shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Posts Tagged ‘Obama

Ich sach’s ja …

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… das ist es, was da mitschwingt beim Gerede über den „Messias“ und „Erlöser“, den alle in Obama angeblich sehen würden, jenem Obama, der sich angeblich nur mit „Parolen“ wie „Yes we can!“ und dem Kopieren von Fernsehpredigern hätte durchsetzen können:

„Der Zeitung sagte Emmerich, er sehe in Obamas Wahl „eine äußerst beunruhigende Entwicklung“, etwa weil „die Schwarzen in ihrer politisch-zivilisatorischen Entwicklung noch nicht so weit seien.““

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Written by momorulez

7. November 2008 at 10:40

Vote for „mehr Demokratie“ – perhaps we find someone who can

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In der Wahlnacht von Amerika wuchs nicht nur die Hoffnung, dass die USA nach acht bleiernen Bush-Jahren ihren eigenen Idealen wieder näher kommen können, es wuchs auch die Sehnsucht nach einem deutschen Obama.

Den gab es bisher nur einmal. Willy Brandts „Mehr Demokratie wagen“ war das „Yes, we can“ der späten 60er- und frühen 70er-Jahre. Mehr Demokratie wagen wäre auch im Wahljahr 2009 ein gutes Programm. Leider fehlt der Mensch, dem man es glauben würde.

schreibt Claus Strunz im Hamburger Abendblatt heute – und ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass die hier mitlesen ;).

Der Strunz ist mir ja schon deswegen sympathisch, weil er der Gegenentwurf zum geleckten Dieckmann ist. Den Hamburgern kann ein wenig frischer Wind im Blatt nur gefallen. Im Tal der Ahnungslosen nimmt man jeden noch so kleinen Wandel als Revolution wahr, wie die Ernennung von Strunz zum Chefredakteur bspw. (er wird das wohl als Degradierung empfunden haben).

„Leider fehlt der Mensch, dem man es glauben würde“ ist ja allein deswegen fatal, weil nur noch 318 Tage verbleiben zur Bundestagswahl 2009. Und zu diesem Zeitpunkt hatte der Zirkus in den USA doch schon lange angefangen.

Mein bester Kandidat wäre in der Tat auch ein Grüner. Der Ströbele vielleicht oder Özdemir.

Written by ring2

6. November 2008 at 8:45

Veröffentlicht in Regierung der Kultur

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Yes, he can! (das gibt den Abwatsch-Preis für die naheliegendste Überschrift)

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Das hat man ja auch nicht alle Nächte, daß man tatsächlich nicht gut schlafen kann und dann irgendwann um 5 Uhr den Fernseher noch mal einschaltet. Uff, alles gut gegangen. Jetzt freue ich mich drauf, daß auch „wir“ bald einen schwarzen Bundeskanzler oder eine lesbische Deutsch-Türkin als Präsidentin haben.

Aber ach nee, das haben „wir“, vollends aufgeklärt, ja gar alles nicht nötig, so als kollektive Nicht-Rassisten, sowas sind ja immer nur die Amerikaner. Hübsch, wie DIE WELT auf den Mythos vom Voodoo-Zauberer anspielt und ihn mit dem Topos der „Verführung“, in den 50ern ja schon mal trendy,  und dem Verfallen-Sein an’s Religiöse kombiniert. Genau in der Zeitung, wo man ansonsten der „christlich-jüdischen Tradition“ huldigt.  Wobei übrigens Funny van Dannen natürlich ganz recht hat, daß auch schwarze, lesbische Behinderte ätzend sein können …

Die höchste Wahlbeteiligung seit hundert Jahren, das ist schon immens, was der Obama da gerissen hat. Zettel weiß zu berichten, daß 77% der Erstwähler für ihn stimmten, das nenne ich Mobilisierung  – vielleicht gibt es ja trotz Jahrzehnten neoliberaler Indoktrination doch noch eine Chance für die Demokratie. Mehr Demokratie wagen! Aber der Willy war ja auch nur so ein Charismatiker, und doch: Einen Text wie in DIE WELT hätte über den niemand je geschrieben. Über George W. Bush vielleicht schon, vielleicht sogar hier, das sei zugegeben ….

Written by momorulez

5. November 2008 at 10:33

Veröffentlicht in Regierung der Kultur

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Ach, wenn man mal zustimmen kann, sollte man das tun!

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Written by momorulez

4. November 2008 at 10:28

Veröffentlicht in Das Netz

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Von wegen „Change!“ sei inkonkret!

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Written by momorulez

8. August 2008 at 10:57

Der universelle McCain

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„Barack Obama spielt die Rassenkarte aus“, kritisierte McCains Wahlkampfmanager. „Das ist spalterisch, negativ, beschämend und falsch.“

 

Sehr witzig. Als würden nicht alle weißen US-Präsidenten, französischen Präsidenten, Bundeskanzler usw. seit Jahrhunderten die „Rassen“karte ausspielen, sonst hätte es ja keine Rolle gespielt, wenn’s auch einmal ein Schwarzer würde. Wurde es aber nicht.

Ist nur wieder ein absurder Beleg dafür, daß in weißen Köpfen weiß eben als universal, schwarz hingegen als absonderliches Partikularphänomen gilt – und wehe, die wagen es dann noch zu sagen, daß es Rassismus gibt!

Ist aber laut Milton Friedman eh nur ’ne Geschmacksfrage …

Written by momorulez

1. August 2008 at 12:25

Veröffentlicht in Antirassismus, die Moral, Gegenmoderne

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Can we?

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Irgendetwas ahnen sie ja was, die ehemaligen Mitdiskutanten von Gegenüber.

Daß deren Lesenswertester und Denkoffenster sich jüngst verabschiedet hat, darüber öffentlich zu trauern hatte ich in den letzten Wochen schlicht keine Zeit. Ich tu’s hiermit – vermisse Dich jetzt schon, Statler.

Nunmehr, rund um’s allseits diskutierte Thema Obama, ist die komplette Begrifflosigkeit derer, mit denen zu diskutieren lange ja Spaß gemacht hat, offenkundig.

Dieses verbale Irrlichtern und Rumgehöhne gegen genau das, was ansonsten sie lautstark einfordern, verblüfft. Diese verschnupfte „Ätschbätsch“-Haltung, die in tragischer Naivität dann zu einer Metaphorik der „Vertragsverhältnisse“ übergeht, wenn sie Politik nicht begreift, weil sie weder über Begriffe kommunikativer Macht noch in Ökonomie gründender, massenmedialer Mechanismen verfügt und von Bildern ganz offenkundig schon gar keine Ahnung mehr hat. Ganz, als würden diese nicht ihr täglich Konto füllen.

Sie merken nicht, daß gerade sie eben auch zwischen Politik und Wirtschaft  pro Politik unterscheiden und eigentlich eine Sehnsucht nach dem herrschaftfreien Diskurs in ihrem Denken nie gestorben ist, einer also, der sachlich das Richtige sucht – etwas, daß im Falle ökonomischer Kontexte dann zerrgespiegelt als „Vermachtung“ erscheint, wenn z.B. Betriebsräte über das Firmenwohl mitdiskutieren wollen.

Etwas, daß sie handlungstheoretisch durch eine Verabsolutierung des Strategischen zurückweisen – und jetzt weinen sie danach, weil angeblich Obama genau das sonst grundbegrifflich Zurückgewiesene nicht erfüllte. Und da, wo er es doch täte, dann natürlich eigentlich ganz im Sinne ihrer objektiven Notwendigkeiten redete. Das beklagen und beschwören jene, die einen Kampf gegen Terror jenseits von Anti-Terrorgesetzen schon gar nicht mehr vorstellen können. Als ginge nicht auch, diesem die ideologische Basis und somit die Legitimation zu entziehen.

Dabei ist Obama ja unter anderem in der Art eines Quotenhits auf RTL oder, weil cooler, ProSieben, gestrickt – bei allen Mediendiskussionen wollen sie doch genau das, unsere Gegenüber: Pilcher statt 70er-Jahre-Autorenfilm, letzterer sei ja nur elitär und durch den zwanghaften Staat und dessen Subventions- und Enteignungspolitik ermöglicht.

Dabei raus kommt das, was das öffentlich-rechtliche Fernsehen dann im Offtext daraus macht, die sind mittlerweile im Bereich Show und Infotainment sehr an der Nachfrage, soll heißen: Quote orientiert und formulieren dann ganz ähnlich wie die Marketing-Strategen in Obamas Rücken. Ein „Yes, we can!“ würde da nicht weiter auffallen. Und ob das Klöppel oder Kerner ausstößt, das ist ja eigentlich auch schnurz. Wer alles privatisieren will, landet genau da, formal gesehen.

Das wurde ja schon an Schröder gegeißelt, daß er als „Medienkanzler“ nur leere Worthülsen proklamiere, etwas, was in der i-phone-Werbung sich ja jeglicher Kritik entzöge, weils da vermeindlich privat sei.

Während Sadam um die Ecke bringen und Bomben schmeißen so richtig schön handfest und unmittelbar verifizierbar ist; insofern korrespondiert das dann auch mit erkenntnistheoretischen Erwägungen, die bei unseren im 19. Jahrhundert es sich gemütlich eingeigelt habenden Gegenübern so trendy sind.

Das ist in der Tat Wein trinken, Wasser predigen: Obama bedient schlicht das, was Werbung, Wirtschaft und Weltpolitik gleichermaßen zusammenhält – und was im Falle von Wirtschaft kein Schwein mehr anrüchig findet, ja, was dort als Erfolg gefeiert wird und diesen auch erst möglich macht. Kann man ja noch so doll funktional sinnvolle Produkte erfinden; wenn keiner die mitkriegt, der Vertrieb fehlt und die Produkt-Propaganda ebenso, dann bleiben die auch in des Erfinders Scheune stehen.

Genau an diesem Punkt bekommt das Netz als neue Distributionsform ja seine Durchschlagskraft: Daß Obama zunächst als Internet-Politiker gehandelt wurde und Youtube ihn zum Weltphänomen werden ließ, das sind halt jene Mechanismen jenseits von Wahrhaftigkeit und Richtigkeit, die Macht generieren helfen.

Frage ist ja eher: Kann das zusammengehen, Politik und, ich sach’s mal reduziert, Marketing? Gibt es dann noch eine „Message“ jenseits der Form selbst?

Ist ja die alte „Kulturindustrie-Kapitel“-Frage, die jüngst auch hinsichtlich linker Politikaufkam drüben beim Che. Da war’s die Diskussion um die Postmoderne und Postrukturalismus, die zu jener Frage Frage führte, ob Dekonstruktion und „zersetzende“ Anti-Theorien denn das Denken „der Linken“ geschwächt hätten (Gedanken, die manchen Internet-Chef-Autisten dazu trieben, sich mit Dildos bewehrte Stuten vorzustellen oder so ähnlich) – vielleicht ja gerade, WEIL sie versuchten, jenseits des Slogans anzusetzen und deshalb wahrer sind, nur daß sie Wahrheit eben reflexiv, prozessual und dynamisch, nicht vom Objekt her gedacht bestimmen?

Mit anderen Worten: Muß man, um politisch nicht schwach zu sein, sich ggf. genau jenen Regeln unterwerfen, die den Medienzirkus zur Ideologie verkommen lassen? Uralt, die Frage, und doch brandaktuell.

Das ist nun eine in der Tat sogar weltpolitisch entscheidende Frage, wenn man Obama so erlebt. Und das ist, was die Gegenüber ahnen: Würde wirklich ihre Welt wahr, in der Politik nur noch Eigentum schützt und für Sicherheit sorgt, ansonsten aber ALLES, eben auch Medien, nur noch in privater Hand sich befänden – könnte sie dann ihre Kritik an Worthülsigkeit und Messiahshaftigkeit überhaupt noch anbringen? Oder hätte die tatsächlich ihren Gegenstand verloren, weil Berlusconi eigentlich auch nicht weiter schlimm ist?

Und welche Ebene ist’s denn, auf der sie in dieser Frage ihre Kritik ansiedeln? Vertragsverhältnis?  Angebot und Nachfrage?  Negative Freiheit? Kommt da nicht doch auch Sprache in’s Spiel?

Und vor allem: Kann es trotz alledem auch wahr und richtig sein, mit Obama zu fiebern, gerade weil seine Bildgewaltigkeit auch neue Denkräume erschließt? Weil Weltbürgertum im Sinne der Bürgerrechte eben auch eine als Slogan tragfähige Message ist, die einst sogar die Mauer zum Einsturz brachte – und weil sich diese Botschaft gerade NICHT aus den ökonomistischen Imperativen herleiten läßt? Und weil, vielleicht deshalb der öffentlich-rechtliche Off-Text gar nicht so übel ist, der rein werbefinazierte bei RTL aber eben doch?

Written by momorulez

26. Juli 2008 at 10:58