben das von innen geöffnet und das Dogmatische irgendwie unmöglich gemacht.“

Sagt auch Herr König. Hat er da auch recht?

Ich bewundere ja zunehmend Dogma-Film und Episches Theater, weil es so billig ist, einfach nur „verspielt“ zu schreien und Dogmatisches unmöglich zu machen.

Ich fordere Tabus, z.B., daß irgendein Patriotisches Forum aus Süddeutschland bei WordPress bloggt, das gehört tabuisiert in dem Sinne, daß es nicht stattfindet. Ich fordere den Zwang zur Sozialversicherungspflicht für Geschäftsführer UND Finanzvorstände.

Geht das wie folgt? Kommt man da so hin? Brauchen wir nicht eher die Renaissance des V-Effektes ? Oder ist die US-Flagge von Jasper Johns und die Siedlerhymne von Cage nicht genau das und gerade nicht das Wiederauftauchen von Lebenswirklichkeit in der Kunst? oder baue ich hier Scheinggensätze auf? Geht das im Pop? Und geht es so?

Rauschenberg, Cage, Cunningham und deren Freunde wie David Tudor oder Jasper Johns warfen den herrschenden Kunstbegriff über den Haufen, aber das auf manchmal unerwartet sanfte Weise. Monochrome Bilder einerseits, Alltagsgegenstände andererseits; chaotische Klänge einerseits, die Stille andererseits: Man erprobte eine neue umfassende Weltsicht. Zitat: „Rauschenberg vertrat die Ansicht, dass die von ihm angestrebte Wiedervereinigung der künstlerischen (Bild-)wirklichkeit mit der Lebenswirklichkeit am besten dadurch erreicht werden könne, indem man Teile der realen Welt – mehr oder weniger unverändert – in die Kunst hereinholt“.

Freund Jasper Johns malte die amerikanische Flagge und John Cage re-komponierte alte amerikanische Siedlerhymnen. Nicht jede Revolution braucht laute Töne.

Written by momorulez

15. Mai 2008 at 8:18